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Aktueller Online-Flyer vom 30. Juni 2016  

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Literatur
Aus dem Buch "Das Ende der Kriege" eines US-Kriegsveteranen – V
Gehirnwellen für Frieden
Von William T. Hathaway

Ich saß im Lotussitz mit geschlossenen Augen in meinem Zimmer, in Stille gehüllt, leicht atmend. Mein Mantra wurde über den bloßen Klang hinaus zu einem pulsierenden Licht in einer großen Leere, die alles enthielt. Plötzlich schoss ein elektrischer Schlag durch meine Wirbelsäule und von dort in meinen ganzen Körper. Mein Kopf schnellte zurück, die Gliedmaßen zuckten, und ein Schrei löste sich aus meiner Kehle.
 

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Jeder Muskel in meinem Körper spannte sich an – der Nacken steif, die Kiefer aufeinander gepresst, die Stirn angespannt. Schmerzblitze durchzuckten meinen ganzen Körper und sammelten sich in der Brust. ‚Herzinfarkt!‘ dachte ich. Ich schaffte es, mich hinzulegen und merkte, dass ich nicht atmete – vielleicht war ich schon tot. Ich stöhnte und röchelte, versuchte tief Luft zu holen. Dann fegte ein Wirbelsturm an Bildern und Gedanken durch mich hindurch.
 
Zurück in Vietnam: Der Wind von Rotorblättern eines schwebenden Helikopters peitscht das Wasser eines Reisfeldes auf. Bauern rennen panisch in alle Richtungen und suchen Schutz. Aus einem Bambushain blitzen Feuerpunkte, die zu Heulern um meinen Kopf werden. Ein Jet im Sturzflug wirft eine Bombe, die als orangefarbener Ball aus Napalm explodiert. Ein Mann, den ich im Arm halte, wird von Krämpfen geschüttelt, aus seinem Brustkorb quillt Blut.
 
Ich hielt meinen Kopf fest und versuchte, die Bilder abzuschütteln, aber die Szenenmontage ging weiter und wollte raus. Ich konnte nur da liegen, überflutet von Trauer, Bedauern, Angst und Schuld. Mein Brustkorb fühlte sich an, als würde er zusammenfallen. Ich klammerte mich an mein Mantra wie an ein Rettungsseil. Ich atmete in kurzen, hastigen Zügen. Nach und nach wurden die Atemzüge tiefer und länger, und die Eindrücke wurden schwächer. Langsam kam ich wieder in der Gegenwart an, in meinem kleinen Zimmer in Spanien beim Lehrerausbildungskurs für Transzendentale Meditation.
 
Ich lag auf meinem schmalen Bett, unter Schock von diesem Kriegs-Flashback. Ich hatte angenommen, dies alles hinter mir gelassen zu haben, aber es war immer noch da.
 
Ich setzte mich hin und konnte ein paar Yogaübungen machen, aber nicht meditieren. Stattdessen ging ich am Strand spazieren. Für den Rest des Nachmittags war ich wie betäubt. Am nächsten Tag war ich verwirrt und gereizt und konnte kaum schlafen oder meditieren. Aber am Tag darauf fühlte ich mich erleichtert und entlastet – von einem riesigen Trauma befreit. Meine Meditationen waren wieder klar. Die Gewalt lag in der Vergangenheit und wütete jetzt nicht mehr in meinem Kopf.

US-Kriegsveteran und Autor William T. Hathaway
NRhZ-Archiv
 
Schrittweise nahm ich ein einzigartiges Glück wahr, das nicht nur mich durchdrang, sondern meine gesamte Umgebung. Irgendwie wusste ich, dass dieses Glück schon immer da war und tief in allem lebte, aber mein Schmerz hatte meine Wahrnehmung blockiert. Jetzt war ich eins mit dem Universum, nicht mehr gefangen in mir selbst, sondern vereinigt mit allem und jedem in einem Feld der Glückseligkeit. Dieses Gefühl verblasste, aber ich gewann einen flüchtigen Einblick in das Leben eines Erleuchteten.
 
Diese Erfahrung war ein eindrucksvolles Beispiel für „entstressen“, wie Maharishi Mahesh Yogi es nannte. Während der Transzendentalen Meditation befreit sich das Nervensystem von Blockaden, die von unseren vergangenen Handlungen stammen. Da mein Handeln extrem war, war auch der Heilungsprozess extrem.
 
