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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Lokales
Proteste zur BAYER-HV in der Messe Köln-Deutz am 27. April angekündigt
Die Kehrseiten der Konzern-Bilanz
Von Peter Kleinert

Der Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. (CBG) ruft für Freitag, den 27. April ab 8.30 Uhr zu Protesten vor und in der Aktionärsversammlung der BAYER AG in der Messe Köln-Deutz auf. Schwerpunkte der Proteste und von Gegenanträgen werden tödliche Pharma-Studien in Indien, der Einsatz von BAYER-Antibiotika in der Massentierhaltung, Nebenwirkungen von hormonellen Kontrazeptiva, die geplante CO-Pipeline quer durch NRW, Fehlbildungen durch den hormonalen Schwangerschafts-Test Duogynon und gefährliche Antibaby-Pillen sowie das Bienensterben durch BAYER-Pestizide sein.

BAYER-Einladung zur Hauptversammlung
Quelle: www.hv2012.bayer.de/
 
Keine Entlastung des Vorstands!
 
In dem Aufruf der CBG wird angekündigt dass die Konzernkritiker als Aktionäre in der HV zu den Punkten 2 und 3 der Tagesordnung den Vorschlägen des BAYER-Vorstands und des Aufsichtsrats widersprechen "und die anderen Aktionäre veranlassen werden, für Gegenanträge zu stimmen". Begründung: "Der BAYER-Konzern verursacht zahlreiche ökologische und soziale Probleme, wofür der Vorstand die Verantwortung trägt."
 
Antibiotika-Produktion
 
BAYER profitiere von den katastrophalen Zuständen in der Massentierhaltung, bei der ständig neue Krankheiten auftreten. "Allein mit dem Tierantibiotikum Baytril, das zur Behandlung von Infektionskrankheiten von Rindern, Schweinen und Geflügel eingesetzt wird, machte der Konzern zuletzt einen Umsatz von 166 Mio Euro. In vielen Zuchtbetrieben gehören Baytril-Spritzen zum Alltag. Kontrollen finden kaum statt. Insgesamt landet mehr als die Hälfte der weltweiten Antibiotika-Produktion im Viehstall. In der Folge entstehen massenhaft resistente Keime, die nach der Schlachtung im Fleisch nachweisbar sind. Eine mitunter tödliche Gefahr."
 

CBG-Gründungs- und Vorstandsmitglied
Axel Köhler-Schnura vor der letzten
BAYER HV
Foto: CBG
Eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) sei im Herbst 2011 zu dem Ergebnis gekommen, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast die Gefahr erhöht, dass diese bei Menschen nicht mehr wirken. Die Weltgesundheits-organisation WHO fordere schon seit Jahren ein Verbot des massenhaften Einsatzes von Antibiotika in der Tierzucht.  
 
Nazi-Unterstützer Carl Duisberg
 
Noch immer verweigere BAYER eine "Aufarbeitung der verhängnisvollen Rolle des Konzerns im Dritten Reich und im 1. Weltkrieg". Jüngstes Beispiel der 150. Geburtstag des ehemaligen Generaldirektors Carl Duisberg im vergangenen September. Weil Duisberg im 1. Weltkrieg den Einsatz von Giftgas durchsetzte, die Deportation belgischer Zwangsarbeiter, die Annexion großer Teile Osteuropas forderte und spätestens seit 1930 Spenden der Industrie an die NSDAP organisierte, hatte die CBG Leverkusens OB Reinhard Buchhorn am 23. September in einem Offenen Brief aufgefordert, ihm die Ehrenbürgerwürde der Stadt endlich abzuerkennen und der Carl-Duisberg-Straße in Leverkusen einen sanderen Namen zu geben. Ergebnis: BAYER ließ zu seinem Geburtstag Kränze auf Duisburgs Grab niederlegen und rühmte gar sein „soziales Engagement“.
 
Antibaby-Pillen
 
Neue Studien belegen laut CBG "das erhöhte Risiko-Potential der von BAYER vertriebenen Antibaby-Pillen mit dem Wirkstoff Drospirenon". Eine im Oktober veröffentlichte Studie komme zu dem Ergebnis, dass die Anwenderinnen ein um 75 Prozent höheres Thrombose-Risiko tragen als Frauen, die ältere Präparate benutzen. Im Auftrag der US-Gesundheits-behörde Food and Drug Administration (FDA) waren hierfür die Krankenakten von mehr als 800.000 Amerikanerinnen ausgewertet worden. Zwei jüngst im British Medical Journal publizierte Studien kämen sogar zu dem Ergebnis, dass das Risiko einer Thromboembolie unter Drospirenon gegenüber Präparaten mit dem Hormon Levonorgestrel um den Faktor 2,3 bzw. 3,3 erhöht ist. Auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnte im Dezember vor den Risiken Drospirenon-haltiger Antibabypillen.
 
Allein in den USA sind laut CBG "mindestens 190 Frauen nach der Einnahme des Präparats Yaz gestorben, mehr als 10.000 Klagen sind anhängig". Angesichts der eindeutigen Studienlage habe BAYER im Januar eine Verschiebung der Prozesse beantragt und Vergleiche in Aussicht gestellt. Die Verfahren wurden daraufhin für drei Monate ausgesetzt. Mittlerweile habe BAYER Entschädigungen an 170 Frauen gezahlt. Auf die Geschädigten in Deutschland sei BAYER bislang jedoch nicht zugegangen – "wahrscheinlich, weil die Gerichte hierzulande geringere Strafen verhängen". Aus Profitgründen weigere sich BAYER alle Präparate mit dem Wirkstoff Drospirenon vom Markt zu nehmen. Ergebnis: "Der Umsatz im vergangenen Jahr lag fast unverändert bei 1,07 Milliarden Euro. Auch das Marketing, das besonders auf Mädchen und junge Frauen abzielt, bleibt unverändert." Hierfür trage der Vorstand die Verantwortung, obwohl ihm die Folgen bereits auf der HV 2011 öffentlich dargestellt wurden (siehe NRhZ vom Nr. 299  vom 27.04.2011 "Selbsthilfegruppe wegen 12 toter junger Frauen zur Kölner Hauptversammlung - 7.000 Klagen gegen BAYER-Antibaby-Pillen")  
 
Keine Entlastung des Aufsichtsrats!
 
