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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Lokales
Zeit, den Namen des Frankfurter "Ehrenbürgers" Hermann Josef Abs zu entfernen
Fritz-Bauer-Gedenktafel im Römer enthüllt
Von Jutta Ditfurth

50 lange Jahre nach dem Beginn des Auschwitz-Prozesses wurde heute (am 12.12.) eine Gedenktafel für Fritz Bauer im Frankfurter Römer, im Plenarsaal, enthüllt. Salomon Korn (Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt/M. und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland) und Raphael Gross (Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt und Direktor des Fritz Bauer Instituts) waren Gäste des Parlaments. Raphael Gross hielt eine Rede über Fritz Bauer, wie man sie im Römer sonst vermisst.
 

Fritz Bauer - war 1959 maßgeblich am
Zustandekommen der Frankfurter
Auschwitzprozesse beteiligt
Quelle: ZDF, SR und CV Films
Nach der Enthüllung, zu Beginn der üblichen Parlamentssitzung und Haushaltsdebatte, habe ich die Ehrenbürgertafel, die schräg gegenüber der neuen Fritz-Bauer-Gedenktafel hängt, "korrigiert". Da ich Hammer und Meißel nicht dabei hatte, habe ich den Namen von Hermann Josef Abs mit einem Klebeband verdeckt. H. J. Abs war Chef der Deutschen Bank im NS-Faschismus und mitverantwortlich für den Krieg, die Beraubung der europäischen Juden, für Mord und Verklavung. Die IG Farben, an der die Deutsche Bank maßgeblich beteiligt war, unterhielt in Auschwitz sogar ein eigenes KZ.
 
Ein anderer Ehrenbürger der Stadt ist Max Horkheimer. Sein Name steht seit Jahren auf derselben Ehrenbürgertafel wie der von Abs. Seit heute steht nun auch noch Fritz Bauers Namen schräg gegenüber dem von Abs.
 
Ich halte das nicht aus.
 
So schrieb ich auf den Klebestreifen:
"Abs war Chefbankier der Nazis und mitverantwortlich für Krieg, KZ, Massenmord, Raub und Versklavung. Max Horkheimer und Fritz Bauer sollen durch die Nähe zu seinem Namen nicht beleidigt werden."
 
Der erste Klebestreifen wurde sofort vom rechtsextremen Stadtverordneten Wolfgang Hüber (Freie Wähler/AfD) abgerissen.
 
Mein zweiter Klebestreifen klebte ein bisschen länger und wurde abgenommen, nachdem ich eine persönliche Erklärung im obigen Sinn abgeben konnte.
 
Wer mehr über Hermann Josef Abs und die Rolle der Deutschen Bank im NS-Faschismus wissen möchte, hier eine andere Rede von mir:
http://www.jutta-ditfurth.de/allgemein/Ditfurth-ethecon-Deutsche-Bank-20131116.pdf
 
Die einzigen Stadtverordneten, die meine kleine Aktion gut hießen, waren die von der Linke-Fraktion und eine Stadtverordnete der Grünen.
 

Jutta Ditfurth
NRhZ-Archiv
Jutta Ditfurth ist Sozialwissenschaftlerin, Publizistin und Politikerin. Als Mitbegründerin der Partei Die Grünen war sie in den 1980er Jahren eine Protagonistin in deren linkem Flügel und von 1984 bis 1989 eine der drei gleichbe-rechtigten ehrenamtlichen Bundesvorstandssprecher der Partei. 1991 trat sie aus Protest gegen den anpasslerischen Kurs der Grünen gegenüber den bis dahin im Bundestag etablierten Parteien aus der Partei aus und initiierte mit der Ökologischen Linken die Gründung einer explizit ökosozialistischen Partei, die seit 2000 unter der Bezeichnung ÖkoLinX-Antirassistische Liste. Sie war von 2001 bis 2008 und ist erneut seit 2011 für die ÖkoLinX Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt am Main. (PK)

Online-Flyer Nr. 437  vom 18.12.2013

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