Mehrere Monate nach meiner Rückkehr aus dem Krieg hatte ich mit TM angefangen. Damals war ich voller Furcht und Wut, aber ich verleugnete diese Gefühle und begrub sie tief in mir: Ich war stark, ich kam damit klar, ich hatte es überlebt. Teilweise konnte ich gut funktionieren, aber wenn ich meine oberflächliche Kontrolle verlor, überkamen mich selbstzerstörerische Depressionen. Irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich eine zu große Last mit mir herumtrug. Ich wusste, dass ich mich davon befreien musste, wenn ich in Frieden mit mir und anderen leben wollte.
 
Mein bester Kumpel bei den Special Forces, Keith Parker, hatte TM gelernt. Er sagte, dass das seinen Kopf klar und ruhig macht. Also versuchte ich es auch: Er hatte Recht. Beim Meditieren saß ich mit geschlossenen Augen da und dachte ein Mantra, einen bedeutungslosen Klang, der meinen Geist in ruhigere Gefilde führte. Nach und nach fielen alle mentalen Aktivitäten von mir ab und ich erlebte tiefe Stille. TM kam mir vor wie das Durchqueren eines inneren Ozeans zu einem Reich der Gelassenheit. Die Wirkungen waren realer als alles, was ich zuvor durch Gebete erfahren hatte. Stress und der seelische Druck nahmen allmählich ab. Ich fühlte mich entspannt und gleichzeitig energiegeladen.
 
Ich intensivierte meine Übungen und nahm an einem viermonatigen Ausbildungskurs zum Lehrer für Transzendentale Meditation teil. Es war eine großartige Zeit. Jeden Tag meditierten wir stundenlang und machten Yoga-Asanas und Atemübungen – all das führte uns näher zum transzendentalen Bewusstsein. Nachmittags und abends beantwortete Maharishi unsere Fragen und bildete uns zu Lehrern aus.
 
Eines seiner Lieblingsthemen war die Verbindung zwischen moderner und alter vedischer Wissenschaft. Nach seinem Magister in Physik studierte er Metaphysik bei einem der bedeutendsten Swamis und konnte so beide Welten miteinander verbinden. Er erklärte uns, dass das einheitliche Feld in der theoretischen Physik dasselbe ist wie unser eigenes Bewusstsein, und dass die elementare Ebene des Universums auch die elementare Ebene unseres Selbst ist. Und das Wichtigste: Er brachte uns bei, wie wir das einheitliche Feld erfahren können, wo die Dualität von Subjekt und Objekt verschwindet und zur Einheit wird. Das ist die Quelle der Schöpfung, ein Reich der Glückseligkeit, in dem nicht einmal die Vorstellung von einem Feind existieren kann. Aus dieser Ebene heraus manifestiert sich die Energie in Materie und Form. Erleuchtete Menschen erleben diese Ebene dauerhaft, und jeder kann sie beim Meditieren erfahren. Wer das erlebt hat, nimmt die Welt fortan anders wahr.
 
Normalerweise wird unsere Aufmerksamkeit über die Sinne auf äußere Objekte gelenkt. Wenn wir meditieren, kehren wir diesen Vorgang um und lenken unsere Aufmerksamkeit zurück zu ihrer Quelle, dem einheitlichen Feld. Der Geist wendet sich nach innen und erfährt zunehmend feinere Ebenen des Denkens, bis alle Gedanken von uns abfallen und wir den Grundzustand des transzendentalen Bewusstseins erreichen. Hier ist der Geist wach, aber ohne Gedanken – reine Aufmerksamkeit ohne Objekt. Statt mit Gedanken sind wir von einer geradezu göttlichen Freude erfüllt. Hier sind wir mit der gesamten Schöpfung verbunden. Wir beobachten nicht länger das Universum, wir sind das Universum.
 
Aber der Weg zum transzendentalen Bewusstsein ist nicht immer glatt. Stress kann unseren Geist vernebeln und beunruhigen und dadurch die Erfahrung der Transzendenz blockieren. Aber Stress kann gelöst werden. Während der Transzendentalen Meditation repariert sich das Nervensystem und baut Blockaden ab, so dass unser Bewusstsein nicht auf der oberflächlichen Gedankenebene bleibt, sondern in die tiefe Stille fließt und dadurch Ruhe für Körper und Geist ermöglicht. In diesem physiologischen Zustand wird der Stress allmählich abgebaut und transzendentales Bewusstsein erfahren. Dieser Prozess kann verunsichern, weil die Stresslösung möglicherweise Schmerzen, alte verdrängte Gefühle und Gedankenströme wachrufen kann. Manchmal muss das Unbewusste bewusst werden, bevor es geheilt werden kann. Ich hatte diese Art von Entstressen persönlich erfahren, und es linderte mein Kriegstrauma. Seitdem hatte ich nie wieder einen Flashback, aber ich erlebe oft Einheit und Glücklichsein.
 
