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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2021  

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Globales
Sabotage an dem irischen Gaza-Flottille-Schiff MV Saoirse in der Türkei
Ohne Rücksicht auf Menschenleben
Von der Initiative "Irish Ship to Gaza"

Die MV Saoirse, ein Schiff irischer Eigentümer, das an der Gaza-Freiheitsflottille 2 teilnehmen sollte, ist durch einen gefährlichen Sabotageakt beschädigt worden, als sie im Hafen der türkischen Küstenstadt Göcek vor Anker lag. Beweise dieser technischen Sabotage, die unter Wasser am Rumpf durch Taucher verübt worden war, wurden am 30. Juni, auf einer Pressekonferenz in Dublin in Buswell's Hotel, zur Ansicht vorgelegt. Fotos und Video-Aufnahmen des Schadens sind bei der Initiative "Irish Ship to Gaza" auch im Internet verfügbar. (1)


Beschädigte Welle der Steuerbordschraube
Foto: Rik Walton, http://irishshiptogaza.org/?p=715

Probleme und Anlass zu Sorge entstanden erst nach einer kurzen Fahrt in der Nähe des Göceker Yachthafens; es wurde eine Inspektion durch Kapitän Shane Dillon und Taucher durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass die Welle der Steuerbordschraube manipuliert worden war, und man entschloss sich, das Boot im Trockendock genauer zu inspizieren. Am Mittwoch, 29. Juni, wurde das Boot in Göcek aus dem Wasser gehoben; dabei zeigte sich sofort das erhebliche Ausmaß der durchgeführten Sabotage. Die Schraubenwelle war durch Saboteure dadurch beschädigt worden, dass diese ein Stück herausgeschnitten, -gemeißelt oder -gefeilt hatten. Die Welle hatte dadurch an Stabilität verloren, was beim Benutzen ein starkes Verbiegen bewirkt hätte. Der Schaden ähnelte stark dem, der einige Tage zuvor an der Juliano, einem anderen Schiff der Flottille, in Griechenland angerichtet worden war. (2) Der daraus folgende größere, Schaden hätte sich erst allmählich bei Fahrt auf See eingestellt und hätte auf Dauer wohl zu einem Zerbrechen des ganzen Rumpfes geführt.

Israel der Hauptverdächtige

Die Initiative "Irish Ship to Gaza" meint nun, dass Israel in dieser Sache in mehreren Fragen Rede und Antwort stehen muss und wohl als der Hauptverdächtige für diesen professionellen Sabotageakt zu gelten hat. Dr. Fintan Lane, der Koordinator der irischen Gruppe "Irish Ship to Gaza", erklärte in Göcek: "Dieser Angriff ist empörend und sollte von allen rechtdenkenden Menschen verurteilt werden. Es ist ein Gewaltakt, gerichtet gegen irische Bürger, der Tod oder Verletzung von Menschen zur Folge hätte haben können. Wenn wir den Schaden nicht durch unseren kurzen Ausflug in der Bucht bemerkt hätten, wären wir wohl mit einer gefährlich beschädigten Schraubenwelle in See gestochen, und das Boot hätte sinken können, wenn der Rumpf gebrochen wäre. Man stelle sich vor, was das bedeutet, wenn dies bei Nacht eingetreten wäre. Israel ist die einzige Partei, von der zu vermuten ist, dass sie eine solch rücksichtslose Aktion durchführen würde. Es ist wichtig, dass die Irische Regierung und die Exekutive in Nordirland darauf bestehen, dass diejenigen, die diese Straftat des internationalen Terrorismus befohlen haben, vor Gericht dafür zur Verantwortung gezogen werden. Diese Tat wurde in einer türkischen Stadt begangen und zeigt eine Mißachtung der türkischen Souveränität und des Völkerrechts."

