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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Sport
Frauen-Psyche bedeutet nicht Männer-Psyche
Frauenfußball ohne Fair-Play
Von Bernd J.R. Henke

„We were all playing hard and fighting with all we had for this game and unfortunately things like this can happen... That´s football”, twitterte die schwer verletzte US-Amerikanerin Alex Singer aus dem Potsdamer Ernst von Bergmann Klinikum. Fern ab jeglicher medialer Kaffeesatzleserei erwachte die Turbine-Spielerin Alex Singer im Beisein ihrer beiden Eltern, "Stepdad" (Stiefvater) und "Mum“, einen Tag später gegen Mittag. Mittlerweile wurde sie nach Hause entlassen. Für die Fans schrieb sie eine persönliche Erklärung, die wir am Ende des Artikels als Übersetzung veröffentlichen.

Alex Singer - mit Turbine Potsdam gewann die vierundzwanzigjährige Amerikanerin 2012 die deutsche Meisterschaft.
Foto: Wikipedia


Singer wurde in New York City geboren, wuchs in der Kleinstadt Rye im Westchester County des Staates New York auf – die dortige amerikanische Mittelklasse liebt den Frauenfußball, fußballerisch dumpfe Männermythen gibt es dort gar nicht und schon gar nicht unsensible Vergleiche mit den amerikanischen Männern, die Fußball spielen. In den Jahren 2009 und 2010 spielte die sympathische kontaktfreudige Profispielerin mit dem akademischen Bachelor-Titel der University of Virginia ganz oben in der US-amerikanischen Profiliga Women´s Professional League. Beim WPS-Spitzenclub Washington Freedom durfte sie als junge Spielerin in zwanzig Spielen auflaufen. In Saisonpausen wechselte die couragierte Alex in die australische W-League zu Perth Glory. Im Januar 2011 vermittelte sie ihr Manager in die schwedische Damallsvenskan zu Dalsjöfors G.o. I. F., konnte aber deren Abstieg nicht verhindern. Ihren Ruf im Januar 2012 nach Potsdam zu Meistertrainer Bernd Schröder empfand sie nach eigenen Worten als große Ehre und Chance, sich sportlich zu verbessern.
 
Alex Singers Eltern, Mister und Misses Singer, waren jetzt vor ein paar Tagen von New York aus angereist. Das Topspiel zwischen Turbine Potsdam und dem Erzrivalen 1.FFC Frankfurt zu verfolgen war familiär angesagt - ihre Tochter wieder zu sehen, an der Stelle, wo Alex in der „Englischen Woche“ am 3. Oktober auch international gegen den belgischen Meister Standard Femina de Liege (Standard Lüttich Frauen) auflaufen sollte. Da saßen sie nun erwartungsvoll und “happy“ auf der Tribüne, sahen achtundachtzig Minuten einen friedlichen exzellenten Bundesligafußball.


Frankfurts Ex-Nationalspielerin Kerstin Garefekes erzielte in der 59. Minute das Führungstor zum 1:0
Foto: Jan Kuppert
 
Die Frankfurter Nationalspielerinnen spielten feldüberlegen, aber ohne den notwendigen Druck und die Torgefährlichkeit, die eine wirklich große Mannschaft auszeichnet. Schöner Kombinationsfußball eines 1.FFC Deutschland, einer ewigen Nummer 2 der Weltspitze – systemisch übernommen vom 4-2-3-1 der Elf von Jogi Löw. Die Potsdamerinnen, vom spielerischen Potential her unterlegen, zeigten kämpferischen Einsatz, gaben auch nach dem ersten Tor der Frankfurterinnen nicht auf. Die Schottin Linda Evans spielte mit einer gebrochenen geschienten Hand.
 
So klein war Potsdams Personaldecke gegenüber Frankfurts Kader. Die Amerikanerin Keelin Winters spielte, obwohl sie noch nicht voll genesen war. Die überragende japanische Weltklassespielerin Yuki Ogimi erlöste die 4.120 Fans im Karl-Liebknecht-Stadion (71.) mit einem sehenswerten Tor zum 1:1 Unentschieden. Keine der beiden Mannschaften erschien in den folgenden Minuten das unbedingte Siegen im Fokus stehen zu haben. Man spielte mehr auf Sicherheit und auf einen sicheren Punktgewinn, insbesondere in den letzten acht bis neun Minuten vor dem nahenden regulären Spielende.