Die tiefe Ruhe der Meditation ist mehr als eine subjektive Erfahrung. Physiologische Untersuchungen haben ergeben, dass der Sauerstoffverbrauch während der Transzendentalen Meditation verglichen mit Tiefschlaf noch einmal um die Hälfte sinkt. Die Gehirnwellen werden kohärenter: Die üblichen ungeordneten Muster werden synchronisiert und beide Gehirnhälften koordiniert – ein Hinweis auf ganzheitliche Gehirnfunktion; gleichzeitig wird der Blutfluss zum Gehirn verstärkt. Auf der Haut nimmt die elektrische Leitfähigkeit ab – ein Zeichen für Entspannung. Im Blut verringert sich die Menge des Stresshormons Cortisol; Serotonin, ein Neurotransmitter, der Depressionen mildert und das Wohlbefinden unterstützt, wird verstärkt ausgeschüttet; die Konzentration von Vasopressin, ein Hormon, das den Blutdruck reguliert und das Gedächtnis verbessert, wird erhöht; die Blutlaktatwerte verringern sich, ein Zeichen für verminderte Ängstlichkeit. – Und anstatt sich in einer Art Trance zu befinden, ist man wach und sich seiner Umgebung voll bewusst. Dieses physiologische Muster definiert einen vierten Bewusstseinszustand, der neben den drei üblichen Zuständen Wachen, Träumen und Tiefschlaf existiert. Im revitalisierenden transzendentalen Bewusstsein repariert die Physiologie den Schaden, der durch traumatische Erlebnisse oder Krankheiten entstanden ist und der Körper regeneriert sich.
 
Ich habe bisher nichts erlebt, was einen ähnlich friedlichen inneren Wandel herbeiführt wie die TM. Die Persönlichkeit bleibt unverändert, aber Furcht und Feindseligkeit nehmen ab. Man wird freundlicher – zu sich selbst und zu anderen. Wenn sich unser persönlicher Stress verringert, funktioniert auch unser Geist besser, und wir können unser Potenzial effizienter nutzen. Zudem sind wir dadurch in der Lage, die Quellen sozialen Stresses besser zu erkennen und zu beseitigen.
 
Heute weiß man auch, dass diese Effekte über das Individuum hinausgehen. Wenn man in großen Gruppen meditiert, erzeugt das nicht nur Stabilität und Kohärenz in uns, sondern auch in unserer Umgebung. Dieser erweiterte Effekt wurde in Experimenten in Massachusetts, Rhode Island, Iowa, Washington D.C., Neu Delhi, Manila, Puerto Rico, Nicaragua, El Salvador, Iran und in den Niederlanden eindrucksvoll bestätigt. Dort kamen große Gruppen für einen längeren Zeitraum zu Meditationen zusammen. Das Erstaunliche: Während jeder Zusammenkunft sanken in der entsprechenden Region die Verbrechens-, Gewalt- und Unfallraten, gleichzeitig schnellte der für diesen Zeitraum gemessene Wert des Quality of Life Index, der allgemeine Gesundheit, Wirtschaft und soziale Harmonie berücksichtigt, nach oben. Alle Veränderungen waren statistisch hochsignifikant. Die Meditationsgruppen verbesserten die gesamte Gesellschaft: Negatives nahm ab, Positives zu. Nach den Versammlungen pendelten sich die Zahlen auf ihre vorherigen Werte ein. Um sicherzustellen, dass der Meditationskurs die einzige Variable und somit der Grund für die Veränderungen war, wurden die Abweichungen mit Datensätzen aus verschiedenen Zeiträumen verglichen.
 
