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Aktueller Online-Flyer vom 21. Oktober 2017  

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Sport
Vier Tore: Celia Okoyino da Mbabi ließ es beim Spiel gegen Spanien donnern
Celia oh Celia! Spiel, Fight, Sieg!
Von Bernd J.R. Henke

Die Kameras begleiteten sie auf Schritt und Tritt, die Reporter drängten sich um sie, Bundestrainerin Sylvia Neid umarmte sie als Erste von allen nach dem Spiel. Celia Okoyino da Mbabi strahlte nach dem Länderspiel gegen die Spanierinnen. Sie war die Spielerin des Tages im Carl-Benz-Stadion in Mannheim. Gelungen war ihr einfach alles. Kurz nach Ende eines auch ästhethisch ansprechenden Spieles der deutschen Nationalmannschaft frohlockte Vierfach-Torschützin Okoyino da Mbabi: „Es macht momentan sehr viel Freude in dieser Mannschaft zu spielen.“ Celia, Studentin der Kulturwissenschaften an der Universität Koblenz, befindet sich in der „himmlischsten Höchstform“ ihrer Fußballerinnen-Karriere.
 

Nomen est omen - der Vorname Celia geht zurück
auf das lateinische Wort "caelum“ (Himmel).
Insofern kann ihr Name mit „die Himmlische“
wiedergegeben werden.
Alle Fotos: A2 Bildagentur Hartenfelser
Sie verwandelte vier von den insgesamt fünf Toren beim 5:0-Sieg im EM-Qualifikationsspiel gegen Spanien. Die Frauen-Nationalmann-schaft des DFB hat damit einen wichtigen Schritt in Richtung der Europameisterschaft 2013 in Schweden gemacht. Vor dem Spiel lagen beide Teams mit 13 Punkten gleichauf, mit dem Sieg baut Deutschland den Vorsprung in der Qualifikationsgruppe 2 aus. Jubel bei den Spielerinnen, auch Bundestrainerin Neid zeigte sich am Ende glücklich: "Spanien hat uns in der ersten Halbzeit das Leben schwer gemacht. Mit der zweiten Hälfte bin ich aber sehr, sehr zufrieden.“
 
Deutschland war von Beginn an die bessere Mannschaft, tat sich aber zunächst schwer, gefährlich in den Strafraum der Spanierinnen vorzudringen. Die überraschten das deutsche Team durch aggressive Gründlichkeit in den Zweikämpfen. Sie machten die Räume eng und setzten Deutschland unter Druck. Silvia Neid erkannte die Misere recht früh und wechselte konsequent die schwach spielende Kapitänin Melanie Behringer aus. Für sie kam ihre Frankfurter Teamkollegin Fatmire Bajramaj ins Spiel. Babett Peter übernahm die Kapitänsbinde. Es dauerte eine ganze Weile, bis Silvia Neids Mannschaft sich auf das spanische Pressing und Kurzpassspiel eingestellt hatte.

Celia Okoyino da Mbabi im Zweikampf mit Ruth Garcia (Spanien/Levante UD) und rechts Miriam Dieguez de Ona (Spanien/FC Barcelona)
 
In der 24. Minute erzielte dann die Stürmerin vom SC 07 Bad Neuenahr das 1:0 Führungstor. Als ein Torabspiel der spanischen Torhüterin von einer deutschen Abwehrspielerin in der eigenen Hälfte mit dem Kopf nach vorne abgewehrt und weitergeben wurde, auf den Kopf von Anja Mittag, die wiederum per Kopf in den Lauf von Celia Okoyino da Mbabi schlenzte, wurde die gesamte spanische Abwehrseite mit drei Spielerinnen durch da Mbabi ausgetrickst und förmlich mit dem Ball am Fuß überlaufen. Celia fackelte nicht lange. Der aus schnellem Lauf heraus flach geschossene Ball prallte vom linken Innenpfosten wie eine Billardkugel ins Netz der spanischen Torfrau Tirapu de Goni.
 
