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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Mehr als 80.000 Verbraucher fordern vom Kosmetik-Hersteller Beiersdorf:
„Nivea ohne Hormone!“
Von Peter Kleinert

Auf einer Kundgebung vor der Konzernzentrale in Hamburg hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) über 80.000 Protestunterschriften von Verbraucherinnen und Verbrauchern an die Beiersdorf AG übergeben. Auf einem Transparent mit der Aufschrift „Nivea ohne Hormone!“ wurde das Unternehmen aufgefordert, hormonell wirksame Chemikalien aus seinen Produkten zu verbannen. Hormonähnliche Stoffe werden mit gesundheitlichen Störungen wie Brust- und Hodenkrebs, einer verminderten Spermienqualität und verfrühter Pubertät in Zusammenhang gebracht. Beiersdorf setzt sie in einem Drittel aller Nivea-Produkte als Konservierungsstoffe oder UV-Filter ein, erklärt der BUND. 

Schauspielerin Britta Steffenhagen brachte die Petition in Gang
Quelle: http://www.change.org/de/Petitionen
 
 
Sarah Häuser, Chemie-Expertin beim BUND: „Wir hatten heute ein Gespräch bei Beiersdorf und hatten gehofft, dass der Konzern seinen Ausstiegsplan für hormonell wirksame Chemikalien in Kosmetika verkünden würde. Doch die Unternehmensvertreter wiederholten nur, dass Nivea-Produkte unbedenklich seien und sämtliche Grenzwerte eingehalten würden. Diverse Studien belegen aber, dass hormonell wirksame Stoffe sich im menschlichen Körper aufsummieren und mit ernsten Krankheiten in Verbindung stehen können. Die Weltgesundheitsorganisation fordert deshalb zu Recht, die Belastung der Menschen mit diesen Chemikalien zu verringern. Das Verhalten von Beiersdorf ist ein Schlag ins Gesicht aller Verbraucherinnen und Verbraucher.“
 
Der BUND hatte vor zwei Monaten zusammen mit Britta Steffenhagen, einer jungen Berliner Mutter, unter www.change.org/nivea im Internet eine Unterschriftenaktion gegen Beiersdorf gestartet und das Unternehmen zum Verzicht auf hormonell wirksame Substanzen aufgefordert. Steffenhagen, die während ihrer Schwangerschaft eine Nivea-Bodylotion verwendete, erfuhr aus einer BUND-Studie, dass diese mit hormonell wirkenden Substanzen belastet war. Während des von der Firma Beiersdorf zugesagten Gesprächs habe das Unternehmen jedoch keine Bereitschaft erkennen lassen, auf den Einsatz solcher Substanzen zu verzichten.
 
Steffenhagen: „Es ist empörend, dass der breite Protest der Verbraucher bei Beiersdorf auf taube Ohren stößt. Ein so großes Unternehmen mit einer so prominenten Marke wie Nivea muss den Sorgen seiner Kunden Rechnung tragen. Es besteht die Gefahr, dass wir und unsere Kinder wegen des Einsatzes hormonell wirksamer Chemikalien krank werden. Deshalb werde ich für meine Familie keine Nivea-Produkte mehr kaufen.“
 
Die BUND-Expertin Sarah Häuser rief dazu auf, im Internet auch weiterhin die Online-Petition an Beiersdorf zu unterzeichnen. Verbraucherinnen und Verbraucher könnten sich vor schädlichen Chemikalien in Kosmetika schützen, indem sie auf belastete Produkte verzichteten. Mit der vom BUND eingerichteten „ToxFox“-App lasse sich der Strichcode fast aller Kosmetikprodukte per iPhone scannen. Die App zeige sofort an, ob das jeweilige Produkt hormonell wirksame Stoffe enthalte oder nicht. Naturkosmetika seien in der Regel frei von solchen Chemikalien.
 
Die Nivea-Petition im Wortlaut
 
Die Online-Petition von BUND und Britta Steffenhagen an den Beiersdorf-Konzern – persönlich gerichtet an Stefan F. Heidenreich, Vorsitzender des Vorstands, und Petra Rob, Leiterin Konzernkommunikation, – finden Sie hier:
 
Mein Name ist Britta Steffenhagen. Ich bin Schauspielerin, Moderatorin, Mutter eines drei Monate alten Sohnes und bisher war ich auch begeisterte NIVEA-Kundin. Doch jetzt habe ich erfahren, dass meine NIVEA Body Lotion “Happy Time” hormonell wirksame Chemikalien enthält!
 
Und nicht nur das: auch andere NIVEA-Produkte, die wir bisher zu Hause verwendet haben, enthalten diese Stoffe. Wenn ich alle diese Produkte benutze, kommt ein richtiger "Hormoncocktail" zusammen.
 
Hormonelle Chemikalien können meine und die Gesundheit meiner Familie gefährden. Sie stehen im Verdacht das Risiko für Brustkrebs zu erhöhen, bei Männern die Fruchtbarkeit zu verringern, Fettleibigkeit zu fördern und zu verfrühter Pubertät beizutragen.
 
Die NIVEA “Happy Time”-Body Lotion habe ich auch während meiner Schwangerschaft regelmäßig benutzt. Als ich mitbekommen habe, dass diese Lotion so genannte Parabene enthält, war es erst einmal vorbei mit meiner “Happy Time”. Die Chemikalien werden über die Haut aufgenommen und können so auch an das ungeborene Kind weitergegeben werden. Diese Stoffe haben in Kosmetik nichts zu suchen!
 
NIVEA steht für sanfte und reichhaltige Pflege, der ich seit Kindertagen vertraue. Ich bin geschockt, dass NIVEA noch immer hormonell wirksame Chemikalien verwendet, obwohl die Marke auf vielen ihrer Produkte selbst damit wirbt, dass keine Parabene enthalten sind.
 
Deshalb starte ich diese Petition an Beiersdorf, die Herstellerfirma von NIVEA, um sie davon zu überzeugen, auf hormonelle Chemikalien in Body Lotions und anderen Kosmetika zu verzichten!
 
Beiersdorf argumentiert, dass die aufgenommene Menge von Parabenen so niedrig ist, dass kein Risiko für Verbraucher bestünde. Doch was ist mit dem Zusammenspiel aller Kosmetika, die jeder Mensch verteilt über den ganzen Tag benutzt? Auf diesen "Cocktail-Effekt" haben die Manager von Beiersdorf keine Antwort.
 
Erst vor kurzem wurde auf Change.org eine erfolgreiche Petition gegen die gleichen Stoffe in der Penaten Baby-Wundschutzcreme gestartet. Nach nur einer Woche hat die Herstellerfirma Johnson&Johnson eingelenkt. Ab Mitte 2014 wird Penaten auf Parabene verzichten. Das zeigt, dass wir als Verbraucher viel erreichen können. Jetzt ist NIVEA gefragt zu handeln! (PK)
 
Hier können Sie sich der Petition anschließen: http://www.change.org/de/Petitionen/beiersdorf-keine-hormonell-wirksamen-chemikalien-in-meiner-nivea-body-lotion-niveacocktail
 
Mehr zu hormonell wirksamen Chemikalien in Kosmetikprodukten im Internet unter: www.bund.net/toxfox


Online-Flyer Nr. 430  vom 30.10.2013

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Von Kostas Koufogiorgos
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