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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Warum die letzte Mülheimer Ratssitzung am Montag im RWE-Aquatorium stattfand
Das Mölmsche Möhnen-Dreigestirn
Von Lothar Reinhard

Am Montag, dem 28. Februar. war Ratssitzung der Stadt Mülheim im Aquatorium der RWE-Tochter RWW in Styrum an der Grenze zu Oberhausen. Normalerweise finden Ratssitzungen donnerstags statt, doch da ist diese Woche Altweiberfastnacht und Frau OB Dagmar Mühlenfeld muss den "Möhnen" ja den Rathausschlüssel übergeben - logo wegen Brauchtums. Nur: Wo können die Schunkeltanten damit Türen öffnen, um Schlipse o.ä. abzuschneiden?
 
Im Mülheimer Rathaus wohl kaum, denn die oft fremdsprachlichen Bauarbeiter dort verstehen nix von Fassenacht, Helau oder Alaaf. Doch die Geschichte mit dem Mölmschen Rathaus mutet nicht nur wegen der Schlüssel bereits wie ein astreiner riesiger Jeckenscherz an. Auch das gesamte Drumherum kann nur von dem berüchtigten Mölmschen Möhnen-Dreigestirn Mühlenfeld/Sander/Kammerichs (MSK) (1) als bühnenreife Life-Vorstellung der openair-Kappensitzung "Ruhrbania ist überall“ (2) inszeniert worden sein.
 
Da bleibt kein Auge trocken, alleine schon bei der Frage, wer vom MSK-Gestirn die Jungfrau, wer den Bauern und wer den Junker mimt. Jede Autofahrt durch die von Einkäufern deutlich befreite Mölmsche Innenstadt kann zur eintrittsfreien Schtunk-Sitzung werden, doch auch Fußgänger oder ÖPNV-Nutzer wissen von den Glanztaten der Mölmschen Absurditäten zu berichten.
 
Seit vor 2 Jahren der Rathausneubau für Ruhrbania abgerissen und der denkmalgeschützte Altbau gleichzeitig gänzlich leergezogen auf den SWB überschrieben wurde und für inzwischen bereits 42 Mio. per Umwegfinanzierung saniert wird, sitzt die Stadtverwaltung nämlich in vielen Gebäuden über die Stadt verteilt (Extramieten ca. 5 Mio.). Damit wird wenigstens der enorme Leerstand in der Innenstadt vorübergehend etwas kaschiert. Rat und Ausschüsse tagen mal in der schlecht geeigneten VHS, manchmal in der Stadthalle oder wie der Rat eben neuerdings im Aquatorium. Die Vorbereitungssitzungen für den Rat finden dann in der VHS in Broich statt, der Rat selber im entfernten Styrum. Wer dann z.B. per Auto durch die Mülheimer Innenstadt mit ihrer völlig verbockten Verkehrsführung fährt, braucht starke Nerven, so er den Weg nach Styrum über die Baustelle der neuen Chaos-Riesenkreuzung am Tourainer Ring/Nordbrücke überhaupt findet. Erreicht er/sie dann das Aquatorium, darf er/sie aber nicht auf dem fast leeren Gelände parken, außer mit Dienstwagen der OB. Die Schranke ist selbst für Fußgänger geschlossen und kein Pförtner in Sicht. So verirren sich auch kaum Bürger/innen in Sitzungen ihrer gewählten Vertretung. Vielleicht besser so.
 
Auch für die Ratsdamen und -herren ist das alles eine zumindest klitzekleine Zumutung. Doch auch die dann folgende Sitzung vermag den Spaß an der Demokratie auf Mölmsch nicht nachhaltig zu steigern, obwohl in Styrum für die Ratsmitglieder sogar noch einmal Kaffee angeboten wurde, den es in der VHS sogar bei 5- oder 6-stündigen Sitzungen ja nicht mehr gibt. Irgendwo muss ja schließlich dann doch gespart werden.

Beispielhaft für das selbst erzeugte, zig-Millionen-teure Mülheimer Riesen-Verkehrschaos zwei mögliche Wege eines Stadtverordneten von der Vorbereitungs- zur Ratssitzung:
 
Fall 1: Vorbereitung VHS und Sitzung im RWW-Aquatorium Moritzstr.
 
