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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Lokales
Nachruf der Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim (SSM) in Köln:
"Robert, wir werden Dich vermissen!"
Von Rainer Kippe

Robert Kurz ist tot. Er war ein radikaler Gesellschaftskritiker und hat die "Wertabspaltungskritik" maßgeblich geprägt. Dabei hat er Bedeutendes geleistet. Er hat Karl Marx aus dem Turm "marxistischer“ Theorie befreit, in den ihn seine Jünger gesperrt hatten.
 

Robert Kurz (1943-2012),
im Jahr 2009 auf dem
attac-Kongress
Quelle: Wikipedia
Robert wies bereits beim Zusammenbruch des realsozialistischen Lagers, des von ihm so genannten "Kasernensozialismus", nach, dass es sich bei diesem Experiment keineswegs um die Einführung der kommunistischen Gesellschaft handelte, sondern von Geschichte und Handlungen her um das, was er „nachholende Modernisierung“ nannte, also den Eintritt zurückgebliebener Regionen in die moderne kapitalistische Weltökonomie. Sein Buch "Der Kollaps der Modernisierung“ wie sein "Schwarzbuch des Kapitalismus“ waren Renner nicht nur in der linken Szene, sondern weit darüber hinaus. Hierin zeigte er auf, dass die Rationalisierungspotentiale der Computer-technologie der Geldmoderne den Boden wegziehen und den Kapitalismus in den Metropolen selbst in eine tiefe strukturelle Krise stürzen werden. Robert Kurz sah im Zusammenbruch der Sowjetunion bereits die Flammenschrift auf der Wand.
 
Mit seiner klugen und von großer Sachkenntnis getragenen Neuinterpretation des Marxschen Werkes hat Robert allen denen geholfen, die sich endlich freimachen wollten von einem orthodoxen, verkürzten Marxismus samt seinen Lager- und Grabenkämpfen.
 
Damit war er nicht allein. Von anderen Theoretikern und Philosophen hat er sich aber dadurch unterschieden, dass er auch sehr früh und sehr klar darüber gesprochen hat, dass eine andere Ökonomie heute schon beginnbar ist. Mit seiner "Aneignungsperspektive“ hat er Gruppen wie unserer "Sozialistischen Selbsthilfe Mülheim“ (SSM) einen starken Impuls gegeben und uns ermutigt, unsere Vorstellungen von einer Solidarischen Ökonomie nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch zu vertreten. Seine Besuche bei uns waren jedes Mal ein kleines Fest. Seine theoretische Klarheit und Schärfe waren nämlich gepaart mit einer großen Bescheidenheit und Liebenswürdigkeit im persönlichen und menschlichen Umgang - Eigenschaften, die uns heute umso mehr um ihn trauern lassen.
 
Robert, wir werden Dich vermissen!
 
Deine Freunde vom SSM
 
„....es kommt darauf an, sie zu verändern!"
(Karl Marx, Thesen zu Feuerbach)
 
Mehr zu Robert Kurz unter www.exit-online.org
und bei wikipedia:
Robert Kurz’ bekannteste Publikation ist das "Schwarzbuch Kapitalismus". Die Wochenzeitung Die Zeit veröffentlichte zwei kontroverse Rezensionen, von denen eine das Schwarzbuch als „die wichtigste Veröffentlichung der letzten 10 Jahre“ bezeichnete. 
In der Tageszeitung Neues Deutschland verfasste Kurz regelmäßig Artikel in der Kolumne "Kurz, Nick, Luft & Hickel". Diese war dem Wirtschaftsressort zugeordnet. Die anderen daran beteiligten Autoren waren Harry Nick, Christa Luft und Rudolf Hickel. Außerdem publizierte er regelmäßig in der Wochenzeitschrift Freitag und der brasilianischen Tageszeitung Folha de S. Paulo.
Robert Kurz starb am 18. Juli 2012 in einer Nürnberger Klinik bei einer Notoperation.
Seine Beerdigung findet am 26. Juli um 12:30 Uhr im Friedhof Wöhrd, Bartholomäusstr. 42 in Nürnberg statt.
Der Verein „Exit! – Krise und Kritik der Warengesellschaft“ bittet von Blumenspenden abzusehen, stattdessen um Spenden für das Exit!-Projekt.
Verein für kritische Gesellschaftswissenschaften e.V. , Postbank Dortmund, BLZ 44010046, Konto 0446551446  (PK)


Online-Flyer Nr. 364  vom 25.07.2012

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