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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Erfolg für Umweltverbände - zwölf Jahre später als versprochen
BAYER nimmt tödliche Pestizide vom Markt
Von Peter Kleinert

Der BAYER-Konzern hat vergangene Woche angekündigt, Pestizide der höchsten Gefahrenklasse vom Markt zu nehmen. Bis Ende 2012 soll der Verkauf aller Wirkstoffe der WHO-Klasse 1 auslaufen. Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Ein großer Erfolg für Umweltverbände und Landarbeiter-Organisationen in aller Welt, die seit Jahrzehnten gegen den Einsatz tödlicher Pestizide kämpfen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die BAYER AG schon vor Jahren ihr Versprechen, die Wirkstoffe der obersten Gefahrenklasse bis zum Jahr 2000 vom Markt zu nehmen, gebrochen hat. Viele Menschenleben hätten in der Zwischenzeit gerettet werden können! Beschämend ist zudem, dass sich der Konzern erst entschloss, diese chemischen Zeitbomben auszumustern, als sie nicht mehr genügend Profit abwarfen.“


Quelle: Coordination gegen BAYER-Gefahren
 
Die Bayer AG setzte laut CBG schon vor zehn Jahren über vier Milliarden D-Mark mit Pestiziden um und gehört damit weltweit zu den größten Giftproduzenten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sprach damals von jährlich mindestens drei Millionen Vergiftungen durch Agrochemikalien, von denen bis zu 200.000 tödlich verliefen. Über tödliche Vergiftungen durch Bayer-Pestizide sei vor allem aus Brasilien, Peru und von den Philippinen berichtet worden. Rund 99% aller Pestizid-Vergiftungen träten auch heute noch in den Ländern des Südens auf. Die Wirkstoffe der obersten Gefahrenklasse seien für einen Großteil der Gesundheitsschäden verantwortlich.
 
Bereits 1995 hatte die Bayer AG offiziell angekündigt, hochgiftige Pestizide innerhalb von 5 Jahren weltweit vom Markt zu nehmen. In Geschäftsbericht des Konzerns von 1995 hieß es: „Mit einem Drei-Punkte-Programm haben wir uns hinsichtlich Forschung, Entwicklung und Vertrieb der Pflanzenschutz-Produkte klare Ziele für die kommenden fünf Jahre gesetzt. So werden wir die eingesetzte Produktmenge je Anwendung noch weiter reduzieren und Produkte der WHO-Toxizitätsklasse 1 schrittweise durch Präparate mit geringerer Giftigkeit ersetzen.“ Dennoch blieben laut CBG nach dem Jahr 2000 Klasse 1-Wirkstoffe wie Thiodicarb, Disulfoton, Triazophos, Fenamiphos und Methamidophos im Portfolio von BAYER.
 

Eigenwerbung auf der Unternehmensseite:
"Kompetenz und Erfahrung in Sachen
Pflanzenschutz"
Weil der Konzern seine Versprechen nicht umgesetzt hatte, schrieben die Umweltverbände Coordination gegen BAYER- Gefahren, WWF Deutschland und Pestizid Aktions-Netzwerk im Jahr 2000 einen Offenen Brief an die Bayer AG, in dem sie einen Verkaufs-Stopp der gefährlichsten Agrogifte forderten. Über 200 Organi-sationen aus 40 Ländern, darunter der große amerikani- sche Umweltverband Friends of the Earth, und 400 Einzelpersonen haben damals diesen Brief unterzeichnet. In den Jahren zuvor hatten Aktivisten auch in der Hauptversammlung des Konzerns immer wieder einen Verkaufs-Stopp für alle Klasse 1-Pestizide gefordert.
 
Day of No Pesticides
 
Die Übergabe des Offenen Briefes an BAYER am 1. Dezember 2000 fand im Rahmen des internationalen Day of No Pesticides statt, der jeweils am Jahrestag der Explosion von Bhopal daran erinnert, dass Jahr für Jahr Tausende von Menschen an Pestizidvergiftungen sterben und dass Agrochemikalien massive Umweltprobleme verursachen. Vor der Zentrale der Bayer AG in Leverkusen demonstrierten aus diesem Anlass Aktivisten mit Skelettanzügen und Spritzpistolen vor einem symbolischen Gräberfeld.
 
In einer Stellungnahme gab das Unternehmen zu, Wirkstoffe der Gefahrenklasse I zu produzieren, diese würden aber mit Stoffen geringerer Giftigkeit vermischt, so dass die verkauften Produkte insgesamt eine ungefährliche Toxizität besäßen. Auf die hohe Zahl von Vergiftungen ging Bayer nicht ein. Zudem weigert sich der Konzern, Mengenangaben zur verkauften Wirkstoffen und Produkten zu machen.

Auch Herbizid Glufosinat stoppen!
 
Die CBG fordert inzwischen auch einen weltweiten Verkaufs-Stopp des Herbizids Glufosinat („Liberty“). Der Wirkstoff ist als reproduktionstoxisch klassifiziert und verursacht Missbildungen bei Föten. Glufosinat gehört zu einer Gruppe von 22 Pestiziden, die nach der neuen EU-Pestizidgesetzgebung vom Markt verschwinden sollen. Erst vor wenigen Wochen verzichtete der Konzern auf den Verkauf von „Liberty" in Deutschland. Dennoch weihte BAYER vor zwei Jahren in Hürth bei Köln eine neue Produktionsanlage ein, um den Export in Länder außerhalb der EU zu forcieren – nach Ansicht der CBG ein „klassischer Fall doppelter Standards“. (PK) 


Online-Flyer Nr. 320  vom 21.09.2011

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