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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Lokales
EU soll 150-Millionen-Subventionierung für Giftfabrik in Dormagen stoppen
Beschwerde gegen TDI-Anlage von BAYER
Von Peter Kleinert

Die BUND-Regionalgruppe Düsseldorf sowie die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) haben bei der EU-Kommission eine Beschwerde wegen öffentlicher Subventionen für die umstrittene TDI-Anlage in Dormagen eingereicht. Beide Gruppen hatten bereits im Genehmigungsverfahren Einwendungen eingereicht und ihre Kritik im Erörterungstermin dargelegt.

Ein Modell der neuen TDI-Anlage von BAYER Dormagen
Foto: BAYER/WAZ
 
"Sie ist farblos bis leicht gelblich und riecht stechend: Die Flüssigkeit Tuluol-Diisocyanat, abgekürzt TDI. In der EU-Gefahrstoffverordnung trägt sie die Klassifizierung T+, „Sehr giftig“." So stellte die WAZ am 22. Februar ihren Lesern die von der BAYER-AG geplante TDI-Anlage vor und erhielt für den Artikel vom Konzern sogar ein Foto des natürlich nicht so gefährlich aussehenden Modells der TDI-Anlage.(1) Immerhin hatte die Kölner Bezirksregierung die Zulassung für den vorzeitigen Baubeginn der 150 Millionen Euro teuren TDI-Anklage erteilt.
 
Und nun soll der BAYER-Konzern für den Bau dieser Produktionsanlage von der staatlichen KfW-Bank auch noch einen zinsgünstigen Kredit in Höhe von 150 Millionen Euro erhalten. Begründet wird dies mit angeblichen Einsparungen von Energie und Einsatzstoffen. Eine solche Einsparung ist für BUND und CBG jedoch nach Prüfung der Antragsunterlagen nicht nachvollziehbar, da sich das Unternehmen geweigert hat, konkrete Aussagen zum absoluten Energieverbrauch zu machen.
 
Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Gegen den Bau der TDI-Anlage gibt es große Bedenken. Wir kritisieren insbesondere den hohen Ressourcen-Einsatz, das Fehlen von worst case-Szenarien sowie die Verwendung hochgefährlicher Zwischenprodukte wie Phosgen. Wir können daher nicht nachvollziehen, warum das Projekt nun auch noch mit einem zinsgünstigen staatlichen Kredit gefördert werden soll.“ Die KfW-Bank hatte trotz CBG-Nachfrage nicht dargelegt, worauf sich die Entscheidung gründet, das Projekt zu fördern. In der begünstigten Kreditvergabe sehen die Umweltverbände eine Bevorzugung des BAYER-Konzerns gegenüber anderen Unternehmen, weswegen sich die Beschwerde an die Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommision richtet.
 
In der Dormagener TDI-Produktion sollen laut CBG als Zwischenprodukt jährlich rund 360.000 Tonnen Phosgen eingesetzt werden. Diese Chemikalie wurde im Ersten Weltkrieg als Kampfgas verwendet. Die Anlage soll in einem Abstand von weniger als 300 Meter zur nächsten Werksgrenze errichtet werden, obwohl die Kommission für Anlagensicherheit für den Einsatz von Phosgen einen Abstand von 1.500 Meter zu bewohnten Gebieten festgelegt hat. Gegen die Genehmigung des Antrags von BAYER hatten die Umweltverbände BUND, Nabu und CBG sowie die Grünen und rund 60 Einzelpersonen Einwendungen eingereicht.
 
Ab 2014 soll in der neuen Anlage produziert werden, gegen die unter anderem die auch die Monheimer Grünen Einwände formuliert hatten. TDI ist ein Vorprodukt für Weichschäume, aus denen Matratzen, Polster, Schwämme und Verpackungen bestehen. BAYER rechnet laut WAZ mit einer steigenden Nachfrage. Der Neubau in Dormagen ersetze bestehende TDI-Anlagen dort und in Brunsbüttel. (PK)
 
(1) http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/baugenehmigung-fuer-tdi-anlage-bei-bayer-id6391730.html


Online-Flyer Nr. 358  vom 13.06.2012

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