Diesmal in griechischen und türkischen Hafenstädten

Dr. Lane, der auch an Bord von Challenger 1 in der Flottille des vergangenen Jahres war, sagte: "Die Freiheitsflottille ist eine gewaltfreie Aktion der praktischen und humanitären Solidarität mit den Menschen von Gaza. Israel fährt ungeachtet dessen damit fort, mit Drohungen und Gewalt ihre Reise zu verhindern. Sie griffen uns letztes Jahr auf offener See, in internationalen Gewässern an; dieses Jahr greifen sie uns in griechischen und türkischen Hafenstädten an. Es gibt wohl keine Grenze, die Israel dabei nicht überschreiten würde. Es ist wichtig, dass sich alle Menschen mit einer Stimme der Solidarität mit dem Volk von Gaza zu Gehör bringen und so auch die Flottille unterstützen. Die israelische Botschaft in Dublin sollte Zielpunkt von wiederholten Demonstrationen werden. Diese Saboteure haben es fast geschafft, irische Bürger zu töten."

In einem Aufruf an die Irische Regierung und die Exekutive Nordirlands, der zweiten Freiheitsflottille eine sichere Überfahrt zu garantieren, erklärte Dr. Lane: "Die irische Regierung muss diesen gefährlichen Sabotageakt verurteilen; sie sollte allerdings genauso darauf bestehen, dass die Flottille ihren Weg nach Gaza ungehindert nehmen kann. Israel hat gar kein Recht, die Flottille für illegal zu erklären; noch weniger hat Israel irgendein Recht, Angriffe auf Schiffe in Griechenland und der Türkei durchführen zu lassen.

Das Schiff wäre auf hoher See wohl gesunken

In Göcek vor Ort erklärte der Skipper der MV Saoirse, Shane Dillon: "Der Schaden an der Steuerbordschraubenwelle, die wir gründlich untersucht haben, hätte zum Tod vieler Besatzungsmitglieder führen können. Nach dieser bösartigen Sabotage und dem resultierenden Schaden wäre das Schiff unter normalen Bedingungen auf hoher See wohl gesunken. In Betrieb mit hohen Maschinendrehzahlen wäre die Welle sicher aufgrund des durch die Saboteure verübten Schadens unter hohem Druck weggeschert und hätte so wahrscheinlich den Rumpf zerbrochen und das Schiff sinken lassen. Wenn, wie beabsichtigt war, das Schiff mit reduzierter Maschinendrehzahl nach Gaza gefahren wäre, wäre die Achterröhre abgerissen worden; der folgende enorme und schnelle Wassereinbruch hätte das Schiff zum Sinken gebracht."

Weiter sagte Shane Dillon: "Die Welle wurde fotografiert und auf Film aufgenommen, als wir das Schiff Mittwochnachmittag in einer Werft im türkischen Göcek aus dem Wasser heben ließen. Ein lokaler Schiffsingenieur inspizierte die Schraubenwelle; nach seiner Meinung war die Manipulation durch professionelle Saboteure verübt worden, welche damit die Saoirse zerstören wollten. Das Schockierendste bei diesem Sabotageangriff ist jedoch, dass geplant war, ein Versagen der Welle auf hoher See zu bewirken: Dies zeigt eine totale Gleichgültigkeit gegenüber möglichem Schaden an menschlichem Leib und Leben. Dillon schloss mit den Worten: "Es lohnt auch, einmal zu beachten, dass dieser Schaden an der Saoirse demjenigen, der in der Sabotage am schwedisch-griechischen Schiff Juliano im griechischen Hafen Piraeus verübt worden war, vollständig gleicht."

