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Aktueller Online-Flyer vom 01. Oktober 2016  

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Kommentar
Kommentar vom Hochblauen
Der Drohnenkönig: "Bei Anruf Mord"
Von Evelyn Hecht-Galinski

Was unterscheidet den Ex-Präsidenten Bush vom heutigen US-Präsidenten Obama? Bush bekam für seine Untaten keinen Friedensnobelpreis! Der Friedensnobelpreisträger Obama hat es geschafft, seinen Vorgänger Bush in vielen Dingen zu überholen. Erfuhren wir doch die unglaubliche Tatsache, dass dieser Friedensnobelpreisträger jeden "tödlichen Dienstag" mit seinen Beratern zusammen sitzt, um eine Todesliste zu aktualisieren. Am Ende dieser "Todestreffen" hat man sich dann geeinigt, wer es nicht mehr wert ist weiter zu leben und deshalb zum Abschuss freigegeben wird.
 

Friedensnobelpreisträger Obama
NRhZ-Archiv
Diese Mord/Drohnenangriffe haben sich seit Obamas Amtsantritt nach Bush verdoppelt! Noch schlimmer: dieser Friedensnobel-preisträger mordet auch nach "signature"-Angriffen. Damit ist quasi jeder Mensch, der best- immte, willkürlich festgelegte Kriterien aufweist, zu Freiwild geworden. Jung und kriegs-tauglich, oder irgendwie verdächtig - in diese Mordmaschinerie, über die es sich der Friedensnobel-preisträger nicht nehmen lässt, persönlich zu entscheiden, kann praktisch jedermann und jede Frau hinein geraten. Diese Liquidierung auf "Gut Dünken" vom "Drohnenkönig", also das "targetting killing" per Joystick, ist - seit Obama am Drücker sitzt - zu einem "Dienstag killing", also zu einem Todesurteil ohne Revisionsmöglichkeit geworden.
 
Diese Vorgehensweise passt natürlich genau zu Israel, das dieses gezielte Morden schon seit langem ohne Widerspruch anwendet. Müssen dabei auch unschuldige Opfer und Familienmitglieder sterben, wen kümmert es? Hauptsache, es wurde die ausgewählte Person ausgelöscht. Bei "Kollateralschäden" wird untersucht und danach ungestraft weiter gemordet. Die Weltgemeinschaft schaut zu und weg, und es wird die Zeit kommen, da werden auch wir diese Methode übernehmen. Hört man dem "pastorisierten" Bundespräsidenten Gauck genau zu, wie jetzt bei seiner bezeichnenden Rede vor der Bundeswehr-Führungsakademie in Hamburg, kann einem nur Böses schwanen!
 

Bundespräsident Gauck
NRhZ-Archiv
Dieser "Bundesgauckler der Nation" warb doch tatsächlich für deutsche Kriegseinsätze und forderte uns, die deutsche, "glücksüchtige" Gesellschaft dazu auf, gegebenenfalls auch wieder unser Leben für Deutschland zu geben. Seine Worte und Werte wie Freiheit und Gerechtigkeit, klingen bei ihm schwülstig wie aus früheren Tagen. "Von Schwertern zu Pflugscharen", von Kriegs-rhetorik zu Drohneneinsätzen ist der Übergang sehr fließend. Auch deshalb hat er während seiner letzten Israel-Reise die große Verbundenheit mit unseren "israelischen Waffenbrüdern" betont.
 
Kommen wir zurück zum US-Drohnenkönig und Friedensnobelpreisträger, dem Herrscher über die Todesliste. Letzte Woche bekam sein Friedensnobel-Kollege, der israelische Staatspräsident Peres, von ihm die höchste Auszeichnung, die die USA zu vergeben haben, nämlich die Medal of Freedom, die Freiheitsmedaille "umgehängt". Es war eine einzigartige Zeremonie von "Friedenskämpfern", auch Henry Kissinger durfte nicht fehlen, hatte Peres diesem doch kürzlich eine israelische Version dieser Medaille verliehen. Da brauchte man gar nicht die enge Verbindung zwischen den USA und dem Satelliten "Jüdischer Staat" betonen, da traf sich die ganze "koschere Bande" und feierte sich und ihre gemeinsamen "Targets"!
 
