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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Medien
Ein Ei im Sumpf des Medieneinerleis
DAS KROKODIL
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Gute Nachrichten zuerst: DAS KROKODIL ist aus dem Ei geschlüpft. Jetzt treibt es sein Wesen und knabbert mal hier und mal da am aufgeblasenen MedienMoloch. Vielleicht macht es plötzlich „zisch“ und der Moloch ist zu einem Molöchlein geschrumpft: „Pffffttt....“ Jetzt aber im Ernst: DAS KROKODIL ist eine vierteljährlich erscheinende „Grundsatzschrift über die Freiheit des Denkens, bissig – streitbar – schön und wahr und (manchmal) satirisch.“ Die Ausgaben Null und Eins liegen vor – aber nur für eine mutige Leserschaft.


Auf Entdeckungsreise mit dem KROKODIL: Wiederentdeckung der Dialektik – Grafik: Thomas J. Richter

Wer wagt es, so ein bissiges Wesen aufzuziehen? Da sind die HerausgeberInnen Veronika Thomas-Ohst (langjähriges Vorstandsmitglied im Aachener Friedenspreis, Mitbegründerin des „Trialog“-Kreises der christlich, jüdisch, muslimischen Gemeinden in Aachen), Klaus Hartmann (seit 1988 Vorsitzender des Deutschen Freidenkerverbandes und Vizepräsident der Weltunion der Freidenker), Hartmut Barth-Engelbart (Pädagoge und Multikünstler in Dichtung, Gesang, Kabarett, Fotomontage), Claudia von Werlhof (Diplom-Volkswirtin, Soziologin, Matriarchatsforscherin, em. Professorin des „Frauenforschungslehrstuhls“ am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck) und Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann (Diplom-Ingenieure und Medien-Arbeiter, MdB Arbeiterfotografie).


Auf Entdeckungsreise mit dem KROKODIL: Wiederentdeckung der selbstbestimmten Erotik. Grafik: Thomas J. Richter, „Nachtkutsche“, Linolschnitt, 30 x 40 cm, 2003

Wer wagt es, im KROKODIL zu schreiben, zu veröffentlichen? Autorinnen und Autoren der ersten beiden Ausgaben sind Evelyn Hecht-Galinski (NRhZ-Kolumnistin und Tochter von Heinz Galinski, des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland), Maria Mies (Professorin em. der Soziologie, Multiaktivistin, Ökofeministin und Herausgeberin des „Infobrief gegen Konzernherrschaft und neoliberale Politik“), Ellen Diederich (mit der Sängerin Fasia Jansen Gründerin des Internationalen FrauenFriedensarchivs in Oberhausen), Karlheinz Deschner (Autor der neunbändigen Kriminalgeschichte des Christentums, Bd. 10 ist in Arbeit, Videos unter Regie von Peter Kleinert im Kaos-Archiv), die NRhZ-Karlspreisträger Werner Rügemer und Wolfgang Bittner, der Sänger Konstantin Wecker und weitere mutige StreiterInnen und MitarbeiterInnen..

Zugegeben – vom Format her inspiriert durch die von Eckart Spoo ins Leben gerufene Zweiwochenschrift Ossietzky – versteht sich DAS KROKODIL als bissigeres und zudem künstlerisches Wesen, das seinen optischen Habitus dem Berliner Maler und Grafiker Thomas J. Richter verdankt. Mit Saft und Kraft (und nicht alleine) marschiert es wie ein Fabelwesen mit Handwerkszeug unter Vogelscharen und Sternenhimmel. Richters durchgehendes Thema ist der Marxismus und die Erotik, letztere er den „Menschen und nicht den Machthabern“ gönnt. „Ich bestehe darauf, die Zukunft zu malen und nicht die Krise.“, ist die richtige Einstellung, den Menschen ihre Phantasie (zurück) zu überreichen.

Ja, es ist Zeit, dem Moloch zu sagen, dass er nackt ist. DAS KROKODIL frisst mit Leidenschaft grelle Boulevard-Gazetten, seriös gestrichene Bürgerblätter und Fernseheinschaltknöpfe (vorher ausschalten!). „Ich denke, wir müssen anfangen, die da oben auszulachen und zu -pfeifen, ihnen zeigen, dass wir ihnen nichts mehr glauben und uns auf die Seite der Krokodile schlagen... von da aus sieht nämlich alles ganz anders aus!“ –  so der Kampfesruf von Claudia von Werlhof. An Rumpelstilzchen, das aus Dreck Gold spinnt, brauchen wir – dem Rat von Maria Mies folgend – nicht mehr zu glauben, denn es gibt eine Grenze, über die es nicht springen kann: „Es kann zwar aus etwas LEBENDIGEM Geld machen. Es kann aber aus Geld nichts LEBENDIGES machen. Geld ist tot..., Rumpelstilzchen, Herr Kapital, ist ein Lügner, ein Betrüger...“

DAS KROKODIL wird uns helfen, die verschwundene Dialektik wieder zu entdecken und damit der Sprach- und Planlosigkeit der („linken“) Intellektuellen gegenzusteuern . Dabei stärkt es uns mit allerfeinster Hausfrauenkost und fest kochenden deutschen Pellkartoffeln, die gegen politische Gegner einsetzbar sind, aus der eigenen Krokodilsküche.


