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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Arbeit und Soziales
Der Journalist, Gewerkschafter und Kommunist Peter Baumöller ist gestorben
Ein fröhlicher Kämpfer mit gebrochenem Herzen
Von Franz Kersjes und Henrik Müller

In seiner Heimatstadt Düsseldorf ist nach langer, schwerer Krankheit der Journalist, Gewerkschafter und Kommunist Peter Baumöller am 4. Oktober 2011 im Alter von 83 Jahren gestorben. Mehr als 50 Jahre hat er überzeugend für Meinungsfreiheit und Gewerkschaftsrechte gekämpft. Sein besonderes Engagement galt der gewerkschaftlichen Organisation und politischen Vertretung der Journalistinnen und Journalisten in der Deutschen Journalisten-Union (dju), einst integraler Bestandteil der Industriegewerk- schaft Druck und Papier, später der IG Medien und heute der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.


Peter Baumöller
Foto aus seinem Buch


Dabei hat sich Baumöller aber nicht nur für seine Berufskollegen und -kolleginnen eingesetzt. Vielmehr hat er als Gewerkschafter zahllose gewerkschaftliche Aktionen gefördert und vorbildlich unterstützt. Herausragend war sein Einsatz für den Frieden, Verständigung und Völkerfreundschaft, soziale Gerechtigkeit und demokratische Verhältnisse. Seine 1999 als Buch erschienene Autobiografie heißt "Es war nicht alles für die Katz" und ist ein trotziges, gleichzeitig tröstliches, aber auch fröhlich Bekenntnis zu seinem kämpferischen Leben. Der Untertitel lautet: "Geschichten aus heißen und kalten Kriegstagen".
 
Der gelernte technische Zeichner erinnert sich an eine recht unbeschwerte Kindheit in einer aufgeklärten, rheinisch-fröhlichen und selbstbewussten Düsseldorfer Proletarierfamilie. Erste dunkle Wolken ziehen für den Zehnjährigen mit der Reichspogromnacht 1938 auf. Als 17jähriger desertiert er von Hitlers letztem Aufgebot - da sind schon die Ideen von Sozialismus und Kommunismus in ihm gereift. Peter Baumöller engagiert sich in der Freien Deutschen Jugend (FDJ), wird Mitarbeiter des Parteivorstandes der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Er ist Volontär bei der kommunistischen "Freiheit", Redakteur bei der "Freien Meinung" und sehr früh auch engagierter Gewerkschafter. Zweimal muss er für seine Gesinnung etliche Monate ins Gefängnis - wegen "Landfriedensbruchs" und "Weiterführung der illegalen KPD".

Baumöller erarbeitet sich in den fünfziger Jahren eine führende Rolle in der Düsseldorfer IG Druck und Papier, nimmt nach dem KPD-Verbot eine Hilfsarbeiterstelle in einer Druckerei an, um seine ehrenamtliche Position in der Gewerkschaft behalten zu können, vertritt die IG Druck und Papier im Kreisvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, ist 1959 erstmals (und danach noch viele Male) Delegierter des Gewerkschaftstags, fällt dort als leidenschaftlicher Debattenredner und als Vorkämpfer für Kontakte zu den Gewerkschaftsorganisationen des damaligen Ostblocks auf.
 
Er ist über Jahrzehnte aber auch aktiv in der nach der 68er Zeit stark wachsenden gewerkschaftlichen Berufsgruppe der Journalisten, deren nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender er später für viele Jahre wird. Gerade auch Journalisten wie ihm, für den als Redakteur kommunistischer und den Kommunisten nahestehender Zeitungen nie ein Tarifvertrag galt, haben spätere Generationen von Redakteurinnen und Redakteuren anständige Tarife zu verdanken: Er gehört zu den Aktivisten der "Aktion Federblitz", mit der die IG Druck und Papier 1966 ihre Tarifzuständigkeit für die Journalistinnen und Journalisten erzwingt. Bis dahin hatte nur der berufsständisch orientierte Deutsche Journalistenverband - recht dürftige - Tarifverträge mit den Zeitungs- und Zeitschriftenverlegern abgeschlossen. Erst die gewerkschaftliche Beteiligung am Tarifgeschäft bringt den Redakteurinnen und Redakteuren Anschluss an den sozialen Fortschritt.
 
Für eine Wende im Leben des Peter Baumöller sorgt Anfang der achtziger Jahre der Vorstand der kommunistischen Partei. Der leidenschaftliche politische Journalist wird auf unsäglich schäbige Weise aus der Redaktion der "Deutschen Volkszeitung" hinausgedrängt, weil er den doktrinären, mitunter sektiererischen politischen Befehlen der Parteiführung nicht immer gehorcht. Rausschmiss aus der Partei, Umwandlung der Parteistrafe in eine Rüge, nach der politischen Wende in der DDR schließlich die Rehabilitation. Aber das Herz des fröhlichen Kämpfers, der wie kaum ein anderer Andersdenkende für seine politische Sache gewinnen konnte, ist gebrochen. Er wird krank und depressiv, obwohl unzählige Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen und auch Genossinnen und Genossen zu ihm stehen. Und so richtig hat er sich von diesen Schlägen nie wieder erholt.
 
Die zentrale Rolle in seinem Leben neben seinem gewerkschaftlichen und politischen Engagement spielte seit 1947 seine Frau Henny, von früh auf Kommunistin wie er, Gewerkschafterin und Betriebsratsmitglied bei Rank Xerox. Wenn er sie nicht gehabt hätte, dann hätte er die Parteistrafe gar nicht überlebt. Beeindruckend ihr Brief an den Parteivorsitzenden Herbert Mies, mit dem sie nach Jahrzehnten der Zugehörigkeit zur kommunistischen Bewegung ihren Parteiaustritt erklärt, und der in dem spannenden, lesenswerten, über weiter Strecken auch lustigen Buch abgedruckt ist.
 
Das Leben und Wirken von Peter Baumöller, der seinen vielen körperlichen und psychischen Beschwernissen zum Trotz noch lange ein blitzgescheiter, schlagfertiger und liebenswerter Freund und Kollege blieb, wird ganz gewiss nicht für die Katz' gewesen sein.(PK)

Die Beerdigung von Peter Baumöller soll am Donnerstag, 27.Oktober, um 10 Uhr, auf dem Friedhof Stoffeln in Düsseldorf-Oberbilk, Bittweg 60 stattfinden.
  
Peter Baumöllers Buch „Es war nicht alles für die Katz' - Geschichten aus heißen und kalten Kriegstagen“, 272 Seiten, Hardcover, Fadenheftung, ISBN: 3-9805861-1-1, ist antiquarisch erhältlich u. a. über www.abebooks.de und www.buchfreund.de
 

Franz Kersjes war bis zu seiner Pensionierung NRW-Landesvorsitzender der IG Druck und Papier und der IG Medien.
Henrik Müller, Redakteur von "ver.di news" hat eine Rezension zu Baumöllers Buch am 31.1.2003 in der ver.di-Zeitschrift "Publik" veröffentlicht: http://archiv.verdi-publik.de


Online-Flyer Nr. 323  vom 12.10.2011

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