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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Filmclips
Köln, Ehrenstraße
Von Peter Kleinert



Anläßlich seiner Ausstellung 1984 in der KAOS-Galerie schrieb Rolf Hinterecker uns den folgenden Text "Zu meiner Person": "1951 geboren, österreichischer Staatsbürger (Vater) mit rheinischer Mutter, aufgewachsen zwischen Wald und Wiesen - heute stehen da Eigenheime. Nun folgt normalerweise der Bildungs- und Ausstellungsbart, den ich unwichtig finde und deshalb weglasse.

 
Ich versuche, meine Kreativität aktiv für die Änderung von Mißständen einzusetzen, die mich anregen, bewegen, aufregen. Deshalb meide ich Galerien + Privatausstellungen, in denen die Kunst einer kleinen Nobelschicht zur Onanie dient. Die Galerie KAOS ist von ihrem Konzept her eine Ausnahme.
 
Die Konzeption zu dieser Performanz entstand bereits in den 70 Jahren, als sich die Euphorie der Straßenplanung auf dem Höhepunkt befand. Die meisten Straßen wurden nicht nur auf die zu erwartenden Zuwachsraten des PKW- und LKW-Verkehrs hin ausgelegt, sondern auch den bedeutend höheren Geschwindigkeiten. Mehr als Nebeneffekt wurden auch die asphaltierten Sperrflächen und Verkehrsinseln zunehmend größer (heute würde man den Begriff 'versiegelte Flächen' verwenden).
 
Die kleine Verkehrsinsel in der Kölner Ehrenstraße ist ein besonders schönes Beispiel einer absurden Verkehrsplanung. Das Verhältnis der reflektierenden Sperrschilder um einen "Platz" der maximal 4 Autos Parkfläche gewähren würde, demonstriert eine Unverhältnismäßigkeit, dass man eigentlich eine ganz schlichte Dokumentation bereits als Satire bezeichnen würde.
 
Das Auslegen des Rollrasens und die Schaffung poetischer kleiner Inseln hatte etwas Rührendes, das auch unmittelbar die Passanten bewegte. Die Frage einer Dame "Wer macht das sauber"? (pflegt es letztendlich?) demonstriert nicht nur Resignation, sondern in gewisser Weise auch den gesunden Pragmatismus der Kölner. Eine zufällig passierende Polizeistreife gab sich mit der Auskunft zufrieden, dass es sich um eine Kunstaktion handle. Ohne die Personalien aufzunehmen, entfernte sich das Auto mit dem blauen Hütchen wieder.
 
Die Materialien wurden nach der Aktion nicht entfernt, sondern als urbaner Prozess über einige Wochen hin nach und nach völlig absorbiert."
 
Autoren: Peter Kleinert, Marianne Tralau
Künstler: Rolf Hinterecker
Kamera; Peter Kleinert
Ton: Peter Kleinert
Schnitt: Marianne Tralau
Produktionsleitung: Peter Kleinert
Auftraggeber: KAOS Film- und Video-Team GmbH
Produktionsjahr: 1984
Länge: 15 min
Bestellungen bei http://www.kaos-archiv.de/

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Online-Flyer Nr. 337  vom 23. Oktober 2017



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