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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Kommentar
Kommentar vom "Hochblauen"
Schikanen sorgen für Tod und Vertreibung
Von Evelyn Hecht-Galinski

Es gab wieder einmal einen der wenigen Lichtblicke in der objektiven Berichterstattung der WIRKLICHEN Zustände im besetzten Palästina. Am 21. November berichtete Christian Wagner im DLF und SWR von den schrecklichen Vorkommnissen, die palästinensische Bauern bei Angriffen von jüdischen Siedlern erleiden. Wagner schilderte eindrücklich, wie diese jüdischen Siedler mit Hilfe der IDF, der Israelischen Verteidigungsarmee, verteidigt werden und ihre Verbrechen, geschützt von dieser IDF, begehen können.

Siedlergewalt gegen Palästinenser in Hebron unter den Augen von IDF-Soldaten
Quelle: linkswende.org

Diese Siedler schauen mit ihren Hunden von ihren Siedlungen von den Hügeln über Hebron auf die Palästinenser und ihre Olivenhaine hinab. Sind es vielleicht noch die Schäferhunde, die der damalige Außenminister Steinmeier (SPD) an Israel verschenkt hatte? Fakt ist, dass diese radikal-faschistischen jüdischen Siedler die Palästinenser drangsalieren und schlagen, Steine gegen sie werfen und ihre Olivenbäume anzünden. Außerdem und noch schlimmer, das Wasser der Palästinenser vergiften, indem sie Kadaver in die Regenwasserzisternen werfen, so dass die Kinder der Palästinenser und ihre Schafe von diesem vergifteten Wasser krank werden oder sterben. Die Siedler können aus ihren Wohncontainern heraus den palästinensischen Bauern das Leben zur Hölle machen und ihnen ihre letzte Lebensmöglichkeit, nämlich die Ernte ihrer Oliven, auch noch unmöglich machen. Die radikalen jüdischen Siedler wollen nur eins: Zerstörung und Alleinbesitz! Alles unterstützt von der IDF, die diese Verbrechen möglich macht. (1) Ich möchte Christian Wagner in Tel Aviv ausdrücklich für die Sendung und für die Zusendung von diesem Link danken!
 
Aber wieso geht niemand auf diese Zustände der israelischen Besatzung und der israelischen Verbrechen gegen das Menschenrecht und das Völkerrecht ein? Warum berichtet keine der Mainstream Zeitungen darüber? Ich meine mit dieser Frage auch die Funktionäre der verschiedenen Organisationen und Parteien, Gewerkschaften und Kirchen. Ich meine damit aber vor allem die Journalisten, die immer eilfertig berichten, wenn es um israelische oder jüdische Belange geht. Wo bleibt da die Moral dieser "Würdenträger und Wichtigen"? Wo bleibt da die vielzitierte "Wertegemeinschaft"? Eine Wertegemeinschaft mit einem Besatzerstaat, der das Recht nur für seine jüdischen Bürger beansprucht? Wie lange wird es in Deutschland noch eine unausgesprochene Pflicht sein, zu Verbrechen, die der "jüdische Staat" begeht, zu schweigen oder diese auch noch schönzureden? Wie lange wird es noch möglich sein, dass man die deutsche Bevölkerung einzuschüchtern versucht, als Antisemiten zu verunglimpfen, um damit Israel-Kritik zu stigmatisieren?
 
Erschreckend, dass das auch gezielt bei Jugendlichen, in Schulen und anderen "bildungswichtigen" Organisationen versucht wird. Ja, ich spreche es aus, es ist ein Verbrechen, im heutigen Deutschland immer und immer wieder NUR auf die Vergangenheit hinzuweisen, um so das heutige israelische Unrechts- und Besatzer-System gewähren zu lassen, ja es damit noch zu unterstützen. Meine von Nazideutschland umgebrachten Vorfahren waren deutsche Juden, die sich heute bestimmt nicht dafür instrumentalisieren lassen würden, die an ihnen begangenen Verbrechen mit den heutigen aufzurechnen.

