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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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"Arsch-huh"-Veranstaltung 20 Jahre nach dem Konzert auf dem Clodwigplatz
„Lediglich in den Kopf schießen“
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Der Kölner Oberbürgermeister sprach von einer „Blutspur von Gewalt und Mord in einem bislang nicht gekannten Ausmaß“. Er meinte damit nicht den so genannten "Krieg gegen den Terror", der bislang den Tod von 1,7 Millionen Menschen gefordert hat und von dem bekannt ist, welche Führer und Gefolgsleute der westlichen Welt dafür die Verantwortung tragen. Und er meinte damit auch nicht so genannte Shooter-Videospiele wie das vor vier Tagen auf den Markt gebrachte "Halo 4", von denen bekannt ist, wer sie produziert, und in deren Zusammenhang es z.B. heißt: „Sehr leicht zu eliminieren, da man ihnen lediglich in den Kopf schießen muss.“ Nein, er meinte damit die unaufgeklärten Verbrechen, die der Terrorzelle NSU zugeschrieben werden und für die jetzt endlich ein Gerichtstermin festgelegt worden ist.


Konditionierung in Richtung Gewalt und Krieg: "Halo 4"
(alle Fotos: arbeiterfotografie.com)


Es sollen ca. 70.000 Menschen gewesen sein, die zur "Arsch-huh"-Veranstaltung an der Deutzer Werft gekommen sind


Die Propaganda für Gewalt und Krieg befindet sich unmittelbar am Rande des "Arsch-huh"-Areals an der Deutzer Werft. Viele Menschen gehen ohne erkennbaren Protest daran vorbei.


„Gemeinsam gegen Rassismus und Faschismus“ heißt es auf einem spontan angebrachten Transparent auf der Severinsbrücke


Für die, die nicht in die Nähe der Bühne kommen: große Bildschirme stellen das Geschehen der Veranstaltung dar


Menschen an der Deutzer Werft mit beleuchteter Kulisse auf der anderen Rheinseite


Schienen und Absperrgitter zwischen Veranstaltungsareal und Rhein


Die Bühne der Veranstaltung mit dem Logo des WDR, der die Veranstaltung in seinem Fernsehprogramm live übertragen hat


Publikum der "Arsch-huh"-Veranstaltung hinter Absperrgittern


Der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters, Schirmherr der "Arsch-huh"-Veranstaltung, spricht von den Verbrechen, die der so genannten NSU zugeschrieben werden, insbesondere vom Attentat in der Keupstrasse.


Der OB folgt damit dem Magazin DER SPIEGEL, der das Verbrechen einer Gruppierung zuschrieb, die die Bezeichnung Nationalsozialistischer Untergrund erhalten hat. Im Rahmen der Demonstration „Verfassungsschutz auflösen!“ am Tag drauf wurde dies verdeutlicht.


Publikum vor der Bühne


Blick auf die Deutzer Werft von der Severinsbrücke aus – im Hintergrund Publikum und Bühne


Am 9. November hat in Köln an der Deutzer Werft zwischen Deutzer Brücke und Severinsbrücke eine Veranstaltung mit zahlreichen musikalischen Koryphäen der Stadt stattgefunden. Schirmherrin war die WDR-Intendantin Monika Piel, Schirmherr der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters. 70.000 Menschen sollen an der Veranstaltung, die vom WDR-Fernsehen live übertragen wurde, teilgenommen haben.

"Arsch huh" zwischen Arm und Reich

Als wäre seine Partei nicht wesentlich verantwortlich für die zunehmend ungerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums, sagte der Oberbürgermeister: „Arsch Huh wendet sich gegen jede Form von Ausgrenzung. Es gibt auch eine Ausgrenzung durch Armut und Benachteiligung. Die Spaltung zwischen Arm und Reich in unserer Gesellschaft nimmt zu. Die Reichen werden reicher und die Armen werden ärmer. Die reichen zehn Prozent unserer Gesellschaft besitzen mehr als die Hälfte des Vermögens in unserem Land. Und die untere Hälfte der Gesellschaft schafft gerade noch einmal ein Prozent des Vermögens. So darf es nicht bleiben. Starke Schultern müssen wieder mehr tragen als schwache. Die Zukunft eines Kindes darf nicht davon abhängen, in welchem Stadtteil es geboren wird und aufwächst. Wir dürfen die sozialen Probleme unserer Stadt nicht auf einzelne Stadtteile abwälzen. Chancengleichheit für Alle und gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben: das ist unser Auftrag und der Appell von "Arsch huh". Aufstehen für Arme und Benachteiligte, Aufstehen für Gerechtigkeit und Solidarität in unserer Stadt – das ist das Signal des heutigen Abends.“

