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Aktueller Online-Flyer vom 20. Oktober 2017  

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Sport
U20 Asienmeister Japan entzaubert deutsche Blütenträume
Japanische Kirschblüten in Gütersloh
Von Bernd J.R. Henke

Im letzten Länderspiel vor der Heim-WM mussten die deutschen U 20-Frauen in Gütersloh bei der Generalprobe ein 1:2 (1:2) gegen Japan hinnehmen. Das Tor für die deutsche Mannschaft erzielte Alexandra Popp vom FCR 2001 Duisburg in der 44. Spielminute.


Jessica Wich verfolgt von Spielführerin Michi Goto
Alle Fotos: Günter Niederl, Marburg
 
"Wir hatten heute mit dem Spiel nach vorne Probleme. Das wird unser Trainingsschwerpunkt in der WM-Vorbereitung sein. Japan war ein sehr starker Gegner", bilanzierte DFB-Trainerin Maren Meinert. "Wir haben die Niederlage zwar nicht gebraucht, aber ein 1:2 oder ein 2:2 macht zu diesem Zeitpunkt keinen Unterschied. Wir wissen, dass wir bis zur WM noch weiter
an uns arbeiten müssen.“ Nun, man ist nur so gut wie der Gegner zulässt, Frau Meinert. Taktisches Agieren und Reagieren war angesagt, wurde aber im Spiel kaum umgesetzt. Die Japanerinnen waren einfach an diesem Tag überlegen.
 
Erkenntnisse
 
Dem japanischen Trainer Norio Sasaki fiel auf, dass das deutsche Herzstück der Mannschaft, die Stabilisatoren aus der A-Nationalmannschaft Kim Kulig, Alexandra Popp und Bianca Schmidt, groß gewachsene Spielerinnen seien, und seine Spielerinnen allemal überragen würden. Nun, das machte gar nichts aus im Testspiel, denn dafür waren seine japanischen Kirschblüten wesentlich schneller und abspielgenauer. Fußballexperte Blaha notierte:
“Lauffreudig, schnell, ballgewandt und mit einem ordentlichen Zug zum Tor.“ “Mit Japan ist bei der WM 2010 der U20 Juniorinnen zu rechnen“, äußerte am Rande Guido Buchwald, Fußballweltmeister (natürlich der Männer, lang, lang ist‘s her unter der damaligen Lichtgestalt Franz B. 1990 in Rom), der sich am Rande des Geschehens als Berater des japanischen Fußballverbandes vorstellte. Was sein Besuch genau bedeuten solle, war Buchwald nicht zu entlocken. “Jedenfalls spielte er mehrere Jahre als Profi in Japan, aber bei
Frauenfußball Spitzenspielen in Frankfurt, Duisburg oder Potsdam wurde er noch nicht gesehen“, wussten die illustren Gäste und Sponsoren im VIP Zelt zu berichten. Weiß Buchwald eigentlich, dass zu Spielen der FC Bayern München-Frauen oft nur 200 bis 300 Zuschauer in Aschheim bei München anwesend sind?
 
Hellwache Japanerinnen                                      


Die 17-jährige Torjägerin Mana Iwabuci mit Tabea Kemme
 
Im idyllisch liegenden Heidewaldstadion fand die deutsche Mannschaft trotz lebhaften   Beifalls der vielen ostwestfälischen Schulkinder anfangs nicht so gut ins Spiel wie am Sonntag beim 3:1 gegen Weltmeister USA in Herford. Durch Mana Iwabuchi (6.) gingen die Japanerinnen schnell in Führung. Die erst 17-jährige Stürmerin gilt in Japan schon als Star wegen ihrer eiskalten Treffsicherheit. Bei den Asienmeisterschaften erzielte sie den einzigen Treffer der Partie gegen das starke Team von Nordkorea. Im Finale gegen Südkorea entschied sie die Partie mit dem 2:1 Siegtor drei Minuten vor Ende der Partie. Ihr Tor an diesem Vormittag gegen Deutschland entstand aus einem Rückgabefehler der blonden Duisburgerin Marith Prießen, der „Pech-Marie“ des Tages. Denn wie vom Teufel gepackt rannte die Verursacherin der miserablen und folgenreichen Rückgabe zwei Minuten später zum Elfmeterpunkt in der japanischen Hälfte, als wollte sie etwas ungeschehen machen. Schiedsrichterin Christina Jaworek hatte zuvor einen Elfmeter gegen Japan vergeben und zur Enttäuschung aller deutschen Fans im Stadion: Marith Prießen verschoss. Trainerin Maren Meinert nahm sie am Schluss nach dem Spiel in die Arme und tröstete sie des Doppelfehlers wegen, denn Testspiele der Juniorinnen im überschaubaren Fußballstadion in Gütersloh haben humanere Gesetze als der verschossene Elfmeter von Lucas P. im „Stadiongefängnis“ einer Männer-WM am Horn von Afrika.
 
Niederlage im Mittelfeld                                                         
 
Die japanische Sturmreihe mit der Kapitänin Michi Goto von den Urawa Red Diamonds, mit der quirligen Torschützin Mana Iwabuchi von der NTV Beleza und Megumi Takase von der INAC Kobe Leonessa, erhöhte den Druck auf das Tor, während ihr Pendant gegenüber - der deutsche Sturm mit Alexandra Popp, Jessica Wich und Svenja Huth - sich zusehends verzettelte. Das deutsche Mittelfeld mit Kim Kulig und Dzenifer Marozsán produzierte Fehlpässe en masse und schickte den Ball zu wenig über die Flügel. Die Japanerinnen spielten einfach spritziger, schneller, energischer und zielstrebiger auf das gegnerische Tor. In der Folge erhöhte Mittelfeld-Ass Emi Nakajma (26.) auf 2:0.
 