Derweil werden im jüdischen Staat Israel Vorkehrungen getroffen um 800 Südsudanesen abzuschieben. Innenminister Eli Jischai von der rechtsradikalen Schas Partei führt einen Krieg gegen diese schutzlosen Flüchtlinge, um den "jüdischen Staat zu retten"! Davor hatte er die 60.000 Sudanesen, Eritreer und anderen afrikanischen, traumatisierten Flüchtlinge beschuldigt, gefährliche Krankheiten zu verbreiten und israelische Frauen und Mädchen zu vergewaltigen. Interessanterweise aber fand die Hilfsorganisation "Hotline for Migrant Workers" heraus, dass die Kriminalität unter diesen Immigranten mit 2,5% deutlich unter der in der israelischen Bevölkerung liegt. Trotzdem scheint diese Propaganda im rassistischen jüdischen Staat auf fruchtbaren Boden zu fallen: eine steigende Zahl von Israelis macht diese Flüchtlinge für alles verantwortlich was so geschieht. Tenor: "Die Afrikaner sind unser Unglück". Werden diese Flüchtlinge doch ganz offiziell "Mistaninim" (Eindringlinge) genannt!
 
Endlich hat man außer den Palästinensern noch eine andere Gruppe von Menschen gefunden, die man für vieles verantwortlich machen kann. Ein Minister einer früheren Regierung, nämlich Matan Vilnai, hatte den Palästinensern in Gaza schon eine "Schoah" angedroht. Israel hat seit seiner Gründung vor 64 Jahren nur 157 Flüchtlinge als Asylbewerber anerkannt! 2011 war es nur ein Einziger, dem dieses "Privileg" zuteil wurde. Aus der Geschichte des jüdischen Staates kann man lernen, dass dieses Volk nichts aus seiner leidvollen Geschichte gelernt hat. Nach der "Nakba", also der Vertreibung der Palästinenser 1948, droht nun die "afrikanische Vertreibung" von schutzlosen Flüchtlingen. Man baut an Auffang-Gefängnissen in der Negevwüste und einer Zeltstadt, die neue Flüchtlinge abschrecken soll. Außerdem soll der 240 Kilometer lange Grenzzaun zu Ägypten Israel neben der Apartheidmauer zu den Palästinensern endgültig zu einem "israelischen Hochsicherheitstrakt" abschotten! Willkommen im jüdischen Ghetto!
 
Fünf Jahre Gaza-Blockade und fünf Jahre weiterhin über 1,6 Millionen Menschen in Gaza unter völkerrechtswidrigen Umständen im größten und einzigen Freiluftgefängnis der Welt eingeschlossen! Wer interessiert sich in der Welt noch großartig für diese Menschen? Netanjahu wurden zwar sogar von einem israelischen Untersuchungsbericht "grundsätzliche und entscheidende Fehler" bei der Erstürmung der Mavi Marmara am 31. Mai 2010 vorgeworfen, bei denen eben mal neun Friedensaktivisten von der israelischen Armee ermordet wurden. Aber Netanjahu wird auch das nicht weiter schaden, seine Freunde von der Springer-Presse bis in die deutsche Politik werden weiter zu ihm halten. Egal ob Drohungen gegen den Iran, oder Kampf gegen palästinensische "Terroristen" oder gegen Friedensaktivisten - Israel darf alles!
 
Ach ja, "unsere" deutschen "Spezialisten für Menschenrechte", die grünen Europaabgeordneten Werner Schulz und Rebecca Harms waren auch wieder aktiv. Sie besuchten die verurteilte Oligarchin und ehemalige ukrainische Ministerpräsidentin, "Jeanne D`Arc" Julia Timoschneko im Gefängnis. Der ukrainische Außenminister Konstantin Grischtschenko behauptet, dass die Bundesregierung eine Mitschuld am Gasvertrag mit Russland trage, da Frau Timoschenko diesen Vertrag auf Drängen der deutschen Regierung Anfang 2009 geschlossen haben soll. Hat Frau Merkel deshalb so ein großes Interesse und Mitgefühl für Julia Timoschenko? Eine spannende Variante und Frage.
 
Zurück zu den beiden Grünen: die hatten vor dem Spiel Deutschland-Niederlande auf der VIP-Tribüne mit Plakaten für die Freilassung politischer Gefangener protestiert. Diese Energie vermisse ich für die Tausende von palästinensischen Häftlingen, die seit Jahren in Unrechtshaft in israelischen Gefängnissen sitzen, unter ihnen auch der palästinensische Fußball Nationalspieler Mahmoud Al-Sersek, der seit drei Jahren ohne Urteil in illegaler "Verwaltungshaft" sitzt und sich aus Protest gegen diese Inhaftierung seit 90 Tagen im Hungerstreik befindet, und dessen Gesundheitszustand besorgniserregend ist. Der Präsident des palästinensischen Fußballverbandes, Jibril Rajoub, hat die UEFA zu Sanktionen gegen Israel aufgefordert, solange Israel palästinensische Spieler ohne Gerichtsbeschluss inhaftiert hält! Empörenderweise hat aber die UEFA Israel die Gastgeberrolle für die U-21 EM 2013 geschenkt. Ein schönes Vorbild für die Jugend, das die "einzige Demokratie" im Nahen Osten da abgibt.
 
