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Inland
Wie die Sprache der systematischen Ausgrenzung mit Unworten agiert
Die „Döner-Morde“ und die „SoKo Bosporus“
Von Hüseyin Ayvaz

Zehn Menschen fielen Neonazi-Serientätern zum Opfer. Neun davon hatten einen sogenannten „Migrationshintergrund“, acht davon einen türkischen, einer einen griechischen, einer davon besaß eine „Döner-Bude“. Die Bezeichnung eines Mordes steht für die Definition des Motives oder das Tatmuster der oder des Täters. Es gibt den Raubmord, den Sexualmord, den Serienmord, etc. Doch die Logik der systematischen Diskriminierung funktioniert anders. Die Medien zelebrieren die Ausgrenzung, indem sie eine Mordserie zu „Döner-Morden“ erklären.
 
Worthülsen und sinnentleerte Neologismen sollen Ängste und Phantasien über düstere Machenschaften in nicht greifbaren Parallelwelten bedienen. Wenn die Mordopfer „Ausländer“ sind, kann man diese Morde unter „Döner-Morde“ zusammenfassen. Leichtfertig, jenseits von jeglicher Sensibilität und ohne einen Hauch von Taktgefühl.
 
Wofür steht hier der Döner? Für die Motivation? Für die Täter oder für die Opfer?
Zehn Menschen wurden ermordet. Jeder dieser Menschen war ein Individuum mit seiner eigenen ganz persönlichen Lebensgeschichte. Diese aufgrund ihrer oder der Herkunft ihrer Eltern auf ein Imbissgericht zu reduzieren, kommt einer Entwertung ja sogar Entmenschlichung der Getöteten gleich und ist unter keinem Umstand hinnehmbar.
 
Nicht umsonst wurde die „SoKo Bosporus“ in Nürnberg gegründet, die beiden ersten Morde, wie auch der sechste, fanden ebendort statt. Weshalb erfolgte eine mentale Verlegung an die Meerenge von Istanbul, während alle Tatorte für alle ersichtlich in der Bundesrepublik liegen? Wäre eine „SoKo Franken“ nicht realitätsorientierter gewesen?
 
Sinnvolle Ermittlung baut auf die Eruierung und Auswertung von Tatsachen. Diese sind, dass alle Morde mit ein und derselben Waffe an Menschen mit einem sogenannten „Migrationshintergrund“ begangen wurden. Die Logik gebietet es, sich an Realitäten zu orientieren und diese so zu benennen, demnach handelt es sich um eine Mordserie – sie hat nichts mit einem Drehspieß zu tun.
 
Der Anstand gebietet es, Begriffe, die die Brutalität der Taten abschwächen nicht nur zu unterlassen, sondern auch andere aufzufordern, mit Opfern, gleich welcher Herkunft, respektvoll umzugehen. Verbal-strukturelle Ausgrenzung tut dies nicht. (PK)
 
Hüseyin Ayvaz ist Vorsitzender des Deutsch-Türkisches Jugendwerk, Friedberger Landstr. 294, 60389 Frankfurt, http://www.dtjw.de/deutsch/kontakt.php, info@dtjw.de


Online-Flyer Nr. 328  vom 16.11.2011

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