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Aktueller Online-Flyer vom 23. Oktober 2017  

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Sport
Löwinnen versus Turbienen 1:1, Frankfurt träumt von Teilnahme an Champions League
Regelwidrig, aber ohne Nebenwirkung
Von Bernd J.R. Henke

Bibiana Steinhaus entschied. Sie bewies kein gutes Auge, als sie ein Tor gab, was durch einen  Abseitsfehler zustande kam. Das Spitzenduell in der 1. Frauenbundesliga endete trotz Schiedsrichterinnen Malheur friedlich. Kein Protest von Seiten Turbine Potsdam. Öffentlich bekundete Zuneigung  der beiden Champions im deutschen Frauenfußball verhinderte einen  emotionalen Eklat. Deutschlands beliebteste Schiedsrichterin verließ trotz kolossalem Irrtum unbehelligt das Duisburger PCC-Stadion. Solche Konvergenz der Gefühle wäre mit Rekordmeister 1.FFC Frankfurt kaum möglich.



FIFA Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus
Fotoagentur A2 Hartenfelser, Neu Isenburg

Was geschah?

 
Nationalspielerin Inka Grings bewahrte den FCR 2001 Duisburg vor einer Heimniederlage gegen die Gäste aus Potsdam. Die 31-Jährige verwandelte ihren elften Saisontreffer vier Minuten vor Schluss zum 1:1-Endstand. Der Ball, den Turbine-Torhüterin Anna Felicitas Sarholz zunächst mit einem Reflex an die Latte gelenkt hatte, tropfte von dort Zentimeter hinter die Linie. Schiedsrichterin Steinhaus, die es als erste Frau in den deutschen Männer-Profifußball geschafft hat, entschied nach einem Zeichen ihrer Assistentin umgehend auf Tor. „Ganz ehrlich: Ich selbst war mir überhaupt nicht sicher, ob der Ball drin war, und habe mehr auf Verdacht gejubelt“, gestand Inka Grings. Nach der TV-Analyse war der Ball wirklich im Tor.


Freudensprung Inka Grings | Foto: Jan Kuppert, Potsdam

Glück                                                                                                                                                        

Nur das Tor entsprach nicht den Regeln, es war irregulär. Die Unparteiische übersah eine klare Abseitsstellung der Duisburgerin und Fußballerin des Jahres. Die Linienrichterin war nicht im Bilde. Denn die zweite Duisburger Sturmspitze Alexandra Popp verlängerte eine Flanke von links mit dem Kopf auf Grings. Bei der Ballberührung durch Popp stand die vermeintliche Torschützin Grings im Abseits. Sie erreichte den Ball, als die Potsdamer Abwehr zurück gelaufen war. Die überforderte Linienrichterin entschied falsch. Die körperlich gut trainierte FIFA-Schiedsrichterin Steinhaus war an diesem Tag nicht die Schnellste, ihre Laufwege waren mangelhaft. Insofern sah Steinhaus aus ihrem Winkel das vermeintliche Abseits überhaupt nicht. Fußballexperte „Joe“ Blaha bemerkte kurz und bündig: „Im Moment der Kopfballverlängerung durch Popp, stand Grings für einen Moment im Abseits. Der DFB kann die TV-Bilder der Spielszene zu Schulungszwecken nutzen. Steinhaus hatte Glück, da beide Trainer im Unterbewusstsein insgeheim ein Unentschieden erträumten.“  

Ferne
                                                                                                                                                         
Das Reise- und UEFA-Fieber hatte beide europäische Spitzenmannschaften während der Woche in weit entfernte Gebiete geführt, deren Anreise für die Spielerinnen mit Sicherheit strapaziös und zeitaufwändig gewesen war. Der FCR 01 Duisburg gewann im fernen Zentralasien in der kasachischen Stadt Karaganda, bekannt durch riesige Kohlelagerstätten, die in stalinistischer Zeit mit Hilfe von Arbeitslagern und Gulags zum Industriekomplex mutierte, gegen den kasachischen Meister CSHVSM Almaty im Hinspiel der Runde der letzten 32 in der Champions League der Frauen mit 5:0 (3:0). Mit Verlaub, der Archipel Gulag eines Alexander Solschenizyn ist schon längst überwunden, die Bevölkerung zählt heute rund 150 Nationalitäten. „Qaraghandy“ ist Herkunftsort von etwa 100.000 russlanddeutschen Aussiedlern in Deutschland. Ihr Anteil dürfte in den 1940er Jahren über 70 Prozent der Bevölkerung der Stadt betragen haben.


