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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Sport
Turbine Potsdam gewinnt souverän das 19. DFB-Hallenmasters der Frauen
„Toni“ Göransson – die „Bandenkönigin“
Von Bernd J.R. Henke und Johann Blaha

Magdeburg, 19.01.2013. Spannung bis zum Ende. Zwölf Mannschaften der 1. Frauenbundesliga verzauberten die Herzen der 4.435 Zuschauer in der Hallenhandball- Spielstätte des SC Magdeburg (SCM), vormals Bördelandhalle, jetzt unter dem Namen GETEC Arena bekannt. Anno 2009 war der feminine Hallenpokal vom Austragungsort der Bonner Hardtberghalle mit 2.600 Plätzen in die männliche Handballhochburg Magdeburg gewandert. Gewiss ein lobenswerter Schritt zu höherer Hallenkapazität.

Ballzauberin Antonia „Toni“ Göransson (Turbine Potsdam) verfolgt von Melanie Behringer (FFC Frankfurt)
 
 
Mit der Imagemarke - SCM „Gladiators“ - gehört der SC Magdeburg zusammen mit THW Kiel und dem VfL Gummersbach zu den erfolgreichsten deutschen Handballvereinen der Männer. Dank dem Antihelden und Handball-Punk Stefan Kretschmar erreichte die GETEC Arena in der Stadt „Otto des Großen“ (1) samt seiner Region Elbe-Börde-Heide einen medialen und bunten Pop-Faktor in der Wahrnehmung der internationalen Sportöffentlichkeit. Das feminine Spielen über Bande mit der unsichtbaren sechsten Frau – das bedeutete fußballerisches Feingefühl und Ästhetik pur.
 
Ganz im Sinne der Offiziellen des deutschen Fußballbundes (DFB) errang die Schwedin Antonia „Toni“ Göransson mit ihrer dynamischen „Bandentechnik“ die Krone der besten Spielerin. Als Teil eines Ganzen in überragender Vertrautheit mit ihrer Mannschaft zeigte die „Bandenkönigin“ einmal mehr, aus welchem Himmelsbrot Pop-Ikonen des internationalen Frauenfußballs gebacken sind, um auf die oberen Treppchen zu gelangen. Erst zwei Tage war sie aus ihrer Heimat – dem EM-Gastgeberland – zurückgekehrt, nicht ohne mit Stolz zu vermerken, mit der legendären Trainerin der US-Olympiasiegerinnen und kürzlich ins schwedische Königreich heimgekehrten Pia Sundhage einen EM-2013 Lehrgang absolviert zu haben.

Antonia Göransson beim Zweikampf mit dem VfL Sindelfingen war sie in Schusslaune
 
 
Immer dann, wenn „Toni“ an der Außenbande mit schnellem Schritt und Ballbesitz nach vorne stürmte, zog sie mehrere Gegnerinnen auf sich, nutzte sie die unsichtbaren Bandenwinkel und zirkelte das runde Leder in die sich ergebenden freien Räume. Manchmal zog sie überraschend ab, verdutzte Torhüterinnen hatten das Nachsehen. Sechsmal gelang es ihr, selbst den Ball ins Tor zu hieven. Ihre Sternstunde erlebte sie im direkten Vergleich beim K.O.-System des Viertelfinales gegen den 1.FFC Frankfurt, als sie aus einem 0:1 Rückstand durch ein Tor der Frankfurterin Babett Peter (1.) innerhalb von neun Minuten dagegenhielt und eine Führung erkämpfte -1:1 Antonia Göransson (3.) – 2:1 Antonia Göransson (9.) Begeisterte -„Toni, Toni, Toni,“ - Rufe durchhallten die Arena.

