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Aktueller Online-Flyer vom 28. August 2016  

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Kommentar
Kurzkommentar vom Fuße des Blauen
Wir sind keine Diaspora-Brigaden
Von Evelyn Hecht-Galinski

Der jüdische Staat hat all seine Brigaden in Bewegung gesetzt um die Gaza-Flottille zu stoppen. Wie meinte Minister Edelstein, wahrlich ein jüdisches Juwel, dieser Minister für Diaspora-Angelegenheiten: alle Diaspora-Juden sind Israels ausländische Brigaden. Das mag für gewisse Juden zutreffen. Ich denke an den Stahlhelm-Juden und deutsch-jüdischen Patrioten und Professor für Neuere Geschichte an der Münchner Universität der Bundeswehr. So nannte ihn Bubis, der Mentor von Graumann, und ein Präsident des Zentralrats schon "den Vorzeigejuden der deutschen Rechtsradikalen". Auch mein Vater Heinz Galinski, meinte, er sei "gefährlicher als die Skinheads".
 
Inzwischen hat sich Wolffsohn aber zum "Vorzeigejuden der Jüdischen Allgemeinen" entwickelt, der Zeitung, die immerhin vom Zentralrat herausgegeben wird. So hat er in der neuesten Ausgabe eine grandiose Lösung des "Nahostkonflikts" vorgestellt: Nämlich die perverse Idee der Neu-Staaten-Lösung einer Bundesrepublik Jordanien-Palästina. Kurz geschildert: König Abdallah von Jordanien sollte endlich klug genug sein, seine Überflüssigkeit einsehen, Platz machen für die Araber Israels, alle Palästinenser könnten endlich ihren Staat bekommen, indem aus Jordanien Palästina wird, oder Palästina Jordanien.
 
Jordanien-Palästina sollte eine Bundesrepublik (Förderation) mit dem Bundesland Westjordanien (Westjordanland) und gegebenenfalls mit dem Gazastreifen bilden. Alle Palästinenser dieser drei Bundesländer wählen das Parlament dieser Bundesrepublik Palästina-Jordanien und dieses die Regierung. Denkbar wäre auch die Erweiterung zu einem Staatenbund Palästina-Jordanien-Israel. Selbstbestimmung: Die Araber Israels, die bekanntermaßen Palästinenser sind (hört,hört!), blieben in Israel und bekämen entweder das Wahlrecht fürs palästinensisch-jordanische oder, basierend auf individueller Entscheidung, fürs israelische Parlament. Sowohl jüdisch-israelische als auch palästinensische und jordanische Selbstbestimmung wären gewährleistet. Ebenso die jeweilige Staatlichkeit.
 
Die 300.000 Juden im Westjordanland plus 200.000 in Ost-Jerusalem kann keiner ohne jüdischen Bürgerkrieg umsiedeln. In jener Konföderation wäre das auch nicht nötig. Sie blieben als Israelis Einwohner jener Bundesrepublik Palästina-Jordanien, ebenso wie die Araber Israels. Die Grenzfrage wäre im Rahmen eines Staatenbundes bedeutungslos. Und militärisch? Das Bundesland Jordanien bliebe unbewaffnet, der Gazastreifen und das Westjordanland unbewaffnet. Ein Märchen? Der einzig realistische Weg zum Frieden! Man muss ihn nur gehen wollen.
 
Das waren Auszüge aus dem Artikel der Jüdischen Allgemeinen vom 30. 06. 2011 von Michael Wolffsohn. Natürlich gibt es in diesen Gedankengängen nur einen bewaffneten Staat, nämlich Israel, den jüdischen Staat. - Ich frage, nach diesen Gedanken eines noch lehrenden Professors, kann man diesen Mann eigentlich noch weiter deutsche Bundeswehr-Offiziere ausbilden lassen? Nach diesen Friedensvorstellungen, die nur ein bewaffnetes Israel zulassen, erscheint es mir mehr als fraglich, ob dieser "Diaspora-Brigadist" noch der richtige Dozent für Bundeswehr-Anwärter ist. Versagte nicht schon "Hindukusch-Struck", als er Wolffsohn nach seinen Folter-Vorschlägen für Terroristen im Amt verbleiben lies? 
 
Wolffsohn liebt es, Gerüchte zu verstreuen, Tote oder Personen der Zeitgeschichte, die sich nicht mehr wehren können, zu zitieren. Das versuchte er auch mit meinem Vater, als er ihn in einem Buch als "IM" beschuldigte, oder als in Schwarzmarktgeschäfte verwickelt, um sie dann nach Recherchen, die natürlich nichts brachten, zurückzunehmen. Das ist eine Spezialität dieses Professors. Einen Prozess gegen ihn verlor ich aber nur, weil ich leider nach dem Tod meines Vaters, post mortem, nicht berechtigt war, die Interessen meines Vaters wahrzunehmen. Er konnte es bedauerlicherweise nicht mehr selbst. Das alles hat mit der von Wolffsohn vorgeschützten Wissenschaftsfreiheit rein gar nichts zu tun. So übersteigen seine verbalen Beleidigungen gegenüber den Linken, generell das Erträgliche (siehe Financial Times).
 
Tatsache ist, dass Israel und seine weltweiten Brigaden immer mächtiger und einflussreicher werden. So, wenn das Nahost-Quartett die Aktivisten der Gaza-Flotte auffordert, nicht auszulaufen, oder alle Regierungen auffordert, ihren Einfluss geltend zu machen, um weitere Aktionen zu verhindern. Andernfalls wird das Leben der Beteiligten riskiert und eine Eskalation der Lage hingenommen. Oder Präsident Obama gibt grünes Licht, um unbewaffnete Schiffe der Gaza-Flotte anzugreifen, ohne Rücksicht auf auch 50 US-Teilnehmer. Auch Griechenland steht voll unter Druck Israels und Erdogan - nach seinem Wahlsieg - ist wohl auch wieder um gute Beziehungen zu Israel bemüht. Darum liess er wohl die Mavi Mamara nicht auslaufen.
 
Und hier bei uns sind die Lobby und die DIG mit ihrem Vorsitzenden Robbe, ehemals Wehrbeauftragter der Bundeswehr, (wie passend!) wieder vollauf damit beschäftigt, Unterschriften zu sammeln, mit prominenten Unterstützern, um dem armen kleinen Israel, in seiner Not beizustehen, im Kampf gegen seine Feinde und die Anerkennung eines Staates Palästina, d.h. um dessen pro forma Ausrufung zu verhindern. Und die Linke? Deren Vorsitzenden Ernst hörte ich morgens im DLF und wusste: auch er ist schon "graumanisiert". Danach ein toller Beschluss: Endlich das Existenzrecht Israels im Programm der Linken festzuschreiben. Und wie steht es mit dem Existenzrecht Palästinas und der besonderen Verantwortung Deutschlands gegenüber den Palästinensern? Wir haben also wieder eine Partei mehr, die vor der Israel-Lobby eingeknickt ist. Die Parteienlandschaft insgesamt grau in grau, passend zu Graumanns grauenvollen Rundumschlägen. (PK)
 
 
Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Mit diesem Kommentar setzt sie ihre Serie fort, die sie "vom Fuße des Blauen", ihrem 1186 m hohen "Hausberg" im Badischen, schreibt.


Online-Flyer Nr. 309  vom 06.07.2011

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