Renate Lingor im Laenderspiel gegen Norwegen
Fotoagentur A2 Hartenfelser, Neu Isenburg

Deutsche

Die Eltern der genialsten deutschen Mittelfeldspielerin Renate Lingor sind Rußlanddeutsche. Der beliebte Frauenfußball Journalist Matthias Kittmann schrieb im FF-Magazin Ausgabe 04/2005: „Die Eltern kamen mit ihrem Bruder kurz vor Lingors Geburt als sogenannte Wolga-Deutsche 1975 mit nichts außer einem Koffer nach Deutschland. Und das Ganze nach einer Odyssee über Sibirien, Kasachstan und Moldawien, damals noch ein Teil der Sowjetunion. So war der Fußball oft der einzige Lichtblick in der Zeit im Übergangslager und später in Renate Lingors Heimatstadt Karlsruhe. Vater Oskar hat Renate Lingor die Gene vererbt, er war selbst ein guter Kicker und spielte in der Moldawien-Auswahl.“

Strapazen

Maßgeblichen Anteil am klaren Erfolg der Duisburgerinnen im fernsten Teil der europäischen UEFA  Familie hatte Nationalspielerin Inka Grings, die gleich vier Tore (19., 28., 48. und 88.) für die Mannschaft von Trainerin Martina Voss-Tecklenburg erzielte. Den fünften Treffer steuerte Simone Laudehr (34.) bei. Die Strapazen nach sechsstündigem Flug und einer Zeitverschiebung von satten vier Stunden waren trotzdem nicht zu übersehen. Champions-League-Sieger 1. FFC Turbine Potsdam starte im fernen Finnland  mit einem Kantersieg in die neue Saison der Königsklasse. Gegen den finnischen Meister Aland United siegten die "Torbinen" 9:0 (4:0). Fatmire Bajramaj (5.), Anja Mittag (17, 72., 90.), Bianca Schmidt (34.), Yuki Nagasato (35.), Tabea Kemme (58.), Babett Peter (70.) und Kristin Demann (79.) schossen die Tore für das Team von Trainer Bernd Schröder. Also nicht minder die Strapazen der Brandenburgerinnen, die mit kleinen Propellermaschinen über die schwedische Metropole Stockholm auf der finnischen Ostseeinsel Aland landeten.


Inka Wesely | Foto: Jan Kuppert, Potsdam

Spielzeit                                                                                                                                                

Im Spitzenduell mit den Brandenburgerinnen hatte FCR-Trainerin Martina Voss-Tecklenburg gegenüber dem CL-Spiel am Donnerstag im zentralasiatischen Karaganda nur eine personelle Änderung vorgenommen. Verteidigerin Anne van Bonn wurde durch Luisa Wensing ersetzt. Alexandra Popp lief erneut im Sturm auf, Stefanie Weichelt übernahm die linke Abwehrseite. Bei den Turbinen kämpfte die U-20-Weltmeisterin Inka Wesely  erstmals ein die ganze Spielzeit zum Einsatz. Als Innenverteidigerin störte sie recht erfolgreich die beiden Sturmspitzen Inka Grings und Alexandra Popp. Auch Potsdams Nadine Keßler und Isabell Kerschowski waren nach ausgeheilten Verletzungen wieder an Bord.             