Preisträgerin Angela Merkel bei Netanjahu in Israel
NRhZ-Archiv
 
Ja, es ist in der Tat eine Schande für jeden anständigen Menschen, wenn er die Verbrechen des israelischen Staates widerspruchslos hinnimmt, nur um nicht als Antisemit verunglimpft zu werden. Was haben wir doch für armselige Funktionsträger, die sich von jüdischen oder israelischen Organisationen Preise umhängen lassen und die diese aktuellen Verbrechen niemals erwähnen, nein, diese noch legalisieren? Das reicht von Kanzlerin Merkel, bis DGB-Chef Michael Sommer, oder zum letzten der Preisträger, dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider, der am 14. November den Leo Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland bekam, nach seiner Auszeichnung mit der Buber-Rosenzweig Medaille. Man bezeichnete ihn als einen Pionier der Partnerschaft mit dem Judentum. Klar, war Schneider doch für die jüdische Beschneidung eingetreten, kämpft gegen Antisemitismus und Rassismus und erhebt seine Stimme, wenn das Existenzrecht Israels in Frage gestellt wird. Kein Wort über das Existenzrecht Palästinas, kein Wort über die Verbrechen der israelischen Regierung. Nein, das passt nach der Schoah nicht in die christlich/jüdische Wertegemeinschaft! 
 
Bei diesen jüdischen Preisverleihungen sitzen sie dann alle zusammen, quer durch die Parteien: der Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe, der SPD- Fraktionsvorsitzende Frank-Walter-Steinmeier, die neue Bundestags-vizepräsidentin der Grünen, Claudia Roth, die hessische, noch-Kultusministerin Nicola Beer, FDP, und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, SPD. Alle vereint mit Dieter Graumann vom Zentralrat, dem israelischen Botschafter Yakov Hadas-Handelsman und Moshe Kantor vom European Jewish Congress. Immer nur den gemeinsamen Einsatz für das Lebensrecht des Staates Israel im Auge! Da sitzt alles zusammen was gedanklich zusammen gehört, und es wird vereint für Israel geworben, ohne Rücksicht auf die wahren Zustände und fortwährenden Menschenrechtsverletzungen des israelischen Besatzer-Regimes. Hat EKD-Schneider einen Balken im Auge, wenn es um das Lebensrecht der Besetzten geht, oder wenn er die immer schrecklicheren Zustände der christlichen Minderheit im "jüdischen Staat" unerwähnt lässt? Schneider hätte mal gut daran getan, der neuen christlichen, katholischen Bürgermeisterin Vera Baboun aus Bethlehem bei ihren Deutschland-Vorträgen zuzuhören, um die christliche Sicht der christlichen Bürger im "jüdischen Staat" hautnah zu erfahren! Hierzu ein, wie ich meine, mehr als informativer Link des Katholischen Info Dienstes. (2) Ich verteidigte schon einmal die katholischen Bischöfe nach einem Israel-Besuch, als sie, erschüttert von den Verhältnissen, die Wahrheit aussprachen. (3)

 

Preisträger EKD-Ratsvorsitzender
Nikolaus Schneider
Quelle: wikipedia
Wird man nach den massiven Angriffen doch noch einmal ein kritisches Wort hören? Wohl kaum. Warum fragen sich diese Würdenträger nicht einmal, wie es ihren Glaubensbrüdern im "Heiligen Land" geht? Es reicht nicht, wenn sie sich hier mit staatlichen Geldern prächtige Residenzen bauen aber vor der traurigen Wirklichkeit im "jüdischen Staat" den Kopf in den Sand stecken. Hierzu fällt mir als Leuchtturm in der Wüste nur Pater Rainer Fielenbach aus Straubing ein, ein wirklicher Christ, der seine Nächstenliebe nicht hinter Philosemitismus versteckt, sondern diese täglich lebt und auf seinen Pilgerreisen zelebriert. Hierzu auch ein wichtiger Link, für alle, die vielleicht noch ein Weihnachtsgeschenk suchen. (4)
 
