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Aktueller Online-Flyer vom 14. Dezember 2018  

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Lokales
VVN-BdA NRW trauert um langjähriges Vorstandsmitglied
Manfred „Manni“ Demmer ist tot
Von Peter Kleinert


Seit der NRhZ-Ausgabe 5 im August 2005 hat Manfred Demmer aus Leverkusen unser Zeitungsprojekt als Autor unterstützt. In seinem ersten Artikel ging es um die zweite Fahrpreiserhöhung der Deutschen Bahn bzw. des Öffentlichen Nahverkehrs in diesem Jahr. Hauptthemen für ihn waren aber der sich im wieder vereinigten Deutschland ausbreitende Neofaschismus, dessen Wurzeln in der Nazi-Zeit, Hitlers Unterstützer in Konzernen und Banken und der antischistische Widerstand damals wie heute. Am 2.Dezember ist Manni im Alter von 66 Jahren gestorben. Hier Nachrufe der VVN-BdA und der Antifaschistischen Aktion LEVerkusen
 

Manfred Demmer | NRhZ-Archiv                          
Freunde haben es gewußt: Manni war seit längerer Zeit krank, aber er hat kein Aufsehens darum gemacht. Manni, der einst in Hilden und später in der Karl-Liebknecht-Schule in Leverkusen wohnte, wird uns allen fehlen.
 
Manfred Demmer wurde 1943 in Hilden geboren, nach der Volksschule Schlosserlehre, danach Zivildienst in einem Altersheim, dann Offsetdrucker, Gewerkschaftsmitglied, langjähriges DGB-Ortskartell-Mitglied in Haan, Ortsvorstandsmitglied der Gewerkschaft IG Druck und Papier in Hilden, Mitbegründer der DKP in Hilden, langjähriger technischer Mitarbeiter beim Parteivorstand der DKP in Düsseldorf und Bonn, danach ab 1991 Arbeiter in einer Siebdruckerei in Neuss, seit 1993 in Leverkusen wohnend.


Manni bei einer Antifa-Demo in Leverkusen
Quelle: VVN

Seine Hobbys waren die Musik - nicht nur als Konsument -, Geschichtsforschung, dabei besonders die Aufarbeitung der noch immer große Lücken aufweisenden Zeit des Faschismus, Antragsteller des Bürgerantrages zur Benennung einer Straße nach dem antifaschistischen Schriftsteller Günther Weisenborn in Opladen, welche dann auch erreicht wurde, und Autor mehrerer Veröffentlichungen zum Thema, darunter das vielfach beachtete Buch »Spurensuche – der antifaschistische Schriftsteller Günther Weisenborn«.
 
Als Sohn eines politisch Verfolgten der Nazis war er seit 1974 Mitglied der VVN-Bund der Antifaschisten, dessen Landesvorstand NRW er angehörte.
Viele Jahre war er außerdem stellvertretender Vorsitzender der Kulturvereinigung Leverkusen e.V. Am Mittwoch, 2. Dezember 2009, hat Manni für immer seine Augen geschlossen.
 
Ulrich Sander und Jürgen Schuh vom VVN-Vorstand haben in einem persönlichen Rundschreiben an Mitglieder und Freunde diesen Nachruf mit folgendem Text ergänzt: „Wir werden uns um Nachwuchs zu kümmern haben! Dazu fällt uns noch ein Text von Mascha Kaleko ein:
"Kein Morgen bringt das Heute uns zurück,
Wir haben keine andre Zeit als diese."
Mensch, Manni!
Es grüßen
Jürgen und Ulli“


Häufig mit Musik – Manni am Info-Stand | Quelle: VVN

Die Antifaschistische Aktion LEVerkusen schreibt in ihrem Nachruf: „Wir waren jung und hatten uns als Gruppe gerade erst gefunden, als wir diesen bärtigen "alten" Mann auf einem Bündnistreffen zu unserer ersten 9.November-Demo kennenlernten. Räumlichkeiten für eine Antifaschistische Jugendgruppe? "Kein Problem - trefft euch doch bei uns in der Karl-Liebknecht-Schule. Bezahlen müsst ihr nichts wir haben doch alle keine Kohle." Das waren damals seine Worte und wir wurden mit offenen Armen empfangen. Anfangs wirklich "nur" ein Bündnispartner wurde er im Laufe der Zeit aber zu viel mehr - zu einem wahren Genossen und Freund.

