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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Sport
Lok Leipzig und USV Jena wieder ohne Punkte, Wolfsburg-Sieg gegen München
Titelaspirant Frankfurt Tabellenführer
Von Bernd J.R. Henke

Die "Nonplusultra Elf“ des 1. FFC Frankfurt verschlief den Start auch im dritten Saisonspiel, diesmal zu Hause gegen den Abstiegskandidaten FF USV Jena vor annähernd 1800 Zuschauern. Mit Pfostentreffern sowie Bällen, die Zentimeter neben den Pfosten ins Toraus glitten, hätte der Deutsche Pokalmeister schon nach den ersten fünfundvierzig Minuten gefühlte fünf Tore in Front liegen müssen. FFC-Cheftrainer Sven Kahlert kritisierte deshalb die erste schwache Halbzeit seiner Elf. Trotzdem steht nach dem dritten Spieltag der Rekordmeister mit 10:0 Toren und neun Punkten vor dem punktgleichen 1. FFC Turbine Potsdam, der bisher nur ein Tor weniger schoss, und dem Tabellendritten FCR 01 Duisburg, dessen Abwehr im Gesamtergebnis zwei Gegentore zulassen musste bei nur acht erzielten Toren.


Kerstin Garefrekes und Carolin Schiewe
Bildagentur A2 Hartenfelser
 
Ballhalten
 
FFC-Nationalspielerin Saskia Bartusiak, die sich nach dem Karriereende von Birgit Prinz immer mehr zu einer Führungsspielerin entwickelt, kritisierte das mangelnde oder besser gesagt fehlende Querpassspiel ihrer Mannschaft. Erfolgstrainer Kahlert monierte: „Die Laufwege stimmten nicht, der Ball wurde zu lange gehalten.“ Der FFC Frankfurt begann bei Temperaturen um 30°C druckvoll, aber Melanie Behringer schoss aus 20 Meter knapp am linken Pfosten vorbei (5.). Nach schöner Vorarbeit von Ana-Maria Crnogorcevic hätte Fatmire Bajramai eigentlich schon das 1:0 herstellen müssen, doch aus drei Metern traf sie nur das Außennetz (10.). Ex-Nationalspielerin Kerstin Garefrekes, die in der Vorwoche ohne viel Aufhebens vom DFB verlauten ließ, dass sie für die Nationalelf Sylvia Neids ab sofort nicht mehr zur Verfügung stehe, wurde von der jungen 16-jährigen USV-Spielerin Sara Löser überraschend gut gedeckt. Jena schaffte es danach mit einer 4-2-3-1-Formation kompakt zu stehen. Nur gelegentlich kam einer der vielen Jenaer Steilpässe in der Spitze an. Ihre Klasse bewies die vom Nationalmannschaftslehrgang in Italien zurückgekehrte Azzuri-Torfrau Katja Schroffenegger, die einen Schuss aus Nahdistanz von Kerstin Garefrekes glänzend parierte (31.) Kurz darauf half ihr der Pfosten bei einem satten Schuss von Melanie Behringer aus gut 30 Meter Entfernung (34.). Garefrekes verzog kurz darauf wieder von rechts (36.).

 
Melanie Behringer und Laura Brosius
Bildagentur A2 Hartenfelser
 
Fehlanzeige
 
Leider verletzte sich die couragierte Sara Löser und wurde zur Pause durch Karoline Heinze ersetzt. Nennenswerte Akzente, die dann endlich in der zweiten Halbzeit zu Toren führten, wurden zunächst immer wieder abgelöst durch klare hundertprozentige Chancen von Kerstin Garefrekes und Fatmire Bajramaj, die meist verzogen oder verstolpert wurden. Echte Tore gelangen dem Titelaspiranten erst in der zweiten Halbzeit. Der hr-Fernsehkommentator atmete auf, als endlich in der 53. Minute Fatmire Bajramaj zur 1:0 Führung einschoß. Da viele TV Zuschauer nur dauerhaft vor der Mattscheibe verweilen, wenn Tore fallen, war das zweite Tor für Frankfurt vier Minuten später eine perfekte Darbietung. Der hr übertrug das um einen Tag vorgezogene Spiel samstags live in voller Länge. Nach einer misslungenen Abwehr einer Hereingabe von rechts von Jenas Innenverteidigerin Mirte Roelvink hatte Crnogorcevic keine Mühe, das Leder zum 2:0 über die Linie zu bugsieren (57.). Weitere Chancen von Melanie Behringer (61.) und Kerstin Garefrekes (69.) folgten, Torchancen für Jena – Fehlanzeige. Dann dribbelte Garefrekes geschickt durch Jenas Verteidigung und schob aus sieben Meter zum 3:0 ein (70.).