Jubel von Potsdam beim Ausgleich von Yuki Ogimi in der 71. Minute, links vorne: Keelin Winters, die noch unversehrte Stefanie Mirlach, Yuki Ogimi, Stefanie Draws, links hinten leicht fassungslos die FFC-Reserve-Torfrau, die Ex-Potsdamerin Desirée Schumann, rechts hinten die enttäuschte FFC-Stürmerin Sandra Smisek mit der FFC-Defensivspielerin Alexandra Krieger
Foto: Jan Kuppert
 
Beide Mannschaften wussten, dass ein bedingloses Fighten sich nur in den nächsten Spielen rächen würde, immerhin war klar, dass die Potsdamer Elf trotz neun verletzter Spielerinnen am folgenden Mittwoch gegen Standard Lüttich ein wichtiges Champions League-Spiel zu absolvieren hatte. Die Frankfurterinnen wussten, dass eine zu starke Zehrung der Kräfte spätestens beim Pokalspiel gegen Bayern München nicht gerade von Vorteil sein würde, denn die Münchnerinnen hatten ihnen schon einmal den letzten Schneid abgekauft – im Pokalfinale, das tat noch weh.
 
Für die überraschende FFC-Niederlage im Pokalfinale musste Ex-Trainer Kahlert etwas zeitverschoben nachträglich die Verantwortung übernehmen, sein Ex-Athletiktrainer und Nachfolger Dahm schien sichtlich zufrieden mit der Punkteteilung gegen den Tabellenführer. In dieser ruhigen Stimmung eines hochklassigen Spieles platzte das Unverhoffte – das emotional Erschütternde in der 88. Minute: Bundestrainerin Silvia Neid schien schon Anstalten zu machen, sich kurz vor Ende zum Ausgang zu bewegen. Sie hatte ihren Job, die Ehrung der Afrikanerin Genoveva Anonma als beste Torjägerin der letzten Saison pflichtgemäß absolviert. Augenzeugen berichteten, dass nach dem Eklat die Bundestrainerin ziemlich bewegt und entsetzt das Stadion verließ.

Die Potsdamerin Genoveva Anonma wurde zu Anfang des Spieles von Bundestrainerin Silvia Neid als beste Torjägerin der Spielzeit 2011/2012 in der Bundesliga geehrt
Foto: Jan Kuppert
 
Potsdam hatte bis dato seine Wechselmöglichkeiten mit drei frischen Spielerinnen ausgereizt, um die Spielerinnen für das Champions League-Spiel zu schonen, da ereignete sich ein ziemlich überraschender ungewöhnlicher szenischer Augenblick, der eine Fair-Play-Debatte auslöste, die der internationale Frauenfußball noch nie gesehen hatte. Bernd Schröder: „Der Frauenfußball war auf diese Situation nicht vorbereitet.“ 
 
Ohne jegliche Einwirkung der Frankfurterinnen waren die Köpfe von Stefanie Mirbach und Alex Singer bei einem schlecht koordinierten Abwehrsprung in der Luft zusammengeprallt. Beide Potsdamer Abwehrspielerinnen fielen mit aufgeplatzten Kopfwunden auf der Stelle um, lagen mit dem Rücken flach auf dem Rasen. Als Alex Singer um Hilfe schrie, war sie schon ohne Bewusstsein. Ihr Rufen wurde nur noch vom Unterbewusstsein gesteuert. Die Spielerin Stefanie Draws und ihre amerikanische Teamkollegin Torfrau Alyssa Naeher waren recht schnell bei ihr.

Alex Singer in Behandlung durch die Sanitäter – über sie gebeugt die tapfere hilfsbereite Stefanie Draws, daneben kniend die Landsmännin von Singer, Keelin Winters, leicht abgewandt die stark geschockte Turbine-Torfrau Alyssa Naeher
Foto: Jan Kuppert
 
Bis zur Tribüne hin hörte man ein ungewöhnlich lautes Hilfeschreien der Mitspielerinnen, bevor die Mannschaftsärzte und Sanitäter zur Stelle waren. Der Anblick der offenen Wunden mit Blutspuren auf dem Rasen schien die Spielerinnen stark zu bewegen. Es dauerte eine lange Zeit, bis auch die Zuschauer die Schwere der Situation begriffen. Stefanie Mirbach erlitt am Kopf eine 10 cm lange Platzwunde und eine merkliche Gehirnerschütterung, Alex Singer lag bewusstlos auf dem Rasen, aus ihrer 15 cm langen klaffende Wunde verlor sie merklich Blut, ein Schädel-Hirn-Trauma wurde später festgestellt.
 
