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Aktueller Online-Flyer vom 19. Oktober 2017  

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Glossen
So verbrachten wir einen wunderbaren Urlaub
Balkonien oder Zuhause am Südseestrand?
Von Wolfgang Bittner

Es war schon August und wir hatten noch nichts für unseren Urlaub geplant. „Last Minute“, schlug meine Frau vor. Aber ich hatte noch den mit Hotels, Sonnenschirmen und Liegen vollgepfropften Strand vom vergangenen Jahr vor Augen und winkte müde ab. Wenn man erstmal urlaubsreif ist, fällt es umso schwerer, sich zu einer Initiative durchzuringen. Obwohl meine Frau einen ganzen Stapel Reisekataloge mitgebracht und einiges aus dem Internet ausgedruckt hatte, fehlte es an der Entschlusskraft.
 

Urlaub am Karibikstrand
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NRhZ-Archiv
Dann las ich in einem dieser Kataloge: „Dein Urlaub wird so gewesen sein, wie Du ihn Dir vorgestellt haben wirst.“ Das brachte mich auf eine Idee. Schon am nächsten Tag fuhren wir in den Baumarkt und kauften zwei große Säcke Sand, feinen weißen Sand, wie es ihn an besonders schönen Stränden, zum Beispiel in der Karibik, gibt. Außerdem erstand ich in einer Gärtnerei für exotische Flora zwei immerhin schon zwei Meter hohe Palmen in Kübeln sowie eine ansehnliche Bananenstaude. Nachdem wir in den folgenden Tagen alles in unsere Wohnung im vierten Stock und auf unsere Dachterrasse bugsiert hatten, legten wir los mit unserem Urlaubsvergnügen.
 
Statt Koffer zu packen, zum Flugplatz zu fahren und dort stundenlang in Schlangen zu stehen oder auf den verspäteten Flieger zu warten, verteilten wir diesen wunderbaren Karibikseesand auf unserer Dachterrasse, befestigten das großformatige Poster mit Südseestimmung an der Wand und rückten zwei Liegen unter den Sonnenschirm, den wir mit den Palmen und der Bananenstaude umgaben. Ich erlaubte mir noch, unsere Blumenkästen dazuzustellen, in denen bereits zahlreiche Tomaten reiften.
 
Telefon, Handy und Türklingel wurden abgestellt, der Computer beiseite geschoben, und natürlich hatten wir uns ausreichend mit Postkarten eingedeckt, die eine einsame Insel mit Palmen zeigten – für unsere Bekannten und Freunde. Auch das Wetter spielte mit: Zwei Wochen Sonne und hohe Temperaturen. Endlich kamen wir dazu, die Bücher zu lesen, die wir immer schon lesen wollten.
 
Eine Ecke unserer Dachterrasse nahm jetzt ein dunkelblaues aufblasbares Planschbecken ein, in dem sich der Himmel spiegelte. Das Meeresrauschen bezogen wir vom CD-Player, gelegentlich auch anregende Ethnomusik. Wohlschmeckende und bakteriell unbedenkliche Küche war garantiert: Risikofreie Hausmannskoste. Doch hin und wieder leisteten wir uns von dem eingesparten Geld auch Hummer und Kaviar. Um Sonnenschirm, Liegen, Palmen und Planschbecken hatten wir etwas Platz für kleine Rundgänge gelassen, denn wir lieben im Urlaub ein wenig Bewegung.
 
So verbrachten wir einen wunderbaren Strandurlaub. Als wir nun kürzlich unseren engsten Freunden hinter vorgehaltener Hand unseren Balkonientrip verrieten, erfuhren wir allerdings, dass wir mit unserer exotischen Mobilitätsabstinenz voll im Trend liegen. Wir hatten uns schon gewundert, denn die Urlaubskarten mit den Südseepalmen, die wir erhielten, waren in Stuttgart, Hamburg und Berlin abgestempelt. (PK)


Online-Flyer Nr. 276  vom 17.11.2010

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