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Aktueller Online-Flyer vom 12. Dezember 2017  

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Sport
UEFA-Cup-Sieger besiegt Zweitligist 1. FC Köln mit 4:0
Et kütt wie et kütt
Von Bernd J.R. Henke

Die rheinische Rollenverteilung war von Anfang an klar als die Domstädterinnen im Kölner Südstadion im Viertelfinale des DFB-Pokals auf den amtierenden UEFA-Cup-Sieger und Titelverteidiger FCR 01 Duisburg trafen. Nicht, dass die Kölner "Mädche" komplett chancenlos waren an diesem Nachmittag, denn kämpferisch hielten sie bis zum Ende mit.  
Die Cleverness einer Weltfussballerin vom Format einer Inka Grings konnte in der ersten Halbzeit gebremst werden, denn Kölns Abwehr mit Sonja Fuss stand gut. Wäre da nicht schon in der 10. Minute ein wuseliges unübersichtliches Gedränge im Strafraum der Kölnerinnen gewesen, als Nationalspielerin Annike Krahn den Knoten auflöste und den Ball zum 0:1 ins Kölner Gehäuse drosch. Ansonsten versuchte zwar Duisburg unermüdlich das Spiel schnell nach Hause bringen, aber in der eigentlichen Chancenverwertung waren die europäischen Superfrauen nicht so weit entfernt von der Zweiten Liga, was Trainerin Martina Voss-Tecklenburg veranlasste, ihrer Mannschaft in der Pause die Leviten zu lesen. Zu sehr bekannt waren sich die rheinischen Schwestern. Immerhin war das Kölner Team mit fünf ehemaligen Duisburgerinnen in voller Motivation auf den Rasen gelaufen: Sonja Fuss, Charline Hartmann, Patrizia Hanebeck, Nicole Bender und Yvonne Zielinsky, und zwei Ex-FCR II-Spielerinnen saßen auf der Ersatzbank vom 1.FC Köln: Catherina Zaumsell und Sonja Metz.
 
Buntes Rahmenprogramm
 
Das Spiel war kurzfristig wegen Unbespielbarkeit des Platzes vom Franz-Kremer-Stadion ins Kölner Südstadion verlegt worden. Schon einmal hatte der Winter im Vorjahr den DFB Spielplan durcheinander gebracht, als Ende Dezember dicke Eisschollen in beiden Strafräumen des Franz-Kremer-Stadions eine Absage unausweichlich machten. Kölns kompetente Pressesprecherin Katrin Schrage war denn auch nach dem vielen hin und her froh und erleichtert, dass der Ausweichtermin sich in die Tat umsetzen ließ. Rund um das Pokalspiel gab es am Sonntag auch ein buntes Rahmenprogramm. Der FC-Kids-Club war mit einem eigenen Stand vor Ort. Die kleinen FC-Fans konnten den Geißbock Hennes VIII. anfassen. Das FC-Buch „Mit dem Hennes durch das ABC“ wurde gratis verteilt. Die Trophy-Tour zum DFB-Pokalfinale mit der neuen einzigartigen DFB Siegertrophae (wir berichteten) erschien diesmal vor der Haupttribüne, begleitet vom Kölner Sportamtschef Dieter Sanden, der im Beisein der Sängerin und FIFA-WM-Botschafterin Shary Reeves für das Rahmenprogramm des ersten eigenständigen Pokalendspieles für Frauen in der Fußballhochburg mit Herz warb.
 
Dass die Kölnerinnen und Kölner fröhlich, ausgelassen und weltoffen sind, beweisen sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Ob im Kölner Karneval, beim Christopher Street Day oder den Kölner Lichtern - Köln ist ein Gefühl. Und auch bei diesem DFB-Pokal-Spiel herrschte unbestritten - auch für auswärtige Fans - eine überwältigende Stimmung. Die offiziell genannte Zahl von 1028 Zuschauern war deshalb untertrieben, denn die Beobachter der Szene befanden, dass die pure Leidenschaft mehr Fans ins "Fortuna Köln Stadion" gelockt hätte. Lag es an der Kölner Karnevaleske oder hatte Fortuna die Hände im Spiel?
 
