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Aktueller Online-Flyer vom 25. Januar 2021  

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Kommentar
Kommentar vom "Hochblauen"
Purim - Mord, Haft und Folter im jüdischen Staat
Von Evelyn Hecht-Galinski

Pünktlich zum Purim Fest, bei dem das "jüdische Volk" die Tötung von 75.000 Persern vor fast 2400 Jahren feiert, das damit das blutige Buch Esther verherrlicht und damit an die Gewalttaten und die Unterdrückung gegen das palästinensische Volk von heute anknüpft, ein Angriff vom jüdischen Staat, gegen den Iran förmlich in der Luft liegt, überschreitet das israelische Regime die roten Linien immer offener und ungehemmter. Da sehe ich in der Jüdischen Allgemeinen vom 21.02.2013 ein Bild in einem Artikel vom Präsidenten des Zentralrats der Juden Graumann (Dieter mir graut vor Dir, mehr denn je) mit zwei verkleideten "Purim Kids" aus Frankfurt/Main, und was haben sie als Verkleidung gewählt? Richtig, zwei militärische Tarnanzüge, passend zum darunter stehenden Artikel.


Purim-Fest – gefeiert auch beim Zentralrat der Juden in Deutschland
Quelle: Zentralrat der Juden

Das erinnert mich an das schreckliche Foto, das zwei Israelische Kinder zeigt, die Raketen mit Grüßen in den Libanon beschriften. In dem Artikel werden alle Sachen vermischt, von Purim als Kraftquelle, gegen Leid und Verfolgung, der Notwendigkeit die elementaren Gebote zu verteidigen (was damit wohl gemeint ist?) oder den ungerechten und verleumderischen Kritiken gegen Israel entgegenzutreten, dann noch die Antisemitismusdebatte - da haben wir schon wieder die ganze Palette der Propaganda der Israel-Lobby. Das gipfelt dann in Tiraden gegen den iranischen Präsidenten und seine "Mullah-Gefolgschaft". Und von der Bundesregierung wird dann nicht weniger verlangt, als ein Einsatz gegen die Feinde des jüdischen Volkes, noch mehr Sanktionen, oder gar der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Iran, oder die Hisbollah auf die Terrorliste der EU zu setzen. Noch scheinheiliger wird es, wenn man dann noch die Stimme erhebt, wann immer "unsere jüdischen Werte" bedroht werden und der jüdische Staat delegitimiert und bedroht wird.
 
Kommen wir nun zur traurigen Realität der jüdischen Werte, wie sie vom jüdischen Staat praktiziert und bei den Diaspora-Brigaden (Juden außerhalb von Israel) zelebriert werden. Am 23. Februar starb der erst 30jährige palästinensische Familienvater und Häftling Arafat Dscharadat in israelischer Willkürhaft. Sein angebliches Vergehen, er soll im vergangenen November Steine auf israelische Militärfahrzeuge bei Hebron geworfen haben. Wurde er deshalb vom Shin Bet verhört und vermutlich gefoltert, was dann zu seinem Tod führte? Die rechtswidrige Administrativhaft, wie sie das Regime Israel seit Jahren in israelischen Gefängnissen gegen die Palästinenser praktiziert, verstößt gegen jedes Völker- und Menschenrecht! Über 4500 inhaftierte Palästinenser traten danach für einen Tag in den Hungerstreik, um gegen diesen Tod in israelischer Folterhaft zu protestieren.
 
Warum nahmen die israelischen "Sicherheitskräfte" etwa ein Dutzend Palästinenser, die im Zuge des Austausches mit der Freilassung von Gilad Schalit im vergangenen November freigelassen wurden, erneut fest, gegen alle Abmachungen? Wollte man bewusst die Demonstrationen, die dagegen aufflammten, in Hebron, Tulkarm und vielen anderen Orten des Westjordanlandes herausfordern? Arbeitet man gezielt auf eine dritte Intifada, um dann den letzten großen Schlag gegen das palästinensische Volk führen zu können? Wir sehen doch alle, dass es überhaupt keinen Friedensprozess mehr gibt. Dieser, hätte es ihn denn jemals wirklich gegeben, ist durch die Tatsachen und Handlungen des jüdischen Staates längst gestorben. Auch Obama wird auf seiner kommenden Reise nach Israel und Palästina da nicht viel zu beitragen dürfen. Geht es doch nur noch um das iranische Atomprogramm und das syrische Chemiewaffen-Arsenal. Das Protokoll ist von Israel längst diktiert und wird vom "Drohnenkönig" nur noch abgezeichnet. Da schmelzen dann die jüdischen und christlichen Werte dieser zwei Staaten ineinander und werden eins.
 
