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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2016  

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Inland
Unser Dilemma: Zentralrat der Juden in Deutschland oder Israels?
Dieter Graumann - mir graut vor Dir
Von Evelyn Hecht-Galinski

Am heutigen Samstag, dem 29. Januar, lese ich im Handelsblatt, dass sich der Zentralrat in einem Artikel "Ägypten-Unruhen stürzen Obama in ein Dilemma" eindeutig outet. Zitat: "Angesichts der immer heftiger werdenden Proteste in Ägypten warnt denn auch der Zentralrat der Juden in Deutschland vor möglichen Konsequenzen für die Sicherheit Israels." - "Generell vergrößern neue Instabilitäten in der Region die Risiken", sagte der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann, laut Handelsblatt-online.
 
 
Eine neue Hisbollah-Regierung im Libanon, der blutige Dauerkampf zwischen Hamas und Fatah, das sei schon schwierig genug. "Und Ägypten in Aufruhr - eine neue Unsicherheit." Um so mehr sei zu würdigen, "dass Israel eine stabile Oase der Demokratie in der Region ist", so Dieter Graumann weiter. Solche Sätze und Gedanken stehen eigentlich für sich selbst und belegen das Denken und Handeln dieses Zentralrats. Zwar spricht hier ein "deutscher" Vertreter der Juden in Deutschland. Man glaubt allerdings, dass hier ein Propagandist der israelischen Regierung spricht. Gibt es dafür nicht einen israelischen Botschafter in Deutschland?
 
Wir erleben also wieder einmal ganz eindeutig "das Sprachrohr" der Israel-Lobby in Aktion. Diesmal allerdings in ganz gefährlicher Weise - als Brandstifter gegen den Freiheitswillen des ägyptischen Volkes. "Die einzige Demokratie" im Nahen Osten, der Apartheid Staat Israel, hat sich ja auch schon zu Wort gemeldet und sich gegen Mubaraks Widersacher, den unter Hausarrest gestellten Mohammed El-Baradei gewandt, der Ägyptens Präsident zum Rücktritt aufgefordert hat. Grund: Der Friedensnobelpreisträger sei "zu Iran-freundlich".
 
Die wirkliche Gefahr für den Nahen Osten sind die Politiker der USA und Israels, die die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkennen wollen und weiter Diktatoren gegen den Volkswillen unterstützen, wenn deren Regime ihren Interessen nützen. Erst vor ein paar Tagen war Graumann mit Bundespräsident Wulff in Auschwitz, ohne dass dies von ihm als eine Mahnung empfunden wurde, "zu neuem Unrecht nicht zu schweigen". Im Gegenteil: er entwickelt sich immer schneller zu einem gefährlichen "Einflüsterer" in der deutschen Politiklandschaft. Es würde mich nicht mal wundern, wenn er Kanzlerin Merkel am morgigen Sonntag zur Kabinettssitzung nach Israel begleiten sollte. Wird er, sollte er denn mit im Tross sein, dort "sein israelisches Kabinett" vertreten?
 
Es ist mehr als empörend, dass der Zentralrat weiter unwidersprochen diese Politik in Deutschland vertreten darf! Noch schlimmer aber ist es, wenn die deutsche Politik sich nach seinen Vorgaben richtet! Und für jeden Bürger jüdischen Glaubens ist es eine Schande, von so einem Zentralrat vertreten zu werden. Hoffen wir, dass der ganze Nahe Osten demnächst von demokratisch gewählten Regierungen regiert wird. Ich bin mit den Menschen, die sich dort mutig demonstrierend gegen die Unterdrücker-Regime zur Wehr setzen, und hoffe auch für das palästinensische Volk auf einen "gerechten Frühling". (PK)
 
Evelyn Hecht-Galinski ist Publizistin und Tochter des 1992 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski. Außer diesem aktuellen Kommentar kann man auch einen Artikel von ihr mit dem Titel "Ausverkauf der Vichy-Regierung in Ramallah" in dieser NRhZ-Ausgabe lesen.


Online-Flyer Nr. 286  vom 29.01.2011

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