1.FFC Frankfurt in Lauerstellung, von links nach rechts: Svenja Huth, Babett Peter, Bianca Schmidt, Ana-Maria Crnogorcevic, Jessica Wich
 
 
Der Magdeburger Budenzauber gilt als erste Standortbestimmung zum Jahresanfang. Alle Teams traten mit dem bestmöglichen Aufgebot an. Es bestand aus 12 Spielerinnen, einschließlich zweier Torfrauen, von denen sich insgesamt fünf gleichzeitig auf dem Spielfeld befanden. Der favorisierte Titelverteidiger 1. FFC Frankfurt war mittels seines gemeldeten 12-er Hallenkaders mit acht Nationalspielerinnen angereist.
 
Bei einer Quersumme von 322 gespielten Länderspielen aller FFC- Spielerinnen für ihre jeweiligen Nationalteams in Deutschland, Japan und der Schweiz erwiesen sich die Frankfurterinnen in den journalistischen Previews der Zeitungen und Blogs mit Weltmeisterin Saki Kumagei (49 Länderspiele), Melanie Behringer (85), Kim Kulig (30), Dszenifer Marozsán (9), Svenja Huth (8), der Schweizerin Ana-Maria Crnogorcevic (39) sowie den Ex-Potsdamerinnen Babett Peter (72) und Bianca Schmidt (30) als das Team mit den besten Einzelakteurinnen. Frankfurt verfügt gemeinsam mit Olympique Lyonnais über das erlesenste Spielerinnen-Potential Europas.

Potsdams Afrikanerin Genoveva Anonma mit der Japanerin Saki Kumagei (1.FFC Frankfurt)
 
 
Frankfurts junger Trainer Philipp Dahm setzte wie angekündigt auf Motivation durch Spielfreude. Er ließ seinen exponierten Frauen auf dem Feld, am Rande der Bande freie Hand. Eigenständiges Organisieren und selbst koordinierte Wechsel sollten helfen, den Druck auf seine Elite-Kickerinnen zu mindern. Nicht dabei waren die verletzten Nationalspielerinnen Simone Laudehr und Fatmire Bajramaj, die beide in der familiären Atmosphäre der Arena den jungen Fans für Handyfotos und Autogramme zur Verfügung standen – ihre Popularität stand bei den Mädchenfußballerinnen und Teenies sichtlich hoch im Kurs.
 
Beim 12-er Kader des derzeitigen Bundesliga-Spitzenreiters VfL Wolfsburg vermisste man Torjägerin Conny Pohlers. Sie hatte ihren Trainer gebeten, sie nicht mehr für Hallenturniere zu nominieren, um am Ende der Karriere im Meisterschaftsendkampf 2012/2013 keine Verletzung zu riskieren, so die Auskunft von VfL-Pressereferentin Mirja Oppermann.

Nadine Keßler (VfL Wolfsburg), dahinter Lena Goeßling
 
 
Frisch im Geschehen nach langer Verletzungspause war die U-20-Weltmeisterin 2010, Selina Wagner, die mit den A-Nationalspielerinnen Luisa Wensing (4), Nadine Keßler (3), Verena Faißt (13), Martina Müller (101), Josephine Henning (10), Lena Goeßling (42) und deren Quersumme von 153 gespielten Länderspielen das Auftaktspiel des Turniers in der schwierigsten der drei Gruppen – der Gruppe A – gegen das Überraschungsteam der laufenden Bundesliga-Saison SC Freiburg zu absolvieren hatte.
 
Kapitänin Nadine Keßler erzielte nach präzisem Steilpass von Lena Goeßling bereits nach zwölf Sekunden das erste Turniertor. Kurios dabei war der Umstand, dass dieses frühe Tor das gültige Endergebnis bedeutete. Die spielerische Überlegenheit des VfL Wolfsburg scheiterte sowohl an der eigenen Unzulänglichkeit im Abschluss sowie an Freiburgs Torhüterin Laura Benkrath. Zudem fanden die Frauen des SC Freiburg mit der trickreichen Offensivspielerin, der ehemaligen U-20-Weltmeisterin Sylvia Arnold, immer mehr ins Spiel, gaben am Ende der VfL-Abwehr keine Ruhe.

