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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Erinnerung an den Einsturz des Kölner Stadtarchivs am 3.3.2009
Eine unmögliche Tat
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Bereits zum vierten Mal hat die Initiative "Köln kann auch anders" unter dem Motto "Schutt und Schande" mit einer Veranstaltung des Einsturzes des Historischen Stadtarchivs gedacht, jeweils am 3. März, dem Tag des Geschehens, des Unglücks bzw. der Tat, in deren Folge zwei Menschen ihr Leben verloren und Dokumente von unschätzbarem Wert zerstört wurden. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung kam Bauingenieur Prof. Stefan Polónyi zu Wort: „Das Pumpen vervielfachen und damit dann auch den Boden unter dem Nachbargebäude absaugen, ist eine unmögliche Tat.“


Bauingenieur Prof. Stefan Polónyi
Alle Fotos: arbeiterfotografie.com


Der Ort des Einsturzes am Tag des Gedenkens


Gedenken an die Opfer des Einsturzes


Musikalische Begleitung „Trööt op Jück“


Gedenkveranstaltung an der Einsturzstelle


Bauingenieur Prof. Stefan Polónyi: „Das Pumpen vervielfachen und damit dann auch den Boden unter dem Nachbargebäude absaugen, ist eine unmögliche Tat.“


Journalistin Uli Klausmann im Gespräch mit Bauingenieur Prof. Stefan Polónyi


Gedenkveranstaltung an der Einsturzstelle


Betroffene im Gespräch mit Stadtdirektor Guido Kahlen


Ikarus-Skulptur am Friedrich-Wilhelm-Gymansium gegenüber dem eingestürzten Stadtarchiv
 

Schweigeminute um 13:58 Uhr


"Flügel des Ikaros" von Thomas Behrendt


Separate Veranstaltung der Stadt Köln mit Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes: „Wir wollen diesen Tag nutzen, um uns zu erinnern, denn diese Katastrophe forderte viele Opfer.“


Am Bauzaun an der Einsturzstelle
 

Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes mit Kränzen der Stadt Köln für die beiden ums Leben Gekommenen


„Die Nachlassgeber kämpfen um die Anerkennung ihrer Verluste. Noch immer gibt es keine Antwort auf die Fragen: Wie konnte das passieren? Wer trägt die Verantwortung? Die Ermittlungen ziehen sich hin, der Rechtsstreit dauert an, unabhängige Experten halten den Bau des Erkundungsschachtes für Geld- und Zeitverschwendung.“ So heißt es im Aufruf zur Veranstaltung am vierten Jahrestag zum Gedenken an das Unglück am Waidmarkt, das dort am 3.3.2013 um 13:13 Uhr begann.

Einsturzursache

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung fragte die Journalistin Uli Klausmann den Kölner Bauingenieur Prof. Stefan Polónyi, wie er sich den Einsturz erklärt:

„Das habe ich schon am Tag nach dem Einsturz im ZDF gesagt: man kann nicht durch die Baugrube den Rhein auspumpen. Das ist passiert... Man weiß genau: das Pumpen war die Ursache... Bei so einer Baugrube ist das erste, dass ich einen Probepump mache... Dann stelle ich die Pumpen ab und sehe, ob das, was ich abgepumpt habe, sich wieder füllt. Wenn ja, dann weiß ich, dass die Wanne nicht dicht ist. Dann schicke ich die Taucher herunter. Die sollen die Leckstellen dichten. Aber in Rheinnähe das Pumpen vervielfachen und damit dann auch den Boden unter dem Nachbargebäude absaugen, ist eine unmögliche Tat. Man hat vom Rhein über die Baugrube wieder in den Rhein gepumpt.“

Zu der Frage, ob ein hydraulischer Grundbruch, wie er ihn beschrieben habe, etwas Schicksalhaftes sei, das man nicht vorhersehen könne, und was dann dazu führe, dass das angestrengte Verfahren gegen Unbekannt eingestellt werden müsse, sagte Prof. Polónyi:

„Ein hydraulischer Grundbruch kommt nicht vom Himmel. Der wurde durch das Wasser-Pumpen hervorgerufen. Das ist ganz eindeutig.“ Mit zusätzlichen Brunnen einen Grundwasserbruch zu verhindern, sei "völlig absurd. Das ist physikalisch undenkbar."

Besichtigungsbauwerk

Zurzeit wird am Ort des früheren Stadtarchivs ein so genanntes Besichtigungsbauwerk errichtet, „das von den Gutachtern der Staatsanwaltschaft sowie von dem Sachverständigen des Gerichts gleichermaßen genutzt werden wird, um die Schadensursache zweifelsfrei aufklären zu können. Bei der Besichtigungsbaugrube handelt es sich um einen 5,10 mal 12,30 Meter großen Schacht (Innenmaße), der vor der Schlitzwandlamelle 11 an der Ostseite des Gleiswechselbauwerks errichtet wird. An dieser Stelle wird in einer Tiefe von ca. 26 bis 32 Metern unterhalb der Geländeoberkante... ein Defekt in der Schlitzwand vermutet.“ So heißt es in einer Pressemitteilung der KVB vom 28. Februar 2012.

Gefragt, was er von dem Besichtigungsbauwerk halte, sagt Prof. Polónyi klipp und klar: „Gar nichts! Es ist völlig überflüssig und kostet 20 Millionen. Was wird man erfahren? Sehr wahrscheinlich, dass da in der Schlitzwand ein Schlitz ist. Dass es nicht ganz dicht ist, aber mit dieser Erkenntnis kann man nichts anfangen, weil damit ist noch nicht ausgeschlossen, dass das Wasser nicht aus dem Grund hochgestiegen ist.“

Separates Gedenken der Stadt

Nach dem Ende der Veranstaltung – die Transparente waren gerade abgehängt und die Lautsprecheranlage abgebaut – trat Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes um 14:15 Uhr vor die noch versammelten Menschen und sprach im Namen der Stadt Köln:

„Wir wollen diesen Tag nutzen, um uns zu erinnern, denn diese Katastrophe forderte viele Opfer... Mit in die Tiefe gerissen wurden einmalige Zeugnisse aus mehr als 1000 Jahren Kölner Stadtgeschichte. Die Kölnerinnen und Kölner verloren gewissermaßen einen Teil ihres Gedächtnisses... Die schrecklichen Bilder vom 3. März 2009 haben sich in das kollektive Bewusstsein der Kölner Stadtgesellschaft eingebrannt... Wir müssen diesen Ort zu einem würdigen Ort des Gedenkens machen, zu einem Ort, der die Vergänglichkeit von Leben, Erinnerung und von Geschichte an 365 Tagen im Jahr wach hält und dokumentiert.“

Im Zuge ihrer Rede trat Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes zwischen die beiden Kränze der Stadt Köln, die für die beiden ums Leben Gekommenen am Bauzaun aufgehängt worden waren. (PK)

Online-Flyer Nr. 397  vom 13.03.2013

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