Aferdita Kameraj
Foto: Jan Kuppert
 
Konvoi
 
Nach einer sehenswerten Direktabnahme von Crnogorcevic verhinderte der Querbalken das 4:0 (79.). Eine Chance hatte Jena dann doch noch. Nach einer guten Kombination zwischen Sylvia Arnold und der Neuseeländerin Amber Hearn wurde Hearns Schussversuch im letzten Moment geblockt (84.). Der Klassenunterschied war deutlich und der Sieg der Frankfurterinnen hochverdient und standesgemäß. Der FF USV Jena wartet weiterhin auf das erste Saisontor. Die Mannschaft erlebte schon am Morgen vor dem Spiel eine starke Irritation: Jenas Busfahrer hatte wohl am Tag zuvor keinen Sicherheitscheck des Omnibusses vorgenommen. So stand am frühen Morgen zur Abfahrtszeit dem Team leider kein Bus zur Verfügung, denn der verweigerte den Dienst. Also ging es mit acht Privatfahrzeugen zur Auswärtspartie nach Frankfurt. Ein Edelfan mit FFC Fan-Schal meinte dazu ironisch: „Wenn das Malheur Turbine Potsdam passiert wäre, wäre wohl ein grimmiger Bernd Schröder mit einem Konvoi von elf schweren „Chevrolet Captiva Offroadern“ des Hauptsponsors Chevrolet laut hupend zum Stadion Brentanobad gekommen, um den Hessinnen damit psychologisch den Schneid abzukaufen.“
 
Mittelfeld
 
Der Cheftrainer von Potsdam wiederum erlebte an diesem dritten Saison-Spieltag im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion fast eine negative Überraschung. Auch sein Team haderte mit dem Toremachen gegen den Aufsteiger aus dem Süden. Der knappe Sieg der Turbine gegen den SC Freiburg kam sehr spät in der zweiten Halbzeit ab der 72. Minute zustande, als Viola Odebrecht endlich das befreiende Führungstor nach einem Eckball von Neuzugang Antonia Göransson einschoss. Nach Odebrechts Tor erhöhte Genoveva Anonma (79.) fünf Minuten später auf 2:0. Der Deutsche Meister 1. FFC Turbine Potsdam stoppte den Höhenflug der Freiburgerinnen nur mit einem mageren Sieg und brachte den Breisgauerinnen die erste Niederlage der laufenden Saison. Die Frauen des SC Freiburg stehen jetzt mit 5:5 Toren und vier Pluspunkten im Mittelfeld überraschend auf dem sechsten Platz. Der zweite Aufsteiger, die FC Lokomotive Frauen, kassierte dagegen beim HSV die dritte Bundesliga-Niederlage in Folge. Auch Lok Leipzig bleibt in der Fußball-Bundesliga weiterhin ohne Punkterfolg. Gegen den HSV unterlagen die Blau-Gelben mit 0:3. „Wir machen noch zu viele Fehler im Spielaufbau. Und wenn nicht alle unsere Spielerinnen ihre Bestleistung abrufen, können wir in der Bundesliga nicht bestehen“, erklärte die enttäuschte Lok Cheftrainerin Claudia von Lanken.


Nadine Keßler
Foto: Jan Kuppert
 
Vorentscheidung
 
Die Leipzigerinnen gestalteten das Spiel mit dem HSV anfangs auf Augenhöhe. Mehrmals hatten die Blau-Gelben den Führungstreffer auf dem Fuß. Ein Freistoß in der 14. Minute von Angelina Lübcke ging an die Latte. Sturmspitze Kathrin Patzke scheiterte zwei Minuten später mit einem Alleingang. Nach einer halben Stunde erwachten die Hamburgerinnen und kamen mit Volldampf ins Spiel. Zum großen Glück für Lok trafen sie dreimal nur auf Aluminium. Gegen Ende der ersten Halbzeit (39.) schob Kathrin Patzke nach Vorarbeit von Lyn Meyer das runde Leder haarscharf am Pfosten vorbei. Diese vergebene Chance war sicherlich schon eine Vorentscheidung. Mit einem torlosen Unentschieden gingen die Gäste in die Pause, die drei Leipzigerinnen Jobina Lahr, Kathrin Patzke und Angelina Lübcke, die im Vorjahr noch im Trikot des HSV spielten, dürften mit gemischten Gefühlen in die Kabine gegangen sein.
 
Doppelschlag
 
Loks neue Cheftrainerin Claudia von Lanken bemühte sich in der Halbzeit, den Leipzigerinnen genug taktische Ratschläge mit auf den Weg zu geben, schließlich trainierte sie über Jahre viele der Hamburger Spielerinnen. In der 53. Minute überraschte die Hamburgerin Marisa Ewert die Lok Leipzig-Hintermannschaft, indem sie nach zu kurz abgewehrter Ecke im Nachschuss aus 20 Metern ins Tor traf. Aus dieser psychologisch motivierenden Führung heraus erhöhte Marie Louise Bagehorn mit einem Doppelschlag und Freistoß (57.) zum 2:0. Die aufgeschreckte und angeknickte Lok Mannschaft verstärkte zwar in der letzten halben Stunde massiv die Angriffsbemühungen, konnte die routinierte Hamburger Hintermannschaft aber nicht mehr ernsthaft in Verlegenheit bringen. In der Nachspielzeit erhöhte Aferdita Kameraj nach einem Konter noch auf 3:0 für die Hanseatinnen (91.). Da auch Bayer 04 Leverkusen zu keinem Punkt gegen den FCR 01 Duisburg kam, werden nun im nächsten Ligaspiel der neue Tabellenvorletzte Lok Leipzig gegen den Tabellenletzten Leverkusen eine Art strategisches Schicksalsspiel bestreiten. Das Abstiegsgespenst wird beide Teams begleiten, denn außer dem FF USV Jena haben alle Mannschaften schon gepunktet.


