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Aktueller Online-Flyer vom 24. Oktober 2017  

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Sport
Dominantes Turbine-Rot in Magdeburg, Kiel und Bielefeld
Unsichtbare sechste Fußballfrau
Von Bernd J.R. Henke

Nach dem Sieg beim DFB-Hallenturnier in der Magdeburger Bördelandhalle gehört wohl die weibliche Krone des Deutschen Fußballbundes derzeit der Mannschaft der 1. FFC Turbine Potsdam. Souverän und elegant herausgespielt war der 3:0 Finalsieg der Potsdamerinnen gegen Vize-Meister Bayern München. Grundlage des Erfolges vom Deutschen Meister war wohl das schnelle Umschalten von Offensive auf Defensive sowie die hervorragende athletische Verfassung.


DFB Frauenfußball-Hallenturnier Magdeburg - v.li.: Annika Doppler (FC Bayern) im Zweikampf an der Bande mit Viola Odebrecht (Turbine Potsdam)
Alle Fotos: Bildagentur Jan Kuppert, Potsdam

Der Mannschaft in den leuchtend roten Trikots mit dem weißen Emblem des Hauptsponsor ZAR gelang es vor der Rekordkulisse von 4341 Zuschauern hohes Tempo zu gehen und das Finale gegen die in schwarzen Trikots spielenden Münchnerinnen zu kontrollieren. Bayern Trainer Günther Wörle resümierte trotz Niederlage überglücklich: "Turbine ist der verdiente Sieger. Für uns ist der zweite Platz wie ein Turniersieg." Grund dazu hatte er, wenn man bedenkt,  dass die Frauen des FC Bayern die letzten Wochen seit der Champions League Niederlage gegen Montpellier ins Mittelfeld der Bundesliga abglitten waren.

Saarbrücken und Jena überraschen             
                                       
Der Aufsteiger Saarbrücken hatte im Viertelfinale für die erste große Überraschung des Turniers gesorgt. Das Team von Trainer Stephan Fröhlich schaltete in der Runde der letzten Acht den DFB- und UEFA-Pokalsieger FCR 2001 Duisburg mit 5:3 aus. Die Löwinnen aus Duisburg  präsentierten sich in gegen den HSV mit 5:0  und den SC Freiburg mit 7:0 in gewohnter Torlaune. Durch das torlose Remis im ersten Spiel gegen den FC Bayern München beendete der FCR 01 Duisburg die Gruppenspiele als Sieger. Im entscheidenden Spiel gegen die Überraschungsmannschaft des 1.FC Saarbrücken versagten die Nerven der Löwinnen. Zwar wurde ein 0:2 Rückstand ausgeglichen, aber Abstimmungsfehler im Abwehrspiel führten zur 3:5 Niederlage und zum frühen Aus.


Internationales Hallenturnier Bielefeld/Jöllenbeck: Romana Petzelberger (SC 07 Bad Neuenahr), daneben ohne Ball Luisa Wensing und Femke Maes, (beide FCR 01 Duisburg)

Die sichtlich enttäuschte Trainerin Martina Voss-Tecklenburg kündigte für Duisburg verschärftes Sondertraining an, denn ihre Schützlinge waren dem Spielwitz der Saarbrücker Aufsteigerinnen nicht gewachsen. Immerhin erhielt die Duisburger U 20-Nationalspielerin Alexandra Popp mit  5 Treffern die Auszeichnung als erfolgreichste Torschützin. Bundestrainerin Sylvia Neid sah sich eine Woche später veranlasst, die torgefährliche Alexandra Popp für das Länderspiel gegen Nordkorea vor heimischer Kulisse in Duisburg zu nominieren. Die Duisburger Stürmerin hatte schon beim Auswärtsspiel der Champions League gegen Linköpings FC in Schweden mit dem spielentscheidenden Kopfballtor geglänzt.

Nationalspielerinnen zum Anfassen

Im Halbfinale hatten Potsdam und München viel Mühe gehabt, Turbine bezwang das Saarbrücker Überraschungsteam nur mit einem knappen 2:1, die Bayern setzten sich erst nach Neunmeterschießen mit 8:7 gegen den FF USV Jena durch, nachdem es nach regulärer Spielzeit 2:2 gestanden hatte. Neben dem 1. FC Saarbrücken war der USV Jena die zweite große Überraschung. Beide Mannschaften teilten sich den dritten Platz. Neben Tricks und Kombinationen auf dem Kunstrasen, freuten sich die angereisten Fans auch über die Nähe zu ihren Idolen bei Autogrammstunden der DFB-Europameisterinnen in der Bördelandhalle.. "Ich habe hier erstklassigen Fußball gesehen und die Stimmung war hervorragend. Das Umfeld hat einfach gestimmt", zeigte sich Bundestrainerin Silvia Neid zufrieden. "Vor allem Potsdam und Duisburg haben guten Fußball gezeigt. Mit schnellem Passspiel, Spielwitz und viel Bewegung haben sie mich überzeugt."

