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Aktueller Online-Flyer vom 18. Oktober 2017  

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Sport
Nach dem Spiel ohne Ball: Interview mit Alexandra Popp (FCR 01 Duisburg)
Brad Pitt und den Ball treffen
Von Johann Blaha und Bernd J.R. Henke

Seit der Premiere beim Länderspiel Deutschland gegen Nordkorea im Nationalmannschaftstrikot hat die Duisburgerin Alexandra Popp schon fünfmal international in Folge für den Deutschen Fußball in A-Länderspielen gespielt. Mit dem FCR 01 Duisburg steht sie zurzeit im Deutschen Pokalfinale 2010 in Köln gegen den FF USV Jena, ringt auch auf europäischer Ebene mit ihrer Mannschaft im Halbfinale gegen den 1. FFC Turbine Potsdam in der neu geschaffenen Champions League um den Einzug ins Finale in Madrid und punktet sehr erfolgreich als Zweite der 1. Bundesligatabelle im Kampf um die Deutsche Frauenfußballmeisterschaft. Ihre FreundInnen nennen sie kurz „Alex“ oder „Poppy“.

Kameradschaft mit Respekt - Alexandra Popp wechselt ein für Simone Laudehr (11) | Foto: Büchting/Köln

Deutschlands Trainerinnenlegende und Talentförderin Tina Theune äußerte sich in der FIFA News 2011: „Alexandra ist ein außergewöhnliches Talent und eine Spielerin, die alle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere mit sich bringt. Sie arbeitet unermüdlich in der Abwehr und schaltet sich in richtigen Momenten ins Angriffsspiel ein. Sie ist temperamentvoll, Linksfuß, eigentlich Allrounderin, aber gerade dabei, sich zu spezialisieren. Sie kann das Spiel von hinten aufziehen, mit dynamischen und draufgängerischen Aktionen von außen. Wohl fühlt sie sich auch als Stürmerin. Sie überzeugt mit einer enormen Zweikampf- und Kopfballstärke – ebenso mit Treffsicherheit. Mit ihrer offenen und selbstbewussten Art ist sie außerdem eine echte Mannschaftsspielerin.“

Alex Popp gehört zum festen perspektivischen Kader für die WM U20 der Juniorinnen des Jahres 2010 und der FIFA WM 2011 nächstes Jahr, die beide in Deutschland stattfinden werden. Johann Blaha und Bernd J.R. Henke führten mit „Poppy“ ein ausführliches Exklusiv-Interview anlässlich ihres 19. Geburtstages am Osterdienstag, dem 6. April 2010.

Johann Blaha und Bernd J.R. Henke: Überall finden in deutschen Mädchenfußballschulen Ostercamps statt. Die KICKA Mädchenfußballschule hat als Kooperationspartner die Bundesligisten SG Essen-Schönebeck und FCR 01 Duisburg sowie den Regionalligisten 1.FFC Recklinghausen. Inwieweit unterstützt du die KICKA Schule in Essen und Recklinghausen?

Alexandra Popp: Ich unterstützte die KICKA Schule indem ich schon einmal an einem Camp teilgenommen habe, als Spezialgast, um den Mädchen erstmals zu erzählen, was man vor sich hat im Frauenfußball und ihnen zu zeigen wie man sich mit gutem Training weiterentwickelt, da diese Mädchen vielleicht mal die Zukunft des Frauenfußballs sind. Und es ist für mich eine Freude, junge Mädchen mit Spaß Fußball spielen zu sehen.

In Frankfurt fand vor kurzem die internationale Musikmesse statt. Einige Frauen und Mädchen spielen in Gruppen und Bands. Welche Beziehung zur Musik hast Du?

Ich habe keine besondere Beziehung zu Musik. Ich höre sie im Auto mit ganz gemischten Titeln, da ich normales Radio hören langweilig finde. Die einzige Beziehung, die ich zur Musik sehe ist, dass ich mich vor dem Spiel mit bestimmten Titeln und Musikrichtungen aufputsche.

In der Woche vor Ostern findet in deiner Heimatstadt in Gevelsberg im Ortsteil Silschede ein Internationales Gitarrenfestival statt. Welche Art Musik schätzt du persönlich?