Lena Goeßling (VfL Wolfsburg) im Zweikampf mit der 16-jährigen Potsdamerin Pauline Bremer
 
 
Mehr Zuschauerkapazität in Magdeburg, aber nicht mehr im Boot der Namensgeber T-Home, eine ehemalige Produktmarke des Bonner Telekom-Riesen. Das neue Veranstaltungsformat mutierte unter der Ägide Zwanziger zum „DFB-Hallenpokal der Frauen“. Der DFB wurde zum alleinigen Veranstalter des Sportevents. Magdeburg lockte mit einer Hallenkapazität von 4.800 Sitzplätzen. Auffällig in diesem Jahr: der WM-Hype des Vorjahres blieb aus, die Arena war nicht mehr ausverkauft. Als organisatorischer Förderer gilt der Vereinspräsident des Magdeburger FFC, Karl-Edo Feucht, ein gebürtiger Ostfriese und Frauenfußball-begeisterter Amtsrichter aus der Sportstadt Sachsen-Anhalts.

Fußballikone Fatmire Bajramaj (FFC) im Tribünengespräch mit der Schweizerin Ana-Maria Crnogorcevic (FFC), dahinter Meike Weber (FFC) im Dialog mit Conny Pohlers (VfL Wolfsburg)
 
Bemerkenswert: mdr 3 sendete 45 Minuten lang zeitnah monothematische Zusammenschnitte sowie das Endspiel live. Damit sorgten immerhin 200.000 dankbare Frauenfußball Fans für eine mediale Quote von 7,7%. (Quelle: DFB) Stark auffällig: kaum nennenswerte Fanbewegungen aus dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein, so wie noch im letzten Jahr, als der FCR 01 Duisburg noch vorne mitmischte. Um so mehr ein dominierender Block Brandenburger Turbine-Fans, die sich im Verlauf des Turniers mit den Schwestern und Fans des USV Jena ob der guten Leistungen gegen den 1.FFC Frankfurt in der Vorrunde und gegen den VfL Wolfsburg in der K.O.-Runde des Halbfinales verbrüderten.

Karoline Heinze (USV Jena) im Zweikampf mit der Schweizerin Caroline Abbé (SC Freiburg)
 
Gruppenspiele der Vorrunde:
 
Gruppe A:
 
VfL Wolfsburg – SC Freiburg 1:0 – 1:0 Nadine Keßler (1.)
FC Bayern München – Bayer 04 Leverkusen 1:2 – 0:1 Turid Knaak (2.) – 1:1 Vanessa Buerki (9.) – 1:2 Marith Prießen (12.)
Bayer 04 Leverkusen – VfL Wolfsburg 2:2 – 0:1 Martina Müller (5.) – 1:1 Isabelle Linden (7.) – 2:1 Lisa Schwab (7.) – 2:2 Anna Blässe (8.)
SC Freiburg – FC Bayern München 3:0 – 1:0 Sylvia Arnold (1.) – 2:0 Jenista Clark (6.) – 3:0 Jenista Clark (10.)
VfL Wolfsburg – FC Bayern München 1:0 – 1:0 Nadine Keßler (6.)
Bayer 04 Leverkusen – SC Freiburg 1:0 – 1:0 Eunice Beckmann (9.)
 
Gruppe B:
 
