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Aktueller Online-Flyer vom 17. Oktober 2017  

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Sport
Herbstmeisterschaft für 1. FFC Turbine Potsdam
Nikolaus im „Karli“
Von Bernd J.R. Henke

Bekannterweise war der heilige St. Nikolaus von Myra ein griechischer Bischof aus Kleinasien - der heutigen Türkei. Er gilt als Schutzpatron Russlands, Kroatiens, Serbiens sowie der Kaufleute, der Seefahrer, der Schüler und Kinder. Nikolaus muss wohl in den ersten 60 Sekunden im "Karli" - dem Karl-Liebknecht-Stadion - gewesen sein, als Fatmire Bajramaj im letzten Ligaspiel der Vorrunde gegen den VFL Wolfsburg, dem amtierenden Deutschen Meister Potsdam mit einem überragenden zwanzig Meter Schuss die Herbstmeisterschaft zu sichern half. Denn rote Nikolaus-Mützen sah man einige im Stadion in Babelsberg.

Conny Pohlers (1. FFC Frankfurt) in der Zange von Peggy Kuznik (21) und Sarah Schröder (2)
Alle Fotos: A2 Bildagentur Hartenfelser
 
Und wie es immer bei verwöhnten Kindern nach der Bescherung üblich ist, verfielen die reichlich beschenkten Potsdamerinnen in einen im "Karli" noch nie gesehenen Schlendrian. Kaum ein Zuspiel einer "Turbiene" zur Mitspielerin kam zustande. Das strategische Konzept des Wolfsburger Trainers Ralf Kellermann ging voll auf. Mit großem Respekt gegenüber der "Brandenburgerischen Torfabrik" hatte er eine total defensive Grundordnung seiner Mannschaft gewählt. Dank zwei gut gestaffelter Viererketten gelang es den "Wölfinnen", so enge Räume zu schaffen, dass das gefährliche Kombinationsspiel der Brandenburgerinnen im Ansatz ge- und zerstört wurde. Und wie es oftmals bei verwöhnten Kindern üblich ist, zickte nach dem Spiel die an diesem Tag recht erfolglose Kapitänin Jennifer Zietz: „Die stellen sich nur hinten rein. Dabei sind die doch nicht schlecht."
 
Kraftraubende Partien                                                                                                                                                            
Der amtierende Deutsche Meister war "ohne Raum" entzaubert, kein klarer Kantersieg wie sonst die letzte Zeit im "Karli" mit einer auffällig männlich dominierten Fangemeinde im Altersquerschnitt 58 plus. Nun macht der Ton des Trainers die Musik. Potsdams Trainer Bernd Schröder hatte wohl in der Pause nicht die gewohnt glückliche Hand, seine Schützlinge aufzubauen. Trainer Kellermann hingegen motivierte sein Team, sodass das erfolgreiche Defensiv-Muster konsequent weitergespielt wurde. Das Kalkül einer Gegenkonter in der 57. Minute ging fast auf, als Zsanett Jakabfi im Nachsetzen nach einem Freistoß Andrea Wilkens den schnellen Ball zum Glück für Turbine etwas verzog. Die 19-jährige ungarische Nationalspielerin Zsanett Jakabfi war ersatzweise als Sturmspitze für Europameisterin Martina Müller in die Mannschaft gekommen, die wegen einer zwingenden Zahnoperation pausierte. Nun - die Bodenverhältnisse waren auch in anderen Stadien nicht die besten an diesem Tag, holprig, matschig und rutschig - wahrlich kraftraubende Partien für alle Sportlerinnen an diesem Nikolaustag. Das entscheidende Tor zum Schlussstand 2:0 (1:0) fiel aus einer Standardsituation: Freistoß Mittag und im Nachsetzen war die Neu-Potsdamerin Nadine Keßler die Schnellste, die damit in der 59. Minute mit dem 2:0 den Sack zu machte. Wolfsburg konnte sogar noch mit einigen schnellen Gegenstößen für Gefahr sorgen - der Torerfolg blieb jedoch aus. „Hier hätte Martina uns sicher geholfen", meinte VFL-Trainer Ralf Kellermann.
 
