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Aktueller Online-Flyer vom 22. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Foodwatch über Allianz und Deutsche Bank:
"So viel Skrupellosigkeit hätten wir nicht erwartet"
Von Peter Kleinert

"foodwatch" hat es ans Licht gebracht: Während Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen die Spekulation mit Nahrungsmitteln verteidige, warne seine eigene Forschungsabteilung vor den schweren Folgen. Öffentlich behaupte Deutschlands größtes Geldhaus, es gebe keinen Zusammenhang zwischen Spekulation und steigenden Nahrungsmittelpreisen - dabei belegten mehrere Dokumente von "DB Research", dass die Deutsche Bank selbst von einem solchen Zusammenhang ausgehe.
  

Deutsche-Bank-Chef
Jürgen Fitschen
NRhZ-Archiv
"Sogar den Deutschen Bundestag hat die Deutsche Bank über ihre eigenen Erkenntnisse belogen, nur, um die erträglichen Wetten auf Kosten der Ärmsten fortsetzen zu können", heißt es in einer Pressemitteilung von foodwatch Ende Februar. "Und das, obwohl es hier um Leib und Leben von Menschen geht! Ganz ehrlich: So viel Skrupellosigkeit hätten auch wir nicht erwartet.

Schon unser Report "Die Hungermacher" hat im Herbst 2011 zahlreiche Belege für die fatalen Folgen der Nahrungsmittelspekulation gesammelt. In einer aktualisierten und ergänzten Fassung ist der Report jetzt im Fischer Verlag als Taschenbuch erschienen - foodwatch verlost bis zum 15. März zehn Exemplare. Nehmen Sie jetzt teil unter:
www.foodwatch.de/literatur/die_hungermacher/
<http://mailings.foodwatch.de/c/10102952/1f5d5f0427839>

foodwatch-Feststellungen:
 
Eine Milliarde Menschen leidet Hunger, Hunderttausende Kinder sind chronisch mangelernährt. Schon ein kurzfristiger Anstieg der Lebensmittelpreise kann bei ihnen zu Schäden und zum Hungertod führen. Exzessive Spekulation steht in der Kritik, weil genau diese Preisspitzen verursachen könne. Seit Monaten seien deshalb immer mehr Unternehmen vorsorglich aus der Agrarspekulation ausgestiegen: die Commerzbank und die LBBW, die Berliner Landesbank und die DekaBank, Barclays und der französischen Anbieter Amundi. Die Deutsche Bank dagegen habe sich entschieden, weiterzumachen - Co-Chef Jürgen Fitschen argumentiere, es gebe keinen Beleg für eine preistreibende Wirkung. In den Dokumenten aus der Forschungsabteilung seines Hauses lese sich das ganz anders: "Auch die Spekulation hat zu Preissteigerungen beigetragen", heiße es in einem Papier unmissverständlich. Und in einem weiteren: "Solche Spekulationen können für Landwirte und Verbraucher gravierende Folgen haben und sind im Prinzip nicht akzeptabel."

Auch der Allianz-Konzern habe sich entschieden, an Nahrungsmittelspekulation festzuhalten. "Dumm nur, dass auch er eine hauseigene Forschungsabteilung hat - die ebenfalls keine Entwarnung geben kann. foodwatch wurde ein als "nur für den internen Gebrauch,
vertraulich" gekennzeichnetes Papier von Juni 2012 zugespielt, in dem die Allianz-Rechercheure festhielten: Es sei "doch wahrscheinlich", dass "spekulative Kapitalströme (...) die Preisentwicklung zumindest verstärkt haben". In einem weiteren Papier habe die Forschungsabteilung der Allianz bereits 2008 festgehalten: Es sei "nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Spekulation übermäßige Preisentwicklungen zumindest
fördert".

Insgesamt sechs Papiere aus den Forschungsabteilungen sagen laut foodwatch das Gegenteil von dem aus, was die Konzernchefs von Deutsche Bank und Allianz öffentlich behaupten! Doch es gehe noch dreister: "Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, belog sogar den Deutschen Bundestag über die eigenen Erkenntnisse. In einer Ausschuss-Anhörung sagte er vor einem halben Jahr, es gebe "kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung, dass die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten zu Preissteigerungen oder erhöhter Volatilität geführt hat." Dabei hätte er die gegenteiligen Einschätzungen der Abteilung DB Research durchaus kennen können: Folkerts-Landau selbst ist der Leiter dieser Abteilung. (PK)

foodwatch e.V.: E-Mail: aktuell@foodwatch.de, <mailto:aktuell@foodwatch.de>
Telefon: 030 - 28 09 39 95
foodwatch ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Berlin, VR 21908 B, AG Charlottenburg, Geschäftsführer ist Dr. Thilo Bode.


Online-Flyer Nr. 396  vom 06.03.2013

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