Ohne Glanz

Es war nicht das erhoffte hochklassige Spiel, was vor allem an den Gastgeberinnen lag: Duisburg  war nicht in der Lage, ein druckvolles Kombinationsspiel aufzuziehen und wurde nur bei Standards  gefährlich, so durch Luisa Wensing (32.), die aber an Sarholz scheiterte.

Duisburgs flinke Außen Jennifer Oster und Simone Laudehr wurden zu wenig in die Offensive eingebunden  Die blauen Potsdamerinnen standen kompakter, Viola Odebrecht rackerte mit viel Kämpferherz laufstark im Mittelfeld, Turbine kombinierte durchdachter, ohne Bajramaj und Wich fehlte aber der notwendige Glanz einer wirklichen europäischen Spitzenmannschaft. Es ergaben sich Torchancen für die Blauen, die größte Chance vergab Bianca Schmidt (23.), deren Schuss die glänzend aufgelegte Holl im Duisburger Tor noch um den Pfosten drehte.


Torschuss aus Abseitsposition von Inka Grings
Foto: Jan Kuppert, Potsdam

Steigerung                                                                                                                                                 

Nach der Pause steigerte sich Duisburg, weil Kiesel in die Innenverteidigung rückte und Laudehr im Mittelfeld zentraler agierte und so mehr Bälle bekam. Grings setzte mit einem Lattenknaller aus gut und gern 30 Metern ein erstes Zeichen. Dem FCR gelang es jetzt besser, das Spiel in die gegnerische Hälfte zu verlagern, doch durchdachte Aktionen blieben Mangelware. Die Partie verlor weiter an Niveau, weil Kraft und Konzentration auf beiden Seiten nachließen und sich haarsträubende Fehler im Aufbau häuften. Spätestens nach vier, fünf Stationen war der Ball wieder beim Gegner. Turbine investierte in dieser Phase zu wenig, das Mittelfeld ließ dem Gegner zu viel Raum, dadurch kam die Abwehr immer wieder ins Schwimmen, nur selten sorgten eigene Angriffe für Entlastung. Das wurde kurz vor Schluss mit dem 1-1 durch Grings (87.) bestraft, die im Strafraum sträflich frei stand und sich die Chance nicht entgehen ließ. Obwohl beide Teams in den letzten Minuten noch die Entscheidung suchten, blieb es beim leistungsgerechten Unentschieden.
Fazit: Turbine Potsdam hatte das Spiel zwar lange im Griff, tat aber zu wenig nach vorne, um zu gewinnen.


Elfmeterschuss durch Jennifer Zietz | Foto: Jan Kuppert, Potsdam

Solidarität                                                                                                                                                    

Im Gegensatz zu den Verfolgern 1.FFC Frankfurt, Bayern München und VfL Wolfsburg waren bei beiden deutschen UEFA Champions League Teilnehmern in der Vorbereitung der Woche  Reisetage ohne Training angesagt. So war von Anfang an Solidarität in den Köpfen der Akteure. Beidseitig verlorene Kräfte und bestehende Nachteile hoben sich in diesem Spiel gegen einander auf und egalisierten bei der Kampfesmühe. Das Emotionale trug auch zur Fairness beider Vereine bei. Cheftrainer Bernd Schröder vermerkte das Fehlen seiner Offensivkräfte Jessica Wich, der beiden gesperrten Lira Bajramaj und Tabea Kemme. „Dadurch hat uns Kreativität gefehlt.“ Der FCR 01 Duisburg vermisste dagegen verletzungsbedingt seine Defensiv-Kräfte, die Nationalspielerinnen Annike Krahn und Marina Hegering. „Unter dem Strich können beide Mannschaften mit dem Unentschieden leben, “ meinte der sichtlich zufriedene Cheftrainer Bernd Schröder, dessen Mannschaft nach einem frühen Elfmeter-Treffer  (10.) von Turbine-Spielführerin Jennifer Zietz lange Zeit geführt hatte.  Sein Kalkül, Duisburg zu schonen, um Frankfurt zu schwächen, ging auf.
Tabelle                                                                                                                                                           