Erzrivale im Visier                                                                                                                                                          
„Spielerisch war das heute weit unter dem, was wir sonst bieten. Zum einen hat Wolfsburg gut gestanden. Zum anderen haben wir mit Blick auf das Pokalspiel am 19. Dezember gegen den 1. FFC Frankfurt noch einmal unheimlich hart im athletischen Bereich gearbeitet. Da fehlte einfach die Frische", kritisierte Trainer Bernd Schröder schon planerisch fokussiert auf den Frankfurter Erzrivalen. Der Rivale wiederum zeigte seine gewohnten Schwächen am selbigen Nikolaustag im Stadion am Brentanobad und die Spielbeobachter aus Potsdam konnten berichten: Im Westen nichts Neues. Denn FFC Torfrau Nadine Angerer kassierte wieder zwei Gegentore, was darauf schließen läßt, dass die Frankfurter Defensive auch unter dem neuen Trainer Sven Kahlert noch nicht genug eingespielt ist. „Den überraschenden schnellen Gegenstößen von Celia Okoyino de Mhabi, der Südkoreanerin Yunbee Cha und Lydia Neumann waren die FFC Verteidigerinnen und Mittelfeldspielerinnen in der Defensive nicht immer gewachsen, da sie die Eigenschaften des schnellen Umschaltens in Rückwärtsbewegung auch unter dem neuen Trainer noch nicht ansatzweise richtig geübt haben", analysierte Fußballexperte Johann Blaha.

Platzwahl: Nadine Angerer und Celia Okoyino de Mhabi mit Schiedsrichterinnen Anja Kunick in der Mitte, Assistentinnen Miriam Dietz und Annett Unterbeck
 
Die Stimmung der 1.310 Zuschauer war trotz nasskaltem Nieselwetter sehr angeregt, da die Spieltaktik beider Mannschaften total auf Offensive eingestellt war. Der gegnerische Trainer Thomas Obliers bekannte im Pressegespräch ziemlich direkt: „Wir wussten, dass Frankfurt in der Defensive Schwächen hat, deshalb haben wir die Flucht nach vorne angetreten." Die cleveren Frankfurterinnen spielten in der Tat mit einer überragenden Birgit Prinz im Mittelfeld sehr druckvoll und konnten somit ihre bekannten Schwächen in der Defensive durch eine Überproduktion von Chancen und publikumswirksamen Toren wettmachen. Leicht hätte es eine zweistellige Torausbeute für sie geben können. An die siebzig rührige FFC-Fanclub Mitglieder trugen ebenfalls rote Mützen, sodass gegenüber dem Ost-Rivalen Potsdam im virtuellen Fernduell eine "relative Waffengleichheit" hergestellt wurde. Trainer Kahlert sekundierte dem Kollegen Obliers sein Lob: „Der SC 07 Bad Neuenahr war der erwartet schwere Gegner, aber wir dürfen nicht so viele Gelegenheiten zum Pass in die Tiefe ermöglichen und müssen in Zukunft wesentlich konzentrierter bei der Ausnutzung der sich bietenden Torchancen auftreten.“


Nikolaustag für die FFC-Fans in Frankfurt
 
Mittelstürmerin Conny Pohlers eröffnete den Torreigen im Heimspiel gegen den SC 07 Bad Neuenahr in der 14. Minute, Wimbersky erhöhte in der 25. Minute auf 2:0, ehe Lydia Neumann (35.) für die Gäste verkürzen konnte. Pohlers traf noch vor der Pause zum zweiten Mal (42.). Kerstin Garefrekes markierte nach dem Wiederanpfiff nach Vorarbeit von Dzsenifer Marozsan das 4:1 (53.), dem Marie Pyko (56.) den zweiten SC-Treffer folgen ließ. Den Schlusspunkt setzte Wimbersky in der 78. Minute. Die Nationalspielerinnen Conny Pohlers und Petra Wimbersky hatten damit den 1. FFC Frankfurt im Spitzenspiel des elften Spieltages der Frauen-Bundesliga mit Doppelpacks zu einem sicheren 5:2 (3:1) über den SC 07 Bad Neuenahr verholfen und damit Rang drei gefestigt. SC-Nationalspielerin Celia Okoyino de Mhabi war die auffälligste und kampfstärkste Spielerin auf dem Platz. Ihre Zweikämpfe mit Sarah Günther, Birgit Prinz, Ally Krieger und Sara Thunebro zeigten, dass sie künftig das Zeug dazu hat, in der Deutschen Nationalelf eine herausragende Führungsrolle zu übernehmen. Sie stellte konsterniert fest, dass die junge SC-Abwehr dem Frankfurter Sturm in keiner Weise gewachsen war, da eine erfahrene Führungsspielerin für die Youngster in der Abwehrkette fehlte. „Die Personaldecke des SC 07 Bad Neuenahr ist nicht üppig. Die Vereinsführung sollte in der Winterpause reagieren und die Abwehr personell verstärken. Sonst wird der sensationell gute Tabellenstand in der Rückrunde nicht zu halten sein", empfahl Fußballexperte Johann Blaha.
 