1. FFC Turb. Potsdam – VfL Sindelfingen 8:0 – 1:0 Stefanie Draws (2.) – 2:0 Tabea Kemme (3.) – 3:0 Antonia Göransson (3.) – 4:0 Antonia Göransson (7.) – 5:0 Genoveva Anonma (7.) – 6:0 Ada Hegerberg (10.) – 7:0 Stefanie Draws (12.) – 8:0 Maren Mjelde (12.)
SGS Essen – FCR 2001 Duisburg 2:0 – 1:0 Ana Cristina Oliveira Leite (6.) – 2:0 Melanie Hoffmann (9.)
FCR 2001 Duisburg – 1. FFC Turb. Potsdam 0:7 – 0:1 Ada Hegerberg (1.) – 0:2 Genoveva Anonma (3.) – 0:3 Genoveva Anonma (5.) – 0:4 Stefanie Draws (5.) – 0:5 Stefanie Draws (6.) – 0:6 Patricia Hanebeck (7.) – 0:7 Antonia Göransson (9.)
VfL Sindelfingen – SGS Essen 1:5 – 0:1 Charline Hartmann (1.) – 0:2 Charline Hartmann (4.) – 0:3 Linda Dallmann (5.) – 0:4 Melanie Hoffmann (6.) – 0:5 Katharina Leiding (9.) – 1:5 Merza Julevic (11.)
1. FFC Turb. Potsdam – SGS Essen 4:0 – 1:0 Genoveva Anonma (3.) – 2:0 Ada Hegerberg (6.) – 3:0 Stefanie Draws (6.) – 4:0 Ada Hegerberg (11.)
FCR 2001 Duisburg – VfL Sindelfingen 3:3 – 1:0 Elli Reed (1.) – 1:1 Nicole Loipersberger (4.) – 1:2 Julia Schneider (6.) – 1:3 Alexandra Szarvas (8.) – 2:3 Barbara Müller (11.) – 3:3 Isabell Schenk (12.)
 
Gruppe C:
 
1. FFC Frankfurt – FSV Gütersloh 2009 5:0 – 1:0 Jessica Wich (4.) – 2:0 Dzsenifer Marozsan (6.) – 3:0 Jessica Wich (10.) – 4:0 Meike Weber (11.) – 5:0 Dzsenifer Marozsan (12.)
FF USV Jena – SC 07 Bad Neuenahr 0:2 – 0:1 Aylin Yaren (2.) – 0:2 Peggy Kuznik (11.)
SC 07 Bad Neuenahr – 1. FFC Frankfurt 0:1 – 0:1 Dzsenifer Marozsan (4.)
FSV Gütersloh 2009 – FF USV Jena 0:6 – 0:1 Iva Landeka (2.) – 0:2 Karoline Heinze (4.) – 0:3 Carolin Schiewe (5.) – 0:4 Sabrina Schmutzler (6.) – 0:5 Karoline Heinze (7.) – 0:6 Kathleen Radtke (12.)
1. FFC Frankfurt – FF USV Jena 0:1 – 0:1 Amber Hearn (4.)
SC 07 Bad Neuenahr – FSV Gütersloh 2009 3:1 – 1:0 Leonie Maier (2.) – 2:0 Nadine Rolser (3.) – 2:1 Merle Liedmeier (8.) – 3:1 Célia Okoyino da Mbabi (11.)


Nationalspielerin Anja Mittag inkognito mit Kaputze auf Besuch in Deutschland neben der verletzten Potsdamerin Jennifer Zietz, daneben Turbine-Teammanagerin Aferdita Podvorica
 
Bereits in der Vorrunde war deutlich zu erkennen, dass der Turniersieg nur über die Potsdamerinnen führen würde. Zu souverän beherrschten die Brandenburgerinnen in der Vorrunde ihre Gegner. Auch eher unauffällige Spielerinnen wie Stephanie Draws oder Tabea Kemme fielen durch ein glänzendes Stellungsspiel auf. Dementsprechend fiel das Fehlen der grippekranken stärksten Potsdamer Einzelakteurin Yuki Ogimi weit weniger ins Gewicht als erwartet.
 
Alle Potsdamerinnen fanden zu einer sehr kompakt geschlossenen Mannschaftsleistung. Potsdams Winterzugänge, die junge 17-jährige Ada Stolsmo Hegerberg von Stabaek FK sowie die 23-jährige Kapitänin der norwegischen Nationalmannschaft Maren Mjelde von Arna-Bjørnar Fotball Bergen (48 Länderspiele), zeigten dem Publikum, dass auch den Spielerinnen aus dem nordischen Land der Fjorde ein ähnlich überragendes Hallenfußball-Feeling mit fliegenden Wechseln im Blut liegt wie der schwedischen „Bandenkönigin“.