Diese Schande der unkritischen Preis-Entgegennahmen von deutschen Funktionsträgern wird sich am 28. November in Berlin fortsetzen, wenn der ehemalige deutsche Botschafter in Israel, Rudolf Dressler (SPD), von 1974 bis 1983 als Mitglied im Hauptvorstand der IG Druck und Papier noch ein Kämpfer für Gerechtigkeit, den Heinz Galinski-Preis von der jüdischen Gemeinde bekommt - nach der Preisträgerin des vorigen Jahres Kanzlerin Merkel. Die Laudatio wird der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin Walter Momper, SPD, ("der mit dem roten Schal") halten, der übrigens nach seiner politischen Tätigkeit in die Immobilienbranche ging und da sicher viele seiner jüdischen Freunde wieder traf.

Preisträger ab dem 28. November - Rudolph Dressler
Quelle: wikipedia
 
Es ist müßig die fast täglichen Preisverleihungen jüdischer oder israelischer Organisationen an "wichtige" Funktionsträger alle erneut aufzuzählen. Ich tat es schon so oft, dass ich es fast nicht mehr zählen kann. So kaufen sie sich Freunde, die sie auf normalem Wege nicht erwerben können, sondern eben nur durch ständige Ehrungen wie Preisverleihungen oder Ehrendoktorhüte. Und wenn das nicht reicht, dann wird mit Druck und Diffamierung oder Angsterzeugung gearbeitet. Hier ist die Israel-Lobby ein "Meister in Deutschland". Vor allem hier in Deutschland ist diese Methode so erfolgreich. Ich kann mich nur fremdschämen, frage mich aber, für wen eigentlich mehr, für den Schenker, oder für den Beschenkten?
 
Warum soll es bis heute nicht möglich sein, die israelische Politik der Verbrechen nicht mehr zu unterstützen und konsequent zu unterbinden? Wann wird es endlich möglich sein, dass die Europäische Union diesem Treiben ein Ende setzt? Warum behandelt man die Ukraine so, wie man Israel eigentlich behandeln müsste? Warum setzt sich die EU, die den Friedensnobelpreis ebenso wenig verdient hat wie viele andere Vorgänger, so vehement für eine mehr als umstrittene ukrainische kriminelle Oligarchin ein und lässt an ihr ein Exempel statuieren? Warum verschleudert man Hunderttausende an Steuergeldern, um dieser Frau medizinische Charité-Hilfe zu gewähren? Welches deutsche Interesse besteht an dieser raffgierigen und mehr als dubiosen Person? Hier haben wir es wieder einmal mit der Doppelmoral des Westens zu tun, die Verbrechen toleriert, wenn das sogenannten westlichen Interessen entgegenkommt.
 
Warum behandelt man Israel nicht nach diesen Kriterien? Warum gewährt man Israel die Mitgliedschaft in verschiedenen EU-assoziierten Organisationen, ohne auf die Freilassung von tausenden palästinensischen Häftlingen zu drängen? Das israelische Regime macht keinen Halt vor Kindern und Jugendlichen, vor Frauen und Alten, es setzt sich über alle demokratischen Regeln hinweg und verhaftet willkürlich und ohne Rechtsgrundlage. (5)
Ich hätte mir den Eifer, der von deutschen Politikern für die Freilassung von Julia Timoschenko ausgeht, besonders von dem Grünen EU-Politiker Werner Schulz gewünscht, wenn es um die Belange der palästinensischen Häftlinge in Israel geht. So aber sind sie alle unglaubwürdig und sollten besser ihre Posten aufgeben!
 
