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Aktueller Online-Flyer vom 28. August 2016  

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Parade von der Kalker Post zum Kölner Kalkberg
Nicht vom Himmel gefallen
Von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann

Eigentümerin des Kalkbergs ist zurzeit die GSE, die Grundstücksentwicklungsgesellschaft. Haupteigentümer der GSE ist die Sparkasse KölnBonn. Die Sparkasse gehört der Stadt. Die Stadt: das sind die Menschen, die hier leben. Daraus ergibt sich die entscheidende Frage: "Wem gehört die Stadt? Und wem gehört der Berg?" Gestellt hat sie der Kölner Stadthistoriker Martin Stankowski am Fuße des Kalkbergs, zu der am 24. Juni die Kalkberg-Parade ihren Weg nahm, um deutlich zu machen: der Kalkberg gehört den Menschen, die in seiner Umgebung leben.


Die Kalkberg-Prinzessin
Alle Fotos: arbeiterfotografie.com


Aufstellung der Paradeformation vor der Kalker Post


Es geht los – vorne links Boris Sieverts (Künstler und Initiator der Aktion)


Die Parade fließt in Mäandern durch Kalk
 

Manche Kalker Gassen sind fast zu eng


KWAGGA-Bläser – Musik ist das tragende Element...


Die verteilten Kalkberg-Sommerfest-Einladungskarten werden gerne genommen, nicht nur von Kindern…


Die Menschen im Viertel beobachten und hören, was sich auf der Strasse tut


Eingeladen zum Kalkberg-Sommerfest


Die Parade ist eine Reise durch die bunt gemischte Kalker Welt der Kulturen


Es ist die Zeit der Fussball-EM


Auch der muslimisch geprägte Teil der Kalker Bevölkerung ist begeistert


KWAGGA-Bläser-Trupp


Die Aktion kommt an…


Die Parade hat ihr Ziel erreicht: den Autobahnzubringer am Fuße des Kalkbergs


Der Aufgang zum Kalkberg – Die Eigentümer haben für heute die Nutzung des Kalkbergs untersagt


Das Sommerfest findet unter der Autobahntrasse statt


Boris Sieverts und Martin Stankowski – Bericht über die Geschichte des Kalkbergs


Eigentlich sollte das als Schlusspunkt der Kalkberg-Parade konzipierte Sommerfest nicht unter der Autobahn, sondern auf dem Berg stattfinden. Aber, so der Stadthistoriker Martin Stankowski: „Die Genehmigung, heute auf dem Kalkberg das Sommerfest zu veranstalten, ist von der Firma GSE zurückgezogen worden. Wer ist GSE? GSE heißt: Göttsch, Engel, Sparkasse. Die Freunde unter uns, die Eishockey lieben, kennen den Namen Göttsch. Er war der große Sponsor des Eishockey. Engel ist ein Abbruchunternehmer, der eigene Deponien unterhält. Und S steht für Sparkasse. Die Sparkasse hat 51 Prozent. Wem gehört die Sparkasse? Die Sparkasse gehört der Stadt. Und nun ist die entscheidende Frage: wem gehört die Stadt? Und wem gehört der Berg?“

Wer ist die GSE?

In der Tat: die Kommanditisten, also die Gesellschafter der GSE Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, Köln (AG Köln HRB28154), sind:
- Engel Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH & Co.KG, Köln (Köln HRA 26235)
- S RheinEstate Grundbesitz GmbH & Co. KG, Köln (AG Köln HRA 11663)
- GEG Grundstücksentwicklungsgesellschaft H. H. Göttsch KG, Köln (AG Köln 13818)
So steht es jedenfalls in der Antwort der Stadt Köln auf eine Anfrage der 'Freien Wähler' vom 9.12.2011, unterzeichnet durch OB Jürgen Roters.