Turbine ohne Punktverlust

Die ebenfalls fünf Tore schießende Viola Odebrecht von Turbine Potsdam ging leer aus bei der Ehrung des DFB nach dem Turnier. Die Münchnerin Kathrin Längert dagegen, die noch im Vorjahr für Duisburg an gleicher Stelle im Kasten stand, wurde zur besten Torhüterin gewählt. Turbine Potsdam hatte als einzige Mannschaft die Vorrunde ohne Punktverlust abgeschlossen. Das Team von Bernd Schröder feierte Siege gegen die SG Essen-Schönebeck (3:0), Tennis Borussia Berlin (7:0) sowie Jena (3:1). Im Viertelfinale bezwang Turbine den VfL Wolfsburg (4:1). Fußballexperte Johann Blaha betonte: "Turbines geschicktes Spiel über die und mit der Bande in der Halle ermöglichte die unsichtbare sechste Frau auf dem Spielfeld. Potsdam hatte scheinbar immer eine Spielerin mehr auf dem Platz."


DFB Frauenfußball-Hallenturnier Magdeburg: Siegermannschaft 1.FFC Turbine Potsdam

Das Finale gegen Bayern München gewann Turbine Potsdam durch Tore von Stephanie Drews (6.) , Nadine Keßler (7.) und Fatmire Bajramaj (11.) mit 3:0. Bei Tor Nummer Zwei verwickelte die trickreiche Viola Odebrecht bei ihrem überraschenden Sturmlauf kurz nach dem Führungstor drei Münchnerinnen. Der daraus befreiende resultierende Schuss an die vordere Bande durch Odebrecht konnte als Abpraller durch Nadine Keßler völlig freistehend im Mittelfeld aufgenommen werden. Den darauf folgenden energischen Weitschuß von Nadine Keßler überwand die an diesem Tag fast unschlagbare Kathrin Längert im Bayern-Tor zum für München schockierenden 2:0. Noch trickreicher herausgespielt war das dritte Tor durch Bajramaj. Die listige Babett Peter beeilte sich bei ihrer Ecke, die perplexe Bayern-Abwehr wurde im Sekundenbruchteil durch die spielstarke Fatmire Bajramaj überwunden, die spontan ihren berühmten „ultragelben Schuh" hinhielt und zum Tor einlenkte. Mit Recht war der Jubel groß bei den zahlreich angereisten Potsdamer Fans. Auf Grund der Nähe Magdeburgs von Berlin und Potsdam hatten viele Fans der Brandenburgerinnen den Entschluss gefasst anzureisen. Der 3:0-Sieg gegen die Münchnerinnen sorgte für den dritten Hallentitel des 1. FFC Turbine Potsdam nach 2008 und 2009 in Folge, der ohne Punktverlust und mit einem Torverhältnis von 22 : 3 in überzeugender Manier unter Dach und Fach gebracht wurde.

Hohe Spielkultur

Der Zweite des Turniers, die Frauen des FC Bayern München, hatte auf dem Weg ins Finale das Glück auf seiner Seite. Im Halbfinale hatte sich die Mannschaft gegen den stark spielenden FF USV Jena sehr schwer getan. Am Ende siegte das Team von Trainer Günther Wörle nach Neun-Meter-Schießen 8:7 (2:2). Bereits im Viertelfinale zwischen München und dem 1. FFC  Frankfurt war die Entscheidung im Neun-Meter-Schießen gefallen. Hier zog Frankfurt nach dem 1:1 nach Ablauf der regulären Spielzeit mit 8:9 den Kürzeren. Im letzten Viertelfinal-Duell gewann der FF USV Jena 2:1 gegen den Hamburger SV.