Neunzig Minuten Tempo
 
Trainer Schmischke, der mit seinem Team in der 2. Liga jüngst zwei Niederlagen in Folge hinnehmen musste, betonte schon vor dem Spiel: „Klar ist, dass wir gegen die momentan beste europäische Frauenmannschaft antreten und auf uns setzt momentan keiner einen Pfifferling. Jetzt müssen die Spielerinnen mal bei ihrer Ehre gepackt werden“. Die Trainerin des Titelverteidigers Martina Voss-Tecklenburg meinte: „Gegen uns werden die Kölnerinnen auf ihre Chance lauern, denn sie haben nichts zu verlieren." Und et kütt wie et kütt: Den Domstädterinnen gelang es mit hoher Motivation neunzig Minuten das Tempo der Duisburgerinnen mitzugehen und energische Zweikämpfe zu bestehen. Der Platz war schnee- und eisfrei, feucht, aber gut bespielbar. Die Technikerinnen wie zum Beispiel Nationalspielerin Simone Laudehr kamen deshalb besser ins Spiel und kombinierten in eleganter Weise. Während Duisburg spielerische Mittel einsetzte, überbrückten die Kölnerinnen das Mittelfeld mit langen Bällen. Da die Bälle nicht immer präzis landeten, hatten es Kölns Torjägerin und türkische Nationalspielerin Bilgin Defterli schwer den beiden Duisburger Innenverteidigerinnen Linda Bresonik und Annike Krahn wie sonst gewohnt ein Tor-Schnäppchen zu schlagen.
 
Japan grüßt das Rheinland
 
In der zweiten Halbzeit wurde es turbulenter. Trainerin Voss-Tecklenburg sorgte dafür, dass ihre Schützlinge mental besser aus der Pause kamen. Ein Kombinationsspiel von Simone Laudehr (64.) auf die sehr beweglich agierende belgische Stürmerin Femke Maes, die den Ball ins linke Eck zog, brachte den spielentscheidenden Treffer zum 2:0. Knapp acht Minuten später wechselte Duisburg und nahm die niederländische Mittelfeldspielerin Annemieke Kiesel vom Feld (72.). So kam es zum ersten Einsatz auf dem Großfeld Duisburgs mit der japanischen Nationalspielerin Kozue Ando, die einen Vertrag bis zur WM 2011 unterschrieben hatte. Zahlreiche Töchter und Söhne Nippons warteten mit drapierter rot-weißer Nationalflagge ziemlich gespannt auf den ersten Feldeinsatz der japanischen Nationalspielerin, darunter auch der Journalist einer japanischen Nachrichtenagentur. Isao Murashita, ein Fußballexperte, der regelmäßig dafür sorgt, dass die Fans in Nippon erfahren, was ihre Fußballer und Fußballerinnen auf deutschen Rasen leisten, bemerkte: „Die 27-jährige Nationalspielerin Kozue Ando kommt vom japanischen Club Urawa Reds aus Saitama und kann sowohl im Sturm als im Mittelfeld agieren."
 
Kurz danach gelang es auch Inka Grings (74.) sich zu lösen. Nach einer Musterflanke von der rechten Seite durch Jennifer Oster schoß sie kunstgerecht den Ball unhaltbar für Torfrau Wojtasik in das linke kurze Eck zum 3:0. Was die Japanerin drauf hat, konnte sie in der 85. Minute schnell unter Beweis stellen. Wieder hatte sich die Stürmerin Jennifer Oster rechts durchgekämpft, flankte in den Kölner Strafraum und Kozue Ando hechtete in den Ball. Der famose Hecht-Kopfball zum 4:0 Endstand dreizehn Minuten nach Einwechslung erfreute auch Duisburgs Trainerin Voss-Tecklenburg: „Kozue Ando ist eine echte Verstärkung für uns, mit ihr werden wir in unserem kräftezehrenden Kampf auf drei Hochzeiten - Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League - noch etwas breiter aufgestellt sein.“
 