Fest steht: Für die Titelchancen von DFB-Pokalsieger FCR 2001 Duisburg und die Spannung in der Frauen-Bundesliga war der späte Ausgleich „sehr, sehr wichtig“, wie nicht nur Grings befand. Schließlich blieb es so beim Zwei-Punkte-Abstand zwischen Titelverteidiger Potsdam (16 Zähler) und den jetzt viertplatzierten Duisburgerinnen (14). Noch dazwischen schoben sich der 1. FFC Frankfurt und der FC Bayern München (je 15). Ärgster Verfolger von Potsdam ist nun Frankfurt. Der 1. FFC setzte sich mit 4:1 (1:1) beim 1. FC Saarbrücken durch und hat nun 15 Punkte auf dem Konto. In Saarbrücken brachte Kerstin Garefrekes ihr Team in der 19. Minute in Führung. Dem Ausgleich durch Sarah Karnbach (26.) setzten Birgit Prinz (55., Foulelfmeter), erneut Garefrekes (76.) sowie Conny Pohlers (90.) drei weitere Treffer entgegen.


Alexandra Krieger und Svenja Huth, beide 1.FFC Frankfurt
Fotoagentur A2 Hartenfelser, Neu Isenburg

Torreich

                                                                                                                                                         
In Saarbrücken lieferte das Frankfurter Team dem Cheftrainer Sven Kahlert auswärts die wichtigen drei Punkte. Die vielseitige besonnene Nationalspielerin Kerstin Garefrekes fing da wieder an, wo sie beim letzten Spiel aufgehört hat – sie schießt in dieser Saison Tore in Serie. Diesmal waren es Treffer neun und zehn. In der DFB-Torschützenliste der Frauen liegt sie nun mit zehn Toren dicht hinter Inka Grings mit elf Toren.  Mit 25 Toren ist der Frankfurter Sturm der gefährlichste und torreichste in dieser Saison. Man war in Feierlaune in Frankfurt.

Party
                                                                                                                                                           
Bei einer Geburtstagsparty für den scheidenden  ZDF-Reporters Rolf Töpperwien, der beim 1.FFC Frankfurt das Amt des Stadionsprechers inne hat,  in der Commerzbank Arena überreichte Manager Siegfried  Dietrich am Vorabend der „Stimme des 1.FFC Frankfurt“ein Megaphon. Familienmensch  Töpperwien gelobte, dem FFC weiterhin zur Verfügung zu stehen, in der Hoffnung mit seiner direkten  Art, den Frauenfußball populärer zu machen. Leicht verspätet tauchte daher FFC-Manager Dietrich zum Spiel in Saarbrücken auf, als unmittelbar zur selben Zeit Kerstin Garefrekes zur 1:0 Führung (19.) einschob.  Bange Minuten folgten, denn Saarbrücken konterte gegen die nervös wirkenden Gäste vom Main, die ohne die US-Nationalspielerin Alexandra Krieger antraten. Krieger wird die US-Nationalelf in den Länderspielen gegen China verstärken.


ZDF Urgestein Rolf Toepperwien, Stadionsprecher vom 1.FFC Frankfurt
Fotoagentur A2 Hartenfelser, Neu Isenburg

Freude 

                                                                                                                                                          
Die Nervosität der Hessinnen trotz Führung nutzten die Saarländerinnen zum Ausgleich. Im Anschluss an einen Eckball (26.) kam der Ball zu Sarah Karnbach, die aus 20 Meter zum Ausgleich abzog. Torhüterin Nadine Angerer war die Sicht versperrt. Kurze Zeit später verhinderte die etatmäßige Nummer Eins der Nationalmannschaft gegen die allein aufs Tor zulaufende Cynthia Uwak gar den Rückstand. Saarbrückens Coach Stephan Fröhlich bemerkte mit großer Freude: „Das war unsere beste Halbzeit der gesamten Saison. Wir haben kaum eine Chance zugelassen und den Gegner selbst unter Druck gesetzt.“ Frankfurts Cheftrainer Sven Kahlert war mit ersten 45 Minuten weniger zufrieden. Zu lange dauerte das Umschalten von der Defensive  nach vorne. Saarbrücken hatte stets Zeit sich zu formieren. Eckstöße von Dzsenifer Marozsán waren gefährlich, aber ohne Chancenverwertung der Mitspielerinnen.