Frankfurts Nationalspielerin Svenja Huth verfolgt durch die 17-jährige Potsdamerin Ada Stolsmo Hegerberg
 
 
Vorjahressieger Frankfurt spielte eine durchwachsene Rolle. Die scheinbar pomadig agierenden Spielerinnen fanden nicht wirklich zu einem souveränen Spiel - zu viel Kopf, zu wenig Emotion und kämpferisches Kalkül. Nur beim direkten Zusammentreffen mit Potsdam steigerte sich Frankfurt. Es war ein Fight auf Augenhöhe. Mit ein wenig Glück hätte auch der 1. FFC Frankfurt als Sieger vom Platz gehen können. Es war nach Aussage von Turbine-Trainer Bernd Schröder das beste Match des Tages. Katzenjammer bei Frankfurt, Freude bei Potsdam. Im Vorjahr war es genau umgekehrt.
 
Überglücklich war Turbines schwedische „Bandenkönigin“ Antonia Göransson: „Dieses Turnier hat Spaß gemacht. Wir haben als Mannschaft gezeigt, was wir können und auch das nötige Glück gehabt. Der Hallencup gibt uns Selbstvertrauen bei Turbine und mir persönlich auch mit der schwedischen Nationalmannschaft.“ Kurz darauf legte sie in der Pressekonferenz kess nach: „Schweden wird Europameister.“ Die anwesende Bundestrainerin Silvia Neid nahm den Ball der Schwedin auf und erklärte zum Thema Titelverteidigung der Europameisterschaft: „Andere Nationen haben aufgeholt. Es gibt viele Teams, die den Titel gewinnen können. Man darf nicht erwarten, dass wir jede EM gewinnen.“ Fürwahr endlich einmal ein realistisches Bild.

Bundestrainerin Silvia Neid verfolgt mit ihrem Trainerteam die Spiele
 
 
Neid vermittelte den Eindruck, dass die Nationalspielerinnen sich beim ersten Länderspieltest 2013 in Straßburg gegen Frankreich am 13. Februar erheblich steigern müssten. Das 1:1 Ende November in Halle/Saale gegen die starken Französinnen sei „unser schwächstes Spiel des letzten Jahres“ gewesen, betonte Neid: „Da waren wir keinen Deut besser.“ Für das Duell in gut drei Wochen forderte sie „mehr Durchsetzungsvermögen, mehr Ideen vor dem Tor mit besserem Abschluss, und vor allem weniger Fehlpässe“. Es ginge darum, mehr Selbstvertrauen und mehr Leidenschaft ins Team zu bringen. Fürwahr für dieses Statement wäre an diesem Turniertag auch der 1. FFC Frankfurt ein würdiger Adressat gewesen.

Jubel bei Potsdam
 
 
Potsdams Siegtorschützin Tabea Kemme: „Magdeburg ist unser Wohnzimmer, so viele Fans sind dabei. Das ist eine Wahnsinnsstimmung." Im Finale setzten sich die "Torbienen" 2:1 gegen den VfL Wolfsburg durch und holten ihren insgesamt sechsten Titel. Turbine Potsdam war in der Halle eine Klasse für sich. Bei den knappen Siegen gegen den 1. FFC Frankfurt und VfL Wolfsburg waren die Brandenburgerinnen jeweils die eindeutig bessere Mannschaft. Das Debüt der 16-jährigen talentierten Pauline Bremer im Trikot von Turbine Potsdam bewies wieder einmal mehr, dass die Nachwuchsförderung in Potsdam Früchte trägt. Der VfL Wolfsburg spielte clever und effizient, aber nur phasenweise wirklich überzeugend. Gerade das Offensivspiel wirkte mitunter ein wenig einfallslos.
 
