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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Meister der Image-Seifenblasen: Ströbele, der rote Grüne, und Edward Snowden
Spitzmarke
Von Volker Bräutigam

Christian Ströbele, der Grüne Marktschreier mit dem rotem Schal. - Sie haben den Mediencoup Ihrer politischen Laufbahn geschafft, dank des „sensationellen“ Treffens mit dem Whistleblower Edward Snowden in Moskau. Wir gratulieren. Inhaltlich Substanzielles bieten Sie allerdings wieder einmal nicht. Das Snowden-Schreiben „To whom it may concern“ (zu deutsch: An jeden, den es angehen mag), das Sie mit großem Tamtam auf einer Pressekonferenz in Berlin vorstellten, enthält des Verfassers bekannte Betrachtung der kriminellen US-Geheimdienstumtriebe und belegt ansonsten nur Snowdens diesbezügliche Aussagebereitschaft. 
 

Edward Snowden und sein Besucher Christian Ströbele
Quelle: tagesschau.de
Snowden braucht Sie bekanntlich nicht, um seine Enthüllungen über die US-amerika-nischen Geheim-dienstschweine- reien in Umlauf zu bringen. Auch nicht als Briefträger zwischen Moskau und Berlin. Trotzdem tun Sie aller Welt kund, dass Sie Snowdens an die Allgemeinheit gerichtetes Schreiben der Bundeskanzlerin Merkel zugestellt hätten. Sie solle dem Whistleblower sicheres Geleit nach Deutschland gewähren. Hier könne er gegebenenfalls über die Verbrechen der US-Geheimdienste aussagen.
 
Asyl in Deutschland und überzeugende Sicherheitsgarantien hätte Snowden zwar in höchstem Maße verdient. Es fände allergrößten Beifall bei der überwältigenden Mehrheit der Bürger. Sogar CSU-Hardliner Innenminister Friedrich zeigte sich vorsichtig aufgeschlossen, übertrieb es allerdings nicht mit der Menschenfreundlichkeit. Die nötigen behördlichen und juristischen Schritte zur Aufnahme Snowdens setzten ja die Bereitschaft der Bundesregierung voraus, ein einziges Mal mit dem US-Imperium ernsthaft Tacheles zu reden. Der Eklat wäre unausweichlich, weil der bereits vorliegende, formal korrekte Auslieferungsantrag Washingtons von Berlin unter Bruch des entsprechenden Abkommens mit den USA abgeschmettert werden müsste. Eine deutsche Ohrfeige für Obama? Nie im Leben! Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Tragweite einer Aufnahme Snowdens machen sich unsere Berliner Regierenden doch vor Schreck in die Hosen und lassen Deutschland lieber weiter von Amis und Briten abhören. Aufrecht stehen vor Fürstenthronen? Nicht mit Angela Merkel. Devise: Rückgrat? Lieber nicht.
 
Jahrelang haben Sie als Grüner Volkstribun sich vor jeder größeren Berliner Demo, soweit TV-Kameras zu erwarten waren, mit Ihrem Fahrrad in die erste Reihe gedrängelt. Gleichgültig, ob Sie von den Organisatoren eingeladen waren oder nicht, ob Sie für deren Sache gearbeitet hatten oder nicht. Hauptsache, Sie wurden wahrgenommen. Jetzt stellten Sie sich wieder in den Mittelpunkt, und es irritiert Sie nicht die Spur, dass dank Ihrer Marktschreierei Snowdens Aussichten auf einen sicheren Hort in Deutschland gen Null tendieren; komplizierte und diskrete Asyl-Vorbereitungen sind jetzt unmöglich geworden. Da ist ein eitler Fatzke, dem der Mensch Snowden egal ist; wichtig ist Ihnen das Foto, das Sie mit Snowden in einem Moskauer Hotel zeigt.
 
"Die anderen reden, Ströbele handelt." Toll! Snowden ist seines eigenen Schicksals Schmied? Ja, so wie Sie der Meister der Image-Seifenblasen sind: Ströbele, der rote Grüne. Der wahre Retter der Verfolgten. Ein Glück, dass Snowden die Zeitverschwendung mit einem Ströbele verschmerzen kann. (PK)
 
Volker Bräutigam hat hiermit seine vierte Spitzmarke in der NRhZ veröffentlicht.
 


Online-Flyer Nr. 431  vom 06.11.2013

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