Kondition
                                                                                                                                              
Als die U-20-Weltmeisterin es dann direkt versuchte, rettete US-Amerikanerin Juliana Edwards (31.) den Ball auf der Linie. Einen weiterer Eckstoß  (34.) von Marozsán wehrte die Isländerin Sif Asladottir ab, der Ball sprang auf die Weltmeisterin zurück und die folgende Flanke von ihr köpfte Frankfurts Verteidigerin, die US-Amerikanerin Gina Lewandowski,  an die Latte. Saarbrücken hielt das Unentschieden bis zur Halbzeit. Der Verlauf der zweiten Halbzeit zeigte Frankfurt, dass es konditionell die bessere Mannschaft ist. Als die U-20-Weltmeisterin  Svenja Huth im Saarbrücker Strafraum gefoult wurde, verwandelte Rekordnationalspielerin Birgit Prinz den fälligen Elfmeter (55.) zur 2:1 Führung. Nationalspielerin Kerstin Garefrekes erhöhte (76.) auf 3:1.  Vorbereitet wurde das Tor wiederum von Svenja Huth, die einen Pass auf die Sturmspitze Conny Pohlers schob, deren Flanke zunächst an Freund und Feind vorbei ging. Die emsige Garefrekes erwischte das runde Leder noch knapp und nutze die Chance zum zehnten Saisontor.

Vielseitig
                                                                                                                                                 
In der Schlussminute spitzelte Conny Pohlers den Ball zum 4:1 Endstand über die Linie (90.). Frankfurts Team hätte höher gewinnen können an diesem Tag. Allein zwischen der 53. und 70. Minute scheiterte die stark maufspielende Gina Lewandowski drei Mal in aussichtsreicher Position. Erst wehrte die FC-Torhüterin ihren Flachschuss zur Ecke ab, dann scheiterte sie zwei Mal knapp mit einem Kopfball. Frankfurts Selbstbewußtsein ist so gut wie lange nicht mehr. Der Kader wäre aber Champions League Aufgaben zu klein. Festzustellen ist, dass der 19er Kader von seiner Struktur her auf allen Positionen austauschbar und vielseitig einsetzbar ist. Mit dem 1.FFC Frankfurt ist dieses Jahr zu rechnen.


Oktoberfeststimmung beim FC Bayern

Vordere Reihe v.l.n.r. Thomas Wörle, Hartmut Spieth, Karin Danner,
Ivana Rudelic, Katharina Baunach, Simone Schubert, Silke Spieth,
Katharina Würmseer, Annika Doppler, Viktoria Schnaderbeck, Petra
Wimbersky, Isabell Bachor hintere Reihe v.l.n.r. Sylvie Banecki, Julia
Simic, Sandra de Pol, Kathrin Längert, Corinna Paukner, Tanja Wörle,
Vanessa Bürki, Nina Aigner, Carina Wenninger.
Foto: FCB                                                                                          

Ohne Dirndl

Mitverfolger Bayern München war an diesen Wochenende noch immer in Oktoberfest Stimmung, als sie in Leverkusen aufliefen. Jüngst hatte die Mannschaft die Wiesn besucht. Die Maß muss ihnen gut bekommen sein, denn der Bierpreis lag heuer zwischen 8,30 € und 8,90 €.  Das vierte Auswärtsspiel, der vierte Sieg. Auch bei den Werkselfen in Leverkusen siegten sie mit 2:1 (0:1). Tabellenführer in der Auswärtstabelle wurden die Münchnerinnen auch wieder verlustpunktfrei mit 9:1 Toren. Die gestärkten Bayerinnen liefen natürlich nicht im Dirndl auf. Der FC Bayern drängte
von Anfang an auf einen Torerfolg hin, mehr als ein fragwürdiges Abseitstor konnten die Mädels jedoch nicht verbuchen. Danach konnte Torfrau Nicole Maurer einen Schuss von Lisa Schwab aus kurzer Distanz zur Ecke klären.