Viertelfinale:
 
Bayer 04 Leverkusen – SC 07 Bad Neuenahr 2:1 n.N. – 1:0 Isabelle Linden (i.N.) – 1:1 Laura Störzel (i.N.) – 2:1 Turid Knaak (i.N.)
1. FFC Turb. Potsdam – 1. FFC Frankfurt 3:2 – 0:1 Babett Peter (1.) – 1:1 Antonia Göransson (3.) – 2:1 Antonia Göransson (9.) – 3:1 Genoveva Anonma (10.) – 3:2 Meike Weber (11.)
FF USV Jena – SC Freiburg 1:0 – 1:0 Karoline Heinze (10.)
VfL Wolfsburg – SGS Essen 4:2 – 1:0 Nadine Keßler (1.) – 1:1 Ina Mester (2.) – 2:1 Martina Müller (2.) – 3:1 Martina Müller (3.) – 3:2 Linda Dallmann (5.) – 4:2 Selina Wagner (11.)
 
Halbfinale:
 
Bayer 04 Leverkusen – 1. FFC Turb. Potsdam 0:3 – 0:1 Antonia Göransson (4.) – 0:2 Patricia Hanebeck (8.) – 0:3 Patricia Hanebeck (12.)
FF USV Jena – VfL Wolfsburg 5:6 n.N. – 0:1 Lena Goeßling (10.) – 1:1 Lisa Seiler (10.) – 2:1 Iva Landeka (i.N.) – 2:2 Anna Blässe (i.N.) – 2:3 Nadine Keßler (i.N.) – 3:3 Carolin Schiewe (i.N.) – 4:3 Iva Landeka (i.N.) – 4:4 Anna Blässe (i.N.) – 5:4 Carolin Schiewe (i.N.) – 5:5 Lena Goeßling (i.N.) – 5:6 Anna Blässe (i.N.)
 
Finale:
 
1. FFC Turb. Potsdam – VfL Wolfsburg 2:1 – 1:0 Ada Hegerberg (1.) – 1:1 Verena Faißt (3.) – 2:1 Tabea Kemme (9.)

Bandenlauf von Antonia Göransson, verfolgt von Luisa Wensing (VfL Wolfsburg)
 
Turbine Potsdam glänzte. Die innere Harmonie und Zusammengehörigkeit war spürbar. Keinerlei Punktverlust, 27:3 Tore inklusive des 2:1-Finalerfolgs über Bundesliga-Spitzenreiter VfL Wolfsburg, dazu alle individuellen Ehrungen: die Schwedin Antonia Göransson wurde als beste Turnierspielerin geehrt und Anna Felecitas Sarholz bekam den Preis als beste Torhüterin. Irrtümlicherweise wurde die Stürmerin Genoveva Anonma als beste Torschützin ausgezeichnet. Nach Prüfung der TV-Aufzeichnungen wurde ihr ein Tor aberkannt. Somit gewann die schwedische „Bandenkönigin“ von Magdeburg, Antonia Göransson, nachträglich auch die Ehrung für die meisten Tore.
 
Torschützinnen:
 
1. Antonia Göransson 6 Tore, 2. Genoveva Anonma 5 Tore, 3. Stefanie Draws 5 Tore, 4. Ada Stolsmo Hegerberg 5 Tore (alle Turbine Potsdam) 5. Dzsenifer Marozsán 3 Tore (FFC Frankfurt), 6. Linda Dallmann 3 Tore (SGS Essen), 7. Karoline Heinze 3 Tore (USV Jena)

