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Aktueller Online-Flyer vom 11. Dezember 2017  

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Wirtschaft und Umwelt
Handys und Mobilfunkmasten – die heimlichen Krankmacher
Risiko Mobilfunk – Teil 1
Von Peter Hensinger

Durch die 100%ige Handydichte und den Siegeszug der kabellosen Technologien ist jeder von uns mit deren Auswirkungen konfrontiert - privat, im Betrieb, als Nutzer oder unfreiwillig Bestrahlter, selbst wenn er oder sie Handynutzung ablehnt. In der folgenden Serie behandelt Peter Hensinger wichtige gesundheitliche, politische und ökonomische Aspekte dieses Milliardengeschäftes. – Die Redaktion
Kundgebung in Stuttgart: „Der Mast muß weg!“

Alle Fotos: Bürgerinitiative Mobilfunk Stuttgart West



Das Handy ist allgegenwärtig: Für Kinder ersetzt es das Stofftier, Jugendlicher ohne Handy fühlen sich sozial isoliert. Ein Sachbearbeiter hat oft 8 Stunden das strahlende Handy oder schnurlose DECT-Telefon am Ohr. Und wer hat nicht WLAN daheim oder am Laptop? Diese Technologie sendet und empfängt mit gepulster Mikrowellenstrahlung. Man sieht, riecht und spürt diese Strahlung nicht. Ist diese Technologie, die auch zunehmend in Produktions- und Maschinensteuerungen eingesetzt wird, gesundheitsschädlich? Darüber wird heftig diskutiert.



Kundgebung des Informationszentrums Mobilfunk 


Es gibt inzwischen Hunderte Bürgerinitiativen, die diese Technologie kritisieren und gegen die Aufstellung von Mobilfunkmasten kämpfen. In Deutschland haben sich kritische Wissenschaftler in der Kompetenzinitiative e.V. zusammengeschlossen und warnen. Die russische Strahlenschutzkommission RCNIRP gab 2008 einen dramatischen Appell heraus: “Kinder und Mobilfunktelefone: Die Gesundheit der nachfolgenden Generation ist in Gefahr“.(1) Die International Commission on Electromagnetic Safety (ICEMS)(2) warnte im selben Jahr in der Venedig-Resolution vor den „schädlichen Wirkungen von Signalen auf Biochemie, Physiologie und die elektrischen Biorhythmen“. Und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) teilte mit: „Die Gesundheit der Menschen nimmt Schaden durch flächendeckende, unnatürliche Strahlung mit einer bisher nicht aufgetretenen Leistungsdichte. Kurz- und langfristige Schädigungen sind absehbar und werden sich vor allem in der nächsten Generation manifestieren, falls nicht politisch verantwortlich und unverzüglich gehandelt wird.“(3)
Was steckt hinter diesen Warnungen, für die es in den deutschen Leitmedien offenbar eine Nachrichtensperre gibt oder die, wenn man sie dort - wie in der Handy-Sendung „Quarks und Co“ des WDR-Fernsehens vom Juni 2007 - ausnahmsweise mal erwähnt, von Ranga Yogeshwar industriefreundlich diskriminiert werden (siehe http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11129)? Handys, DECT-Telefone, WLAN und Mobilfunkmasten schießen im Millisekundentakt gepulste Mikrowellenstrahlung durch Gehirn und Körper, durch Wände und Fenster. Die Gefahren sind erforscht und dokumentiert: 

Blut-Hirn-Schranke:
Die Salford-Studien (Schweden, 2003, 2007) (4) weisen potentielle Gehirnschädigungen durch die Öffnung der Blut-Hirn-Schranke durch Handystrahlung nach. Dadurch können Giftstoffe ins Gehirn gelangen. Prof. Salford prognostiziert mögliche frühe Demenz und Alzheimer.

Erschöpfung: Die elektromagnetischen Felder (EMF) erzeugen oxidativem Stress in den Zellen durch zellschädigende Freie Radikale. EMF beeinträchtigen dazuhin die Energieproduktion (ATP) der Zelle. Diese toxische Kombination kann zu vielfältigen Krankheiten führen, von Erschöpfung bis hin zu DNA-Schädigungen.(5)
 
Kopfweh bei Kindern: Der Zusammenhang von EMF-Strahlung und Kopfschmerzen wurde in der Mobilfunkstudie des Schweizer Bundesamtes (2006) als wahrscheinlich und konsistent eingestuft.(6)
 
Spermienschädigung: Die Österreichische Ärztekammer warnt: „Das Handy in der Hosentasche oder SMS unter der Schulbank versenden, könnte die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und sollte daher unterlassen werden“.(7) Zehn Studien wurden seit 2002 dazu veröffentlicht.(8)
 
Embryonenschädigung: Eine griechische Studie (Magras 2008) (9) warnt: Schwangere Frauen sollen sich dieser Strahlung nicht aussetzen.
 