Ich selbst besuchte die Versammlungen in Washington D.C. und Iowa, und meine Erfahrungen waren wunderbar. Mit Tausenden von Menschen zu meditieren erhöht die Wirkungen. Die mentalen Schwingungen verstärken sich gegenseitig zu einem spürbaren Gruppenbewusstsein. Ich genoss dort tiefere Ebenen innerer Ruhe und klares Einströmen transzendentaler Energie. Während unserer Aktivitäten gingen wir so einfühlsam miteinander um, wie ich es nie zuvor in einer Gruppe von Menschen erlebt hatte. Ich spürte dort, wie eine ideale Gesellschaft aussehen könnte.
 
Aber wie können Meditierende, die mit geschlossenen Augen dasitzen, weit entfernte Menschen beeinflussen? Die Quantenphysik beschreibt, wie das gesamte Universum durch Energiefelder miteinander verbunden ist. Ein Beispiel dafür ist das elektromagnetische Feld. Ein Sender schickt Wellen durch dieses unsichtbare Feld und in großer Entfernung werden sie von Empfängern in Bild und Ton umgewandelt. Gleichermaßen sendet unser Geist mentale Energie durch das Bewusstseinsfeld, welches uns alle verbindet. Wir senden und empfangen kontinuierlich diese Einflüsse. Die mentale Atmosphäre, in der wir alle leben, ist mit diesen Einflüssen aufgeladen. Und das Programm, das gegenwärtig ausgestrahlt wird, ist oft eins aus Furcht, Frust, Wut und Aggression. Dieses Gift wird hauptsächlich durch die sozialen und wirtschaftlichen Strukturen erzeugt, die unser Leben dominieren. Das kollektive Bewusstsein wird verschmutzt; düstere Gedanken und schädliches Handeln sind die Folge. Jeder von uns ist mehr oder weniger damit infiziert. Wer unter einer großen persönlichen Stresslast leidet, kann Verbrecher werden. Und wenn diese negative Atmosphäre stärker und der Druck unerträglich wird, beginnen Menschengruppen das Massenverbrechen Krieg.
 
Kriege sind Wirbelstürme des kollektiven Bewusstseins. Wenn die Atmosphäre zu heiß geworden ist, sorgen Wirbelstürme dafür, dass sie sich wieder abkühlt. Der Sturm gleicht die klimatischen Verhältnisse aus, hinterlässt aber eine Schneise der Zerstörung. Und so entlasten auch Kriege die mit Stress aufgeheizte kollektive Atmosphäre und schaffen einen vorübergehenden Frieden, aber ihre Zerstörungswut hat zusätzlichen Stress erzeugt, der weitere Kriege zur Folge haben wird.
 
Im Gegensatz zum Sturm überträgt der Meditierende die Eigenschaften des transzendentalen Bewusstseins: Frieden, Ordnung, Harmonie. Und wenn viele Meditierende zusammen transzendentales Bewusstsein erfahren, vereinigen sich ihre Energien zu einer Flutwelle von Positivität, die die stressbedingten Schwingungen der sie umgebenden Bevölkerung außer Kraft setzt. Jeder in diesem Gebiet wird von der Kohärenzübertragung erfasst. Dabei sind diese Wellen so subtil, dass sie von den meisten Menschen nicht wahrgenommen werden. Aber wir alle werden durch dieses uns verbindende Feld beeinflusst. Die lebenfördernde Energie befreit das kollektive Bewusstsein von Furcht und Feindseligkeit, bevor sich die negativen Kräfte aufbauen können und zu Krieg und Verbrechen führen.
 
Zahlreiche Experimente demonstrierten die direkten Auswirkungen auf Kriege. Als im Libanon Bürgerkrieg herrschte, versammelte sich im nahen Israel eine große Gruppe zu Langzeit-Meditationen. Während ihrer Zusammenkunft verringerte sich die Intensität der Kampfhandlungen im Libanon, und die Opferzahlen sanken. In Israel selbst nahmen Indikatoren für soziale Unordnung, wie Verbrechen, Verkehrsunfälle und Brände, ab. All diese Veränderungen waren statistisch hochsignifikant.
 
Die altindische vedische Tradition überliefert, dass die positiven Einflüsse global spürbar sind, wenn eine sehr große Zahl Menschen zusammen meditiert. Maharishi entschied sich, dies mit 7.000 Menschen, also der Quadratwurzel von einem Prozent der damaligen Weltbevölkerung, zu testen. Er ließ die Meditierenden auf dem TM-Campus in Fairfield, Iowa, zusammenkommen. Die positiven Effekte im über zehntausend Kilometer entfernten Libanon waren: 71 Prozent weniger Kriegstote, 68 Prozent weniger Verletzungen, 48 Prozent weniger Gefechtssituationen und 66 Prozent mehr kooperative Bemühungen, den Bürgerkrieg zu beenden. Auch hier bestätigte eine Zeitreihen-Analyse die Kausalität.
 