Die ehemalige Torwartlegende des DDR-Meisters 1, FC Magdeburg, DFB-Vizepräsident Hans-Georg Moldenhauer, war begeisterter Zuschauer in seiner Heimat in Sachsen-Anhalt: "Ich bin außerordentlich glücklich. Ich habe heute ein fantastisches sportliches Niveau gesehen. Alle Teams haben tolle Spiele gezeigt. Wer sich das hat entgehen lassen, hat Kostbarkeiten des Fußballs verpasst. Mein Dank geht auch an alle, die an der Organisation beteiligt waren. Es war eine rundum gelungene Veranstaltung."  

Der Budenzauber mit allen zwölf Frauen-Bundesligisten wird seit 1994 veranstaltet. Seine Premiere feierte das Turnier in Koblenz, wo es bis 1996 ausgetragen wurde, daneben gastierte es in Frankfurt am Main, Dessau und Bonn. Last not least kürte die DFB Turnierleitung die überragende Fatmire Bajramaj zur besten Spielerin des Turniers, die sich mit folgenden Worten dafür bedankte:  "Das ist für mich natürlich eine Ehre,  als beste Spielerin ausgezeichnet zu werden. Wir hatten hier eine tolle Stimmung."

Doppelpack-Siege an einem Wochenende

Eine Woche zuvor feierte das Bundesligateam des 1. FFC Turbine Potsdam einen regelrechten Triumphzug beim 31. Internationalen Hallenturnier Jöllenbeck (Bielefeld) und beim 3. SHFV Nordcup in Kiel. Da beide Turniere zeitgleich stattfanden, hatten die „Torbienen“ jeweils zwei Mannschaften aus ihrem leistungsfähigen Erstligakader zusammengestellt und überzeugten in Bielefeld-Jöllenbeck wie auch in Kiel  mit schnellem, technisch anspruchsvollem Kombinationsfußball. Nach den sechs Partien der Vorrunde in Bielefeld-Jöllenbeck standen 23:3 Tore, die Maximalausbeute von 18 Punkten und somit der verdiente Einzug ins Halbfinale zu Buche. Sowohl der schwedische Erstligist Kristianstads DFF, Dänemarks Vizemeister Brøndby IF als auch Zweitliga-Spitzenreiter Herforder SV fanden kein Mittel gegen die Brandenburgerinnen.


Internationales Hallenturnier Bielefeld/Jöllenbeck: Lydia Neumann(SC 07 Bad Neuenahr) gegen Petra Vystejnova (Sparta Prag)

„Durch unsere variablen Wechsel hat jede Spielerin mal auf jeder Position gespielt. Man hat gesehen, dass  die Mannschaft als Team gut harmoniert und funktioniert“, resümierte Cheftrainer Bernd Schröder zufrieden. Eine Demonstration dessen war das Super-Halbfinale gegen die international erfahrenen Tschechinnen von Sparta Prag, das die Potsdamerinnen 6:0 gewannen. Im Finale ging es erneut gegen die Schwedinnen von Kristianstads, die sich im Turnierverlauf enorm steigerten  und so im Halbfinale Titelverteidiger FCR Duisburg aus dem Rennen warfen.

Finale mit Schwedinnen aus Kristianstads DFF


Das Endspiel war schließlich  noch einmal „Frauenfußball auf höchstem Niveau“, erklärte Bernd Schröder. In atemberaubender Geschwindigkeit jagten die Spielerinnen jeweils zwei mal zehn Minuten über das Spielfeld. Große Stimmung kam auf, als nach dem 2:0-Vorsprung durch Corina Schröder sowie Anja Mittag die Isländerin Margret Lara Vidarsdottir fünf Minuten vor Spielende den 2:1-Anschlusstreffer erzielte. Doch dann kippte das Spiel und Lira Bajramaj sowie Jennifer Zietz schossen zwei Tore. Der Vorsprung zum 4:1 sicherte ihrem Team verdient und souverän den Turniersieg vor insgesamt 2.500 Zuschauern nach den beiden Turniertagen. Es ist vom Veranstalter geplant, das hochkarätige Turnier wieder durchzuführen. Weltmeisterin Simone Laudehr riet dem Veranstalter zu einem Umzug in eine größere Halle, da die Spielerinnen mehr Auslauf benötigen. Der Veranstalter sollte diese Anregung überprüfen, meint die NRhZ-Redaktion. Es sollten Flächen für den Eventbereich vorhanden sein , um den Sponsoren sowie den Vereinen genügend Aktionsflächen anbieten zu können, damit auch den Familien und Autogrammjägern Gelegenheit gegeben wird, mit den Spielerinnen und internationalen Stars zu plaudern.  