Was auf die Agenda kommt und was nicht

Zu den bislang 1,7 Millionen Toten des Krieges, der mit dem Orwell'schen Begriff "Krieg gegen den Terror" bezeichnet wird, und für den seine Partei zusammen mit CDU, FDP und GRÜNEN mitverantwortlich ist, sagt er – wie fast alle Politiker und Medien des "westlichen" Imperiums – nichts. Auch die Funktion von Terror als einem verdeckten Instrument der Herrschaftssicherung thematisiert er nicht. Ebenso spricht er nicht über die Funktion der "Rechten" in Sachen Herrschaftssicherung – nicht darüber, dass diejenigen, die für Krieg und Demokratie-Abbau verantwortlich sind, sich durch die Abgrenzung gegen. "Rechts" als Demokraten inszenieren können. Und auch zu dem Propaganda-Apparat der Film- und Computer-Spiele-Industrie, die insbesondere Kinder und Jugendliche in Richtung Gewalt und Krieg konditionieren und die eine Art Begleitschutz für die großen staatlichen Verbrechen, die offen geführten Kriege mit mehr als 10 Millionen Toten seit 1945, darstellen, kommt von ihm keine Stellungnahme. Dabei befinden sich Plakate, die ungestraft in aller Öffentlichkeit Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung in die Köpfe der Menschen einschleusen, unmittelbar am Rande des Areals der Veranstaltung.

"Arsch huh": „Das Gewissen unserer Stadt“

Stattdessen macht er eine Reihe von noch nicht gerichtlich verhandelten Verbrechen, die so genannten Döner-Morde und das Nagelbomben-Attentat in der Kölner Keupstraße, zum Thema und ordnet sie – wie fast die gesamte Landschaft aus Politik und Medien – dem Rechtsextremismus, dem so genannten Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zu: „Wir sehen eine zunehmende Welle von Rechtsextremismus... Die NSU-Terrorzelle hat in den vergangenen Jahren eine Blutspur von Gewalt und Mord in einem bislang nicht gekannten Ausmaß hinterlassen. Auch wir in Köln waren mit dem Nagelbombenattentat in der Keupstraße davon betroffen. Zwanzig Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.“ Das lässt ihn resümieren: „Arsch Huh ist das Gewissen unserer Stadt. Heute stehen hier Bürger und Künstler Schulter an Schulter zusammen, um gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausländerfeindlichkeit zu kämpfen... Hier zeigt sich unsere Stadt von ihrer besten Seite. Der Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus ist eine Daueraufgabe für uns alle. Deshalb ist der heutige Tag, zwanzig Jahre nach 1992, so wichtig für uns alle.“

Von Zeit zu Zeit ein klein wenig nachhelfen

Es sei in diesem Zusammenhang erinnert an Andreas von Bülow, der in seinem 1998 erschienenen Buch "Im Namen des Staates" schrieb: US-Stratege „Brzezinski hat die moralische Last Deutschlands aus der Vergangenheit angesprochen, auf die man auch in Zukunft setzen könne. Dem wird man zweckmäßigerweise von Zeit zu Zeit immer wieder ein klein wenig nachhelfen müssen. Man kennt entsprechende Aktivitäten der Stasi in Ostberlin mit den Verbindungen in die rechtsradikale Szene... Und wenn der Likud-beherrschte Mossad seit Jahrzehnten mit den rechtsradikalen bis rechtsterroristischen Gruppen Europas zusammenarbeitet und diese für seine Zwecke nutzt, dann wird gerade Deutschland davon mit Sicherheit nicht ausgenommen sein.“

Und es sei in diesem Zusammenhang auch unser Artikel  „Die Pro-Köln-Strategie“ erwähnt, in dem wir an die bekannte Tatsache erinnern, dass die NPD vom Verfassungsschutz durchsetzt ist. Es sei erinnert an den Gründer und zeitweiligen Vorsitzenden der NPD, Adolf von Thadden, der laut Guardian vom 13.8.2002 Agent des britischen Geheimdienstes MI6 war. Und es sei erinnert an General Gianadelio Maletti, Ex-Vize des italienischen militärischen Geheimdienstes SISMI, der äußerte, dass die CIA nicht nur in Italien, sondern auch in Deutschland die Aktivitäten rechtsextremer Gruppen koordinierte und dass Deutschland für die Strategie des "unorthodoxen Krieges" sogar noch wichtiger als Italien gewesen sei.

Gleichberechtigt zusammenleben

Trotz allem darf nicht übersehen werden, dass eine Bewegung wie "Arsch huh, Zäng ussenander“ in der Lage ist, das lokale gleichberechtigte Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen und Herkunft zu fördern. Das ist trotz aller Bestrebungen, eine solche Bewegung zu vereinnahmen, zu würdigen.