Krebsgefahr und Tumore: Die REFLEX-Studie (2004)(10) wies ein erhöhtes Krebsrisiko durch DNA-Strangbrüche nach. Die UMTS-Studie (2007, Universität Wien)(11) ergab, dass das gentoxische Potential der UMTS-Handystrahlung zehnmal größer ist als bei GSM. 
 

Infostand in Stuttgart-West

Trotz dieser Tatsachen wird nicht gehandelt. Von der Mobilfunkindustrie und der Bundesregierung wird jede Gesundheitsgefährdung bestritten. Es geht um ein Milliardengeschäft. 2009 werden weltweit 1,3 Billionen Euro, in Deutschland 64,5 Milliarden Euro auf diesem Markt umgesetzt.(12) Im Jahr 2000 zahlte die Mobilfunkindustrie 50 Milliarden Euro für UMTS-Lizenzen, dafür stellte die Bundesregierung sie frei von Sicherheitsüberprüfungen. Über die Telekom ist der Staat selbst am Geschäft beteiligt. Und die Medien verdienen an den Werbeaufträgen mit. So entstand ein Schweigekartell. Ganz anders verhalten sich die europäischen Versicherungsgesellschaften: Weil diese Gefahren bekannt sind, verweigern sie die Versicherung der Folgeschäden!(13) Sie gehen kein Risiko ein! Aber die Menschen werden diesem Risiko skrupellos ausgesetzt, ihnen werden die Gefahren verschwiegen. Und sie können sich auch nicht vorstellen, dass der Staat eine gefährliche Technologie wider besseres Wissen zulässt. Andererseits nehmen viele Nutzer diese Gefahren auch nicht ernst, weil sie ihr Handy über alles lieben. (PK)

 
Warum diese Strahlung krank macht, erfahren Sie in der nächsten Folge.


(1)Download des Appells auf www.der-mast-muss-weg.de

(2)www.icems.eu
(3)BUND-Bundesvorstand: Für zukunftsfähige Funktechnologien. Begründungen und Forderungen zur Begrenzung der Gefahren und Risiken durch hochfrequente elektromagnetische Felder. 2008, S.18
(4)1st Hellenic Congress on the effects of Electromagnetic Radiation with international participation, Mai 2008, Thessalonikki.
(5)Ausführlich dargestellt in der Broschüre „Zellen im Strahlenstress“, Stuttgart 2009
(6)Bundesamt für Umwelt, Schweiz: Hochfrequente Strahlung und Gesundheit, 2007, S.9, 11. Ähnliche Ergebnisse (Befindlichkeitsstörungen) brachten die Untersuchungen von Huber 2005, Hutter 2006, Santini 2002, 2003, Schreier 2006, Balicki 2005, Lebedeva 2001, Zwamborn 2003, siehe unter www.emf-portal.de.
(7)Huber, Knirsch-Wagner: Nebenwirkung Handy, Wien 2007, S.31
(8)Davoudi 2002, Erogul 2006, Falzone 2007, Fejes 2007, Wdowiak 2007, Yan 2007, Agarwal 2008, Salama 2008, Mailankot 2009, Aitken 2009.
(9)1st Hellenic Congress on the effects of Electromagnetic Radiation with international participation, Mai 2008, Thessalonikki.
(10)Adlkofer F, Diem E, Schwarz C, Jahn O, Rüdiger H: Non-thermal DNA breakage by mobile-phone radiation (1800 MHz) in human fibroblasts and in transformed GFSH-R17 rat granulosa cells in vitro. Mutat Res 2005; 583 (2): 178 – 183.
(11)Radiofrequency electromagnetic fields (UMTS 1950 MHz) induce gentoxic effects in vitro in human fibroblasts, but not in lymphocytes“; Schwarz C., Kratochvil E., Pilger A., Kuster N., Adlkofer F., Ruediger H.W.; International Archives of Occupational and Environmental Health 81:755 – 767; 2008.
(12)Stuttgarter Zeitung vom 26.08.2009
(13)Die Zeit: Das Risiko ist nicht versicherbar, 17.11.2008 

Online-Flyer Nr. 227  vom 09.12.2009

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Von Kostas Koufogiorgos
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