Also da ich ja noch jünger bin, höre ich eher House, R´n´B, Hip Hop, usw.....

Gibt es in Europa und Deutschland für die Fußballerin und Deutsche Nationalspielerin Alexandra Popp ein Lieblingsstadion?

Da habe ich mir eigentlich noch nie Gedanken drüber gemacht, aber als Dortmund-Fan würde ich mal sagen, dass es mit Sicherheit ein geiles Gefühl sei vor 83 000 Zuschauern zu spielen ;-))

Die Spielerinnen in fast allen Mannschaften bilden immer vor dem Spiel einen Kreis. Welchen Sinn hat das, ist das Aberglaube oder Ritual?

Ich denke es ist eher ein Ritual. Den als Mannschaft rückt man nochmals zusammen vor einem Spiel und sagt sich was man sich vornimmt als Team, damit man gut abschneidet am Ende.

Wer sitzt im Mannschaftsbus und in der Umkleidekabine neben dir?
 
Im Mannschaftsbus sitzt Linda Bresonik neben mir und in der Umkleidekabine bei Heimspielen, sitzt links Turid Knaak und rechts Hasret Kayicki. Bei Auswärtsspielen ist es unterschiedlich.

Von deiner Nationalmannschaftskollegin Fatmire Bajramaj ist bekannt, dass sie nicht ungeschminkt auf das Spielfeld aufläuft. Dein Lieblingsparfüm ist Emporio Armani. Stimmt die Recherche der Redaktion oder hast Du schon längst die Marke gewechselt?

Zu Lira gilt für mich das gleiche, ich gehe auch nie ungeschminkt auf das Spielfeld :) Also eigentlich gibt es mehrere Marken die ich sehr gut finde, dazu gehört immer noch Emporio Armani, aber auch Burberry (The Beat), oder Prada.

In deiner Heimatstadt Gevelsberg im Ennepe-Ruhr-Kreis wurde früher Steinkohle  unter Tage abgebaut. Warst du auch mal unter Tage?

Ich war bisher einmal unter Tage, dies war aber nicht hier in Gevelsberg, sondern in Bochum glaub ich.


Die 25er Frauen vom VFL Wolfsburg und FCR 01 Duisburg treffen sich: Martina Müller und Alexandra Popp | Foto: Büchting, Köln

Die italienische Stadt Butera im Südwesten von Sizilien ist Partnerstadt von Deiner Heimatstadt Gevelsberg. Bedingt durch den ehemaligen Bergbau arbeiteten früher an der Ruhr viele Italiener. Über 1000 italienische Nachfahren leben allein  in der Stadt Gevelsberg. Sind diese Europäer besonders fußballbegeistert - wenn ja, gibt es darunter auch Fans für den Frauenfußball?

Zur Männer-WM 2006, waren nach dem Sieg gegen Deutschland sehr viele Italiener unterwegs auf der Straße, von daher würde ich schon sagen dass sie fußballbegeistert sind, aber ob es auch Fans des Frauenfußballs gibt, kann ich leider nicht beurteilen. Ich würde mich sehr freuen, wenn es so wäre. :)

Eine Mannschaftskollegin aus Duisburg hat uns gesagt, dass Du gerne italienisch essen gehst. Wie heißen Deine Lieblings-Italiener in Gevelsberg, Gelsenkirchen und Duisburg?

Mein Lieblings-Italiener ist die Pizzeria da Enzo, und wer mich kennt weiß, dass ich dort hauptsächlich mein Lieblingsgericht Spaghetti Bolognese esse ;)

Hat der DFB-Hauptsponsor Alno Küchen Dir schon einen Kochkurs angeboten?

Nein, hat er nicht. Wäre aber - glaub ich – lustig, wenn das mal passieren würde.

Du giltst bei Nationalteam-Kollegin Kim Kulig als extrovertiert, selbstbewusst und offen. Wie würdest du die Hamburgerin Kim Kulig sehen und beschreiben?

Kim ist einfach ein richtig guter Kumpeltyp, die auch selbstbewusst und humorvoll rüber kommt. Sie hat auch eigentlich immer einen kleinen Spruch auf der Zunge liegen.