In dem 1999 zwischen Stadt Köln und GSE abgeschlossenen Sanierungsvertrag sind als deren Geschäftsführer der Dipl. Kfm. H.H. Göttsch und Hans Georg Engel genannt. In einem Dokument über die Eigentumsverhältnisse von CFK.flo sind für die Grundstueckentwicklungsgesellschaft mbH (HRA 28154) am 20.12.1996 Kaufmann Hans Georg Engel und Dipl. Kfm. Heinz Herrmann Goettsch aufgeführt. Und Express meldet über den Immobilien-Unternehmer am 18.08.2010: „Eine Ära ist beendet – Göttsch kein Hai mehr!“ Wie ist das gemeint? Bezieht sich das nur auf seine Rolle bei den 'Haien', dem Kölner Eishockey-Club? Oder ist er jetzt zum wohltätigen Bündnispartner der Kölner Bürger geworden?

Kalkberg als Frei- und Lebensraum

„RheinEstate GmbH ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Sparkasse Köln Bonn.“ So steht es auf der website von 'S RheinEstate'. Aber interessanter als diese Erkenntnis ist noch, wofür RheinEstate steht: „Wir schaffen Räume! Arbeitsräume. Freiräume. Lebensräume.“ Das ist genau das, was die Bürger brauchen. Sie brauchen Arbeit. Aber daneben brauchen sie Frei- und Lebensräume. Damit ist alles klar. Die Bürgerinnen von Kalk, Buchforst und Stegerwald-Siedlung auf der einen Seite und die RheinEstate auf der anderen sind perfekte Partner. Sie haben das gleiche Ziel: den Kalkberg freizugeben als Frei- und Lebensraum für die Menschen, die hier leben.

Sprachrohr für diese Zielvorstellungen ist die Bürgerinitiative Kalkberg, die mit der Parade und der anschließenden Infoveranstaltung am Fuße des Kalkbergs die Forderung wiederholt hat, keinen Hubschrauberflugplatz auf dem Kalkberg zu bauen. Ca. 120 Aktive zogen von der Kalker Post zum Kalkberg. Die KWAGGA-Bläser aus dem Veedel sorgten für die nötige Aufmerksamkeit bei den Anwohnern. Viele von ihnen haben durch ihre Unterschrift das Bemühen der Bürgerinitiative unterstützt.

Wenn sie ihn geschaffen haben, soll er ihnen auch gehören

Unter der Autobahn gab es dann weitere Infos – so die von Martin Stankowski: „Es war im Herbst 2011: 40 Jahre Kampf um den Kalkberg. Das Motto war früher: 'Wir brauchen den Kalkberg'. Das waren vor allem Sozialdemokraten, Jusos aus Buchforst und sehr viele aus der Stegerwald-Siedlung. Die haben damals mit einem ganz großen Problem zu tun gehabt. Die CFK (Chemische Fabrik Kalk) hat behauptet: es gefährdet Arbeitsplätze. Bei dem Argument zucken natürlich alle zusammen – wenn es stimmt, zu Recht – so wie heute alle zusammenzucken, wenn es heißt: tatü-tata, es geht ums Leben... Aber es gibt gute Argumente. Schon damals gab es gute Argumente. Es ging damals um das Zugänglichmachen. Die Forderung war: der Zaun muss weg. Und zwar haben sie im Forstgesetz den Paragraphen 3 entdeckt. Sein Wortlaut: die freie Landschaft soll für die Menschen erschlossen werden. Ich weiß nicht, ob das heute noch im Forstgesetz steht. Wenn ja, sollten wir uns auf das Forstgesetz Paragraph 3 beziehen und sagen: die freie Landschaft, die der Kalkberg zweifellos ist, soll uns für die Erholung der Menschen, um die es uns ohne Zweifel geht, erschlossen werden. Und das ist das Entscheidende. Damals gab es auch ein weiteres Argument der Bürgerinnen und Bürger von Buchforst, der Stegerwald-Siedlung und von Kalk: wir haben ihn doch geschaffen – den Kalkberg. Die Arbeiter der CFK, die in der Fabrik zu schlechten Löhnen ausgebeutet worden sind und häufig ihre Gesundheit ruiniert haben, haben auch diesen Berg angelegt. Der ist ja nicht vom Himmel gefallen. Den haben nicht die Fabrikdirektoren hier hingelegt, sondern die Arbeiterinnen und Angestellten haben ihn geschaffen. Und wenn sie ihn geschaffen haben, soll er ihnen auch gehören.“ (PK)

Online-Flyer Nr. 361  vom 04.07.2012

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