Ja, und Palästinenserpräsident Abbas, der Kaiser ohne Kleider, bekräftigte am Wochenende in einem Interview mit einem arabischen Sender, dass er nur gewaltlose Proteste unterstütze! Da fehlen die Persönlichkeiten, wie dem leider im Jahr 2010 verstorbenen Abu Daoud. Er sagte in einem bemerkenswerten Interview in der taz vom 3.Februar 2006, zu dem Überfall auf die israelische Delegation bei den Olympischen Spielen in München 1972,: „Natürlich erzeugt Gewalt immer Gegengewalt“. Ist da nicht auch und gerade die These des jüdischen Staates, seit seiner Gründung? Nur, dass sie die Eroberer und Besatzer den deutschen Titel der „Gatekeeper“ verinnerlichten,:“Töte zuerst“. Bitte beachten Sie das hochinteressante und aufklärende Interview mit Abu Daoud! Was ist also für das zionistische Regime überhaupt noch an Widerstand zu erwarten und von wem? Wo bleiben die Berichterstattung und der Aufschrei im deutschen Medien-Blätter-Wald und in der Politik über den Tod des Häftlings, oder die vier, seit mehr als zweihundert Tagen, fast dem Tode nah hungerstreikenden Palästinenser, die damit gegen ihre unmenschliche Administrativhaft (jüdische Werte?) protestieren? Wo bleibt der Protest der deutschen Regierung, oder der Opposition gegen diesen israelischen Staatsterror? Wo bleibt der wieder einmal "gauckelnde" Bundespräsident, diesmal mit seiner "Europa-Predigt", wenn er von der europäischen Wertegemeinschaft spricht, die ein Raum von Freiheit und Toleranz sein will. Natürlich wurde da, aufgrund unserer gemeinsamen Vergangenheit dieses unangenehme Thema jüdischer Staat und Menschenrechtsverletzungen ausgelassen. Oder dachte er bei seinen Aufruf am 25.2. vor dem UN-Menschenrechtsrat zum weltweiten Einhalten der Menschenrechte auch an das israelische Regime? Immerhin sagte er so "bedeutungsvolle " Sätze, wie: "Menschenrechte bleiben für mich die Grundlage allen menschlichen Zusammenlebens,"oder, "Menschenrechte bleiben die Voraussetzung dafür, dass wir unser Leben zum Besseren verändern". Er rief die Staaten dazu auf, die Nichtregierungsorganisationen als Partner zu betrachten. Angesichts seiner Erfahrungen in der DDR bezeichnete er auch Länder die Kritik unterbinden als "Unrechtsstaaten". Passt das nicht alles genau und explizit auf den jüdischen Staat, der die Menschenrechte und den UN-Menschenrechtsrat missachtet und mit Füßen tritt? Hat "Pfarrer Gauck" das alles bedacht, bei seinen Ausführungen, oder misst er wieder mit zweierlei Maß, wenn es um das besondere Verhältnis zum jüdischen Staat geht und er denkt eben nur an das Elfte Gebot: "Israel darf alles"?
 