Anna Felecitas Sarholz – ausgezeichnet mit dem Preis beste Torhüterin
 
 
Zwei Mannschaften - die SGS Essen und der USV Jena - mauserten sich zu Überraschungsteams. Die SGS Essen dominierte in der Vorrunde über den FCR 01 Duisburg und den VfL Sindelfingen. Im dritten Vorrundenspiel gegen Turbine Potsdam war Essen chancenlos. Im Viertelfinale hielten die Ruhrpott Ladies gegen den VfL Wolfsburg gut mit. Ihr erfrischender Offensivfußball wurde von den Zuschauern mit viel Beifall honoriert. Der USV Jena schaffte es bis ins Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg und schied unglücklich nach Neunmeterschießen mit 5:6 aus. Als zweitbeste Torhüterin, auf Augenhöhe mit der Potsdamerin Sarholz, brillierte die italienische Nationaltorfrau Katja Schroffenegger, die für Jena manchen Gegentreffer verhindern konnte. Sie hatte erheblichen Anteil mit Susanne Utes und Kathleen Radtke an der guten Platzierung von Jena.


Mannschaftsbild der Siegermannschaft mit den Fan-Flaggen im Hintergrund
 
 
Erfreulicherweise gab es in diesem Jahr keine Gelbe Karten. Es gab zwei Zeitstrafen (zwei Minuten): Francesca Weber (Bayer 04 Leverkusen) im Spiel gegen den VfL Wolfsburg wegen eines Ellenbogenchecks, Jacqueline Dünker (FSV Gütersloh) im Spiel gegen SC 07 Bad Neuenahr wegen eines Foulspiels. Erfreulicherweise gab es in diesem Jahr auch keine Roten Karten. Es gab drei Neunmeter: Katja Schroffenegger (USV Jena) hielt einen Foulneunmeter von Celia Okoyino da Mbabi (SC 07 Bad Neuenahr), den Nadine Kraus an ihr verursacht hatte. Kathrin Längert (FC Bayern München) hielt einen von Juliane Maier (SC Freiburg) geschossenen Foulneunmeter. Peggy Kuznik (SC 07 Bad Neuenahr) verschoss einen von Pia Lange (FSV Gütersloh) verursachten Handneunmeter links neben das Tor.
Sensationell: unglaublich, mit welchem Tempo die Schwedin „Toni“ Antonia Göransson an ihren Gegenspielerinnen vorbeizog, meist gefolgt von einem präzisen Torabschluss.
 
Hall of Fame
 
2013
Beste Spielerin: Antonia Göransson (1. FFC Turbine Potsdam)
Torschützenkönigin: Antonia Göransson (1. FFC Turbine Potsdam) 6 Tore
Beste Torhüterin: Anna Felicitas Sarholz (1. FFC Turbine Potsdam)
 
2012
Beste Spielerin: Dzsenifer Marozsan (1. FFC Frankfurt)
Torschützenkönigin: Dzsenifer Marozsan (1. FFC Frankfurt) 7 Tore
Beste Torhüterin: Almuth Schult (SC 07 Bad Neuenahr)
 
2010
Beste Spielerin: Fatmire Bajramaj (1. FFC Turbine Potsdam)
Torschützenkönigin: Alexandra Popp (FCR 2001 Duisburg) 5 Tore
Beste Torhüterin: Kathrin Längert (FC Bayern München)
 
2009
Beste Spielerin: Melanie Hoffmann (SG Essen-Schönebeck)
Torschützenkönigin: Isabel Kerschowski (1. FFC Turbine Potsdam) 5 Tore
Beste Torhüterin: Ursula Holl (SC Bad Neuenahr)
 
2008
Beste Spielerin: Linda Bresonik (SG Essen-Schönebeck)
Torschützenkönigin: Bresonik und M. Hoffmann (beide SG Essen-Schönebeck) 5 Tore
Beste Torhüterin: Ulrike Schmetz (FC Bayern München)
 
2007
Beste Spielerin: Isabell Bachor (SC 07 Bad Neuenahr)
Torschützenkönigin: Kerstin Garefrekes (1. FFC Frankfurt) 6 Tore
Beste Torhüterin: Nadine Angerer (1. FFC Turbine Potsdam)
 