Aber diese Doppelmoral setzt sich fort, wenn es um Iran und Atom geht. Wer kritisiert Israel als Atommacht? Im Umkehrschluss bezeichne ich den "jüdischen Staat" als "Rabbiner-Staat", weil Netanjahu und andere israelische Politiker immer vom "Mullah-Staat" Iran sprechen. Neu- und Alt-Außenminister Lieberman ließ in diesem Zusammenhang schon verlauten, dass man sich - sollten die USA nicht wie gewünscht in der Iran-Frage handeln - nach neuen Verbündeten umsehen müsse. Einen passenden hat der "Rabbiner-Staat" ja schon in Aussicht, Saudi-Arabien, den anderen Leuchtturm der Demokratie. Dann können beide wie geplant Iran gemeinsam angreifen, und ich werde mich fragen, wer und welche Staaten sind nun eine Gefahr für den Weltfrieden? Dazu passt natürlich hervorragend, dass Saudi-Arabien, unser größter Waffenkunde ist!
 
Die nächste Doppelmoral haben wir, wenn es um das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge nach Palästina geht. Denn schließlich unterstützen wir, dass es jedem Juden in der ganzen Welt gestattet wird, in den "jüdischen Staat", in "sein Land zurückzukehren". Ein Hohn! Dazu passt auch, dass PA-Präsident Abbas, trotz ungebremsten Siedlungsbaus das Friedensverhandlungstheater weiter mitspielen will, weil schon wieder neue US-Gelder winken. Als Dank wurde er von Israels Ministerpräsident Netanjahu eingeladen, vor der Knesset zu sprechen - natürlich nur unter der Voraussetzung, dass er die 4000 Jahre alte "Bindung" des jüdischen Volkes an "Eretz Israel" anerkennt!
 
Solange der "jüdische Staat" nicht die Folgen der Nakba und des an den Palästinensern begangenen Unrechts anerkennt und solange dieser nicht das legitime Rückkehrrecht der Palästinenser anerkennt, solange Gaza (7) immer noch von den Israelis blockiert wird und unter unvorstellbaren Elend, verursacht durch israelische Willkür und Massaker, leidet, und solange die Palästinenser nicht als gleichwertige Partner und freie Bürger in Palästina leben können, solange also die Besatzung anhält, solange sollte Israel genauso behandelt werden, wie wir es mit jedem den europäischen Maßstäben nicht entsprechen Staat tun - siehe Ukraine! Die Vergangenheit darf nicht mehr dafür herhalten, um die Gegenwart und Zukunft eines Volkes zu zerstören!
 
Liest man "Der Judenstaat" von Theodor Herzl, dann ist dieses Buch eine schreckliche Vision der kommenden zionistischen Machtansprüche. (6) Gehören die rassistischen Visionen dieser kranken Machtansprüche und Ideologien nicht auf den Müll der Geschichte? Beflügeln sie nicht bis zum heutigen Tag die zionistischen Verbrechen der jüdischen Siedler und von Teilen des "jüdischen Staates"? Wir sollten hellhörig sein, wenn man uns solche Thesen vorlegt! Ist das die viel beschworene Wertegemeinschaft und christlich/jüdische Symbiose? Ich hoffe, meine Kritik an diesen Doppelstandards ist bis in die Mitte der Gesellschaft angekommen! (PK)
 
(1) Hier der Link dieser zu dieser Sendung: http://bit.ly/1joW1nm
(2) http://www.katholisches.info/2013/11/06/israel-setzt-haeuserzerstoerung-von-nicht-juden-fort-patriarch-twal-akt-des-vandalismus/
(3) http://www.deutschlandfunk.de/ghetto-ist-heute-ein-gebraeuchlicher-begriff.694.de.html?dram:article_id=64303
http://www.arbeiterfotografie.com/israel/index-israel-0018.html
(4) http://www.karmelitenorden.de/straubing/musa-ade.html
(5) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=19591
(6) http://www.theguardian.com/theobserver/2005/jul/17/politics
(7) http://www.tagesschau.de/ausland/gaza-kloake100.htm

 
Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin, Autorin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1165 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Mann Benjamin Hecht lebt.
2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag, ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis 17,89 Euro. 


Online-Flyer Nr. 434  vom 27.11.2013

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