Du gabst in einem sportlichen Steckbrief einmal an, dass dein linker Fuß der stärkere sei. Eine frühere Nationalspielerin sagte einmal, sie hätte den rechten Fuß nur, damit sie nicht umfällt. Ist es bei dir auch so?

Nein, bei mir ist es gar nicht so. Ich habe in meiner bisher kleinen Karriere schon sehr viele Tore mit rechts geschossen und komme mittlerweile auch relativ weit bei Flugbällen.


Trainingspause unter Männern - In der vom
DFB als Elite-Fußballschule zertifizierten
Schule ist Popp die einzige Schülerin.
Dabei lernt und trainiert sie mit
Nachwuchsspielern des FC Schalke 04.
Foto: Büchting, Köln
Du besitzt eine vorzügliche und notwendige Härte im Zweikampfverhalten. Du trainierst oftmals als Frau in der DFB Eliteschule mit Männern auf Schalke. Welche Vorteile bringt Dir das gemeinsame Training mit Männern?

Die Männer sind schneller und athletischer, und so lerne ich mich im Zweikampfverhalten besser zu verhalten, dass sie nicht einfach an mir vorbei laufen. Und wie schon in der Frage stehend: die Härte und Robustheit im Zweikampf. Was nicht fehlen darf, was bei Männern auch auffällig ist, dass schnelle Spiel, vom Pass und Umschalten.

Übrigens hat Felix Magath, der Linksfuß und Chef von Schalke 04, schon mal in der Elite-Schule vorbeigeschaut?

Ja hat er, aber ich musste kurz vorher leider fahren, da ich einen Termin hatte.

Wie schauen die pädagogisch sinnvollen Goldenen Brücken aus in der Fußballschule auf Schalke wegen der Vielfachbelastung durch Nationalmannschaft, Champions League, Pokal sowie Deutsche Meisterschaft?

Die Lehrer geben mir zur jeder Maßnahme Schulstoff mit, was ich dann bearbeiten muss. Wiederum bin ich mit meinen Lehrern auch per E-Mail im Kontakt, falls ich was nicht verstehe. Da ich auch viel an Unterrichtsstoff verpasse, bekomme ich z.B. In den Fächern Englisch und Mathe eine Art Nachhilfe.

Die Fachhochschulreife ist neben den exzellenten Trainingsmöglichkeiten das Hauptziel der DFB Eliteschule. Würdest Du es wagen, später einmal, vorausgesetzt die Bedingungen wären günstig, eine Vollprofikarriere einzuschlagen?

Wenn es im Frauenfußball mal möglich wird und ich noch in den guten Jahren bin, eine solche Karriere zu starten, würde ich dies in Erwägung ziehen, ja.

In welchem Cinema Soundtrack warst du zuletzt mit deinen Freundinnen und Freunden?

Bushido, “Zeiten Ändern Sich”


Alexandra Popp im Trikot der U19 Nationalmannschaft gegen die USA
Foto: Bildagentur A2 Hartenfelser

Bei den Olympischen Sommerspielen gibt es viele Sportarten. Welche Sportart gefällt dir außer Frauenfußball am besten?

Ich habe keine bestimmte Sportart, ich wünsche mir nur, dass jede/r deutsche Sportler/in eine Medaille holt - und am liebsten Gold.

Genau am 6. April 1991 war schon ein Monat Frieden in der Stadt Bagdad nach Beendigung des 1.Golfkrieges zwischen den USA und den Irak. Was geschah an diesem Tag in der Stadt Witten?

Heute am 6. April habe ich Geburtstag. Also ich kann mich so gerade eben daran erinnern, dass ich da, glaub ich, geboren bin. ;)

Es wird allgemein gefragt "Wen würden Sie gerne kennenlernen?" Und Du: Wen würdest Du gern kennenlernen? Es kann auch eine historische Gestalt sein.

Das ist, finde ich, eine sehr schwere Frage, aber ich glaube, ich würde gerne mal meinen Lieblingsschauspieler Brad Pitt kennenlernen wollen.

Exklusive Designermode für das Massenpublikum erfahrbar zu machen ist der Traum mancher jungen Frau Deiner Generation. Traust Du Dir zu, einmal eine Kollektion für das Massenpublikum als Model vorzuführen?