Da der Aufsichtsrat seiner Kontrollfunktion nur "ungenügend" nachkomme, soll auch er nicht entlastet werden. So müsse der BAYER-Konzern zum Beispiel amerikanischen Landwirten mehr als eine halbe Milliarde Euro Schadenersatz zahlen, weil im Jahr 2006 "herbizidresistenter Reis der Sorte Liberty Link 601, die nicht für den menschlichen Verzehr zugelassen war", weltweit in den Handel gelangt sei. BAYER habe die Betroffenen "zunächst mit der Aussage verhöhnt, die Auskreuzungen seien ein „Act of God“, also höhere Gewalt. Erst durch kostspielige Prozesse, die die Landwirte ausnahmslos gewannen, konnte der Konzern zu dem nun getroffenen Vergleich gezwungen werden." Dennoch halte der Konzern an dem Vorhaben fest, Gen-Reis in die EU zu importieren. Ein großflächiger Anbau von Gen-Reis hätte in den Anbauländern ein erhöhtes Schädlingsaufkommen, einen verstärkten Einsatz gefährlicher Pestizide und weitere Gen-Kontaminationen zu Folge. Zudem drohe der Verlust traditioneller, lokal angepasster Reis-Sorten, wodurch die Ernährungssicherheit gefährdet wird. "Der Anbau von herbizidresistentem Reis muss daher dringend verhindert werden. Das mit Liberty Link-Reis gekoppelte Herbizid Glufosinat ist außerdem hochgiftig und wird daher in der EU vom Markt genommen. Während BAYER im Herbst freiwillig auf die Zulassung von Liberty (Wirkstoff: Glufosinat) in Deutschland verzichtete, wurde der Export von Glufosinat in den vergangenen Jahren sogar noch erhöht. Ein klassisches Beispiel doppelter Sicherheits-Standards."
 
Kohlekraftwerk im Krefelder BAYER-Werk
 
Im vergangenen Juli wurden endlich die Planungen für das gigantische Kohlekraftwerk im Krefelder BAYER-Werk gestoppt. BAYER hatte sich in dem Genehmigungsverfahren vehement für den Klima-Killer eingesetzt. Der langjährige Widerstand von Anwohnern und Umweltverbänden hat sich nun ausgezahlt. Doch auch das alternativ geplante GuD-Kraftwerk ist mit einer Leistung von 1,2 Gigawatt überdimensioniert. Weder die Strommenge noch die dabei anfallende Prozesswärme werden vor Ort benötigt. Ein Wirkungsgrad von über 90% ist nur mit kleinen Anlagen zu erzielen, die auf die lokalen Bedürfnisse angepasst sind. BAYER emittiert laut CBG jährlich mehr als 8 Millionen Tonnen CO2 und gehört damit zu den großen Klima-Sündern in Deutschland. Der Konzern soll deshalb auf der HV aufgefordert werden, "den Anteil regenerativer Energien drastisch zu erhöhen und auf energieintensive Produktionswege zu verzichten".
 
Die Firma H.C. Starck betreibt für BAYER in Laufenburg eine Versuchsanlage für Carbon Nanotubes (CNT). Diese soll nun in eine reguläre Produktionsanlage umgewandelt werden. Das Gefährdungspotential von CNT ist laut CBG weitgehend unbekannt. Die vorliegenden Studien zeigen aber z.T. beunruhigende Eigenschaften: Durchdringung biologischer Barrieren wie die Blut-Hirn-Schranke; Hervorrufung von Entzündungen und Zellschädigungen, Gefahr von Thrombosen. Tierversuche zeigen zudem, dass bestimmte Nanotubes die Entstehung von Krebs ähnlich wie Asbestfasern begünstigen können. Sogar BAYER schreibt in seinem Sicherheitsdatenblatt: „Achtung – noch nicht vollständig geprüfter Stoff“ und: „Toxikologische Untersuchungen am Produkt liegen nicht vor.“
 
Dennoch behaupten BAYER und H.C. Starck, dass von den in Laufenburg produzierten CNT "kein Krebsrisiko" ausgehe. Wissenschaftliche Untersuchungen, die diese Aussage belegen, wurden jedoch im Genehmigungsverfahren nicht vorgelegt. Belastbaren Daten über Größenverteilung, Länge und Durchmesser der Kohlenstoffröhrchen liegen ebenfalls nicht vor. "Der von BAYER angegebene Grenzwert für die Atemluft von 50µg/cbm wird nicht durch epidemiologische Daten gerechtfertigt", teilt die CBG in ihrer Mitteilung zur Hauptversammlung mit. Weitere Infos: http://www.cbgnetwork.org (PK)
 
 
ORT für die angekündigten Aktionen zur BAYER-HV: Messe Köln-Deutz (Eingang Nord, Messehalle 7, Deutz-Mülheimer-Straße 111)
ZEIT: Freitag, 27. April, ab 8.30 Uhr


Online-Flyer Nr. 348  vom 04.04.2012

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