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Lokales
Auch Mülheim schrumpft weiter, die Bauwut aber nicht!
Trotz aller Propaganda und Schönfärberei:
Von Lothar Reinhard

In Mülheim/Ruhr gab es in den vergangenen Monaten erneut einen leichten Rückgang der Einwohnerzahl trotz der deutlich gestiegenen Zuwanderung von Einkommensschwächeren aus Krisengebieten: Lebten Ende 2012 noch 166.654 Menschen in der Ruhrstadt, waren es Ende Juni lediglich noch 166.530, teilte das statistische Landesamt Ende Oktober 2013 mit. Im Flächennutzungsplan (FNP) aus 2005 wurde für das Jahr 2015 von einer Bevölkerung von 170.000 ausgegangen, wofür entsprechende Wohnbauflächenreserven eingeplant wurden. Das erklärt die ungezügelte Bauwut entgegen der Realität!

Mülheim an der Ruhr
Quelle: wikimedia
 
2004 gab es in der Stadt noch 171.000 Einwohner. Um aber die „befreundeten“ Grundstücks- und Immobilienhändler nicht zu verärgern, hat man damals behauptet, in Mülheim sei alles anders als im restlichen Ruhrgebiet, hier würde permanenter Zuzug vor allem der besser verdienenden jungen Familien den Sterbeüberhang fast ausgleichen. Deshalb müssten Wohnbauflächen im Grünen und in Außenbereichen zusätzlich ermöglicht werden (Fünter-, Löns- und Mariannenweg, Tilsiter Str., Schlippenweg, Mendener Str., Kuhlendahl, Oemberg, Postreitweg, Großenbaumer Str., Friedhofstr., Auf dem Bruch, Sellerbeckstr., ex-Ruhrtaler-Gelände, Mergelstr., Selbeck, Mintard u.v.v.v.v.m., von der Umwandlung von 6 Sportplätzen und Ruhrbania zu Wohnbauflächen ganz zu schweigen. Einige Beispiele mehr aus dem Mölmschen „Jahrzehnt der Bauwut bzw. Bauwütigen“ weiter unten)
 
Die Realität hat das Wunschdenken bzgl. der Bevölkerungsentwicklung bereits Jahre vorher deutlich unterboten. Doch auch das hat die Mölmschen „Strategen“ in Verwaltung und Politik zu keinem Nach- oder Umdenken veranlassen können. Deshalb wurde in Kooperation mit MWB, SWB und Immeo ein sehr teures Gutachten erstellt, das sich „Handlungskonzept Wohnen“ nennt und in der Ratssitzung am 1.10.2013 mehrheitlich beschlossen wurde, gegen die Stimmen der Fraktion der Mülheimer BürgerInitiativen (MBI). Darin werden erneut die FNP-Ziele aus 2005 im Wesentlichen bestätigt. Welch Überraschung!
 
Es wird Heulen und Zähneknirschen sein, falls demnächst die Bauzinsen wieder hochgehen oder eine Wirtschaftsflaute vor allem das Ruhrgebiet trifft. Doch warum soll es Mülheim mit seinem notorischen Hang zur Leugnung von Realitäten anders ergehen als Spanien oder Irland oder woanders, als dort die Spekulationsblasen der Bauwütigen irgendwann einfach platzten, plopp?!
 
Ach ja und der „demografische Faktor“ ist in Mülheim viel, viel weiter als etwa in Spanien! Doch egal.
 
Zur Erinnerung eine Aufzählung von Wohnbautenneubau und -plänen in Mülheim der letzten 10 Jahre, allerdings unvollständig, da die Orgien von Bauprojekten in der schrumpfenden Stadt wegen der Fülle kaum nachzuhalten sind:
 
Neue Wohnbaugebiete entstanden in Mülheim zuletzt u.a. mit dem Riesenkomplex an der Dimbeck/Rochusstr., an der Klotzdelle, an der Mergelstr., der Kuhlenstr., der Hagenauer Str., weiterhin massiv auf dem Kasernengelände und ebenso auf der Saarner Kuppe. Außerdem wurde zusätzliches Baurecht geschaffen u.a. an der Augustastr., auf dem ehemaligen Schulgelände Mühlenfeldschule, am Erbecksfeld, in den Zwischenhöfen am Hingberg, an der Scheffelstr., im ehemaligen Stadtbad, in der verkauften Jugendherberge, in etlichen Baulücken überall im Stadtgebiet uswusf……
 
Zusätzliche Bebauungspläne für Fünterweg/Honigsberger Str., Mariannenweg, Oemberg/Nachbarsweg, Aug. Thyssen-Str. in Mintard und auf den vorherigen Sportplätzen am Blötterweg und an der Hochfelder Str. (zur Finanzierung der Stadionpläne des VfB Speldorf), wurden rechtskräftig und bebaut, die Sportplätze Mühlenfeld, RSV-Platz, Amundsenweg und von-der-Tannstr. sollen noch folgen (zur Finanzierung des Luxussportplatzes in Heißen). Mit dem 100-Häuser-Programm kamen/ kommen Wohnhäuser auf das ex-Schulgelände Auf dem Bruch und an die ex-Obdachlosensiedlung Sellerbeckstr. hinzu.
 
Weitere B-Pläne sollen bzw. haben zusätzliche Baugebiete geschaffen an der Tilsiter Str./Oppspring, an der Mendener/Bergerstr., am Fängerweg, Klöttschen/Vereinstr., in der Heimaterde Kleiststr./Schwarzenbeckstr., an der Holzstr., und natürlich an der Ruhrpromenade zusätzlich zum Stadtbad, nachdem Gartendenkmal, Bücherei und Rathausneubau dem Erdboden gleich gemacht wurden, für teure Wohnungen. Demnächst sollen Gesundheitshaus, AOK und ehemaliges Arbeitsamt folgen, genau wie das Schulgelände Arnoldstraße. Am Aubergsweg, an der Otto-Pankok-Str., auf dem ex-Fichtenhof, anstelle der denkmalgeschützten Troostschen Weberei sollen genauso Luxuswohnungen entstehen wie in der gerade abgerissenen ehemaligen Musikschule am Eingang zur Schleuseninsel. Die lange leerstehende Lederfabrik Hammann wurde gerade fertig für ca. 80 Altenwohnungen, am Postreitweg, am Schlippenweg, am Lönsweg, am Hantenweg, auf den Flächen der ex-Grabeländer auf der Heide- und der Friedhofstr., im Rumbachtal neben der Kapelle uswusf…. überall noch Pläne für zusätzliche Wohnbebauung. (PK)
 
Lothar Reinhard ist MBI-Fraktionssprecher im Stadtrat
 


Online-Flyer Nr. 430  vom 30.10.2013

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