Eigentor entscheidet für SGS Essen
 
Auch die SG Essen-Schönebeck ist nach einem Sieg über einen Zweitligisten ins Halbfinale eingezogen. Zuvor hatten sich bereits der Deutsche Meister 1. FFC Turbine Potsdam und der FF USV Jena für das Halbfinale qualifiziert. Die Essenerinnen gewannen vor eigenem Publikum mit 1:0 (1:0) gegen den FSV Gütersloh 2009. Die Gütersloherin Kerstin Stegemann sorgte mit einem Eigentor für die Entscheidung zugunsten der Gastgeberinnen (11.). Die Chancenverwertung lag an diesem Nachmittag bei null Prozent. Denn das einzige Tor des Spiels war ein Eigentor. Beim ersten Essener Angriff lenkte Güterslohs Europameisterin und Abwehrchefin Kerstin Stegemann eine Hereingabe von Essens Caro Hamann ins FSV-Tor. In der zweiten Halbzeit fanden die Essenerinnen besser ins Spiel, spielten lockerer auf, aber es blieb bei einem Zittersieg mit kläglichen Torversuchen. Selbst vom Elfmeter-Punkt brachten die Essenerinnen das runde Leder nicht im Gütersloher Kasten unter. Nach einem Foul an Stürmerin Hoffmann schnappte sich die junge Sofia Nati selbstbewusst den Ball, traf aber nur den Pfosten (59.). Weitere Tormöglichkeiten - Hoffmann (77.) und erneut Nati (84.) -scheiterten am Eigensinn der beiden Stürmerinnen.
 
Gefährliche Schlußoffensive durch Gütersloh
 
Die Spielerinnen vom Zweitligisten FSV Gütersloh witterten in den letzten fünf Minuten Morgenluft. Vier Eckstöße in den letzten zwei Minuten, bei denen die SGS-Abwehr bedenklich wackelte. Plötzlich ging es im Essener Strafraum zur Sache und beinahe wäre eine Verlängerung drin gewesen. „Hauptsache gewonnen", befand Nationaltorhüterin Lisa Weiß, die ihrem Team in der Nachspielzeit mit zwei sehr guten Paraden den Sieg rettete. Vier Eckstöße in den letzten zwei Minuten, bei denen die SGS-Abwehr bedenklich wackelte. „Da ist einiges angebrannt. Gut, dass wir Emily Zurrer hinten drin gehabt haben“, lobte SGS- Spielerin Ina Mester die kopfballstarke Kanadierin, die mit einer weiteren Kanaderin, Brittany Timko, den Klassenerhalt in der 1.Bundesliga ermöglichen soll. „Wir haben uns für die Verpflichtung mächtig ins Zeug gelegt“, beschrieb SGS-Manager Willi Wißing den finanziellen Kraftakt, von dem er sich nun im Abstiegskampf und im Deutschen Pokal den entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz verspricht." Viel Glück im Halbfinale!
 
„Da simmer dabei – Viva Colonia"
 
Das DFB-Pokalfinale der Frauen findet am 15. Mai 2010 im Kölner Rhein-Energie-Stadion statt. Mit dem Pokalfinale erwartet Köln das nächste nationale Fussball-Highlight. Zur organisatorischen Vorbereitung auf das Sport-Großevent hat sich die Sportstadt gut aufgestellt. Dem lokalen Organisationskomitee (LOK) um das städtische Sportamt gehören u.a. der 1.FC Köln, der Fußball-Verband Mittelrhein, die Kölner Sportstätten GmbH, die Deutsche Sporthochschule Köln, das Deutsche Sport und Olympiamuseum sowie das städtische Schulverwaltungsamt und das Amt für die Gleichstellung von Frauen an. Sportamtschef Dieter Sanden verwies in seiner Ansprache im Stadion darauf, dass das LOK zahlreiche Veranstaltungen und Aktivitäten organisieren wird, die für die Sportwelt und deren Sponsoren aber insbesondere für die Fans aus verschiedenen Blickwinkeln attraktiv sein werden - ein vielseitiger Mix aus Sport, Entertainment und Kultur. Unterstützung erhält das lokale Organisationsteam dabei von Fußball-Weltmeisterin Sonja Fuss, die als städtische Botschafterin des DFB-Pokalfinales der Frauen fungiert und dabei mithelfen wird, den Frauenfußball noch intensiver als bisher in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. „Da simmer dabei, Viva Colonia!", meinte FIFA-WM Botschafterin Shary Reeves am Spielfeldrand. „Fortuna, wo war Fortuna?" flaxte Fussballexperte Johann Blaha, der Bayer aus der Oberpfalz, der Entertainerin entgegen, nachdem die Domstädterinnen trotz Niederlage stolz den Rasen verließen. (PK)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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Online-Flyer Nr. 237  vom 11.02.2010

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Von Kostas Koufogiorgos
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