Keßler, Pohlers, Henning
Foto: Jan Kuppert
 
Ankerplatz
 
Fußballexperte Joe Blaha meinte dazu: „Da Lok Leipzig auswärts antritt, bedarf es sicherlich einer taktischen Umstellung zu einem offensiveren Spiel, denn wichtige Punkte gewinnt man nur durch Tore und mehr Spielanteile. Die Lok wird sonst nicht ins Rollen kommen.“ Die SG Essen-Schönebeck feierte derweil in einem dramatischen Spiel ein 3:2 (1:0) beim SC 07 Bad Neuenahr. Jessica Bade brachte die Grugastädterinnen in der 23. Minute in Führung, ehe Marie Pyko (70.) und Laura Störzel (75. Foulelfmeter) die Partie scheinbar zugunsten der Gastgeberinnen drehten. Zudem sah Essens Elena Hauer in der 74. Minute die Rote Karte. Trotzdem kamen die Essenerinnen in Unterzahl durch Caroline Hamann (77.) und einen Foulelfmeter von Melanie Hoffmann (88.) noch zum Sieg. Anfang der Saison galten die Grugastädterinnen als Auslaufmodell der Liga, da das Team sich nicht allzu sehr verstärkt hat, wenn man einmal vom Wechsel der Ex-Nationaltorhüterin Ursula Holl zur SGS absieht. Nach drei Spieltagen mit sechs Punkten auf dem fünften Platz vor München und Bad Neuenahr zu liegen, bedeutet für einige Zeit einen festen Ankerplatz im Mittelfeld der besten Frauenfußballliga der Welt.
 
Überraschung
 
Die Sensation des dritten Spieltages war der überraschende Auswärtserfolg der „Wölfinnen“ aus Wolfsburg im Sportpark München-Aschheim. Sie siegten 3:0 (2:0) beim FC Bayern München und bleiben dem Führungstrio der Liga, Frankfurt, Potsdam und Duisburg, mit nun sieben Punkten auf den Fersen. Nadine Keßler und Conny Pohlers sorgten per Doppelpack in der 34. und 36. Minute für den zweiten Saisonsieg der Grün-Weißen. Nadine Keßler, die in dieser Saison von Potsdam nach Wolfsburg kam, wie auch Conny Pohlers, die von Frankfurt wechselte, sind damit erste Wahl für die Deutsche Nationalelf. Den Schlusspunkt setzte Anna Blässe (90.). Der FC Bayern München rutschte auf Platz sieben der Liga mit nur drei Punkten, dicht gefolgt vom Hamburger SV punktgleich mit ebenfalls drei Zählern. Aufsteiger SC Freiburg mit vier Punkten steht auf Platz sechs im Mittelfeld. Der zweite Aufsteiger dagegen, die Mannschaft von Lok Leipzig, wird sich enorm steigern müssen, um die Klasse halten zu können.


Christina Nauesse (li.)
Foto: Jan Kuppert
 
Torausbeute
 
Der Ausfall der verletzten Lok-Torjägerin Safi Nyembo macht sich bemerkbar, die überraschende Disziplinierungsmaßnahme der beliebten Lok Stürmerin Christina Nauesse - Spitzname Checker - mit der Rückversetzung von der 1. in die 2. Mannschaft von Lok Leipzig auch. Das Angebot von Stürmerinnen im Lok-Kader der 1. Bundesliga ist relativ begrenzt, sodass Stürmerinnen wie Christina Nauesse sicher eine für den Verein nutzbringende Chance verdient hätten, in den Lok-Kader der ersten Mannschaft zurückzukehren. Sie schoss in erst zwei Ligaspielen der Regionalliga Nordost schon drei entscheidende Tore, im Auswärtsspiel beim Chemnitzer FC zwei und zu Hause gegen 1.FC Union Berlin eins. Sie ist damit beste „Toreverwerterin“ der Zweiten Lok Elf. Cheftrainerin Claudia von Lanken ist gefordert, die Personaldecke in der Offensive zu erhöhen. Die kommenden Punktspiele, auswärts gegen Bayer 04 Leverkusen (25.09.) sowie zu Hause gegen den SC Freiburg (2.10.) erfordern nämlich eine optimalere Torausbeute. (PK)


Online-Flyer Nr. 319  vom 14.09.2011

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Von Kostas Koufogiorgos
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