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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Lokales
Zur traurigen Geschichte der einst guten Wohnlage in der Straße Klöttschen
Wie Mülheim seine Bürger bevormundet
Von Lothar Reinhard

Vor ca. 30 Jahren wurde die enge innenstadtnahe Straße Klöttschen, die vorher als Sackgasse verkehrsberuhigt war, mit der Begründung zur Einbahnstraße als Hauptausfallstraße Richtung Norden gemacht, dies sei ein Provisorium wegen des U-Bahn-Baus. Das Provisorium wurde zum unerträglichen Dauerzustand für die Anwohner – bis heute!

Der Rest vom Mülheimer Klöttschen
Quelle: MBI
 
Inzwischen sind etliche Klöttschianer quasi vertrieben, eine Straßenseite des südlichen Teils wurde nach und nach von der Stadt aufgekauft, vergammeln gelassen und abgerissen, bis auf ein Haus, das wehrhaft an ein berühmtes gallisches Dorf erinnert. Doch dieses Haus (siehe Bild) ist auch ein Mahnmal gegen verfehlte Stadt- und Verkehrsplanung.
 
Im Rahmen des Prestigeprojekts „Ruhrbania“ musste auch die vorher bereits unübersichtliche Mölmsche Verkehrsführung neu gestaltet werden, weil mit der Ruhrstraße eine Hauptverkehrsstraße aus dem Verkehr genommen und mit Ruhrbania-Klötzen überbaut wurde. Für etliche 10 Milloonen € wurde deshalb mit „Ruhrbania Baulos 1“ und „Ruhrbania Baulos 2“ die Innenstadtverkehrsführung in großen Maße und mit jahrelangen Großbaustellen umgebaut. Doch das Ergebnis ist eher noch schlechter als zuvor
 
Beschlossen wurde vor Jahren auch noch „Ruhrbania Baulos 3“ (Niederlegung der Hochstraße Tourainer Ring und Ausbau Klöttschen als Hauptverkehrsstraße in beide Richtungen). Damit sollte dieses Jahr begonnen werden, doch im Frühjahr wurden die Fördermittel für das 12 Millionen-Projekt vom Regierungspräsidenten erst einmal auf Eis gelegt.
 
Dann leitete die Stadt im Frühjahr 2012 überraschend einen extra Bebauungsplan “I 34″ im bzw. aus dem bereits Jahre vorher eingeleiteten Bebauungsplan “Klöttschen -I 32″ ein, der ausschließlich die Klöttschen-Straßenplanung zum Inhalt hat. Auf die Frage der Fraktion der Mülheimer BürgerInitiativen (MBI), was das bezwecken solle, gab es keine Antwort. Erst später erschien klar, warum. Man wollte eine Handhabe für notwendige „Umlegungsverfahren“ haben, weil im nördlichen Teil der engen Straße noch Vorgärten gebraucht würden zum Ausbau des Zwei-Richtungsverkehrs der geplanten Hauptverkehrsachse. Da die Eigentümer nicht freiwillig verkaufen (sich bzw. ihre schmalen Vorgärten „umlegen“ lassen), wurde nun im Planungsausschuss am Dienstag der Auslegungsbeschluss von SPD, CDU, FDP und Grünen gefasst für eine Hauptverkehrsstraße mit Zickzack-Muster. Mehr dazu in einem WAZ-Artikel (1). Darin auch die Aussage des Tiefbauamtsleiters, auf jeden Fall an „Ruhrbania-Baulos 3“ festzuhalten.
 
Wer übrigens, wie ein Bewohner vom Klöttschen, die Mülheimer Verkehrsplaner öffentlich als “totale Versager” bezeichnet, muss dafür über 800 € Strafe zahlen wegen Beleidigung! Kein Karnevalsscherz! In einer Bürgerversammlung am 23. Mai entlud sich die jahre- bzw. jahrzehntelang aufgestaute Wut vieler Klöttschen-Anwohner teilweise in Beschimpfungen der Stadtplaner als Laienspielschar, totale Versager u.ä., wobei die harsche Kritik nicht nur den Klöttschen betraf, sondern die gesamte Mülheimer Innenstadt-Verkehrsführung und vor allem den Abriss der overflies an der Nordbrücke anprangerte. So sehr die Wut mancher dauergestresster Bürger verständlich war, so waren auch manche Formulierungen sicher nicht gerade der feinste Umgangston. Doch wenn es um die Mülheimer Verkehrsführung geht, hört man ähnliche Worte von vielen Mölmschen Bürgern, auch von denen, die nicht tagtäglich wie die Menschen vom Klöttschen darunter direkt leiden müssen, von mitunter verzweifelten Auswärtigen ganz zu schweigen!
 
An der Öffentlichkeit und zumindest Teilen der Politik vorbei geschah dann folgendes: Die Verwaltung (der „öffentliche Dienst“) stellte gegen einen der Bürger Ende Juni Strafanzeige. Quasi im Schnellverfahren nach einmaliger Anhörung erhielt dieser von der Staatsanwaltschaft Duisburg Anfang September bereits einen Strafbefehl über 750 € plus Verfahrenskosten, also über 800 €. Seine „Straftat“ bestand hauptsächlich darin, dass er die Stadtplaner als „totale Versager“ bezeichnet haben soll. Der Beschuldigte zahlte schließlich, um sich den Stress von langwierigen und teuren Gerichtsverfahren zu ersparen. (PK)
 
 
(1) WAZ Mülheim, 26.9.13 http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/stadt-gibt-kampf-um-grundstuecke-am-kloettschen-auf-id8491298.html


Online-Flyer Nr. 426  vom 02.10.2013

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