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Aktueller Online-Flyer vom 18. Dezember 2017  

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Filmclips
"Bewegung im Hof"
Von Carola Willbrand



alternation im becken Unsere LeserInnen haben die Kölner Künstlerin Carola Willbrand nicht nur durch Fotos ihrer eigenen künstlerischen Arbeit kennen gelernt, sondern auch als Autorin und Fotografin von Kunstveranstaltungen und Performances. Diesmal stellen wir sie selbst als Performance-Künstlerin in einem Video vor, und sie erzählt, wie sie zu dieser Form der Aktionskunst gekommen ist. – Die Redaktion

Anfang der 90er Jahre beschäftigte mich damit, meine skulpturalen Vorstellungen in Bewegung zu setzen. In öffentlichen Verkehrsmitteln, bevorzugt Straßenbahnen, führte ich seit Anfang der 80er Jahre meine Arbeiten mit - überall, wo ich war. Unangekündigt, unauffällig saß ich da mit einer kleinen Skulptur auf dem Schoß, über dem Arm, auf dem Kopf. Die Menschen fragten manchmal: "Was ist das denn?", oder "Wieder so’ne Verrückte!" oder "Schön, darf ich das mal anfassen!" Ich war mit meiner Arbeit ein Teil in der Menge; wer wollte, konnte mich sehen. Ich ging mit meiner Arbeit zu den anderen. "Wo ist mein Publikum?" war meine Frage.


Mit der Arbeitsgruppe „Alternation….“ begann ich meine Erfahrungen "eine Skulptur zu bewegen" als Performance an einem bestimmten Ort umzusetzen. In den Straßenbahnen wurde ich mit meiner Arbeit bewegt – zu einem Ort gebracht. Nun wollte ich an einem Ort, den ich ausgesucht hatte, bewegen.
 
Ich wechselte
 
"Alternieren" bedeutet "wechseln"; eine Alternation ist ein Wechsel zwischen zwei Ausdruckseinheiten in dem Sinne, dass sie alternativ auftreten. Die beiden Einheiten heißen Alternanten. Alternation ist eine Form (sprachlicher) Variation.
 
Im Hof der KAOS Galerie in der Genterstraße in Köln, auf dem Deutzer Bahnhof, in einem "Kirchenwald" bei Engelskirchen, in der Artothek Köln schob, stupste ich einen übermenschlich großen Torso aus Teppich mit Stroh gefüllt, ca. 80 kg schwer. Ich hievte den Torso auf eine Art "Karrchen", ein Holzplatte mit Rollen. Als ich ein kleines Kind war lebten wir in der Nähe des Rudolfplatzes. Noch gab es viele Ruinen in Köln und beinamputierte Kriegsinvaliden, die sich auf solchen Hilfsgeräten durch Köln schoben. Ich versteckte mich hinter dem Torso, der mich (be)schützte. Mal rollte ich den Torso einen Hügel hoch (im Kirchenwald bei Engelskirchen) und mit ihm herunter und landete unter ihm, mal wippte ich auf dem Torso so lange (in der Artothek) bis ich runterfiel. Ich behandelte den Torso und wurde auch von ihm behandelt. (Manchmal von mir nicht beabsichtigt, wenn ich die Eigendynamik des Gewichts unterschätzte.)
 
Die Arbeit "Transport – Alternation mit dem Becken" entstand ausschließlich als Video. Der Torso verschwand in einem großen "Becken" (oder tauchte er hervor?) auf dem Gleis 5 des Deutzer Bahnhofs, einer ovalen Öffnung mit einem schönen Schmiedeeisengitter. Diese Öffnung liegt genau über den Abfahrtgleisen für die Züge, die einst in der Hitlerzeit die unliebsamen Mitbürger weg transportierten. (PK)

Autorin: Carola Willbrand
Künstlerin: Carola Willbrand
Kamera: Dorothee Plaß
Schnitt: Dorothee Plaß
Mitarbeit: Susanne Held, Claus-Peter Wittich
Produktion: KAOS Film- und Video-Team
Produktionsjahr: 1991
Länge: 5,26 min

Clip downloaden (mit Rechtsklick - "Ziel speichern unter...")

Online-Flyer Nr. 297  vom 18. Dezember 2017



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Von Kostas Koufogiorgos
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