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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Lokales
BAYER riegelt HV in Köln vor DemonstrantInnen ab
Hauptverrammlung statt Hauptversammlung
Von Axel Köhler-Schnura

Am 26. April 2013 hat BAYER seine Hauptversammlung in der Kölner Messehalle weiter eingebunkert. Dort, wo sonst ein Meer von BAYER-Fahnen wehte, nur noch gähnende Leere. Dort, wo einst ein 20 Meter breites Banner den Weg zur Hauptversammlung wies, nur noch die blanke Glasfassade. Kein einziges Schild mehr deutete darauf hin, dass sich hier Tausende AktionärInnen eines Weltkonzerns versammelten. Mit Dutzenden von Sperrgittern riegelte BAYER den Eingang des Gebäudes weiträumig ab.

CBG-Kundgebung zur BAYER-Hauptversammlung
Foto: CBG
 
Grund waren die Proteste der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG). Rund 200 DemonstrantInnen verschafften sich Gehör. Es ging um tödliche BAYER-Pillen, um die weltweite Ausrottung der Bienenvölker, um die tödliche Giftgasleitung des Konzerns quer durch das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland etc. pp. AktivistInnen von GREENPEACE, die im Aktionsbündnis der CBG zur HV mitmachten, stiegen BAYER kurzerhand aufs Dach. Im wahrsten Sinn des Wortes. Schon frühmorgens entrollte sich vom Dach des HV-Gebäudes ein ca. 13 x 6 Meter großes Transparent. Auf knallgelbem Grund war dort zu lesen: „BAYER-Pestizide töten Bienen.“
 
Und natürlich ging es um das 150-Jahre-Jubiläum, das der Konzern mit großem Pomp feiert. Kommentar der CBG: "150 Jahre BAYER – Umweltzerstörung, Ausbeutung, Kriegstreiberei." Die Presse schrieb u.a. "BAYER-Hauptversammlung und Proteste, das gehört zusammen wie Pech und Schwefel.“ (1) Im Saal sprachen rund 30 RednerInnen. Mindestens 13 waren Kritische AktionärInnen. Aber auch die traditionellen AnteilseignerInnen stellten kritische Fragen. Darunter auch solche aus Österreich, Großbritannien und Frankreich. Und selbst von den VertreterInnen der großen
Aktionärsgemeinschaften kamen hartnäckige Fragen zu den von der CBG und deren Gästen angesprochenen Themen.

CBG-Kundgebung vor der Kölner Messe
Foto: CBG
 
Die Jubelstimmung, die zu Beginn im Referat des BAYER-Bosses Dekkers noch beschworen wurde, verflog rasch. Zu viel war die Rede von schweren Gesundheitsschäden, von tödlichen Opfern der BAYER-Produkte, von weltweitem Bienensterben, von den Verbrechen zurzeit des Hitler-Faschismus, von den verheerenden Folgen von Gentechnik und klimaschädigenden Emissionen, von Lohndumping, Arbeitshetze, Kinderarbeit. Der Vorstandsvorsitzende Dekkers auf die erdrückenden Argumente und Fakten der kritischen RednerInnen stereotyp, ausweichend und verharmlosend. Selbst gegenüber den anwesenden Opfern, etwa den Geschädigten durch YASMIN, MIRENA oder PRIMODOS, zeigte sich Dekkers kalt. Zynisch und kaltschnäuzig verwies er selbst im Fall von mehr als 20.000 durch YASMIN/YAZ gesundheitlich geschädigten oder zu Tode gekommenen Frauen immer wieder auf die "positive Kosten-Nutzen-Bilanz“. Kein Wort der Entschuldigung. Stattdessen Verweigerung jeder Entschädigung: Selbst in den 5.700 Fällen in den USA sei das keine "Entschädigung“. Der Konzern habe sich ohne Anerkennung jeglicher Schuld verglichen. Wobei anzumerken ist, dass das in den USA stärkere Recht den Konzern überhaupt zu solchen Zahlungen zwang.
 
Die Coordination gegen BAYER-Gefahren vertrat zusammen mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre rund 30.000 Aktien im Börsenwert von etwa 2,4 Mio. Euro. Insbesondere bei der Entlastung der Verantwortlichen in Vorstand und Aufsichtsrat stimmten 5,9 Millionen Aktien mit den KritikerInnen der CBG. Beim Aufsichtsrat etwa waren das immerhin 2,2 Prozent. Und selbst bei der Abstimmung über die Ausschüttung der Dividende in Höhe von 1,95 Euro folgten mehr als 450.000 Aktien dem Vorschlag der CBG und stimmten mit NEIN.
 
Die CBG beantragte die Kürzung der Dividende auf 10 Cent je Aktie. Die frei werdenden Gelder sollen verwendet werden - für Erhalt und Schaffung sicherer Arbeitsplätze und für die Zahlung sozial gerechter Löhne;
- für einen Fonds zum angemessenen Ausgleich von Schäden, die infolge der Geschäftstätigkeit an Mensch und Umwelt eingetreten sind;
- für den umfassenden ökologischen und sozialen Umbau des Konzerns ohne doppelte Standards
- und schließlich für die Zahlung von Wiedergutmachungen für die Verbrechen von BAYER und des von BAYER mitbetriebenen IG FARBEN-Zusammenschlusses an die Opfer bzw. deren Angehörige und Nachkommen.
 
Damit es keine Missverständnisse gibt: Auf der HV stimmten ca. 260 Mio. Aktien ab. Die GroßaktionärInnen, die sogenannten Investoren, haben mit ihren Multimillionen Aktien wie stets für satte Mehrheiten für den Vorstand von weit über 90 Prozent gesorgt. Angesichts dieser Tatsache sind die Erfolge der Kritischen mit bis zu 5,9 Millionen Stimmen mehr als beachtlich. (PK)
 
(1) Kölner Stadtanzeiger v. 26.04.2013
 
Weitere Aktionsfotos und Infos finden sich auf der Internetseite www.CBGnetwork.org 
 


Online-Flyer Nr. 404  vom 01.05.2013

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