Nordcup für Turbine

Beim 3. SHFV Nordcup in der Kieler Ostseehalle am selben Wochenende lief es für die Potsdamerinnen auch erfolgreich, aber knapper. Im Finale traf der zweite Teil der ersten Mannschaft auf Ligakonkurrent VfL Wolfsburg. Nach regulärer Spielzeit hatte es 0:0 gestanden, erst nach anschließendem Elfmeterschießen siegten die „Torbienen“ mit 3:1. Den dritten Rang teilten sich der Hamburger SV und die SG Essen-Schönebeck. Der Deutsche Meister kam erstmals mit einer ersten Mannschaft an die Ostseeküste, da er trotz des Bielefelder Turniers zurzeit über einen exzellenten Kader verfügt. Geführt wurde das siegreiche Team jedoch nicht von Chefcoach Bernd Schröder, der in Jöllenbeck weilte, sondern von Co-Trainer Dirk Heinrichs.

Hallenturniere nach der WM 2011

Der DFB-Hallenpokal wird im Weltmeisterschaftsjahr 2011 erst einmal pausieren, zumindest fehlt dem Indoor-Event bislang noch im eng gestrickten Terminkalender der Saison 2010/2011 der Platz. Erst 2012 soll der bei Spielerinnen, Vereinen und Zuschauern gleichermaßen beliebte Wettbewerb wieder aufgenommen werden. Es ist aber davon auszugehen, dass nach der großen Frauen-WM 2011 zukünftig wieder andere Regionen an dem bis dahin sicher gestiegenen Frauenfussball-Hype teilhaben möchten.

Der Leiter des Sportamts der Stadt Frankfurt am Main, Georg Kemper, zeigte sich auf Nachfrage der NRhZ-Redaktion nicht abgeneigt, in der Frankfurter Ballsporthalle mit Fassungsvermögen für 5.000 Zuschauer ein internationales Frauenfußballturnier ausrichten zu lassen. "Insbesondere wäre mit Zuschauerströmen aus dem Rheinland, aus Köln, Bad Neuenahr und Koblenz, den süddeutschen Frauenfußballzentren im Badischen um Freiburg, aus Sindelfingen und Stuttgart, sogar aus Bayern, vor allem aus Mainfranken und Würzburg zu rechnen," erklärte ein Mitglied des Sportausschusses des Frankfurter Stadtparlamentes. Thomas Feda, der Geschäftsführer der städtischen Tourismus & Kongreß GmbH, wies darauf hin, dass erfahrene Promoter und Veranstalter wie Gert Trinklein (Licher Cup) sowie Charly Körbel (Fußballschule) für das Jahr 2012 zum Beispiel in Frage kämen. Trinklein und Körbel spielten ehemals selbst in der 1. Bundesliga für Eintracht Frankfurt.

Synergien nutzen!

Die Mehrzweckhalle in Frankfurt-Höchst wird genutzt für Basketball (Deutsche Bank Skyliner) und Handball (HSG Frankfurt RheinMain) sowie für das Männerfußball- Hallenturnier "Licher Hessen-Cup" kurz nach dem Jahreswechsel. "Es wäre eine ökonomisch und räumlich sinnvolle Synergie vorstellbar zwischen dem "Licher Cup" an einem Sonntag und einem international besetzten Frauenturnier am Tag zuvor", betonte der Frauenfussballexperte Johann Blaha. "Die Ballsporthalle verfügt über genügend Freiflächen für Sponsoraktivitäten und professionelles Merchandising internationaler Teams für die Fans.“

20Elf von seiner schönsten Seite


Deutsche Meisterschaften des FSV Frankfurt in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit der legendären Trainerin und Managerin Monika Koch-Emsermann sorgten für viel Begeisterung am Main. Die internationalen Erfolge des Deutsche Rekordmeisters 1.FFC Frankfurt unter der Ägide Monika Staab und Manager Siegfried Dietrich brachten Jahre später den Frankfurter Frauenfußball ganz nach vorne. "Heute sind alle Länderspiele und UEFA Cup-Spiele der Frauen in der Commerzbank Arena in der Regel ausverkauft", bemerkt Frankfurts Sportamtschef Georg Kemper nicht ohne Stolz. Am 17. Juli 2011 wird das Endspiel der Frauen-WM in Frankfurt angepfiffen werden - 20Elf von seiner schönsten Seite. (PK)

Online-Flyer Nr. 236  vom 10.02.2010

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