Sogar FIFA- Präsident Joseph Blatter hat sich eingeschaltet und sorgt sich um die Gesundheit der palästinensischen Häftlinge, die unter "offensichtlicher Missachtung ihres Rechts auf körperliche Unversehrtheit und ihrer Menschenrechte" von israelischen Behörden "mutmaßlich illegal in Haft gehalten und ihnen das Recht auf einen ordentlichen Prozess verweigert werde", hieß es von Seiten der FIFA. Das kommt davon, wenn man selektiert und die Semiten aufteilt - die "guten" zu den Europäern und die "schlechten" zu den Asiaten! Liebe Menschrechtsspezialisten der deutschen Politik, wo bleiben die Proteste gegen Israel? Warum haben Herr Schulz und Frau Harms keine Plakate beim "Freundschaftsspiel" Deutschland-Israel hochgehalten und gegen die Inhaftierung der palästinensischen Häftlinge protestiert?
 
Auch die Präsidentin der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung, Hildegard Müller, stellt sich voll an die Seite Israels. Sie als Lobbyistin von Gas und Wasser, als Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie und Wasserwirtschaft, "gestaltet" die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Israel! Hildegard Müller, ehemalige enge Mitarbeiterin von Kanzlerin Merkel im Kanzleramt und deren Vertraute, außerdem von 2005 bis 2008 Staatsministerin und Beauftragte für die Bundesländer-Koordination, geriet 2005 in die Schlagzeilen als durch den Spiegel bekannt wurde, dass die Dresdner Bank ihren politischen Aufstieg großzügig finanziert hatte! Frau Müller schwärmte in einem Interview in der Jüdischen Allgemeinen Wochenzeitung vom 14.06.2012, über die im Jahre 2011 erfolgreichsten Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder seit Aufnahme der Kontakte.
 
Man stelle sich vor: mehr als 6.000 israelische und deutsche Unternehmen haben Geschäftskontakte, und das Handelsvolumen beträgt 5,3 Milliarden Euro! Zwei Drittel davon sind deutsche Exporte nach Israel! Auch der U-Boot- Deal wird von Frau Müller schön geredet. Zitat: "Die Israelis sind zu Recht überrascht, wie einseitig die Wahrnehmung in Deutschland ist. Jerusalem fühlt sich schließlich nicht aufgrund einer Paranoia durch Teheran existenziell bedroht, sondern weil sich das iranische Regime explizit immer wieder entsprechend äußert. Wenn die Bedrohungslage nicht so wäre, bräuchte Israel diese U-Boote nicht. Ursache und Wirkung dürfen hier nicht verwechselt werden". Zitat Ende! Mit diesen Äußerungen von Frau Müller haben wir die klare Verdrehung der Tatsachen von Ursache und Wirkung. Wie recht Günter Grass mit seinem Gedicht doch hatte!!!

An diesen Tatsachen sieht man, wie nötig die BDS-Maßnahmen gegen Israel sind. Sie sind die einzigen uns noch bleibenden wirksamen Mittel, um den jüdischen Staat Israel am Nerv zu treffen, solange er weiter diese menschenrechts- und völkerrechtswidrige Politik betreibt. (PK)

Hierzu weitere Informationen und Fotos unter diesem Link:
http://mondoweiss.net/2012/06/tourism-in-israeli-settlements-practice-shooting-palestinians.html

Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Unsere LeserInnen kennen sie als Autorin der Serie, die sie "vom Hochblauen", ihrem 1186 m hohen "Hausberg" im Badischen, schreibt. Einen Offenen Brief der engagierten Publizistin an Herrn Gauck zu seinem oben erwähnten Israel-Besuch hat die NRhZ gerade erst ins Netz gestellt, und eine Reihe von Internetseiten haben ihn übernommen. Wie er darauf reagieren wird, werden unsere Leser erfahren


Online-Flyer Nr. 359  vom 20.06.2012

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