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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Medien
Das angebliche Photo vom aktuellen Houla-Massaker ist schon 9 Jahre alt
Wie die Medien im Syrien-Konflikt betrügen
Von Brigitte Queck und Dr. Jürgen Falkenhagen

Die Schweizer Wochenzeitung Zeit-Fragen stellt in ihrer letzten Ausgabe vom 29.05.2012 in dem Artikel „Irak-Photo vom 27. März 2003 soll jetzt in Houla gewesen sein?“ klar, dass das Photo mit den Kinderleichen zum Massaker in Houla, das von westlichen Zeitungen ohne jegliche Überprüfung sofort den syrischen Regierungstruppen gegen ihre eigenen Zivilisten zugeschrieben wurde, tatsächlich am 27. 3.2003 von dem Fotografen Marco di Lauro nach den NATO-Bombardements und dem Sturz von Saddam Hussein im Irak aufgenommen worden ist. Also vor 11 Jahren und es hat deshalb nichts mit den aktuellen Ereignissen in Syrien zu tun.
 

Marco di Lauros Foto aus dem Krieg gegen den Irak vom 27. 3.2003
Marco di Lauro erklärte dazu laut Zeit-Fragen: „Was mich wirklich überrascht, ist, dass ein Nachrichten-unternehmen wie die BBC die Quellen nicht überprüft und bereit ist, irgendein Bild, das ihm von irgend jemandem geschickt wurde, zu veröffentlichen.... Jemand nutzt die Bilder von jemand anderem für gezielte Propaganda!“
 
Ein Sprecher der BBC sagte dazu, dass das Bild, mit dem die Sendung „Das Massaker in Syrien wird verurteilt, während die Empörung wächst“ am Sonntagabend illustriert wurde, sofort entfernt worden sei, nachdem die echte Quelle identifiziert worden war.
 
Für dieses "Versehen“ hatte man lediglich die Erklärung bereit, dass man für dieses Bild, das weit herum im Internet zirkulierte, einen klaren "Disclaimer" (Haftungsausschluss) verwendet und in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen habe, „dass es nicht von unabhängiger Seite überprüft" worden sei.
 
Fakt ist jedoch, dass solche Informationen,die „nicht von unabhängiger Seite überprüft werden können“, zum Markenzeichen der über 14 Monate dauernden Berichterstattung über Syrien geworden ist. (1)
 
Und nicht nur das. Die Bundesregierung nutzte die Houla-Ereignisse nebst dem BBC-Photo dafür, der syrischen Regierung ohne Beweise völkerrechtswidrige Aktionen anzulasten und den syrischen Botschafter auszuweisen!
 
Dazu noch Folgendes: Völkerrechtswidrige Angriffskriege der NATO-Staaten sind seit dem NATO-Bombardement auf Jugoslawien im Jahr 1999 zur Regel geworden. Um einen militärischen Angriff der NATO mit dem Ziel Sturz antiimperialistischer Regierungen wie in Jugoslawien, Irak und Libyen vor den Augen der Weltöffentlichkeit zu rechtfertigen, brauchte man natürlich immer ein erschütterndes Ereignis, das einen militärischen Rachefeldzug „rechtfertigen“ konnte! Im Falle Syriens sollte nun wohl der Massenmord in Houla dafür herhalten, die Weltöffentlichkeit auf einen Militäreinsatz von UN- bzw. NATO-Truppen einzustimmen.
 
Auch Werner Pirker urteilte in der Jungen Welt vom 29.5.2012 unter dem Titel "Cui bono? Parteiische UN-Erklärung zu Syrien“, dass das Houla-Massaker als Vorwand für ein vom Westen seit langem gewünschtes militärisches Eingreifen der NATO dienen könne. Er meinte, dass die Behauptung der westlichen Regierungen, syrische Regierungstruppen hätten ihre eigene Zivilbevölkerung durch Panzer- und Artilleriebeschuss ermordet, unsinnig sei, wisse doch die syrische Regierung genau, dass die Westmächte seit langem nach einem Grund für ein militärisches Eingreifen in Syrien suchten und ihnen schon deshalb nie selbst den geeigneten Anlass geliefert hätte.
 
