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Aktueller Online-Flyer vom 28. September 2021  

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Lokales
Neonazi-Angriff auf politische engagierte Düsseldorfer Familie
Polizei verweigert Hilfe
Von Peter Kleinert

Neonazis seien vorwiegend in Ostdeutschland eine Gefahr für Menschen auf der Straße, die "wie Ausländer aussehen", behaupteten westdeutsche Politiker und Medien wieder einmal nach dem jüngsten Überfall in Brandenburg. Ob sich am Donnerstag - beim inzwischen dritten Neonazi-Angriff auf das Haus einer politisch engagierten Düsseldorfer Familie - die telefonisch alarmierte Polizei deshalb weigerte, den Überfallenen zur Hilfe zu eilen?

Aus der Beschwerde von Axel Köhler-Schnura, Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) vom Freitag, 28. April, an den Düsseldorfer Polizeipräsidenten: "Gestern abend um ca. 20 Uhr rief ich den Polizeinotruf 110 an und meldete einen Nazi-Übergriff (Wurf einer vollen Halbliter-Flasche gegen die Glasscheibe der Haustüre, Skandieren der Rufe "Nazis siegen!", zwei männliche Personen). Ich teilte dem Dienst habenden Beamten mit, dass es bei uns bereits mehrfach solche Übergriffe gegeben hat, dass das Politische Kommissariat aktiv ist, und dass die Täter noch in der unmittelbaren Nähe seien.

Axel Köhler-Schnura - am Tag nach dem Überfall
Axel Köhler-Schnura - am Tag nach dem Überfall
Foto: CBG


Auch eine Stunde später war noch keine Polizeistreife da. Ich rief daraufhin ein zweites Mal die Nummer 110 an, mit dem Ergebnis, dass der Beamte mich anschrie. Ich musste ihn mehrfach zur Mäßigung seines Tones auffordern, bevor ein normales Gespräch möglich wurde. Dafür gibt es Zeugen. Wie Sie leicht bei Ihnen im Haus überprüfen können, sind meine Kinder, meine Frau und ich aufgrund der Bezirksvertretungstätigkeit meiner Frau mehrfach öffentlich deklarierte Zielscheibe der Naziszene.

Das Verhalten Ihrer Beamten ist skandalös und nicht hinzunehmen. Zumal es mit diesem Mal bereits der dritte Fall in dieser Weise ist. Wir haben das Wurfgeschoss gesichert. Hätten wir nicht - entsprechend den Empfehlungen aus Ihrem Haus - die Türe mit Sicherheitsglas versehen, wäre sie zu Bruch gegangen. Ich stelle hiermit Strafanzeige - leider gegen Unbekannt, da Ihre Beamten ja nicht kamen..."

Was in der Beschwerde nicht steht: Der Angriff auf das Haus des CBG-Mitbegründers fand einen Tag vor der BAYER-Hauptversammlung statt. Zur Beteiligung hatte die CBG in den Wochen zuvor möglichst viele "kritische Aktionäre" aufgerufen. Auch CBG-Vorstandsmitglied Hubert Ostendorf war nach CBG-Angaben bereits Ziel von Neonazi-Attacken. Darüber hinaus hatten Axel Köhler Schnura und seine Frau Christiane für die PDS als DKP-Mitglieder für den Düsseldorfer Stadtrat kandidiert. Christiane ist Mitglied der LINKS-Fraktion in der Bezirksvertretung Düsseldorf-Eller.

Karikatur: Kostas Koufogiorgos
Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de


Eiliger als bei Neonazi-Angriffen auf politisch aktive Linke greift die Düsseldorfer Polizei zu, wenn sie sich über diese ärgert. Wie die NRhZ in ihrer Nummer 20 berichtete, wurde das von CDU-Oberbürgermeister Erwin als "verrückter Kommunist" bezeichnete Düsseldorfer PDS/Linke Liste-Ratsmitglied Frank Laubenburg von zwei Beamten des Politischen Kommissariats im November 2005 in seiner Wohnung verhaftet. Angeblich, weil er auf seiner homepage ein Plakat mit der Forderung nach einer Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte veröffentlicht hatte. Auf dem Plakat waren bei einer Demonstration fotografierte Polizisten zu erkennen gewesen.


Online-Flyer Nr. 42  vom 02.05.2006

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