Leistungskollektiv                                                       


Svenja Huth überläuft Saori Takahashi, rechts Shoko Yamada
 
Es sind aber nicht unbedingt Einzelspielerinnen, die Japan so stark machen, vielmehr ist es das gut funktionierende Kollektiv dahinter. Dass die Offensive eigentlich gar nicht so das Prunkstück des Asienmeisters ist, zeigt sich auch daran, dass man auf dem Weg nach Deutschland nur zehn Tore geschossen hat, wobei die Hälfte gegen Nationalchina (Taiwan) erzielt wurde. “Die deutsche Mannschaft wirkte müde“, urteilte Guido B., der Agentur- Berater. Das sahen auch die 1.100 Zuschauer im Heidewaldstadion so und auch der Redakteur des Reutlinger Generalanzeigers, der dafür fast 500 Kilometer nach Westfalen fuhr, um den Schatten von Guido B. zu beschreiben. Neunundsechzig Stunden nach dem überraschenden 3:1-Sieg über Titelverteidiger USA hatte die Meinert-Elf auffällig viele Schwachpunkte.Die Abstimmung in der Defensive stimmte nicht, das Passspiel von Kulig war katastrophal, so dass es nach sechsundzwanzig Minuten bereits 0:2 stand.
 
Anschlusstor durch Popp                                                   
 
Auf Flanke von rechts der gefährlichen Svenja Huth (1.FFC Frankfurt) gelang der Duisburgerin Alexandra Popp zwar der Anschlusstreffer (44.), doch auch in der Folge stürzten die Japanerinnen die deutsche Abwehr von einer Verlegenheit in die andere, auch wenn dies Bundestrainerin Maren Meinert in der anschließenden Pressekonferenz im Beisein des listigen, sehr entspannt wirkenden Nippon Trainers Norio Sasaki anders sah: “Mit der Defensive und der Ordnung war ich zufrieden. Offensiv war es aber überhaupt kein gutes Spiel von uns.“ Kim Kulig sah es ähnlich. Die nicht auf den Mund gefallene württembergisch geprägte Europameisterin vom Hamburger SV stellte mit der fußballerischen Binsenwahrheit fest: “Wir haben auf jeden Fall noch viel Arbeit vor uns.“ Nun Bundeskanzlerin Merkel hätte es im weiblichen Flügel des Bundeskabinettes mit Schröder, von der Leyen, Schavan und Aigner nicht besser formulieren können.
 
Kein Remis, nur Lattenschuß                                        
 
Trotz mehrerer Wechsel in der zweiten Halbzeit kam die deutsche Mannschaft mit zunehmender Spieldauer immer stärker auf. Zählbare Erfolge blieben dabei jedoch aus, die größte Chance zum Ausgleich hatte die eingewechselte Selina Wagner. Die kämpferisch eingestellte Wolfsburgerin vergab in der Schlussminute die beste Gelegenheit zum Ausgleich, als ihr Schuss an die Latte von Nippons Gehäuse klatschte. Nun gibt es noch einen Lehrgang Ende Juni für den deutschen Kader, in dem allein sechs Spielerinnen des Champions-League-Siegers Turbine Potsdam (Wesely wechselte kurzfristig den Verein ), vier Akteurinnen des DFB-Pokalsiegers FCR Duisburg sowie drei Spielerinnen des international aufgestellten Rekordmeisters 1. FFC Frankfurt stehen. Unter diesen Gegebenheiten wäre es sicher ratsam nochmals zwei Testspiele zu absolvieren, damit der Kader noch besser eingespielt sein könnte bis zum 13. Juli beim Auftaktspiel gegen Costa Rica in Bochum.
 
Überraschungen                                                                                                                         
 
Auf die Frage, ob Japan bis zum 13. Juli seinen Kader schon komplett aufgestellt und gemeldet habe, antwortete der japanische Cheftrainer der NRhZ exclusiv mit Bestätigung per eMail: “Nein, wir werden noch drei sehr gute Spielerinnen für das defensive und offensive Mittelfeld mitbringen, wenn wir in der ersten  Juliwoche wiederkommen werden. Für alle Statistiker und Insider verriet der japanische Fußballverband  auch die Jahrgänge der Spielerinnen und die Vereinszugehörigkeit:
 
Dabei sind die 19-jährige Saki Kumagai ( Jahrgang 1990) vom Team Urawa Reds Ladies, die 18-jährige Yuko Takeyama ( Jahrgang 1991), ebenfalls Urawa Reds Ladies sowie die 19-jährige Yuika Sugasawa ( Jahrgang 1990) von den Albirex Niigata Ladies. 
 
“Also aufgepasst, dies sind keine Gastgeschenke für Deutschland, dies sind tüchtige, ehrgeizige Gegnerinnen aus Fernost, die können was“, erklärte Fußballexperte Johann Blaha. Bis zur WM müsse mehr Struktur ins deutsche Spiel, denn als Gastgeber und WM-Dritter von 2008 stehe die deutsche Elf unter Druck. “Aber eine idealere Ausgangsposition für die anstehende WM, als sein letztes Testspiel und dazu noch auf eigenem Boden zu verlieren, gibt es doch gar nicht, denn erstens ist Japan keine No-Name-Truppe und zweitens ist manchmal ein Kopfschütteln besser, als euphorisches Schulterklopfen zum unpassenden Zeitpunkt“, dozierte der Fußballexperte im Presseraum zur Verwunderung seiner Kollegen. Ein weiblicher Fan schrieb in einem Blog: “Kopf hoch, kurz schütteln und weitermachen, Mädels!” (PK)


Online-Flyer Nr. 256  vom 30.06.2010

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