Wohl ohne es zu wollen haben die ZDF-Heute-Nachrichten vom 29.5., 19.00 Uhr, dazu ein wesentliches Detail dieses Massakers in Houla verraten, indem sie berichteten: „Die meisten Opfer in Houla sind nicht durch Artillerie- und Panzerbeschuss (was die Westpresse den syrischen Regierungstruppen vorgeworfen hatte!) sondern durch Einsatzkommandos zielgerichtet gekillt worden."
 
Dass NATO-Soldaten aus verschiedenen Ländern schon seit Monaten in Syrien operieren und militärische Aktionen mit Panzer brechenden Waffen und Mörsergranaten auf Seiten der syrischen Opposition durchführen, bewiesen u.a. auch die Ereignisse in Homes, wo von syrischen Regierungstruppen ausländische bis an die Zähne bewaffnete Soldaten festgenommen und modernste US-Ausrüstung mit Waffen und Munition sichergestellt worden ist.
 
Die gesamte konzertierte Aktion in Syrien wurde, wie in Libyen u.a. Ländern auch, genau vorbereitet und zwar mit Geldern der US- und internationalen Finanzoligarchie über spezielle international agierende Nichtregierungsorganisationen (auch OTPOR, wie im damaligen Jugoslawien) und durch im Dienst der NATO stehende militärisch agierende Söldnertruppen, die überall in der Welt dahin geschickt werden , wo man sie „braucht“. (2)
Auch dass sich in die ideologische Vorbereitung von NATO-Angriffskriegen sogenannte Kommunisten, die vor Jahren vor ihren Regierungen ins Ausland geflüchtet sind, einbinden lassen, ist leider keine Seltenheit. So hatte damals im Jahre 2003 vor dem Irak-Krieg ein Vertreter der Kommunistischen Partei des Irak, R. Ghewielib, in einem ND-Interview vom 04.08.2007 erklärt:„Nur wenn es ... den zivilgesellschaftlichen Organisationen... gelingt, durch gewaltfreies politisches Agieren einen neuen demokratischen föderalen Irak aufzubauen, kann das Land insgesamt zu Stabilität und Sicherheit gelangen“ .Damit suggerierte er, dass die USA den Irak einzig und allein zu dem Zweck überfallen hätten, um Saddam Hussein zu stürzen und Demokratie ins Land zu bringen! Nunmehr vertritt auch ein bestimmter Teil der Kommunistischen Partei Syriens, der ebenso vom Ausland gelenkt wird, die Meinung, dass die Auseinandersetzungen in Syrien zu ihren Gunsten ausgehen werden!
So argumentiert der syrische Publizist Michel Kilo, der sich als Kommunist ausgibt, dass das Ziel seiner "Demokratischen Plattform" sei, „einen politischen Plan für die Volksbewegung zu entwickeln und Syrien zu einem ausgeglichenen, demokratischen System zu führen“. Er erklärt ferner: „Wir haben einen Hauptfeind, das Regime. Und wenn das Regime weg ist, dann können wir unsere Streitigkeiten regeln!“
 
Diese Äußerungen - als hätte es in Syrien nicht kürzlich Wahlen gegeben - zeigen, dass auch die sogenannte "Demokratische Plattform" ein gemeinsames Spiel mit den Westmächten macht. (3)
 
Übrigens ist in Syrien im Gegensatz zu manchen, sich als Demokratien aufspielenden westlichen Staaten, einschließlich USA, Großbritannien oder BRD, die Kommunistische Partei in der syrischen Regierung vertreten und steht hinter Präsident Assad! (PK)
 
(1) Zeit-Fragen Nr.23, 29. Mai 2012, S. 4 )
(2) Quellen: GEO TV und Focus News Agency, 13.5.2012 „Russland warnt Kosovo vor der Ausbildung syrischer Rebellen“
(3) siehe: ND, 29.5.2012, S. 2 „Die UNO-Mission ist unsere große Chance“


Online-Flyer Nr. 357  vom 06.06.2012

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Von Kostas Koufogiorgos
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