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Aktueller Online-Flyer vom 29. Juni 2022  

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Inland
Der siebente Dortmunder Nazi-"Antikriegstag" von 4.000 Polizisten beschützt
Aber massive Gewalt gegen Antifaschisten
Von Benjamin Hiller

Zum siebten Mal haben Neonazis aus dem Umfeld der so genannten „Autonomen Nationalisten“ ihren „Antikriegstag“ in Dortmund durchgeführt. Doch trotz aller kämpferischen Parolen und der massiven Bewerbung der Veranstaltung kamen mit knapp 700 Neonazis erneut weniger „Kameraden“ zur Demonstration als im letzten Jahr. Und sie konnten nur aus einem Grund marschieren: 4.000 Polizisten, unterstützt von Hubschraubern, Räumpanzern, Wasserwerfern sowie Pferde- und Hundestaffel, setzten den Nazimarsch mit massiver Gewalt durch.


Antifaschisten versuchen, sich durch eine Polizeiabsperrung zu drücken, werden aber durch CS-Gas davon abgehalten.
Alle Fotos von Benjamin Hiller
 
Denn neben den gut 10.000 Anti-Nazi Demonstranten aus dem bürgerlichen Spektrum versuchten mehr als 1.500 aktionsorientierte AntifaschistInnen direkt an die Naziroute zu gelangen. Mit einer, an Dresden und Heiligendamm angelehnten, Fünf-Finger Taktik sollten die Polizeiabsperrungen um die „rote Zone“ umgangen werden; doch die Polizei reagierte auf diese Versuche mit dem Einsatz von Schlagstöcken, CS-Gas sowie Gas-Granaten. Durch diesen massiven und unverhältnismäßigen Einsatz wurden über 100 DemonstrantInnen verletzt, drei davon schwer.

Eine durch Polizeigewalt verletzte Antifaschistin wird verarztet
 
Als sich die Auseinandersetzungen zwischen den AntifaschistInnen und der Polizei zuspitzten wurden auch Wasserwerfer eingesetzt und am Ende fast 270 Linke in Gewahrsam genommen. Die in Deutschland schon alltägliche Verweigerung von Grundrechten für die Gefangenen (darunter 40 Minderjährige) kann man da schon fast eine „Lappalie“ nennen.


Massivster CS-Gas Einsatz gegen Antifaschisten. Die CS-Gas Behälter waren nach wenigen Minuten komplett entleert.
 
 
Am Rande der Demonstration konnte dann erneut die grenzenlose (und rechtlich illegale) Zusammenarbeit von Polizeiorganen in Europa betrachtet werden: Mindestens zwei Polizisten aus Rumänien, eingebettet in deutsche BFE-Einheiten, durften ihre Knüppel gegen Antifas einsetzen. Hier müsste eigentlich ein juristisches Nachspiel Pflicht sein.

Türkische, kurdische und deutsche KommunistInnen beim Marsch auf die "rote Zone"
 
 
Am Ende ist die Geschlossenheit sowie Entschlossenheit der Nazi-Gegner, trotz ideologischer Unterschiede (welche in NRW in der Vergangenheit oft zu handfesten Auseinandersetzungen geführt haben), mehrere Stunden der Polizeigewalt zu trotzen, ein Hoffnungsfunken, dass in den kommenden Jahren – wie auch in Dresden – der Naziaufmarsch endgültig unterbunden werden kann. Und die erneute (aber nicht neue) Erkenntnis, dass deutsche Neonazis nur durch den Schutz der Staatsmacht Parolen wie „Ruhm und Ehre der deutschen Wehrmacht“ grölen können und damit ihre vermeintliche „Anti-Kriegs“ Attitüde selber entlarven. (PK)

Vor der Polizeiabsperrung



Ohne Vorwarnung setzt die Polizei CS-Gas ein um die DemonstrantInnen zu vertreiben


Wasserwerfereinsatz gegen DemonstranInnen. Auch hier gab es keine Vorwarnung. 


Die Spitze des Naziaufmarsches. Die Teilnehmer waren überwiegend jung, männlich und gewaltorientiert. Zu Beginn des Aufmarsches wurden Frauen nach hinten geschickt und damit de facto nach Geschlechtern getrennte Blöcke durchgesetzt.


Online-Flyer Nr. 318  vom 07.09.2011

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