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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Filmclips
"Ärgernis Gedenkstätten"
Von Peter Kleinert



Jedem das Seine1914 als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie in Frankfurt/Main geboren, Gewerkschafter, Kommunist, Journalist. Erfahrungen aus Widerstand und Verfolgung in der Nazizeit und nach 1945 hatte Emil Carlebach in solcher Intensität zu vermitteln wie nur wenige andere KZ-Überlebende. Nach der Selbstbefreiung der Häftlinge von Buchenwald kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wurde dort mit einer US-Lizenz einer der sieben Gründer der "Frankfurter Rundschau". 1994 haben wir mit ihm zusammen die KZ-Gedenkstätte besucht, .

 
Im Alter von 18 Jahren wurde Emil Carlebach - zehn Tage nach dem Verbot der Gewerkschaften - beim Verteilen eines von ihm verfassten Gewerkschaftsflugblatts von der SA überfallen und zu sechs Monaten Haft verurteilt. Weil er den antifaschistischen Widerstand fortsetzte und weil er Jude war, wurde er 1934 erneut verhaftet, kam 1938 ins KZ Buchenwald, wo er Mitglied der internationalen Widerstandsorganisation im Untergrund wurde, die das Lager - im Gegensatz zu den Legenden der US-Armee und deutscher Regierungen - am 4./5. April 1945 selbst befreite und mehr als 100 SS-Männer gefangen nahm. Möglich war den Gefangenen dies, weil sie selbst in benachbarten Waffenfabriken arbeiten mußten und so im Laufe der Jahre Waffen in kleinen Teilen und Munition ins Lager schmuggeln konnten. 
 
Nach der Befreiung des Lagers wählten die hessischen Buchenwalder Carlebach zu ihrem Sprecher, später war er Vizepräsident des Internationalen Buchenwald-Komitees. Er wurde Frankfurter KPD-Stadtverordneter, hessischer Landtagsabgeordneter und arbeitete an der hessischen Verfassung mit. 1945 wurde er von den US-Truppen zusammen mit weiteren Antifaschisten zum Mitbegründer und Lizenzträger der Frankfurter Rundschau erklärt.
 
Dass Carlebach 1945 einer der Gründer der "Frankfurter Rundschau" wurde, war deren späteren SPD-Eigentümern bis in die 90er Jahre peinlich, wie wir bei einem weiteren Filmprojekt feststellen mussten, in dem wir ihn als Journalisten und Autor vorstellten. Mit Beginn des Kalten Krieges wurde er nämlich auf Drängen des später in den Herausgeberkreis eingestiegenen SPD-Mitglieds Karl Gerold als Mitglied der KPD durch den US-Militärgouverneur Clay aus Chefredaktion und Verlag rausgeschmissen. Gerold wird seither offiziell als Gründer der FR bezeichnet. Carlebachs Vorstellungen von einer nichtkommerziellen Presse durften ebensowenig Schule machen wie die Sozialisierungsartikel in der Hessischen Verfassung, an der er als Landtagsabgeordneter mitgearbeitet hatte. Der Hessische Rundfunk lehnte eine Sendung dieses Carlebach-Porträts ab.

Über seine Erfahrungen schrieb er Bücher wie "Zensur ohne Schere", "Hitler war kein Betriebsunfall" und "Am Anfang stand ein Doppelmord".

Ausschnitt aus dem KANAL 4-Magazin Z "Ärgernis Gedenkstätten" von Peter Kleinert und Katja Leyrer, 30 Minuten, 1994, Produktion KAOS Film- und Video-Team.
Unter www.kaos-archiv.de finden Sie außer diesem Magazinbeitrag auch das dokumentarische Porträt "Emil Carlebach – Kommunist und einer der Gründer der Frankfurter Rundschau" aus der Filmreihe "Macht und Ohnmacht".
 
 


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Online-Flyer Nr. 289  vom 19. Oktober 2017



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