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Aktueller Online-Flyer vom 21. Oktober 2017  

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Kultur und Wissen
Wollen die jungen Frauen keine Karriere machen?
Hat die Y-Generation keinen Bock?
Von Georges Hallermayer

Die Y-Generation (geboren zwischen 1980 und 1995), genannt nach der Y-Form der von Kopfhörerkabel umrahmten Gesichter, steht im Fokus einer internationalen Studie, die die Association WoMen'up und die Beratungsgesellschaft Mazars in Englisch und Französisch publizierte: "Die Revolution Y? eine internationale Untersuchung über die Generation Y: ihr Ehrgeiz, ihre Stellung zur Gleichberechtigung und zum Unternehmen." (1)
 
Was nicht überrascht, ist, wie die jungen Leute (2) ihre Eltern einschätzen, von denen sie sich deutlich abgrenzen: Deren Lebensziel sei zuerst, finanziell unabhängig zu sein, danach, Zeit für die Familie zu haben, und erst danach komme das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben. Besser ausgebildet als ihre Eltern (60 % der Befragten sind diplomiert.) komme für die Generation Y umgekehrt zuerst das Ziel, zu leben, d.h. das Leben voll auszuschöpfen, zu genießen, eine Generation, die ihr Recht auf Glück einfordert. Die Resultate der Studie zeigen, dass es nur sehr kleine Unterschiede in den Erwartungen von Frauen und Männern gibt, sie die hauptsächlichen Lebensziele gleichermaßen teilen. 
 
Aber in den Prioritätensetzungen existieren doch gravierende Unterschiede: Während für die jungen Männer an erster Stelle steht, voll ihr Leben zu leben (31 %), danach ein Gleichgewicht zu finden zwischen Privatleben und Beruf (21 %), Zeit in der Familie zu verbringen (13,3 %) und finanziell unabhängig zu sein (10,5 %), hat für die jungen Frauen Vorrang, Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen (31,9 %), danach, das Leben zu genießen (25,2 %), finanziell unabhängig zu sein (11,9 %) und beruflich Erfolg zu haben (10 %). (Dies korrespondiert auch mit der im März von IPSOS und der Zeitschrift "Elle" veröffentlichten Umfrage zum Internationalen Frauentag (3), wonach 81% der französischen Frauen es schwierig finden, Privatleben und Beruf unter einen Hut zu bringen.)
 
Die Schlüssel zum beruflichen Erfolg sind für die Yers, wie sie anglophon genannt werden, menschliche Qualitäten (57,5 %), die Fähigkeit lebenslang zu lernen (55 %) und Ehrgeiz (51%) - gefolgt von der Bereitschaft zum networking (46,4 %) und für technische Qualifikationen (45,9 %). Generell zur Lage in den Unternehmen wünschten sich 31% der Frauen, das Bewusstsein der Arbeitgeber für die Gleichberechtigung zu schärfen. Sie vermissten in ihren Betrieben (bei den Vorgesetzten) insbesondere drei Dinge: die Fähigkeit zuzuhören, die Bereitschaft, Job mit dem Privatleben zu vereinbaren und die Chancengleichheit zwischen Frau und Mann. 
 
Die Resultate zeigen außerdem, dass sich die jungen Frauen durchaus im beruflichen Wettbewerb zu den Männern verstehen. 37,8% dieser Frauen wünschen sich eine Frauenquote im Unternehmen, während immerhin 49,5% der Frauen (71 % der Männer!) sich dagegen aussprachen. Die Präsidentin von WoMen'up, Emmanuelle Duez, hält die Frauenquote für "unvollkommen, aber notwendig" und führt an, dass sich dadurch "2012 mit gesetzgeberischer Hilfe der Anteil der Frauen in den Verwaltungsräten von 20,8% 2011 auf 23,% erhöht hat" (4). Zur Lage in Europa gab die Europäische Kommission einen Fortschrittsbericht zu "Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungspositionen in der EU" heraus (5), und die EU-Kommissarin will eine europaweite Frauenquote einführen (6).)
 
Das Erstaunliche an der Y-Generation ist, dass es den jungen Frauen zwar nicht an Ehrgeiz mangle, aber sie nicht bereit seien, sich "auf dem Altar des beruflichen Erfolgs zu opfern", wie Emmanuelle Duez erläuterte. Die Umstände der Wirtschaftskrise verstärkten diese Tendenz. Das Leben voll auszuleben, sei das Leitmotiv der jungen Generation geworden auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, bedroht von beruflicher Unsicherheit und sozialem Abstieg. (PK)
 
 
(1) THE Y REVOLUTION? An international survey on Generation Y: Their aspirations and relationship with gender equality and business. http://network-womenup.com/2012/10/03/la-revolution-y-une-etude-de-womenup-et-mazars/. http://www.mazars.fr/Accueil/News/Les-dernieres-news/Actualites-2012/La-revolution-Y-Une-enquete-internationale-sur-la-generation-Y.
(2) 59% der Befragten, die an der online-Untersuchung teilnahmen, kamen aus Europa, 15% aus Asien, ca. 60% waren junge Frauen, 40% junge Männer, 64,5% hatten Berufserfahrung. Der größte Teil war zwischen 21 und 25 Jahren alt.
(3) Georges Hallermayer: Nachtrag zum Internationalen Frauentag. s-o-z.online, 24.3.2012 - " Französische Verhältnisse. Umfrage offenbart Benachteiligung" in: Junge Welt, 30.3.2012
(4) La revolution Y. a.a.O.
(5) Europäische Kommission - Generaldirektion Justiz: "Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungspositionen in der EU: Fortschrittsbericht". Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, 2012
(6) Institut der Wirtschaft, 13.7.2012: "EU-Justizkommissarin Juliane Reding hält an ihrem Vorhaben fest, im Herbst einen Gesetzentwurf zur Einführung einer europaweiten Frauenquote vorzulegen. Die Quote soll für Vorstände börsennotierter Unternehmen gelten. Redings Ziel ist es, eine Frauenquote von 30 Prozent bis 2015 festzuzurren; bis 2020 soll der Frauenanteil in den Vorständen auf 40 Prozent steigen."


Online-Flyer Nr. 376  vom 17.10.2012

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