Das kann ich nicht sagen, ist schwer zu entscheiden, aber ich glaub schlecht wäre es nicht.

Hast du außer Fußballprofi einen Traumberuf?

Leider Gottes nicht. Ich habe keine Ahnung, was ich machen möchte.

Man sagt, dass der klassische „Westfälische Schrank“  besonders geräumig sei. Als die „Rheinische Torfrau“ Lisa Weiß Nationalspielerin wurde, musste sie sich einen größeren Kleiderschrank anschaffen. Hat sich bei Dir als Westfälin in dieser Hinsicht auch einiges geändert?

Ja, ich musste mir auch einen neuen Kleiderschrank anschaffen. Es hat einfach nicht gepasst, aber vielleicht habe ich mir auch einen Rheinischen Schrank gekauft damals, hehe. :)

Im Kultblog “A Life in Fashion” von Karolina Gabriela war zu lesen, dass Anfang des Jahres die Frauenzeitschrift Brigitte auf professionelle Models verzichtete. Die Zeit der Hungerharken ist wohl vorbei. Auch in der Bildenden Kunst ist mehr Weiblichkeit angesagt. Gesund und normal sollen die Frauen aussehen, die das Magazin zeigt. Wie findest du die Trendumkehr und welche Modemagazine liest du, wenn du dich entspannst?

Ich habe mir ehrlich gesagt nie so Gedanken darüber gemacht, doch finde ich es persönlich nicht schön, wenn Hungerharken auf einem Modemagazin zu sehen sind. Ich lese eigentlich sehr, sehr selten Modemagazine und wenn, lese ich die „Glamour“. Der Blog „A life in Fashion“ analysiert anschaulich die aktuellen Modetrends mit Super Fotos und Videos.

Wenn Du shoppen gehst, nimmst Du auch Deine Mutter mit?

Ja. Aber auch oft Freunde von mir.

Dein Vorbild sind Deine Eltern. Haben sie Dir eine sportive Entwicklung in die Wiege gelegt?

Ich denke ja. Mein Papa hat auch Fußball gespielt, zwar nicht so hoch, aber ich glaube von ihm habe ich das Fußballerische, und meine Mama war in einem Schützenverein, von ihr habe ich die Ruhe und Konzentration am Ball. Doch muss ich die Ruhe und Konzentration noch mehr einsetzten, da ich leider meist zu hektisch bin.


Finale Rückspiel UEFA Womens Cup 2009 in der Duisburger MSV Arena
Alexandra Popp im Kampf mit Vera Dyratel vom russischen Meister Zvezda 2005 Perm | Foto: Bildagentur A2 Hartenfelser

Im dramatischen Champions League Viertelfinale-Rückspiel gegen Linköpings FC in Schweden hast Du das zweite Tor eingeköpft. Zu welcher Spielminute und wie geschah dies, und was bedeutete das für die Mannschaft und den Verein?

Also ich kann mich ganz ehrlich nicht mehr daran erinnern, welche Spielminute es war, doch weiß ich, dass es nach einem Eckball war, wo ich hochgestiegen bin und einfach nur diesen Ball ins Tor köpfen wollte, was mir super gelungen ist. Für die Mannschaft und den Verein war es ein sehr wichtiges Tor in Richtung Halbfinale.

Im diesjährigen Algarve Cup erzieltest Du Dein Premierentor in der Deutschen Nationalmannschaft gegen Finnland. Wie hast Du das gefeiert?

Ich habe mich super gefreut und bin in die Luft gesprungen und habe mich bei Celia Okoyino da Mbabi bedankt, da sie mir den Pass gespielt hatte.

Der Algarve Cup war laut Bundestrainerin Sylvia Neid vorrangig dazu gedacht, mit der Nationalmannschaft einiges auszuprobieren und ein wenig zu experimentieren. Wie hast du deine Rolle gesehen und dich durchsetzen können?

Ich habe mir vorgenommen ein gutes Turnier zu spielen, ich konnte in meinem Fall nichts verlieren, da ich neu dabei war. Ich habe mich dort gut präsentiert, und konnte mich sowohl vom körperlichen, als auch vom Tempo gut durchsetzten und bin super mit allem klar gekommen. (PK)

Online-Flyer Nr. 245  vom 14.04.2010

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