Gruppen von 7.000 Meditierenden reduzieren auch den Terrorismus. Während drei dieser großen Zusammenkünfte fiel der weltweite Terrorismus um durchschnittlich 72 Prozent im Vergleich zu allen anderen Wochen einer Zwei-Jahres-Periode, ausgehend von gesammelten Daten der RAND Corporation.
 
Studien zu diesen Experimenten wurden unter anderem im Journal of Conflict Resolution, Journal of Mind and Behavior, Journal of Crime and Justice und Social Indicators Research veröffentlicht. Alle Ergebnisse wurden von unabhängigen Fachleuten überprüft. 23 Studien, die 50 Experimente verarbeiteten, dokumentieren die positive Fernwirkung großer Meditationsgruppen auf Gewalt und Lebensqualität.
 
Bestärkt durch diese überwältigenden Beweise trat Maharishi an die Regierungen dieser Welt heran und bat sie darum, Gruppen dauerhaft zu etablieren, um Frieden und Harmonie zu sichern.
 
Die Regierungen der Welt waren nicht interessiert.
 
Also entschied sich Maharishi, selbst eine dauerhafte Gruppe zu gründen. Mit der Hilfe eines wohlhabenden Spenders errichtete er in Indien ein Meditations-Zentrum für 7.000 Menschen, die dort mehrere Stunden am Tag meditierten. Die bisherigen Versammlungen dauerten jeweils nur wenige Wochen oder Monate, aber diese hier dauerte zwei Jahre – von den späten 80ern bis in die frühen 90er Jahre. Diese Zeit veränderte die Welt maßgeblich: Der Kalte Krieg wurde beendet, der Kommunismus brach zusammen, die Menschen Osteuropas und der Sowjetunion befreiten sich von totalitären Regimen, die Berliner Mauer wurde niedergerissen, 80 Nationen unterschrieben einen Vertrag, der die Ozonschicht schützt, Schwarze und Weiße in Südafrika besiegelten das Ende der Apartheid. Ehemalige Feinde unterschrieben Nichtangriffspakte und Verträge, die den Abbau von Waffen garantierten; Grenzen öffneten sich. Es war eine Zeit beispiellos guter Taten, ein Durchbruch für den Weltfrieden.
 
Aber dann konnte der Sponsor des Projekts, der den größten Teil seines Vermögens aufgewendet hatte, die Gruppe nicht weiter unterstützen. Maharishi versuchte erneut, von den Regierungen Gelder zu bekommen. Man stelle sich vor: Der benötigte Betrag wäre nur ein Bruchteil dessen, was jede Sekunde weltweit für militärische Zwecke ausgegeben wird.
 
Trotzdem war keine Regierung interessiert. Wieso wollten sie dieses Programm nicht unterstützen? Dieses Programm, das nur wenig kostet, niemandem weh tut und möglicherweise den Weltfrieden bringt.
 
In drei Ländern, die vorher an Experimenten teilgenommen hatten, wurden Regierungen entmachtet. Drei Diktatoren – der Schah im Iran, Somoza in Nicaragua und Marcos auf den Philippinen – hatten TM-Lehrer zu sich eingeladen, weil ihr Volk gegen sie rebellierte. Sie hofften, dass die Meditationsgruppe wie ein soziales Beruhigungsmittel auf die aufgebrachten Massen wirken würde. Das Gegenteil war der Fall. Die durch die Gruppe erzeugte Kohärenz befähigte die ganze Gesellschaft, sich zusammenzuschließen und die Diktatoren gewaltarm zu entmachten. Andere Regierungen wollten vermutlich nicht riskieren, durch einen ähnlichen Anstieg des kollektiven Bewusstseins ihre Macht zu verlieren.
 
Ein weiterer Grund ist, dass viele Regierungen zwar von Frieden reden, ihn aber eigentlich nicht wollen. In Wirklichkeit wollen sie mit Hilfe des Militärs ihr Volk kontrollieren und ihre aggressive Außenpolitik fortsetzen. Außerdem profitieren sie vom Waffenhandel: Frieden wäre schlecht fürs Geschäft.
 