Nikolaus-Rute für München
                           
Beim Auftaktspiel des St. Nikolaus-Wochenendes gewann der FCR 01 Duisburg am Samstag souverän 7:0 (3:0) gegen den FC Bayern München. Für das Team um Trainerin Martina Voss-Tecklenburg trafen Marina Hegering (11.), Inka Grings (13., 85.), Simone Laudehr (38., 64.), Jennifer Oster (54.) und Linda Bresonik (88.). Diese Schlappe bedeutet für die Bayern das endgültige Aus für jegliche Meisterschaftsambitionen. Der FC startete zwar gut in die Saison, obwohl zahlreiche Leistungsträgerinnen wegen Verletzungen ausfielen. Zeitweise fehlten dem Vizemeister elf Spielerinnen. Am Anfang konnte das Team von Trainer Günther Wörle die personellen Defizite noch kompensieren. Dann folgte allerdings der Einbruch, die Mehrfachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League forderte ihren Tribut. Im November schied man im Achtelfinale der Champions League gegen Montpellier auf eigenem Platz nach einem 0:1 in der Verlängerung aus. Die Münchenerinnen erleben also denselben herben Rückschlag, der vorige Saison den Rekordmeister 1. FFC Frankfurt ereilte. Einziger Lichtblick für sie war das Comeback von Melanie Behringer, “Münchnerin des Jahres“ laut einer Leserumfrage der Süddeutschen Zeitung.
 
Offene Räume genutzt                                                                                                                                                         
Auf dem regennassen Platz im Duisburger PPC-Stadion fanden die Gäste überhaupt nicht ins Spiel. Schon nach etwas mehr als zehn Minuten traf U 20-Nationalspielerin Marina Hegering zum Führungstreffer für den deutschen Pokalsieger. Nur zwei Minuten später profitierte Nationalstürmerin Inka Grings von der schlechten Zuordnung in der Bayern-Defensive und traf zum 2:0 für die Gastgeber. Auch in der Folge standen die Bayern zu weit weg von ihren Gegenspielerinnen. So traf Nationalspielerin Simone Laudehr in der 38. Minute zum 3:0. Nach der Pause erhöhten Jennifer Oster (54.) und wieder Laudehr auf 5:0. Beim FCB lief nach vorne nichts, und in der Defensive wussten sich selbst erfahrene Spielerinnen, wie Bianca Rech und Sandra de Pol in den letzten fünf Spielminuten nur mit Foulspielen gegen Eunice Beckmann und Inka Grings zu helfen. Schiedsrichterin Miriam Dietz, die eine souveräne Leistung bot, entschied beide Male zu Recht auf Strafstoß. Inka Grings erzielte mit dem 6:0 ihr bereits 18. Saisontor in der 85. Minute. Drei Minute später markierte Linda Bresonik den Endstand wiederum vom Elfmeterpunkt.
 