Weltklasse
 
Schon Anfang März 2012 beim Algarve-Cup in Portugal war Okoyino da Mbabi mit sechs Treffern die erfolgreichste Torschützin des Turniers. Im Gruppenspiel gegen den FIFA-Weltranglisten-Fünften Schweden schoss sie drei entscheidende Tore (Endstand 4:0). Mit weiteren drei Toren im Endspiel in Faro gegen die Weltmeisterinnen aus Japan (4:3) hatte sie maßgeblichen Anteil am Titelgewinn ihrer Mannschaft. Mit diesen Toren ist sie die erste deutsche Spielerin, der drei Tore in einem Spiel gegen eine Mannschaft der Top-3 der FIFA-Weltrangliste gelangen.
 

Celia Okoyino da Mbabi hat in den letzten drei
Länderspielen zehn Tore für Deutschland erzielt
Für Daniel Meuren , Verfasser des kürzlich überarbeiteten Standardwerkes über den Frauenfußball: „Der lange Weg zur Anerkennung“, gilt Celia Okoyino da Mbabi in ihrer gesamten Spielweise nach dem Rücktritt von Birgit Prinz als einzige deutsche Fußballerin mit Weltklasseformat. Sie ist die erste deutsche Nationalspielerin, die in drei aufeinander folgenden Spielen jeweils mindestens drei Tore erzielte. So eine Serie gelang noch nicht mal der extrem torgefährlichen Inka Grings oder der ehemaligen Weltfußballerin Birgit Prinz. .
 
Souveräne Klasse
 
Gegenüber Journalisten äußerte sie nach dem Spiel noch ganz außer Atem in der Mixed-Zone des Carl-Benz-Stadions: „So etwas passiert ja nicht alle Tage. Dass es momentan so gut läuft, darüber freue ich mich natürlich sehr. Wobei meine Mannschaft dazu sehr viel beigetragen hat, denn es waren ja schön heraus gespielte Tore.“ Auf die ergänzende Frage, warum denn die DFB-Auswahl in der ersten Halbzeit so schwer in die Gänge kam, fand sie treffende Worte: „Die erste Halbzeit war erschreckend. Wir haben viele Fehlpässe produziert. Das war ein Gesicht, das wir von uns in der Form nicht kannten und auch nicht sehen wollten. Dass wir das dann in der zweiten Halbzeit abgelegt haben und wieder souveränen Fußball gespielt haben, zeugt aber auch von der Klasse, die wir haben.“

Sandra Vilanova Tous (Atletico Madrid) im Zweikampf mit Viola Odebrecht (1.FFC Turbine Potsdam), dahinter Anja Mittag (LdB Malmö) und Celia Okoyino da Mbabi
 
Zweisprachig aufgewachsen
 
Die Torschützenkönigin vom Algarve-Cup ist die einzige Spielerin der Bundesliga, die aus Platzgründen nur ihren Vornamen auf dem Vereinstrikot trägt. Auf dem Trikot der Nationalmannschaft hingegen ist ihr vollständiger Nachname zu lesen. Ihre Mutter ist Französin, ihr Vater Afrikaner aus Kamerun. .Der Name Okoyino stammt von ihrer Großmutter väterlicherseits. Ihr Name „da Mbabi“ bedeutet so viel wie „(Tochter) von Mbabi“. Ihr in Afrika lebender Vater heißt Elias Mbabi da Yombi. Als Französin geboren in Bonn und zweisprachig aufgewachsen, verbrachte sie von Geburt an Kindheit und Jugend in Deutschland.
 
Ausgespäht
 
Erst im Jahre 2004 fiel den Spähern des DFB das Talent von Okoyino da Mbabi auf. Als französische Staatsbürgerin nahm sie daraufhin die deutsche Staatsbürgerschaft an. Schon 2005 spielte sie als 17-Jährige international für Deutschland ihr erstes A-Länderspiel. Ein Mensch und Literat wie Heinrich "Harry“ Heine hätte, sofern er 150 Jahre später auf die Welt gekommen wäre, sicherlich seine echte Freude gehabt an der Entwicklung dieser jungen Frau.


Gemeinsamer Jubel von zwei jungen Frauen, die
für Schwarz/Rot/Gold stehen: Fatmire Bajramaj
(1.FFC Frankfurt) und Celia Okoyino da Mbabi.
 
