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Aktueller Online-Flyer vom 13. Dezember 2017  

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Lokales
Köln bereitet sich auf den nächsten Bau-Skandal vor
Barmer Block für die Messe geräumt
Von Heinz Peter Fischer

Da stehen sie. Für rund 5 Euro Stundenlohn stehen die Wachleute der Sicherheitsfirma Kötter vor den Eingängen des Barmer Blocks. Verschanzt hinter einem doppelten und diagonal verstrebten Bauzaun. Darum herum patrouilliert die Polizei. Die Angst ist groß, dass die ehemaligen und nun teils obdachlosen Besetzer des Barmer Blockes in Köln-Deutz einen Versuch starten könnten, erneut in die einst denkmalgeschützten Gebäude einzuziehen.

Jetzt müssen Menschen für einen Hungerlohn Tag und Nacht dafür sorgen, dass noch Ärmere nicht in ihre Unterkünfte kommen. Nirgends sonst wird einem so deutlich vor Augen geführt, wie gewissenlos und planvoll die Herrschenden die Spaltung der Arbeiterklasse vorantreiben. Natürlich auch in Köln. Die ehemaligen Hausbesetzer und ihre Sympathisanten hegen keinen Groll gegen die Wachleute, nein sie bedauern sie. Dem einen oder der anderen Security sieht man an, dass sie lieber auf der anderen Seite mit marschieren würden, anstatt hier als Söldner der Stadt und des Erbbauvereins zu stehen.

Es ist das übliche Prozedere: ein Teil des Volkes steht auf, und die Herrschenden kaufen sich Menschen aus dem anderen, die sie gegen die Rebellen an die Front stellen. Auch die Bauarbeiter haben ein seltsames Gefühl, als sie die hochwertigen Fenster aus den Mauern der denkmalgeschützten Häuser reißen. Wissen sie doch, dass sie hier preiswerten Wohnraum vernichten, ohne zu wissen, was stattdessen hier entstehen soll.

Genau weiß man das allerdings bei der Stadtverwaltung. Und deren Sprecher Ulrich Höfer sagte es in der WDR-Sendung Lokalzeit endlich auch im Klartext: "Sie wissen ja, dass der Stadtrat entschieden hat, dass hier eine Logistikzone für die Messe und ein großes Wirtschaftszentrum für Deutz entstehen werden. Nebenan sind ja schon die Bagger ganz aktiv dran."

Die Besetzer sind jetzt wieder obdachlos
Die Besetzer sind jetzt wieder obdachlos
Foto: Raphael Haugwitz, IBV


Köln bereitet sich also auf den nächsten Bauskandal vor und lässt andere dafür bluten. Die ehemaligen Besetzer des Barmer Blockes werden dafür bestraft, dass sie es wagten, auf diesen Skandal vorausschauend öffentlich aufmerksam zu machen. Als Alibi wird ihnen seitens der Stadt vorgeworfen, dass die hygienischen und feuerpolizeilichen Zustände im Gebäude katastrophal gewesen seien. Verschwiegen wird dabei natürlich, dass die Stadt selbst durch das Absperren von Wasser, Gas und Strom diese Zustände erst herbeiführte.

Und aus dem Polizeipräsidium wird der Vorwurf einer gestiegenen Kriminalität im Viertel erhoben. Dabei weiß man dort ganz genau, dass es vor allem Neonazigruppen waren, die unter dem Schutz eines privaten Wachdienstes gewalttätige Überfälle auf die Besetzer begingen, die zu ihrem Schutz sogar die Polizei holen mußten. Wie üblich in unserer Gesellschaft werden mal wieder aus Opfern Täter gemacht. Und die Kölner Hofpresse stellt sich auf die Seite der wahren Täter. Schließlich geht es ja um ein "lukratives Gelände", und "das Interesse potenzieller Investoren sei groß", weiß deren Sprachrohr Kölner Stadt-Anzeiger.

Bleibt zu hoffen, dass beamtete und gewählte Handlanger dieser Investoren eines Tages ebenso vor dem Richter stehen werden, wie Norbert Rüther und sein Genosse Klaus Heugel, Schrammas Vorgänger als Oberstadtdirektor, der doch so gern auch noch OB geworden wäre, wenn ihn nicht die alternative Zeitung KÖLNER WOCHE vor den Wahlen 1999 rechtzeitig enttarnt hätte. Denen wird bekanntlich vorgeworfen, für die SPD 150.000 DM vom Entsorger Trienekens kassiert zu haben, damit der die Stadt ungehindert mit einer viel zu großen und zu teuren Müllverbrennungsanlage beglücken durfte. Mal sehen, was die Justiz dazu sagen wird, wenn aus dem einst denkmalgeschützten Barmer Block tatsächlich die "Logistikzone" der Köln-Messe und ein "Wirtschaftszentrum" geworden ist, das die Kölner Bürger weitere ...zig Millionen Steuergelder kosten wird.

Online-Flyer Nr. 47  vom 06.06.2006

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