"Reiner Wahnsinn"

Pat Fitzgerald, Mitglied für Sinn Fein im County Council [ungefähr: Kreisrat] von Waterford und Chefingenieur der Saoirse, erklärte folgendes: "Wir hatten großes Glück, dass wir diesen Sabotageakt schon zu diesem Zeitpunkt entdeckten. Wir bemerkten Vibrationen aus Richtung der Schraubenwelle als wir am Montagabend auf der Rückkehr von einer kurzen Fahrt zum Tanken in der Bucht zum Liegeplatz zurückkehrten. Bei näherer Inaugenscheinnahme durch Taucher am Dienstag und im Trockendock am Mittwoch entdeckten wir eine große, absichtlich angebrachte längliche Kerbe auf einer Seite der Schraubenwelle. Die innere Stabilität der Welle war dadurch stark verringert worden, und sie hatte sich bereits in besorgniserregendem Ausmaß verbogen. Dies hätte, wenn wir in diesem Zustand in See gestochen wären, einen Unfall und den Tod mehrerer Beteiligter zur Folge haben können; wenn wir die Maschine mit hoher Umdrehung hätten laufen lassen, hätte dies mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Sinken des Bootes geführt. Diese Tat ist reiner Wahnsinn und hat das Leben aller an Bord befindlichen Personen ernsthaft gefährdet."

Der Sabotageakt wurde dem Hafenmeister von Göcek bereits ordnungsgemäß angezeigt. Die Initiative "Irish Ship to Gaza" fordert eine vollumfängliche ordentliche Untersuchung des Vorfalls durch die türkische Polizei. Die Kosten der notwendig gewordenen Reparaturen müssen erst noch genau ermittelt werden und liegen nach bisheriger Schätzung mindestens bei 15.000 Euro. Auf jeden Fall wird die Reparatur der Saoirse so viel Zeit benötigen, dass sie nicht mehr an der Freiheitsflottille 2 wird teilnehmen können.

Sechs der zwanzig Besatzungsmitglieder und Passagiere der Saoirse werden jedoch an Bord anderer Schiffe der Flottille gehen. Diese sechs Iren, die mit auf dem italienisch-niederländischen Schiff Stefano Chiarini fahren sollen, sind:
Fintan Lane, Koordinator der irischen Initiative "Irish Ship to Gaza", Trevor Hogan, früherer Rugby-Spieler für Irland und Leinster, Paul Murphy, MEP der Socialist Party für Dublin, Zoe Lawlor von der Irland-Palästina-Solidaritätskampagne, Hussein Hamed, irischer Bürger libyscher Herkunft, und
Gerry MacLochlainn, Mitglied für Sinn Fein im Stadtrat von Derry, Nordirland.

Die MV Saoirse soll repariert werden und in künftigen Gaza-Flotillen Verwendung finden, falls diese sich als notwendig erweisen sollten. (PK)

Übersetzt von Markus Omar Braun, mit Erlaubnis der Initiative "Irish Ship to Gaza".

Man beachte auch die sehr intensive Berichterstattung auf dem Blog der Jungen Welt zum Thema:
http://www.jungewelt.de/blogs/freegaza/index.php
inbesondere die Artikel zum Vorfall auf der MV Saoirse:
http://www.jungewelt.de/blogs/freegaza/index.php?id=799
http://www.jungewelt.de/blogs/freegaza/index.php?id=801
http://www.jungewelt.de/blogs/freegaza/index.php?id=806
 
(1) Die Presseerklärung fanden wir zuerst auf http://mondoweiss.net/2011/06/irish-ship-to-gaza-sabotage-of-m-v-saoirse-is-an-act-of-international-terrorism.html . Dort ist auch ein Video hochgeladen.
Für das Video und Fotos vom Schaden an der Welle, siehe unter: http://irishshiptogaza.org/?p=715 .
 
(2) Vgl. die Berichte in der jungen Welt über den Vorfall:
http://www.jungewelt.de/blogs/freegaza/index.php?id=784
http://www.jungewelt.de/blogs/freegaza/index.php?id=790
Es fand auch ein Versuch der Sabotage an der "Stefano Chiarini" statt.
http://www.jungewelt.de/blogs/freegaza/index.php?id=807


Online-Flyer Nr. 309  vom 06.07.2011

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