Ein dritter Grund ist, dass der Gedanke, weit entfernte Meditierende könnten Gewalt verringern, für viele Politiker einfach zu abwegig ist. Es passt nicht in das Weltbild, mit dem sie erzogen wurden. Unsere Gesellschaft lebt immer noch im Schatten des Empirismus des 19. Jahrhunderts, d.h. nur das Sichtbare ist Realität. In der Wissenschaft ist diese Sichtweise längst überholt, aber sie hat immer noch großen Einfluss auf unser Denken. Die Erkenntnisse der theoretischen Physik über das einheitliche Feld werden nur zögerlich aufgenommen. Für die meisten Menschen ist es immer noch unvorstellbar, dass nicht Materie sondern Energie die grundlegende Komponente unseres Universums ist – und dass diese Energie mit unserem eigenen Bewusstsein identisch ist.
 
Darüber hinaus hat sich die Ablehnung dogmatischer Religion ins Gegenteil verkehrt. Jetzt ist Skepsis die höchste Weisheit. Zweifel ist die neue Orthodoxie. Entschiedene Aussagen über die Welt sind automatisch verdächtig.
 
Bewusstsein als primär und Materie als dessen Manifestation zu begreifen, ist eine völlig andere Sichtweise auf das Universum. Daran muss man sich erst gewöhnen. Aber jeder Paradigmenwechsel im menschlichen Denken musste sich den Vorurteilen seiner Zeit stellen. Wie Arthur Schopenhauer schrieb: „Alle Wahrheit durchläuft drei Stufen. Zuerst wird sie lächerlich gemacht oder verzerrt. Dann wird sie bekämpft. Und schließlich wird sie als selbstverständlich angenommen.“
 
Unweigerlich hatte die Auflösung der Gruppe der 7.000 Meditierenden in den frühen 90er Jahren schnell negative Konsequenzen: Die USA strebten nach weltweiter Dominanz und entwickelten neue Nuklearwaffen; der erste Golfkrieg brach aus; Jugoslawien zerbrach in Gewalt und Chaos; Terrorismus nahm dramatisch zu. – Zerstörerische Tendenzen durchsetzen weiterhin alle Lebensbereiche.
 
Aber Maharishi gab nicht auf. Er begann, neue Gruppen aufzubauen. Um sie zu finanzieren, erhöhte er die Preise der TM-Kurse und seiner ayurvedischen Gesundheitsprogramme.
 
Obwohl Maharishi 2008 starb, gab es 2011 wieder eine Gruppe mit 4.000 Meditierenden in Indien und eine mit 2.000 in Iowa, mit steigender Tendenz. Wenn die Zahl der Meditierenden weiterhin zunimmt, sind wir auf dem besten Weg in eine neue Ära.
 
Wie wissenschaftlich bestätigt wurde, kann die Technik der Transzendentalen Meditation die Grundursache von Krieg – den Stress im kollektiven Bewusstsein – auflösen und uns dem Weltfrieden näher bringen. Dies könnte die wichtigste Erkenntnis unserer Zeit sein, und wir alle können daran teilnehmen. Mehrere Studien zeigen, dass auch Menschen, die täglich zwei Mal 20 Minuten allein meditieren, zu diesem Effekt beitragen. Forschungsergebnisse können Sie auf Englisch unter www.permanentpeace.org nachlesen.
 
Zusammen können wir Kriege beenden! Wir müssen sie beenden!
 
Friede, Peace, Salaam, Schalom, Schanti. (PK)
 
 
"Gehirnwellen für Frieden“ ist ein Kapitel aus "Das Ende der Kriege". Das Buch befasst sich mit dem wachsenden internationalen Widerstand gegen den Militarismus und schildert die Geschichten von Menschen, die alternative Wege zum Frieden verfolgen. Es wurde gerade vom JESBIN Verlag veröffentlicht, und Weitere Auszüge sind auf http://www.jesbin.de/Buecher.html#panel-4 zu finden..
 
William T. Hathaways erstes Buch, "A World of Hurt", erhielt für seine kritische Darstellung des US-Militärs den Rinehart Foundation Award. Er ist auch Autor der Romane "Summer Snow" und "CD-Ring". Weitere Infos: http://www.peacewriter.org. Er hat an mehreren Hochschulen in den USA gelehrt und war Gastprofessor für Amerikanistik an den Universitäten Oldenburg und Bonn.


Online-Flyer Nr. 343  vom 29.02.2012

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