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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Henry Mathews-Preis des Dachverbandes der Kritischen AktionärInnen
Für Axel Köhler-Schnura und die CBG
Von Peter Kleinert

Am 24. September wurden die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) und ihr Gründungsmitglied Axel Köhler-Schnura mit dem Henry Mathews Preis des Dachverbandes der Kritischen AktionärInnen geehrt. Mathews hatte aus einem kleinen Kreis konzernkritischer Aktivisten einen schlagkräftigen Verband mit 30 Mitgliedsorganisationen entwickelt. Axel Köhler-Schnura: "Ich wurde geehrt mit dem Henry Mathews Preis. Wofür? Für etwas, das doch selbstverständlich ist: Aufzustehen gegen Unrecht und Verbrechen. Und zwar so, wie es einem möglich ist. Dieser Preis steht Unzähligen zu. Und so sehe ich mich stellvertretend für all diese namenlosen Unbekannten, die tagtäglich das Gleiche tun wie ich."

Axel Köhler-Schnura vor der BAYER-Hauptversammlung 2007 in Köln
Foto: cbgnetwork.org
 
Der vor 25 Jahren gegründete Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre hat den Henry Mathews-Preis zum ersten Mal im Jahr 2007 verliehen. Der nun damit ausgezeichnete Axel Köhler-Schnura erklärte zu der Auszeichnung: "Ich wurde gemeinsam mit der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) geehrt. Das freut mich, denn gerade jetzt in diesen Zeiten braucht die CBG Ermutigung. Sie hat, wie auch in der Laudatio für diesen Preis ausgeführt wurde, in den Jahren ihrer Existenz großartige Leistungen für Umweltschutz, Frieden und Gerechtigkeit erbracht. Sie hat sich gegen den Missbrauch von Konzernmacht gestellt und furchtlos Konzernverbrechen offen gelegt.
 
Die CBG vom finanziellen Zusammenbruch bedroht
 
Heute aber, gerade in der Zeit, in der die CBG mit diesem Preis geehrt wird, ist dieses konzernkritische Netzwerk in höchster Gefahr. Die CBG ist vom finanziellen Zusammenbruch bedroht. Nicht, weil sie nicht unterstützt würde. Nein, die Zahl der Mitglieder und UnterstützerInnen in aller Welt wächst beständig. Aber die Spenden und Beiträge gehen auf Grund dramatisch um sich greifender Armut und sinkender Realeinkommen zurück und haben die CBG in eine gefährliche, existenzbedrohende Schieflage gebracht. Rettung ist einzig möglich durch einen Zuwachs um 350 und mehr Mitglieder. Nicht irgendwann. Nein, sofort! Wenn dieser Henry Mathews-Preis also nicht umsonst vergeben worden sein soll, dann lassen Sie sich inspirieren und werden Sie Fördermitglied, so Sie das nicht bereits sind. Oder erhöhen Sie ihren Beitrag, so Ihnen das möglich sein sollte. Spenden Sie großzügig, so Sie können. Helfen Sie als Garant/in mit einem Beitrag von mind. 500 Euro, so ihre finanziellen Möglichkeiten das hergeben. Geben Sie ein Darlehen oder, so Sie können, helfen Sie gezielt bei der Finanzierung eines bestimmten Projektes. Hilfsmöglichkeiten gibt es viele. Die CBG hat in den letzten Wochen 180 neue Mitglieder gewinnen können. Es besteht also Hoffnung. Helfen Sie mit! Damit Konzern-Kritik weitergeht."
 

Dorothea Kerschgens
Anläßlich der Preisverleihung hielt Dorothea Kerschgens, Vorstandsmitglied des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre eine Laudatio, die wir hier in Auszügen wiedergeben: "…Axel, Du bist Urgestein bei den Kritischen Aktionären und bei der Coordination gegen Bayer Gefahren. Ich wäre ja gerne Mäuschen gewesen bei den damaligen Gesprächen in der Vorbereitung zu den Kritischen Aktionären vor mehr als 25 Jahren. Du bist Grün- dungsmitglied der CBG und bis heute Vorstandsmitglied. Die CBG entwickelte sich seit 1978 aus einer deutschen Bürger-initiative und vernetzte sich zunächst deutschlandweit, seit Anfang der 1980er Jahre auch international. Bereits seit 1982 war und ist die CBG auf den jährlichen Aktionärsversammlungen der Bayer AG vertreten. Einmal hast Du für den Aufsichtsrat kandidiert, als sich ein Mitglied dieses Gremiums entschuldigte.
 
