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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

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Filmclips
Bilder mit anderen Worten
Von Ruth Knecht



Ruth Knecht, AusstellungsnasichtDie Verbindung von Kunst und Leben bildet den Urgrund meiner Konzept-Kunst, Ausgangspunkt meiner künstlerischen Arbeit ist der Alltag.

 
Von 1985 bis 1989 stand das Essen im Mittelpunkt meiner Kunst. Ich war Künstlerin, aber auch Hausfrau und Mutter eines kleinen Kindes. All das, was mir zur Zubereitung der Speisen und Getränke durch die Hände glitt, was greifbar blieb, sammelte ich ein und arrangierte es auf der Tageszeitung: Verpackungsmaterialien - Tüten, Beutel, Folien, Schalen, Pellen, Kronkorken, aber auch Gemüse- und Obstabfälle, Kaffeesatz und Tee. Die festen Dinge des Frühstücks, Mittag- und Abendessens fügte ich im Lauf des Tages liebevoll in die Collage ein und malte mit den flüssigen Bestandteilen wie Jackson Pollock darüber. Wenn die Zeitung voll und damit das Bild fertig war, begann ich mit einem neuen. Die fertigen Objektbilder trocknete ich sorgfältig und schweißte sie später in durchsichtige Haushaltsfolie ein.
 
Die Objekt - Collagen verändern sich im Lauf der Jahre, in ihrer Aussage sind sie zeitlos und allgemein gültig geblieben. Ob Manager oder Hartz IV-Empfänger, Frau oder Mann, allein lebend oder mit Familie, ob leidenschaftlicher Koch oder Fastfood-Esser, unsere Nahrungsaufnahme ist mit all diesen Dingen verbunden, denen die Objekte ein Denk-Mal setzen. Das Zerknüllen einer Tüte, in der das im Vorbeigehen mitgenommene Brötchen steckte, das Auspacken der Süßigkeit zwischendurch, das Öffnen einer Flasche oder Schälen und Knacken von Früchten, sind alltägliche Handlungsvollzüge aller Menschen. Sie gelten in unserer technisierten Gesellschaft als so nebensächlich und unwichtig wie die Essens - Arbeit unendlich vieler Frauen in unendlich vielen Haushalten. Lebensmittel sind mit einem ungeheuren Verpackungs-, Logistik- und Transportaufwand verbunden und werden massenhaft weggeworfen. Schöner Schein und Verpackungswahn grassieren weiterhin, Äußeres ist wichtiger als Inhalte. Das schwingt in der Fülle und Undurchschaubarkeit der Bilder mit. Aktueller denn je, zeigen sie die Kehrseite des Überflusses. (PK)
 
Künstlerin: Ruth Knecht
www.ruthknecht.de
 
KAOS-Team:
Kamera: Rainer Kling
 
Schnitt: Birgit Köster
Musik: Modest Mussorgsky
 
Ort: KAOS Galerie, Köln


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Online-Flyer Nr. 361  vom 11. Dezember 2017



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