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Aktueller Online-Flyer vom 21. November 2019  

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Kommentar
Bitte keine weitere Zerstörung der Mülheimer Rest-Schönheiten!
Es reicht!
Von Lothar Reinhard

In der Mülheimer Bezirksvertretung 1 am Montag vergangener Woche beschloss die Mehrheit, ohne darüber groß diskutieren zu wollen, die höchst umstrittene Bebauung des Ackers Tilsiter Straße/Oppspring zu empfehlen. Beim geplanten Verkauf der alten Feuerwache Aktienstraße an Wohlfahrtsverbände konnte die Frage der MBI-Vertreterin nach der auch zukünftigen Absicherung des Zugangsrechts der Firma Holz und Rahmen-Vogt über das Gelände nicht geklärt werden. Erbärmlich!

Gelände mit alter Holzhalle der Firma Holz und Rahmen-Vogt
Quelle: http://rahmen-vogt.de
 
Ein erneuter, hochgradig unsensibler Vorgang war der mehrheitliche Beschluss gegen das entschiedene MBI-Votum, den Platz am Wasserbahnhof in "Platz der deutschen Einheit" umzubenennen. "Platz der deutschen Einheit" war vorher seit 1991 der einst schöne Platz zwischen Rathaus und Bücherei mit vielen prächtigen Bäumen usw.. Diese wie der gesamte Platz inklusive des "Kunst am Bau“-Kunstwerks und die Bücherei wurden zerstört, um Bauland für das wahnwitzige Ruhrbania-Baufeld 2 zu schaffen, welches sich bekanntlich im totalen Chaos mit ungewisser Zukunft befindet.
 
Der Platz am Wasserbahnhof ist seit Generationen die wohl bekannteste und beliebteste Stelle Mülheims im gesamten Revier und darüber hinaus. Diesem einen identitätslosen Namen zu geben, nur weil man selbigen gerade erst vernichtet hat, ist ein weiterer schwerer Schlag ins Gesicht aller Mülheimer, die sich mit ihrer Stadt identifizieren. Der schmerzliche Verlust des Stadtbad-Arkadengangs, des Gartendenkmals Ostruhranlagen, der Jugendherberge, der Troostschen Weberei uswusw. in kürzester Zeit ist nicht vergessen!
 
Erschwerend kommt hinzu, dass für Frau OB Mühlenfelds Haus der Stadtgeschichte das wunderschöne Ensemble der Musikschule von Gebäude und Bäumen am Eingang zur Schleuseninsel am Wasserbahnhof leergezogen und verhökert wurde. In Kürze wird es abgerissen und die altehrwürdigen Bäume werden gefällt, um dann einen weiteren Kasten zur Gewinnmaximierung zu errichten. Genau wie beim Anblick des Ruhrbania-Sammelsuriums blutet jedem bekennenden Mülheimer das Herz bei der Vorstellung, dass mit dem heute wunderschönen Landschaftsbild an Tilsiter Straße/Oppspring und dem Eingang zum Platz am Wasserbahnhof, der dann nicht mehr so heißt, die nächsten Schönheiten Mülheims verunstaltet werden. Und der Aufgang von der Mausefalle zum Kirchenhügel wird in Kürze auch noch z.T. zugebaut. Stadtplanung als Banausentum? Man schaudert.
 
Wie wenig das berühmte Kleinod des für viele Menschen von nah und fern beliebten Wasserbahnhofs der Stadtspitze jemals am Herzen lag, belegt auch der Versuch vor Jahren, die intakte Toilette just dort zu schließen, um ein paar Tausend Euro zu sparen. Diese Riesendummheit musste nach wenigen Wochen korrigiert werden, allerdings nicht, ohne vorher noch den MBI-Aktiven M. Müller wegen einer Karikatur zu der peinlichen Kloschließung mit Strafanzeige und Prozessen bis zur höchsten Instanz zu überziehen. Dort verlor Frau OB Mühlenfeld mit Pauken und Trompeten.
 
Aber auch, dass Kämmerer und OB sich 2010 nicht schämten, für wenige tausend € Ersparnis in ihrer Sparliste die Blumenuhr am Wasserbahnhof eingehen lassen zu wollen, war dilettantisch und unfassbar. Neben der Jugendherberge ist die Blumenuhr das berühmteste Mülheimer Postkartenmotiv, weltweit und in allen Prospekten!
 
P.S.1
 
Man hat den Eindruck, dass die überbesetzte Mölmsche Verwaltung krampfhaft Beschäftigung sucht, um ihre Existenzberechtigung nachzuweisen, wenn man solche Vorhaben wie die Umbenennung des Platzes am Wasserbahnhof sieht. Auch das Charrette-Verfahren mit fremdem Professor zur Zukunft des gerade erst selbst entfunktionalisierten Rathausmarkts wirkt aufgesetzt, da niemand weiß, wann die Baustelle dort von Baufeld 2 begonnen, und wenn, wie beendet wird
Dass just das Amt für Geodatenmanagement (früher Katasteramt) sich intensiv damit befasst hat, hat was. Selbiges Amt sollte laut Vereinbarung mit Essen mangels Existenznotwendigkeit aufgelöst und dem Essener Amt einverleibt werden. Doch dann wurde die Vereinbarung einseitig von Mülheim aufgekündigt, weil dem Personal, sprich dem Amtsleiter, nicht zumutbar.
 
P.S. 2
 
Es ist erschreckend, wie die Ruhrbania-Parteien ob des riesengroßen Chaos in der Stadt lammfromm möglichst alles nur noch diskussionslos abnicken wollen. Ruhrbania-Schadensbbegrenzung? Weg von der Tagesordnung! Den Unsinn mit der Streichung der Buslinie 151 sofort beenden? Später, später. Die peinliche Geschichte mit der Zweitwohnungssteuer? Verschieben, verschieben! Sozialamt in Hoffmeisters neu gekauften Gebäuden in Heißen? Nicht darüber reden, verschieben! Zerstörung des Landschaftsbildes in Holthausen und Verschlechterung der Innenstadtdurchlüftung dadurch? Ja, nicht erneut darüber reden! Augen zu und durch….! Man muss sich ernsthaft Sorgen um den Zustand der Mölmschen Demokratie machen. (PK)
 
Lothar Reinhard ist Sprecher der Fraktion der Mülheimer BürgerInitiativen (MBI) im Stadtrat


Online-Flyer Nr. 410  vom 12.06.2013

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