 
 
Dazu passt auch, dass in Synagogen weltweit Gebete für israelische Soldaten gesprochen werden. Wird nicht damit der Palästina-Konflikt immer mehr zu einem Glaubenskrieg umfunktioniert, indem auch wie im jüdischen Staat die Politiker mit der Thora als Kampfmittel ihre instrumentalisierende Politik machen, oder Militärrabbiner immer mehr die israelische "Verteidigungs"-Armee beeinflussen? Zeigt sich nicht hier wieder ein bewusstes Abgrenzen zu den jeweiligen Ländern, denn kann man es als normal bezeichnen wenn man als Staatsbürger eines anderen Landes, explizit für israelische Soldaten betet? Ist das nicht ein Fördern eines falschen israelisch/jüdischen Bewusstseins, was dazu führt, dass ein normales Zusammenleben mit der nicht jüdischen Welt unmöglich gemacht wird? Ist es vielleicht der Wille verschiedener interessierter Kreise, das auch so zu befördern, dass schließlich ein Leben außerhalb vom jüdischen Staat für Diaspora-Juden nicht mehr sinnvoll erscheint?
 
Dies ist eine für mich sehr erschreckende Tendenz, die mir in den letzten etwa zwanzig Jahren besonders auffällt und die durch massive Geldmengen und Einflüsse, wie z. B. das Lauder Zentrum oder andere jüdische Organisationen, gepusht wird. Ich kann mich nicht erinnern, dass z.B. die Chabad Lubawitscher früher einmal soviel Einfluss und Aufmerksamkeit erringen konnten, wie es heute auch in Berlin passiert. Im Gegensatz dazu hat sich auch in Berlin eine israelische Spaßgesellschaft etabliert, die nichts dazu beiträgt, die israelische Regierung zum Frieden mit den Palästinensern zu animieren. Sie zeigen nur Interesse an ihrem Wohlbefinden in Berlin - natürlich leicht gemacht durch das Leben in Berlin. Im Gegensatz dazu wird den Palästinensern ihr legitimes Rückkehrrecht in ihre alte Heimat verweigert, Juden aus aller Welt hingegen haben aber die Möglichkeit, in ihr "gelobtes, von Gott versprochenes Land" zurückzukehren.
 
Eine gute Wahl war das Pressefoto des Jahres 2012 des schwedischen Fotografen Paul Hansen "Tote palästinensische Kinder", ausgewählt von der renommierten "Word Press Photo Award"-Jury unter 100.000 Pressefotos in Amsterdam. Das Foto zeigt die beiden Leichen der von Israel während des Gaza Angriffs ermordeten zwei und dreijährigen Kinder, Suhaib und Mohammad Hijazi. Das Leid der Familie Hijazi ging damals um die ganze Welt. Dieses Foto zeigt ja nur einen Bruchteil des Leids und ist nur eine Momentaufnahme der israelischen Schreckensherrschaft über die Palästinenser, ebenso wie die Fotos der hungerstreikenden Häftlinge in israelischer Haft. Wären diese in Syrien, hätte es ihr Foto bestimmt schon auf jede deutsche Titelseite gebracht!
 
 Man darf die Nakba zwar nicht mit der Schoah gleichsetzen, aber man darf sehr wohl das Leid der Vertriebenen vergleichen. Auch möchte ich nicht das rassistisch/faschistische israelische Regime gleichsetzen mit einem anderen, aber gewisse Untaten, Folterungen und Verbrechen, wie auch die Administrativhaft erinnern daran. Das sollten wir nie vergessen. (PK)

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15280
http://www.andremarty.com/index.php?/archives/171-Journalisten-Ausbildung.html
http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2006/02/03/a0214
http://www.spiegel.de/politik/ausland/hungerstreik-und-massenprotest-israel-fuerchtet-eine-dritte-intifada-a-885429.html
http://www.fr-online.de/panorama/world-press-photo-2013-pressefoto-des-jahres-2013-gekuert,1472782,21848086.html
http://www.aljazeera.com/news/middleeast/2013/02/2013225121024416594.html
http://www.faz.net/aktuell/rede-vor-un-gremium-gauck-ohne-falsche-ruecksichten-gegen-repression-12093910.html


Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin und Autorin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Ihre Kommentare für die NRhZ schreibt sie regelmäßig vom "Hochblauen", dem 1186 m hohen "Hausberg" im Badischen, wo sie mit ihrem Mann Benjamin Hecht lebt.
2012 kam ihr Buch "Das elfte Gebot: Israel darf alles" heraus. Erschienen im tz-Verlag ISBN 978-3940456-51-9 (print), Preis, Euro 17,89 .


Online-Flyer Nr. 395  vom 27.02.2013

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