Aussichten                                                                                                                                                                           
Damit bleibt der FCR 01 Duisburg mit nunmehr 29 Punkten auf gleicher Höhe mit Potsdam. Das Münchner Team um Coach Wörle hat bereits zwölf Punkte Rückstand auf die Tabellenführung und hinkt weiter den eigenen Ansprüchen hinterher. Wir haben besser gespielt als in den letzten Wochen“, kommentierte Martina Voss-Tecklenburg. Ihr Gegenüber war nach dem Spiel dagegen mehr als bedient: „Wir sind platt“, so Trainer Günther Wörle über seine Mannschaft. „Das innere Gefüge der Bayern-Mannschaft ist durcheinander. Sicherlich gibt es ein Gefälle zwischen jungen Spielerinnen, die in den ersten Spielen der Saison sehr überzeugt haben und den älteren Stammspielerinnen, die wieder in die Mannschaft zurückkehren. Eine einwöchige Kasernierung der Mannschaft in einer Jugendherberge ohne Medienrummel und gewohntes Umfeld würde dem Trainer sicher helfen, in die Mannschaft hinein zuhören", erklärte Johann Blaha, der bewusst das disziplinierende Wort benutzte, denn innere Kriege und Zerwürfnisse sind der Feind jeder Gemeinschaft - auch im Mannschaftsgefüge einer der erfolgreichsten Spitzenmannschaften im europäischen Frauenfußball.
                                                                                                                                         
Schlußlicht Freiburg
 
Im Kellerduell setzte sich die SG Essen-Schönebeck 3:2 (1:1) gegen Schlusslicht SC Freiburg durch. Susanne Hartel hatte mit ihrem Führungstor in der elften Minute die Hoffnungen der Gäste auf einen Sieg befeuert, doch Stephanie Goddard gelangen vor der Halbzeitpause der Ausgleich (35.) und in der zweiten Hälfte noch zwei Treffer (66. und 84., Foulelfmeter). Zwischenzeitlich hatte Danique Stein in der 73. Minute zum 2:2 für den SCF getroffen. Die Essener kletterten durch den Sieg aus der Abstiegszone (9 Punkte), Freiburg bleibt mit drei Zählern Letzter. Die Freiburgerinnen, die noch in der vergangenen Saison mit Tabellenplatz sieben zu den positiven Überraschungen gehörten, gelang somit in acht Spielen kein Punktgewinn. Interimstrainer Eduard Beck holte bei seinem Debüt gegen den Hamburger SV gleich den ersten Dreier. Auf weitere Punkte muss der SC Freiburg aber bislang noch warten.                                                                                                                                    
Niederlagen für Neulinge
 
Tennis Borussia Berlin rutschte nach einem 0:1 (0:1) beim Hamburger SV mit sechs Punkten auf einen Abstiegsplatz ab. Silva Lone Saländer verwandelte in der 36. Minute einen Foulelfmeter zum Endstand. Der FF USV Jena ließ dem 1. FC Saarbrücken im zweiten Vormittagsspiel beim 3:1 (2:0) keine Chance. Ausnahmespielerin Genoveva Anonma traf dabei gleich zweimal für die Gastgeberinnen (42., 78.), Sylvia Arnold erzielte das zwischenzeitliche 2:0 (45.). Den einzigen Treffer der Saarländerinnen steuerte die Ex-Frankfurterin und FFC-Spielerin Selina Dambier (65.) bei. Der 1. FC Saarbrücken, der nach dem Aufstieg vor dieser Saison einen dramatischen personellen Aderlass verkraften musste, verschaffte sich unter dem Ex-Frankfurter Zweitligatrainer Stephan Fröhlich im Saisonverlauf den Respekt der Liga. Mittlerweile hält sich das Team in einer Art Jetzt-erst-recht-Stimmung auf einem Nichtabstiegsplatz. Die jungen Spielerinnen haben sich an das Tempo gewöhnt und weiterentwickelt. Ähnlich geht es Aufsteiger Tennis Borussia Berlin. Mit viel Einsatzbereitschaft kämpft das Team um den Klassenverbleib. Obwohl TeBe mittlerweile den ersten Abstiegsrang bekleidet - der Abstand zum „rettenden Ufer“ ist mit drei Punkten noch überschaubar. (PK)
 
 
Berichte über Spiele der 2. Frauenfußball-Bundesliga Gruppe Süd mit 1.FC Köln und Bayer 04 Leverkusen: http://www.kulturexpress.de.

Direkter Kontakt zur FF-Redaktion www.myspace.com/frauenfussball2011

Online-Flyer Nr. 227  vom 09.12.2009

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