Von der VHS an der Bergstr. startet er von dem fast leeren Stadthallenparkplatz, wo er hoffentlich gezahlt hatte, weil sonst seit Okt. Knöllchen. Dann braucht er eigentlich nur der B 223 über Bergstr./Nordbrücke/Friedrich-Ebert-Str. zu folgen bis zur Aug.-Thyssen-Brücke, wo diese oberhalb der Mannesmann-Riesenröhren auf die Oberhausener Str. verschwenkt, während er nur geradeaus der Moritzstr. folgen muss bis zum Aquatorium. Doch bis dahin ……. Am Ende der Nordbrücke zwischen diversen Baken muss er den Weg rechts über den kleinen overfly zur Ruhrstr. finden, der vorher bereits gesperrt war, dann wieder geöffnet und beschlußmäßig für Ruhrbania dem Tode geweiht ist, damit dort ein 10stöckiges Büro-Hochhaus gebaut wird, was ohnehin keiner braucht. Im großen Bogen muss er durch 1000 weitere Baken nach rechts (was früher verboten war) und unter dem overfly von Aktienstr. Ri. Speldorf durch, der in Kürze ebenfalls abgerissen wird. Dahinter gabelt sich die Umleitung ohne erkennbare Ri.angabe und wenn er Glück hat, findet er auf Anhieb den Weg, der ihn später auch auf die Fr.-Ebert-Str. einschleift, zwar unübersichtlich und eng, aber immerhin.  
 
Fall 2: Vorbereitung in den eigenen Räumen in der Innenstadt
 
Die MBI-Vorbereitung fand in der Geschäftsstelle am Kohlenkamp statt. Von dort ist der Weg nach Styrum dann richtig abenteuerlich: Aus der Bachstr. rechts in die Friedrichstr. an der wohl unsinnigsten neuen Ampel der Stadt (die bekanntlich als „Simply City“ Fördergelder kassiert, um Ampeln und Schilderc abzubauen!), dort. Wartezeit mind. 5 Min. und Glück gehabt, weil der Notarzt-Wagen sich frech auf die Spur des neuerlichen Gegenverkehrs stellte und so schneller Ri. Ev. Kkhs konnte. In der 3. Grünphase mit 1 weiteren PKW nach rechts gedurft und nach 100m gleich wieder Rot. Bei Grün dann weitere 200m hoppen bis zur linken Ampel Berliner Platz und wieder Glück gehabt, dass der Stau Leineweberstr. wegen des Polizeieinsatzes nach der Messerstecherei sich gerade auflöste, ansonsten wie öfter Warten an der grünen Ampel. Nach weiteren Minuten endlich Grün und links 100m bis zur Kaufhofruine, dort Stau vor der Rechtsabbiegerampel, die nur ganz kurze Grünphasen hat und auch noch weniger als die Geradeausampel zur Schloßbrücke. Beim 3. Ampelgrün klappt es endlich, aber nur, weil in jeder Phase vorher etliche Autos auch noch bei Rot abbogen.
 
Dann nach 50 m wieder Stau zwischen links den unverkäuflichen Luxuswohnungen im neuen Stadtbadanbau und rechts der Kaufhofruine inkl. leerem Parkhaus mit den vielen Menschenbildern zur Verschönerung. 1 Ampelphase weiter und Stehen vor der Kurve, damit langer Blick auf das Riesenschild „Ruhrpromenade“ neben der verkleideten Rathausbaustelle. Im Stau hat man Zeit, sich die Trümmer der Riesenbaustelle „Ruhrpromenade“ anzuschauen und man sieht links noch den unfertigen 4-Mio.-Tümpel, als Wasserwanderrastplatz die zukünftige geradezu als venezianisch erhoffte Attraktion der Ruhrbaniastadt. Weiter hinten durch Baukräne, Container und Baumaterial- bzw. -schutt hindurch erkennt man die Gebäude von AOK, Gesundheitshaus und ehemaligem Arbeitsamt hinter den Bahnbögen mit der für den gestorbenen Metrorapid stillgelegten Güterbahntrasse. Da bedenke ich den MBI-Antrag gleich in der Ratssitzung für ein dringendes Moratorium zu Ruhrbania, um wenigstens diese intakten Gebäude da hinten zu verschonen. Ich überlege, wie ein erneutes „Auf die Bank schieben“ durch SPCDFUGrüne verhindert werden könne. Dann wieder Ampelgrün voraus und Hoffnung, dass mehr Autos durchkommen, doch um die Nachmittagszeit schwierig, weil jeweils 3 oder 4 Autos aus der kürzlich umgedrehten Einbahnstr. Wallstr. immer Vorfahrt haben.
 