Bekanntlich übt sichtbares Blut einer Verletzung bei Frauen auf Grund der regelmäßigen monatlichen Menstruation jeder Frau mit einer vermeintlich schmerzhaften Blutung auf die Psyche einen starken Reiz und mitfühlenden Schmerz aus. Es ist davon auszugehen, dass die beteiligten Potsdamer Spielerinnen zu diesem Zeitpunkt einen mitfühlenden Schockzustand erlitten, dem eine männliche Psyche im Männerfußball nicht ausgesetzt gewesen wäre.
 
Trainer Bernd Schröder berief sich mit diesem Argument auf seine 40 jährige Erfahrung als Frauenfußballtrainer. Die anwesenden meist männlichen Journalisten übernahmen in keinem der später publizierten Spielberichte diesen wichtigen Hinweis. Die weibliche Psyche reagiert in der Regel schon mitgenommen und fühlt intensiv mit, wenn ein Kind sich in den Finger geschnitten hat, Männer dagegen sehen in Blut eher kriegerische Aspekte, empfinden aber beim Anblick von Blut keinen schockierenden Schmerz.

Krankenhaus-Foto der schwer verletzten Alex Singer. Man sieht die mit sieben Stichen gemähte Kopfwunde und das blutverschmierte Gesicht
Foto: privat
 
Als Trainer Schröder dann selbst zum Unfallort hinlief, wurde er von der Schiedsrichterin ermahnt, das Spielfeld zu verlassen. Aus dieser Reaktion der FIFA-Schiedsrichterin Dr. Riem-Hussein lässt sich mit Sicherheit ableiten, dass sie zu keiner Zeit an ein vorzeitiges Spielende durch Abpfiff gedacht hatte,sondern das Spiel die restlichen zwei Minuten weiter leiten wollte – mit der tragischen Konsequenz eines schweren vermeidbaren Schadens und einer Überreaktion des sonst sehr ruhigen und sachkundigen Potsdamer Publikums. Gutes Wetter, guter Fußball, ein verdientes Unentschieden erzeugte trotzdem eine gewisse Zufriedenheit und Ruhe bei den Potsdamer und Frankfurter Fans.
 
Frankfurts Spielerinnen standen abseits im Pulk. Während für die Frankfurterinnen das Spiel anscheinend im Kopf weiterlief, waren die Potsdamerinnen offenbar traumatisiert. Das Spiel hätte abgebrochen werden müssen. Die anschließende Pressekonferenz bestätigte die Gründe dafür: Die pfeifende Apothekerin aus Bad Harzburg, Dr. Riem-Hussein, kommunizierte mit keiner der beiden Mannschaftsführerinnen, nicht mit der älteren Nadine Angerer, ebenso wenig mit der jungen neu ernannten Kapitänin Tabea Kemme. Insbesondere die Spielführerin der Nationalmannschaft, Angerer, wurde für ihre Untätigkeit von einem Journalisten in der Pressekonferenz gerügt.

Stefanie Draws tröstet die schockierte weinende Torfrau Alyssa Naeher
Foto: Jan Kuppert
 
Ein Spielabbruch mit vorgezogenem Schlusspfiff gemäß Regelwerk Nummer 5 der DFB- Schiedsrichter hatte in der Luft gelegen. Die Trainer verharrten aber wie versteinert auf ihren Plätzen, nachdem die Schiedsrichterin schon zuvor Bernd Schröder vom Platz verwiesen hatte. Der Dialog mit der Schiedsrichterin zeigte keine Wirkung. Im Dialog der Trainer untereinander schien es keinen Impuls zum geordneten Umgang mit der Situation für mehr Fair-Play zu geben.
 
Frankfurts Trainer Philipp Dahm gab später an, dass er nicht initiativ wurde, das Spiel durch eine Trainerabsprache mittels eines Nichtangriffspaktes zu beeinflussen und mit Remis zu beenden, er hätte lediglich auf das Zeichen zum Spielabbruch oder auf das Zeichen der Schiedsrichterin zum Weiterspielen gewartet. Dahms Sinn für Fair-Play kollidierte hier wohl mit dem Willen zum nicht Nachgeben, denn sein Manager signalisierte ihm, gegen die dezimierten neun Potsdamerinnen auf Sieg zu spielen. Die Schwäche Potsdams durch Unterzahl sollte genutzt werden. Das war offensichtlich.