2006
Beste Spielerin: Renate Lingor (1. FFC Frankfurt)
Torschützenkönigin: Birgit Prinz (1. FFC Frankfurt), I. Bachor (Bad Neuenahr) 6 Tore
Beste Torhüterin: Kerstin Wasems (SC 07 Bad Neuenahr)
 
2005
Beste Spielerin: Melanie Behringer (SC Freiburg)
Torschützenkönigin: Viola Odebrecht (1. FFC Turbine Potsdam) 6 Tore
Beste Torhüterin: Ursula Holl (FSV Frankfurt)
 
2004
Beste Spielerin: Kerstin Garefrekes (FFC Heike Rheine)
Torschützenkönigin: Kerstin Garefrekes (FFC Heike Rheine) 6 Tore
Beste Torhüterin: Nadine Angerer (1. FFC Turbine Potsdam)
 
2003
Beste Spielerin: Melanie Hoffmann (FCR Duisburg)
Torschützenkönigin: Inka Grings (Duisburg), Martina Müller (Bad Neuenahr) 6 Tore
Beste Beste Torhüterin: Alexandra Schwald (SC Freiburg)
 
2002
Beste Spielerin: Renate Lingor (1. FFC Frankfurt)
Torschützenkönigin: Jennifer Zietz (1. FFC Turbine Potsdam) 4 Tore
Beste Torhüterin: Andrea Schaller (SC Bad Neuenahr)
 
2001
Beste Spielerin: Renate Lingor (1. FFC Frankfurt)
Torschützenkönigin: Carmen Schäfer (SC 07 Bad Neuenahr) 5 Tore
Beste Torhüterin: Melanie Höfkes (FFC Flaesheim/Hillen)
 
2000
Beste Spielerin: Bettina Wiegmann (Grün-Weiß Brauweiler)
Torschützenkönigin: Carmen Schäfer (SC 07 Bad Neuenahr) 6 Tore
Beste Torhüterin: Michelle Voilland (1. FC Saarbrücken)
 
1999
Beste Spielerin: Kerstin Garefrekes (FFC Heike Rheine)
Torschützenkönigin: Kerstin Garefrekes (FFC Heike Rheine) 6 Tore
Beste Torhüterin: Alexandra Schwald (SC Freiburg)
 
1998
Beste Spielerin: Doris Fitschen (SG Praunheim)
Torschützenkönigin: Claudia Müller (SG Praunheim) 8 Tore
Beste Torhüterin: Marleen Wissink (SG Praunheim)
 
1997
Beste Spielerin: Doris Fitschen (SG Praunheim)
Torschützenkönigin: Maren Meinert (FC Rumeln) 5 Tore
Beste Torhüterin: Katja Kraus (FSV Frankfurt)
 
1996
Beste Spielerin: Maren Meinert (FC Rumeln)
Torschützenkönigin: Maren Meinert (FC Rumeln) 8 Tore
Beste Torhüterin: Nina Trautmann (TuS Niederkirchen)
 
1995
Beste Spielerin: Melanie Lasrich (TuS Ahrbach)
Torschützenkönigin: Melanie Lasrich (TuS Ahrbach) 10 Tore
Beste Torhüterin: Elke Walther (VfL Sindelfingen)
 
1994
Beste Spielerin: Bettina Wiegmann (Grün-Weiß Brauweiler)
Torschützenkönigin: Steffi Jones (SG Praunheim) 10 Tore
Beste Torhüterin: Christine Francke (TuS Ahrbach) (PK)
 
 
(1) Otto der Große: gemeint ist nicht der Fußballtrainer Otto Rehagel, sondern der deutsche Kaiser Otto I., genannt der Große, der im Jahr 968 das Erzbistum in Magdeburg gründete, jener Stadt, die wie keine zweite mit seinem Nachleben verbunden ist. Er machte die Stadt zu einer Metropole des frühen Mittelalters.
 
Fotobearbeitung. Dietmar Tietzmann, Frankfurt
Fotos: girlsplay.de 


Online-Flyer Nr. 391  vom 30.01.2013

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