Ganz egal ob politische und strategische Fragen oder auch persönliche Dinge- Manni hatte immer ein offenes Ohr. Dabei war es völlig egal, ob es
die Kids aus seiner Nachbarschaft waren, für die er eine Art Sozialarbeiter war, für uns als Verbündete im Kampf gegen Faschismus, soziale Ausbeutung und Krieg, für die jungen Genossen der SDAJ oder seine "alten" KollegInnen der DKP, der Kulturvereinigung und der VVN-BdA. Mit welcher Frage oder welchem Wehwehchen man auch zu ihm kam er hat sich immer damit auseinandergesetzt und versucht mit Tipps und Ratschlägen zur Seite zu stehen.


Unermüdlich war sein alltäglicher Kampf

Der antifaschistische Kampf. Der Kampf gegen Ausbeutung, Sozialabbau, Unterdrückung und Krieg. Der Kampf gegen das Vergessen und für eine
humanere Gesellschaft und für ein friedliches Miteinander. In diesem Kampf hat er nie ein Blatt vor den Mund genommen, hat sich völlig unbeirrt die Finger wund geschrieben und getippt wenn er es für nötig hielt. Immer an ALLE wurden seine Briefe und Mails verschickt, an die Presse, sämtliche Politiker und alle die er informieren wollte – denn es sollten auch immer alle wissen, dass er niemals ruhig und leise war.

Zu den unterschiedlichsten Themen hat er gearbeitet. Fungierte wie ein Geschichtsbuch - wusste immer alle Daten und Namen aus dem Kopf. War ständiger Besucher der (Stadt)Archive der Region und immer der Vergangenheit auf der Spur. Er hat viel zur Geschichte der NS-Diktatur erforscht und geschrieben, hat sich zum Arbeitskampf regionaler ArbeiterInnen solidarisch geäußert, hat die Landesgartenschau auf einer Giftmülldeponie nicht außer Acht gelassen, hat für die Benennung der Günther-Weisenborn-Straße gestritten, hat sich zu Krieg und sozialer Ungerechtigkeit immer verhalten. Er war hartnäckig im Verteilen von selbstgedruckten Flugblättern.

 
Die kulturelle Landschaft Leverkusens geprägt
 
Durch seine Arbeit als stellvertretender Vorsitzender in der Kulturvereinigung Leverkusen hat er die kulturelle Landschaft Leverkusens geprägt, sei es
durch die Antifaschistischen Filmtage, die er in regelmäßigen Abständen mit veranstaltete, oder Konzerte, Lesungen und Diskussionsabende zu den
unterschiedlichsten Themen. Bei Demos und Kundgebungen war er immer als lebende Litfasssäule präsent und hielt seine kraftvollen Reden lieber
ohne Mikrofon. So manches Mal hat er auf seiner Quetsche gespielt. Ein weiteres Steckenpferd von ihm waren die Stolpersteine, wo er zu einigen
fleißig recherchierte und deren Verlegungen auch außerhalb von Leverkusen vorantrieb. Nicht zuletzt initiierte er die Kampagne "pro NRW
- NEE!", zusammen mit der Aktion "Gesicht zeigen" - ein Großplakat gegen pro NRW am Opladener Bahnhof…
 
Manni – wir vermissen dich jetzt schon!
Kein Vergessen des antifaschistischen Widerstands


Antifaschistische Aktion LEVerkusen“ (PK)

Online-Flyer Nr. 227  vom 09.12.2009

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