Fassungslosigkeit und Schock bei den Potsdamerinnen Patricia Hanebeck, Sara Doorsoun-Khajeh und Natasa Andonova
Foto: Jan Kuppert
 
Die schwer verletzten Potsdamerinnen Stefanie Mirbach und Alex Singer wurden mit zwei Tragen zum Krankenwagen gebracht, der beide ins Potsdamer Klinikum transportierte. Als die Schiedsrichterin das Spiel wieder anpfiff, gab es die ersten Buh-Rufe durch die Potsdamer Fans. Ein weiblicher Frankfurt Fan bekannte später: „Ich war auch verwundert, dass das Spiel wieder angepfiffen wurde und das nach der Schwere der Verletzungen. Das ist ein Armutszeugnis für eine Schiedsrichterin. Bei zwei Spielerinnen weniger auf dem Platz hätte sie sportlich, menschlich oder moralisch gesehen abpfeifen müssen. Alle wären auch so schon geschockt nach Hause gegangen.“
 
Das Unheil nahm seinen Lauf. Die leicht traumatisierten Potsdamerinnen kassierten ein leicht herausgespieltes Tor durch die Ex-Potsdamerin Fatmire Bajramaj nach einer trickreichen Vorarbeit durch die eingewechselte Schweizerin Ana Maria Crnogorcevic. Die Buhrufe der Potsdamer Fans wurden jetzt lauter. Die Freude der Frankfurterinnen währte leider nicht lange.

Trainer Bernd Schröder spricht vergeblich mit der Schiedsrichterin
Foto: Jan Kuppert
 
Bei einer Abwehraktion von Tabea Kemme erlitt Fatmire Bajramaj wenige Minuten nach ihrem Siegestor eine schwerwiegende Verletzung. Sie erlitt einen schicksalhaften Kreuzbandriss und fällt bis zum Ende der Saison aus. Als sie auf der Trage heraus getragen wurde, gab es starke Pfiffe. Die Frankfurter Führung mit Manager Siegfried Dietrich und Präsident Bodo Adler deuteten dies als Hass auf Bajramaj sowie den 1.FFC Frankfurt und instruierte die regionale Presse seiner hessischen Medienpartner und die Redaktionsstuben der großen Sportmagazine entsprechend. So kam es zu unbeherrschten Auseinandersetzungen in den Fan-Foren.
 
Aus kritischer Distanz schrieb uns per eMail ein sichtlich bewegter Potsdamer Zuschauer: 
„Ich bin über die erste Berichterstattung zu diesem Fußballspiel sehr erschrocken. Als Augenzeuge bin ich immer noch betroffen über die schweren Verletzungen, die sich ereigneten und hoffe für alle drei Spielerinnen, dass sich ihre Verletzungen nicht langfristig auswirken.
 
Einerseits regt sich die Presse über die unangemessenen Reaktionen von einem Teil des Potsdamer Publikums auf, andererseits befeuert sie genau diese Reflexe, indem man nun ausgleichend die Potsdamer Spielführerin Tabea Kemme als die „große Rächerin“ stilisiert, die Fatmire Bajramaj „umsenste“ und vorsätzlich „per Frustfoul“ auf die Trage beförderte. Die Zeitschrift Kicker und die TV-Berichterstattung der ARD tun sich hier leider unrühmlich hervor. Die anderen, die dies ungeprüft übernahmen, allerdings genauso wenig.
 
Wenn die Journalisten nur ansatzweise ihre Arbeit ernsthaft gemacht hätten und auf DFB-TV und der ARD den Zusammenschnitt angesehen hätten, hätten sie feststellen können, dass durch Tabea Kemme noch nicht einmal ein Tritt gegen Bajramaj festzustellen war. Kemme spielte lediglich den Ball durch die Füße von Bajramaj. Die Verletzung trat erst auf, als die Frankfurterin einerseits mit dem leicht verdrehten rechten Fuß auf dem Boden aufsetzte und gleichzeitig versuchte, mit dem linken Fuß den von Tabea Kemme bereits weg gespitzelten Ball noch zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt war Tabea Kemme schon deutlich von Bajramaj weg gedreht.

Stefanie Mirlach und Alex Singer werden mit Tragen vom Platz getragen
Foto: Jan Kuppert
 
Für jemand, der angeblich vorsätzlich Foul spielt, eigentlich ein ungewöhnliches Verhalten. Nach dem Wegspitzeln des Balls war Tabea Kemme lediglich auf Raumsicherung bedacht, da Kerstin Garefrekes sich den nach dem Zweikampf wieder freien Ball eroberte. Dass natürlich beim Kampf um den Ball ein Körperkontakt stattfindet ist natürlich auch beim Frauenfußball normal. Aber dieser Körperkontakt am Rumpf war auch hier nur sehr eingeschränkt, dass es durchaus vertretbar war, noch nicht einmal ein normales Foul zu pfeifen. Übrigens auch Fatmire Bajramaj setzte hier ihre Arme nicht unbedingt regelkonform, weit ausgebreitet ein. Soviel zum Sachverhalt.“