Umschalten
                                                                                                                                  
Plötzlich jubelten die FCB-Frauen. Julia Simic zog nach Doppelpass mit Nina Aigner aus gut 20 Metern unhaltbar ab und schoss den FC Bayern in der 10. Minute in Führung. Die Werkself-Frauen zeigten sich keineswegs geschockt und versuchten durch schnelles Umschalten weiter Druck auf das Gehäuse von Nicole Maurer zu machen. Die beste Gelegenheit in Halbzeit eins hatte dann Shelley Thompson, die einen Schuss in der 32. Minute an die Latte setzte. Vom FCB war im Angriff bis zur Halbzeit nicht mehr viel zu sehen. Zwei Distanzschüsse von Julia Simic und Viki Schnaderbeck waren die Ausnahme.


Julia Simic | Fotoagentur A2 Hartenfelser, Neu Isenburg

Ohne Schock weitergespielt

Die zweite Hälfte begann recht ereignislos, doch nach einem schnell ausgeführten Freistoss verwertete Nina Aigner die Hereingabe zum 0:2 (50.) Leverkusen war zunächst geschockt und die Bayern Mädels bekamen nun immer mehr Kontrolle über das Spiel. Sie schafften es aber nur selten zielstrebig vor das gegnerische Tor zu kommen. Leverkusen versuchte in den letzten 20 Minuten nochmals alles und so kamen sie nach Vorarbeit der starken Lisa Schwab zum Anschlusstreffer durch Shelly Thompson. Anschließend drückte Leverkusen auf den Ausgleich, wobei Sandra de Pol einmal auf der Linie per Kopf den Ausgleich verhinderte. Aber auch Bayern hätte nochmals zum Erfolg kommen können, als die eingewechselten Nicole Banecki allein vor Torfrau Schmitz scheiterte und Lena Lotzen mit einem Pfostenknaller vor ihrem ersten Saisontreffer stand.  Am Ende freuten sich die Bayern-Spielerinnen über drei weitere Auswärtspunkte. In der aktuellen Tabelle liegt München als neuer Tabellendritter nur noch einen Zähler hinter Klassenpriums Turbine Potsdam.

Was passierte auf den anderen Plätzen:

Der FF USV Jena setzte sich 2:1 (1:0) gegen den Tabellenletzten Herforder SV durch. Nach der Führung kurz vor der Pause durch Genoveva Anonma (42.) erhöhte erneut die Stürmerin auf 2:0 (63.). Marion Gröbner (72.) gelang nur noch der Anschlusstreffer für die Gäste aus Herford. Der Hamburger SV gewann mit 3:1 (2:1) bei der SG Essen-Schönebeck. Marisa Ewers (5.), Kim Kulig (24.) und Imke Wübbenhorst (83.) waren für den HSV erfolgreich, Melanie Hoffmann (9.) markierte den zwischenzeitlichen Ausgleich


Wolfsburgs Verena Faisst bedraengt Celina Okoyino da Mdabi
Foto: VfL

Überraschung des Tages
 
Insider hatten es kommen sehen. Am siebten Spieltag erwischte es zu Hause den VfL Wolfsburg mit der ersten Heimniederlage. Zu unstet war das Team in den letzten Spielen. Nach 90 Minuten siegten die Gäste aus Bad Neuenahr sensationell mit 4:1 Toren. Den Ehrentreffer für den VfL erzielte die ungarische Nationalspielerin Zsanett Jakabfi. Damit rutscht das Team von Trainer Ralf Kellermann in der Tabelle weiter ab und belegt nur noch Rang sechs.  Mit Donnerschlägen begann das Spiel.  In der vierten Minute erzielte Marie Pyko auf Pass von Celina Okoyino da Mbabi die 1:0 Führung für die Gäste. Nur wenige Minuten später hatten die Wölfinnen Glück, dass der Schuss von Nicole Rolser knapp am linken Pfosten vorbei ins Aus ging.