Eine beeindruckende Anzahl von Aktionen hat Eure konzernkritische Arbeit begleitet. Zum Beispiel im Jahr 2000, als Ihr auf dem jährlich stattfindenden Gedenktag „Day of no pestizid“ an die Bophal-Opfer des Giftgasunfalls in Indien 1984 erinnertet und mit Giftspritzen, Kreuzen und Transparenten vor Bayer aufgetreten seid. Wenn Bayer jetzt Pestizide der von der WHO gelisteten höchsten Gefahrenklasse vom Markt nehmen will, ist das Euer Verdienst. Auch wenn dies aus Eurer Sicht zu spät kommt.
 
Die Aufdeckung der Zusammenarbeit der Uni Köln mit Bayer geht sicher zum Teil auch auf Euer Konto. Neben den Hauptversammlungs-Auftritten und Aktionen begleitet Ihr Bayer mit kritischen Analysen. Daneben unterstützt Ihr weltweit Bürgerinitiativen, wenn sie in Euer Aufgabenfeld gehören. Damit genug von dieser Seite. Du bist auch Wegbegleiter von Henry gewesen, hast ihn gut gekannt und für ihn und uns eine wunderbare Rede bei seiner Trauerfeier vor fünf Jahren gehalten.
 

Henry Mathews
Im privaten Umgang erlebe ich dich immer wieder als sehr freundlichen, zugewandten Menschen. Aber in der Kritik mit Konzernen bist du scharf wie eine rote Peperoni. Aus Deinen Reden bei den Bayer-Hauptversammlungen lese ich immer wieder Deine tiefe Sorge um Gegenwart und Zukunft, was ökologische und soziale Fragen angeht. Dir sind Gerechtigkeit und Frieden wichtige Ziele. Du lieferst detaillierte Kenntnisse zu dem Konzern, den du schon lange begleitest und schmiedest sie zu einem scharfen Schwert, das du wortreich schwingst.
 
Dazu stellst du immer wieder auch die Systemfrage, was Kapitalismus, Profitgier anrichten für Mitarbeiter des Konzerns, Verbraucher und sonstige Stakeholder. Du gehst aber auch nicht schonend um mit Deinen Weggefährten, und den anderen Kritischen Aktionären. Dies zeigt auch Dein Beitrag in der Festschrift. Da könnten wir schon in eine heftige Auseinandersetzung geraten, die ich heute aber nicht führen will. Menschen wie Dich braucht die Welt, brauchen wir, die wir an gemeinsamen Zielen
arbeiten. Ich sage oft, wir brauchen uns gegenseitig. Um uns Mut zu machen, uns zu bestätigen, wenn wir über die Situation verzweifeln und nach neuen Wegen suchen, um wenigstens Teilziele jetzt und hier zu erreichen. Axel danke für Deine Ausdauer, Deinen Mut und Deine Beharrlichkeit."
 
Kurzbiografie:
 
Diplomkaufmann Axel Köhler-Schnura, Jahrgang 1949, Düsseldorf, verheiratet, vier Kinder (eines gestorben); Studium der Betriebswirtschaftslehre, Soziologie, Informatik und verschiedener Sprachen; bis 1976 wirtschaftssoziologische Forschung im Rahmen der Deutschen Forschungsgesellschaft; danach in mehreren Unternehmen tätig, zuletzt in der Geschäftsleitung eines Großbetriebs der polygrafischen Industrie; seit 1988 mit ökologisch ausgerichteten Firmen selbstständiger Unternehmer; seit seiner Jugend Mitglied der DKP, beteiligt an Gründung und Aufbau u.a. des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz, des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, des Pestizid-Aktionsnetzwerkes (PAN) und von UnternehmensGrün; ehrenamtlich aktiv im Vorstand der Edition Kunst gegen Konzerne, des alternativen Spar- und Rücklagefonds ProSolidar (www.ProSolidar.net) und des internationalen Netzwerkes der Coordination gegen BAYER-Gefahren (www.CBGnetwork.org); Gründungsstifter und ehrenamtlicher Vorstand von ethecon - Stiftung Ethik & Ökonomie (www.ethecon.org); ehemals im Koordinierungskreis des Europäischen Sozialforums; regelmäßig publizistisch tätig; Träger mehrerer Preise (Business Crime Control 1998/Zivilcourage 2000) und 2008 nominiert für den Alternativen Nobelpreis. (PK)
 
Wenn Sie die CBG als Fördermitglied oder durch Spenden oder Darlehen unterstützen wollen/können, wenden Sie sich bitte an diese Adresse: aks@CBGnetwork.org


Online-Flyer Nr. 321  vom 28.09.2011

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Von Kostas Koufogiorgos
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