Und dennoch sogar zweimal Glück gehabt, dass gleich mehrere Autos bei Rot links in die Fr.-Ebert-Str. einfuhren zwischen den gesperrten Rathaus-Restteilen hindurch bis 200m weiter zur bereits 2. Weiteren Ampel, dieses Mal Kreuzung Bahnstr., direkt neben dem Riesenloch, was durch Abriss der Stadtbücherei entstand. Weil geradeaus irgendwo im Schilderwald auch „Durchfahrt Verboten“ steht und ich bereits zweimal geradeaus im Nirwana landete, biege ich links ab vorbei an 100m Bauzaun und am Ende rechts von der Bahn-in die Rest-Ruhrstr., die gegenüber dort als Hauptverkehrsstr. bereits gänzlich aus dem Netz genommen wurde, um sie zu überbauen. (Für die 150m ex-Straße zwischen Hafenbecken und Bahnbogen habe ich nun im neuen Ruhrbania-Verkehrskonzept fast10 Min. gebraucht!) Gleich hinter dem Bahnbogen muss ich scharf rechts und im Bogen an AOK und Gesundheitshaus vorbei sowie am ex-Arbeitsamt links und dann Stoppschild zum Warten, wann eine Lücke zwischen den Autos über den totgeweihten overfly von der Nordbrücke mich hineinlässt, um gleich wieder scharf rechts auf die Rest-Ruhrstr. zu müssen , ca. 50 m weiter, wo ich sie vor ca. 5 Min. verließ. Und dann wie oben, an der kaum erkennbar beschilderten Gabelung im Wirrwar vieler Baken und unter dem overfly durch (s.o.), um derart mehr links und damit Ri. Oberhausen und nicht geradeaus Ri. Essen zu gelangen. Wer das verpasst, ist plötzlich auf der Aktienstr. und kommt ohne Ortskenntnis nicht zurück, ohne einen Neuanlauf am Kreuz Duisburg-Kaiserberg zu starten.
 
Doch mit dem weiteren overfly-Abriss auf der viel befahrenen Aktienstr. wird das alles in Kürze erst richtig spaßig. Macht aber nix, denn in 1 Jahr ist wieder Karneval! Helau, Alaaf und ein Hoch auf das Mölmsche Dreigestirn! Karl May hätte aus der Ruhrbania-Verkehrsführung sicher eine nette Kurzgeschichte machen können. Titel: „Durchs wilde Absurdistan“
 
Kurzum: Wenn das ganze Baustellenchaos nicht bereits seit 2006 bestünde und sich verkehrlich eine Verbesserung ergeben hätte … doch leider Fehlanzeige. Auch das konnten z.B. viele alteingesessene Kaufleute nicht durchhalten.
 
Mölm bovenaan, wenn`s auch zusehends schwerfällt! (PK) 
 
(1) Helga Sander ist seit 1996 Dezernentin für Umwelt, Planen und Bauen in Mülheim an der Ruhr. Inge Kammerichs, bisherige Abteilungsleiterin für Tourismus, soll als designierte MST-Geschäftsführerin schon am 7. März ihren neuen Job antreten.
(2) http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16229
Weitere Informationen unter http://www.mbi-mh.de/
 
Lothar Reinhard ist Fraktionssprecher der oppositionellen Mülheimer Bürger-Initiativen (MBI)
 
 


Online-Flyer Nr. 291  vom 02.03.2011

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