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Aktueller Online-Flyer vom 22. Oktober 2017  

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Filmclips
"Freiheit wird nicht erbettelt, sondern erkämpft"
Von Peter Kleinert



Das 1986 auf dem Gelände der seit Jahren leer stehenden und deshalb besetzten Spedition Emons entstandene autonome Kulturzentrum an der Kölner Weißhaus-Straße war Anfang 1989 massiv von einer Räumung bedroht. Während die BesetzerInnen sich auf die Verteidigung von Gelände, Lagerräumen, Büro- und Wohnhäusern vorbereiteten, wurden sie von Teilen der Kölner Kulturszene auch durch Veranstaltungen unterstützt.

 
Die HausbesetzerInnen hatten in dem autonomen Kulturzentrum auf dem Emons-Gelände auch ein Frauencafé und eine Volksküche eingerichtet, und sie stellten unterschiedlichen politischen Gruppen aus der linken Kölner Szene Räume für Treffen, Veranstaltungen und Konzerte zur Verfügung. Räumung und Vertreibung drohten ihnen schon ab Herbst 1988, weil die Firma Strabag hier Luxuswohnungen und teure Geschäfte bauen wollte.
 
Um für den geplanten Widerstand möglichst viel Solidarität in Köln zu gewinnen, zogen die Besetzer der Weißhausstraße auch gelegentlich demonstrierend durch die Stadt. Einer der Unterstützer war dabei der Straßenmusiker Klaus der Geiger, der unter anderem durch ein Konzert auf dem Alter Markt unterhalb des Rathauses dazu beitrug, dass auch die Kölner in der Innenstadt über die anstehende Räumung informiert wurden.
Seinen Titel erhielt dieser Film über die Weißhaus-Straße durch eine Veranstaltung "Freiheit wird nicht erbettelt, sondern erkämpft", in der im Kulturzentrum ein Kinoprojekt vorgestellt wurde, das aus Künstlerfilmen bestand, die während der 80er Jahre in der underground-Filmszene der DDR entstanden waren. Die hatten die BesetzerInnen vom Kölner KAOS Film- und Video-Team zur Verfügung gestellt bekommen, das wiederum aufgrund von Kontakten zu DDR-FilmemacherInnen deren Werke zum ersten Mal über das unabhängige "Fernsehfenster" KANAL 4 im Programm von RTL einem großen Fernsehpublikum vorgestellt hatte.
Nach der Sendung des Films, den man im Februar 1989 natürlich auch in der DDR sehen konnte, gab es für die DDR-Filmemacher wegen ihrer widerborstigen Filme dort keinen Ärger – aber für KAOS Film- und Video-Team und KANAL 4 in Köln. Die Verantwortlichen von RTL, auf dessen Frequenz KANAL 4 seit 1988 nach dem Willen der NRW-Landesregierung unter Johannes Rau einmal in der Woche ein unabhängiges Programm senden durfte, fanden zwar die subversiven DDR-Filme gut, nicht aber die Demonstration vor dem Kölner Knast. Weil die Weißhaus-Besetzer dabei die Gefangenen mit dem Sprechchor „Feuer und Flamme für diesen Staat!“ begrüßt hatten, kündigte der Privatsender dem allzu unbequemen „Fernsehfenster“ KANAL 4 den Sendeplatz mit der Begründung "Aufforderung zur Gewalt", verlor aber das anschließende Verfahren vor dem Kölner Landgericht.
KANAL 4 durfte bis 1998 weiter unbequeme Filme unzensiert senden. Dann allerdings machte die Landesrundfunkanstalt NRW unter SPD-Ministerpräsident Clement Schluß damit und sorgte dafür, dass der Vertrag von KANAL 4 zur Freude von RTL nicht verlängert werden konnte.


Ein Film von Rea Karen und Peter Kleinert, 30 Minuten, Produktion KAOS Film- und Video-Team für das unabhängige Fernsehfenster KANAL 4, 1989. Weitere Informationen unter www.kaos-archiv.de.
 


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Online-Flyer Nr. 321  vom 22. Oktober 2017



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