Gerd Köster und Frank Hocker singen:

Wor nit jede Jeck ens anders
Un loot jede Jeck elands
Ich hatt jedaach dat wör Jesetz
Nit nur ne Spruch ohne Substanz

Dr Breuers Jupp wööd jään hatt blose
Hätt ävver nit die Fott dozo
Hä schängk op klein Schmarotzer
Die jrosse sin für ihn tabu

Un minge Chef hürt Woody Guthrie
Ahl Protesleeder sin in
Kanns du dich hück joot met saniere
`t muss nur jefleech jesunge sin […]

„Weg met fremde Schiffe mer han selver schwere See“
Leis rieselt et Hätz en`t Portemonnaie
Jebete un Jebröll – neue Hass – en ahl Idee
Leis rieselt et Hätz en`t Portemonnaie

`ch wor jestern noch om Schrottplatz
Dä Schrottmann hät jesaat
Für fuffzich Kilo Hätzstöbb
Jiddet ne Hätsch Fong un e Derivat

Die Bank die sühste nie – nur dat Jriene vum Croupier
Leis rieselt et Hätz en`t Portemonnaie

Un statt däm Hätz wuchert de Jall
Saach mir:

Kütt do bal ne Knall
Kütt do bal ne Knall / Leis rieselt et Hätz
Kütt do bal ne Knall / Leis rieselt et Hätz...
(PK)

(Hochdeutsche Fassung: siehe unten)


Hinweise:

Analyse zur Aussagekraft des „NSU-Bekenner-Videos“
Wiederentdeckung einer Automarke
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18303

Anmerkungen zu den NSU-Skandalen
So sehen false flag operations aus
Von Andreas von Bülow
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18362

Zum 10. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001
False Flag Terror
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16904
http://www.arbeiterfotografie.com/galerie/kein-krieg/hintergrund/index-taeter-0047.html

Die Pro-Köln-Strategie
Gedanken anläßlich des am 9.5.2009 von 'Pro Köln' veranstalteten 'Antiislamisierungskongresses'
von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann
http://www.arbeiterfotografie.com/galerie/kein-krieg/hintergrund/index-analyse-0030.html

Halo 4
Entwickler: 343 Industries
Hersteller: Microsoft
Genre: Shooter
Veröffentlichungsdatum: 06.11.2012
Konsole: Xbox 360
http://www.xbox.com/de-DE/Marketplace/Product/Halo-4/BuyNow

Halo 3: ODST - Die Feinde
Die Grunts sind bereits seit Halo: Combat Evolved mit von der Partie. In Halo 3: ODST hat sich das Verhalten dieser kleinen Wesen nicht verändert. Sie sind daher immer noch recht harmlos, wenn man einem Einzelnen begegnet. In Gruppen unter der Führung eines Brutes agieren sie jedoch wesentlich taktischer und befolgen die Anweisungen der Brutes. Sie werden somit zu einer durchaus ernst zu nehmenden Bedrohung für den Spieler. Allerdings sind die Grunts sehr leicht zu eliminieren, da man ihnen lediglich in den Kopf schießen muss.
http://www.bungie-halo.com/content/5/halo-3odst-die-feinde/1/

IPPNW-Pressemitteilung vom 18.5.2012
Body Count - Opferzahlen nach 10 Jahren "Krieg gegen den Terror"
http://www.ippnw.de/startseite/artikel/a8966af902/body-count-opferzahlen-nach-10-ja.html

»So funktioniert das System«
Ein Gespräch mit dem Friedensforscher Johan Galtung
junge Welt, 31.03.2006
"Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die USA beispielsweise 70 Interventionen unternommen... Deshalb ist das US-Imperium nicht so sehr durch eine proletarische Revolution im Marxschen Sinne bedroht, sondern von denjenigen, die nicht mehr möchten, dass man gegen sie interveniert. Und davon gibt es sehr viele. Man spricht davon, dass das US-Imperium nach 1945 etwa zwischen zwölf und sechzehn Millionen Menschen getötet hat. Und meistens, um die ökonomische Macht zu behalten."
http://www.jungewelt.de/2006/03-31/018.php


"Leis rieselt et Hätz“ – “Leise rieselt das Herz”
Übersetzt ins Hochdeutsche von Gerd Köster:

Hieß es nicht: Jeder Jeck ist anders
und lässt jeden Jecken vorbei
Ich hatte gedacht das wär ein Gesetz
Nicht nur ein Spruch ohne Substanz

Josef Breuer würde gerne hart blasen
Hat aber nicht den Arsch dazu
Er schimpft auf kleine Schmarotzer
Die grossen sind für ihn tabu

Und mein Chef hört Woodie Guthrie
Alte Protestlieder sind in
Kann man sich heute gut mit sanieren
Es muss nur gepflegt gesungen sein […]

„Weg mit fremden Schiffen – wir haben selber schwere See“
Leise rieselt das Herz ins Portemonnaie
Gebete und Gebrüll – neuer Hass – eine alte Idee
Leise rieselt das Herz ins Portemonnaie

Ich war gestern noch auf dem Schrottplatz
Der Schrottmann hat gesagt:
Für fünfzig Kilo Herzstaub
Gibt`s nen Hegde Fond und ein Derivat

Die Bank siehst du nie – nur das Grienen des Croupiers
Leise rieselt das Herz ins Portemonnaie

Und statt dem Herz wuchert eine Galle
Sag mir:

Kommt da bald ein Knall
Kommt da bald ein Knall / Leise rieselt das Herz
Kommt da bald ein Knall / Leise rieselt das Herz...

http://www.arschhuh.de/leis-rieselt-et-hatz-koster-hocker-song-fur-das-arsch-huh-2012-album/

Online-Flyer Nr. 380  vom 14.11.2012

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