Ausgeglichen                                                                                                                                     
Damit ging die Anfangsphase klar an die Rheinländerinnen.  Nach der 15 Minute wurde der VfL besser. Daraus resultierte in der 19 Minute bereits der Ausgleich durch Zsanett Jakabfi, die den Ball aus 20 Metern von halbrechter Position in das lange Eck ein netzte. Es entwickelte sich eine ausgeglichene Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Die Beste hatte Bad Neuenahr in der 35. Minute, als VfL-Torhüterin Alisa Vetterlein nach einer Hereingabe von der linken Seite bereits am Boden war, den Nachschuss von erneut Nicole Rolser aus 15 Metern jedoch parieren konnte. Auf der Gegenseite hatte Gästetorhüterin Nadine Richter mit einem Fernschuss von Andrea Wilkens keine Probleme. Im Gegenzug nutzte Nicole Rolser ihre nächste Chance zur erneuten Führung. In der 40. Minute ließ sie Vetterlein keine Chance und traf zum 2:1.  

Schwabenstreich
                                                                                                                                           
Nach der Pause reagierte Wolfsburgs Cheftrainer Ralf Kellermann und präsentierte mit Selina Wagner und Nathalie Bock zwei neue Spielerinnen für die Offensive. Trotzdem kamen die Rheinländerinnen  besser ins Spiel und erzielten bereits in der 54. Minute das 3:1 wiederum durch Nicole Rolser. Die schwäbischen Geschwister Nicole (18 Jahre) und Nadine Rolser (20 Jahre) wechselten in dieser Saison vom Zweitligisten VfL Sindelfingen zum SC 07 Bad Neuenahr. Beide Rolsers standen in den vergangenen vier Spielen gemeinsam in der Startformation. Nicole meist im rechten Mittelfeld oder im vordersten Angriff, Nadine hinten links. In Bad Neuenahr fühlt sich das Duo ausgesprochen wohl, kann es doch hier auch perfekt an der Karriere neben dem Sport arbeiten. Nadine studiert an der Sporthochschule in Köln, Nicole besucht die Eliteschule des Fußballs, um die Fachhochschulreife zu erlangen. "Ich habe mich für die dreijährige Laufbahn entschieden, damit ich noch mehr für den Fußball tun kann", erzählt Nicole Rolser, die Offensivspielerin, die im erweiterten WM-Kader der U 20-Nationalmannschaft stand. „Weniger Unterricht, mehr Sport“ heißt ihr Motto. In Wolfsburg zeigte sie, dass das Konzept der DFB-Eliteschule für sie persönlich passend ist und Erfolge bringt.

Spannung  wie noch nie

Die unter Wert spielenden Wölfinnen dagegen agierten unglücklich. Mit einem Freistoß verfehlte Nationalstürmerin Martina Müller das gegnerische Tor und  U-20-Weltmeisterin Selina Wagner konnte einen Fehler von  SC-Torfrau Richter nicht nutzen. Mit der Norwegerin Melissa Wiik brachte Kellermann in der 70. Minute eine zweite, echte Spitze und stellte auf eine Dreierkette um. Der gewünschte Erfolg blieb jedoch aus. In der 79. Minute erzielte Nationalspielerin Okoyino da Mbabi das vierte Tor für den SC 07 Bad Neuenahr und besiegelte damit die erste Heimniederlage für den VfL in der laufenden Saison. Damit verläßt die launische Diva aus der Autostadt  die Spitzengruppe der 1. Frauenbundesliga und kann Ambitionen auf einen zweiten Platz für eine Champions League Teilnahme endgültig begraben. Die Mannschaft vom SC 07 Bad Neuenahr dagegen liegt jetzt zwei Punkte hinter dem FCR 2001Duisburg. (HDH)

Online-Flyer Nr. 270  vom 06.10.2010

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