Die Pfiffe des Potsdamer Publikums galten vor allem der FIFA Schiedsrichterin Dr. Riem-Hussein und nicht der verletzten Torschützenfrau Fatmire Bajramaj
Foto: Jan Kuppert
 
Mittlerweile veröffentlichte Alex Singer in den sozialen Medien eine Erklärung, die wir in der Redaktion vom Amerikanischen in die deutsche Sprache übersetzt haben:
 
„An alle meine Fans und Unterstützer und alle, die mir Genesung gewünscht haben:
Ich kann es nicht in Worte fassen, wie viel ich alle Nachrichten und Worte geschätzt habe. Ich bin sehr dankbar, dass sich so viele Leute um mich gekümmert haben. Sonntag war ein hart umkämpftes Spiel mit Spielerinnen, die alles gaben, aber leider passieren manchmal solche Situationen - das ist Fußball. Glücklicherweise haben sich in diesen Stunden um uns beide, Mirli (Stefanie Mirlach) und mich, unsere Teamkolleginnen, alle vom Turbine-Team, die Vereinsführung und medizinische Teams gekümmert. Auch möchte ich den Spielerinnen und Ärzten aus Frankfurt danken, die ihre Hilfe zur Verfügung stellten - ich bin sehr dankbar.

Trainer Bernd Schröder versucht Manager Siegfried Dietrich die Situation der bewegenden Stunden zu erklären
Foto: Jan Kuppert
 
Ich habe aufgrund der starken Kollision ein Gehirntrauma erlitten. Die Kollision schlug mich für ein paar Minuten bewusstlos, deshalb habe ich keine Erinnerung mehr an das Ereignis. Als ich auf dem Rasen lag, wurde mir ein Schlauch eingeführt, sie deaktivierten meine Atemwege, um durch die Atmung eine Erstickung durch meine verschluckte Zunge zu verhindern. Zur gleichen Zeit blutete ich reichlich am Kopf. Es wurde eine Klammer gesetzt, und da war es auch noch nicht klar, ob es Verletzungen an meinem Hals und am Rückenmark gegeben hatte.
 
Im Krankenhaus wurde ein „CT-Scanning“ durchgeführt. Glücklicherweise kam man zu dem Ergebnis, dass in meinem Gehirn keine Blutungen und keine Verletzungen an meinem Hals vorhanden waren. Meine Wunde wurde genäht. Ich wurde von den Krankenschwestern und den Ärzten während der Nacht sowie am nächsten Tag im Klinikum überwacht. Da mein Vater und meine Mutter mich hier besuchen konnten und mich pflegen können, erlaubte das Krankenhaus meine Entlassung. Ich bin jetzt zu Hause, um mich zu erholen.

Das vermeintliche Siegestor (90. +2) zum 2:1 Endergebnis durch Fatmire Bajramaj
Foto: Jan Kuppert
 
Ich war sehr überrascht, dass das Spiel nach unserer Kollision fortgesetzt wurde. Ich fühle mit meinem Team, weil ich weiß, dass dieses Spiel ein harter Kampf für alle Spielerinnen auf dem Spielfeld war, dass jede von uns in einem Schockzustand gewesen ist, nachdem dieser Unfall geschah und sie alles miterlebt haben Ich kann nicht verstehen, warum die Frauen weiterspielen mussten…… ich weiß, dass der Zusammenhalt der Turbinen uns nach vorne bringen wird.
 
Während ich liebend gerne mit meinen Teamkollegen trainieren und spielen würde und in unseren wichtigen Spielen dabei sein würde, muss ich vorsichtig auf die Genesung von meiner schweren Gehirnerschütterung und den Verletzungen achten, mit möglichst wenig Aufregung und Stress für Kopf und Gehirn, so dass ich wieder 100 % dabei sein kann.
 
Ich hoffe auf eine vollständige Genesung, um bald wieder dabei zu sein, so schnell wie ich kann. Ich hoffe auch, dass Mirli (Stefanie Mirlach) sich besser fühlt und wieder bald spielen kann.
Herzlichen Dank an alle für ihre Unterstützung.
GO TURBINE!! (PK)

Tabea Kemme im Zweikampf mit Fatmire Bajramaj
Foto:Jan Kuppert
 
Fotobearbeitung: Dietmar Tietzmann, Frankfurt
 


Online-Flyer Nr. 374  vom 03.10.2012

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