Mit zunehmender Spielzeit wurde der Druck der DFB-Elf auf das spanische Team größer. Nachdem die Bundestrainerin in der 54. Minute die recht konfuse Duisburgerin Linda Bresonik vom Feld holte und Alexandra Popp einwechselte, platzte der Knoten.
 
Schon wenige Minuten später erwischte Linda Bajramaj am Anstoßpunkt auf der Mittellinie den Ball, lief mit dem Ball weiter und flankte diagonal nach rechts auf die Höhe der 16 Meterlinie. Dort übernahm Popp den Ball und spielte einen flachen Quer- pass in den Strafraum. Wie eine Rakete war da Mbabi zur Stelle und netzte ein von links auf Höhe Strafraum in das rechte Eck (57.).
 
In der Folge spielten sich die Deutschen nach Belieben durch die spanische Defensive. Als Fatmire Bajramaj von links außen zu Alexandra Popp vorlegte, erhöhte die eingewechselte Duisburgerin mit einem Schuss aus 15 Metern in halblinker Position auf 3:0. In der 68. Minute war dann wieder Okoyino da Mbabi mit dem 4:0 an der Reihe. Die nun sehr selbstbewusst aufspielende Angreiferin setzte sich im Strafraum durch und schoss aus etwa zehn Metern auf das Tor ins rechte lange Eck. Die spanische Torfrau Ainhoa Tirapu De Goni kam zwar noch mit den Fingerspitzen an den abgefälschten Ball, konnte ihn aber nicht mehr daran hindern, die Torlinie zu überqueren.
 
Der Schlusspunkt gegen insgesamt harmlose Spanierinnen war dann erneut Okoyino da Mbabi vergönnt. In der 86. Spielminute setzte sie sich über links durch und visierte das kurze Eck an. Über den Innenpfosten landete der Ball im Netz zum 5:0 Endstand. “Celia you're breaking my heart” trällerte spontan ein Fan mittleren Alters, als mit seiner Freundin in den ICE einstieg, um wieder nach Hause zu kommen.
 
Matchwinner
 
Rund 11.500 Zuschauer sahen in Mannheim eine Partie, in der Spanien die ersten zwanzig Minuten sehr gut mithielt und sogar die besseren Spielanteile hatte. Erst nach dem Führungstreffer durch Celia Okoyino da Mbabi stabilisierte sich das deutsche Spiel mit neuem Selbstvertrauen. In der zweiten Halbzeit bestimmten die DFB-Frauen dann die Partie. Es war der 250. Sieg in der deutschen Länderspielgeschichte. Neben der absolut überragenden Okoyino da Mbabi darf sich auch die Duisburgerin Alexandra Popp als Matchwinnerin fühlen. Kaum war sie im Spiel, bereitete sie den vorentscheidenden zweiten Treffer vor, bevor die Duisburgerin dann selbst mit ihrem 3:0 wohl endgültig die EM-Qualifikation gewinnen half.
 
Männerwirtschaft
 
Bei den Zuschauerzahlen des ZDF dominierten wieder Senioren. Die aktuelle Fernsehrealität widerspricht damit erneut den DFB-Studien, die angeblich besagen, dass sich für Frauenfußball hauptsächlich Kinder und junge Familien interessieren. Hier scheinen Wunsch und Wirklichkeit zu kollidieren. Natürlich sind jüngere Menschen nach wie vor wichtiger für Werbewirtschaft und Sponsoren. Drum vernachlässigt der DFB wohl das ältere Publikum. Die TV-Quoten hingegen zeigen in der Regel eine ziemlich genaue Analyse des Interesses am Frauenfußball. Nicht Frauen sind am meisten aufgeschlossen und zeigen Interesse am Frauenfußball, die Quoten besagen, dass von 1,84 Millionen Zuschauern 1,16 Millionen Männer waren.
 
Gründonnerstag gegen die Schweiz
 
Das nächste EM-Qualifikationsspiel bestreiten die DFB-Frauen bereits am Gründonnerstag, 5. April, um 18.15 Uhr in Aarau gegen die von Martina Voss-Tecklenburg trainierte Schweiz. Das ZDF überträgt ab 18.00 Uhr live. Die NRhZ wird vor Ort sein und mit der Schweizer Nationaltrainerin ein Gespräch führen. (PK)


Online-Flyer Nr. 348  vom 04.04.2012

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