Auf Entdeckungsreise mit dem KROKODIL: Wiederentdeckung der Erinnerung (Arbeitertheater- und Sprechchor-Bewegung, hier: Der rote Kasper, aus dem Arbeiter-Theaterverlag Alfred Jahn, Leipzig - im KROKODIL, Ausgabe Null)

Was kann Mann oder Frau mit dem KROKODIL sonst noch  anfangen? Zum Beispiel es in die (reißfeste!) Tasche stecken, oder es adoptieren, oder es guten Freunden anvertrauen, oder seine Feinde damit erschrecken, oder medienverkleisterten Kohlköpfen als Guckloch zum Glück anbieten, oder Tote zum Leben erwecken – wie im echten Leben im Kasperle-Theater. Ja, es ist alles NUR THEATER. MenschenKinder können ihm eigene Geschichten zur Erbauung anbieten, denn das kleine Ding ist nicht nur frech, fröhlich und gefährlich, es ist auch außerordentlich gefräßig.


Auf Entdeckungsreise mit dem KROKODIL: Wiederentdeckung der Zukunft. Grafik: Thomas J. Richter, „Jubiläumsblatt“ zum 20jährigen Bestehen der Galerie Arbeiterfotografie in Köln, Linolschnitt, handcoloriert, 30 x 40 cm, 2010 (Auflage 30, in Kassette mit sieben Fotoarbeiten, sammelbar).


Hier eine Leseprobe aus der „Geburts“-Nummer, Ausgabe Null:

Lassen Sie sich patentieren
Maria Mies, Köln 1996

1. Lassen Sie sich patentieren
denn Sie sind ein Kapital.
Ihre Leber, Ihre Nieren
Ihre Gene allzumal
lassen Sie sich patentieren
denn es gibt Sie nur einmal
eh die Multis Sie sezieren
haben Sie die erste Wahl.

2. Gene, Gene und Patente
ja, das ist der neuste Hit.
Ja, das bringt die beste Rente.
Machen Sie beim Reibach mit.
Was da kreucht und fleucht auf Erden
was da blüht auf dieser Welt -
alles muss zur Ware werden.
Alle Ware wird zu Geld.

3. Merck, Monsanto, Ciba Geigy
Hoechst und Bayer machen mit
bei der Jagd auf die Patente
bei dem Run auf den Profit.
Diese großen neuen Mütter
schaffen Nahrung, heilen Schmerz.
Wenn nur die Bilanzen stimmen
brauchen sie kein Menschenherz.

4. Dieses schöne neue Leben
bringt nicht die Natur hervor.
Kinder schaffen nicht mehr Frauen
die entstehen im Labor
die Natur wird überflüssig
hier in diesem Jammertal.
Unsre Mutter ist die Technik
Vater ist Herr Kapital.

5. Denn was ist denn schon ein Leben
in dem ew'gen Einerlei.
Doch Ihr Gen das lebt ja ewig
ist es erst vom Körper frei.
Freiheit, die das Gen bescheret,
frisch auf Ihrer Samenbank
Wo es dann den Fortschritt mehret
sagen wir den Multis Dank.

Maria Mies zur Entstehungsgeschichte des Liedes: Dieses Gedicht entstand im Zusammenhang unserer Bewegung gegen die Gentechnik allgemein, insbesondere gegen die „Patentierung des Lebens“. Der konkrete Anlass war die Patentierung des NEEMBAUMES in Indien durch einen amerikanischen Wissenschaftler. Dieser Baum enthält eine Substanz – Azadirachtin – die gegen Pilzbefall, Schimmel und andere gefährliche Stoffe schützt. Die Leute benutzen seit Jahrtausenden alles an diesem Baum: Blätter, Zweige, Wurzeln, zum Schutz vor Krankheiten. Ein amerikanischer Wissenschaftler hat die heilsame Wirkung des Neembaums entdeckt und hat ihn prompt patentieren lassen. Gegen diese Patentierung sind wir, Vandana Shiva, ich und viele andere auf die Barrikaden gegangen. Vandana Shiva hat mit zwei anderen Frauen gegen diese Patentierung beim Europäischen Patentamt in München geklagt. Ihr Argument: Der Neem-Baum ist keine ERFINDUNG dieses amerikanischen Wissenschaftlers sondern höchstens eine ENTDECKUNG. Die heilsame Wirkung dieses Baumes war den Menschen seit Jahrtausenden bekannt. Das EU-Patentamt musste die Anerkennung dieses Patents zurückziehen.

© Common Intellectual Property of People with Resistance Genes (CIPPRG).
Zu singen auf die Melodie: Freude schöner Götterfunken
  (PK)
 


Hinweise:

DAS KROKODIL erscheint quartalsweise
ISSN: 2194-1114
Einzelausgabe: 4,50 Euro
Abo mit 4 Ausgaben/Jahr: 18 Euro
Förderabo: 48 Euro

bestellen bei:
DAS KROKODIL
Anneliese Fikentscher
Merheimer Straße 107
50733 Köln
krokodil@das-krokodil.com

www.das-krokodil.com

Online-Flyer Nr. 364  vom 25.07.2012

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